Seit ich "Ritz-Verbot" habe, werden meine Phantasien ums Ritzen immer schlimmer und ich beneide andere, die ritzen "dürfen". Wie komme ich davon weg?

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5 Antworten

Du kannst Deine Empfindungen gut beschreiben, und deshalb kommt Deine Verzweiflung sehr gut rüber. Ich zweifle auch nicht daran, dass Du Dir unendlich viel Mühe gibst, nicht wieder zu ritzen, weil Du sonst erneut in der Geschlossenen landest.

Sei mir nicht böse, wenn ich das so sage: Deine Therapeutin macht es sich ganz schön einfach! Einschüchterung als Therapie...?! Auch sind die Abstände von Termin zu Termin ganz offensichtlich zu groß gewählt. Warum hast Du eigentlich so eine Abneigung gegen die Geschlossene - wurde Dir dort nicht geholfen? Ein nochmaliger Aufenthalt würde Dich wahrscheinlich weiter bringen als diese "gelegentlichen" Sitzungen, wenn Du dazwischen mit Deinem Problem allein bist!

Ich weiss nicht, ob Du Dir inzwischen bereits über die Gründe klar bist, weshalb Du ritzt. Welche Gefühle verschafft Dir das Ritzen? Was willst Du damit kompensieren?

Ich finde die Geschichte mit Deiner Bekannten recht aufschlussreich! Vordergründig plagt Dich wahrscheinlich schnöder Neid. "Warum darf die, was ich nicht darf???" Aber das wäre zu einfach und würde Dir nicht gerecht werden.

Zumindest bei Deinem Aufenthalt in der Geschlossenen warst Du noch - vereinfacht ausgedrückt - der festen Ansicht, gewisse Gründe rechtfertigten das Ritzen. Ist es nicht noch immer so? Das würde die Gründe erklären, warum Dich das Ritzen Deiner Bekannten derart beschäftigt und solche negativen Gefühle bei Dir auslöst.

Ich bzw. wir hier können Deine Probleme nicht lösen. Eben dafür gibt es die Therapie, und ich kann Dich nur ermutigen, "dran" zu bleiben und weiter nach Deinen Gründen zu fahnden, die ein Ritzen zu rechtfertigen scheinen.

Die Skills kennst Du schon alle, da muss ich mich nicht wiederholen. Aber vielleicht denkst Du doch noch mal über einen stationären Aufenthalt nach? Schau mal hier, ein positiver Eindruck:

http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,524328,00.html

Ich glaube, dass Du ein kluges und beherrschtes Mädchen bist. Und deshalb glaube ich auch, dass Du es schaffen kannst, eine Lösung finden wirst. Alles Gute für Dich! :o)

Für dich ist Ritzen zu einer Sucht geworden und die Schmerzen, die dabei entstehen eine Befreiung. Nicht deine Therapeutin sollte es dir verbieten, du musst es dir verbieten. Mache dir klar, dass das Ritzen keinerlei Probleme löst, die du anscheinend hast. Gehe deinen Problemen auf den Grund und lass deine Therapeutin dir dabei helfen. Schwinge dich nicht über andere und urteile nicht über sie, sondern befasse dich mit dir und wie du aus diesem Dilemma wieder herauskommst. Wenn du nicht selbst begreifst, was du dir antust und wie du dir schadest und es dir verbietest, kann dir keiner helfen. Die Sucht schwelt weiter und bricht immer wieder durch.

ich würde vllt mal zu einer anderen therapeutin gehen. es ist doch auch nicht gut, wenn sie dir droht! sie ist doch dazu da, dir zu helfen! was ich dir empfehlen kann, rede mal mit richtig guten freunden von dir oder jemandem dem du eben vertraust. ich ritze mich auch und eine gute freundin hat mich darauf angesprochen und ich habe es ihr erzählt, was in mir vorgeht. das hat gutgetan und ich weis jetzt, das ich immer zu ihr gehen kann wenn irgendwas ist. ich habe nicht damit aufgehört, aber ich mache es nicht mehr so oft, bzw ist der schmerz oder eben das leiden/mein problem nicht mehr so stark. ich hoffe du schaffst das!

Ich hatte auch eine Schülerin, die sich ritzte. Es kommt oft in der Pubertät. Da durchlebt der Körper eine unglaubliche Methamorphose. Die Pubertät ist eine der schlimmsten Krisenzeiten des Lebens. Da sollte die Umwelt viel Liebe und Toleranz für die Betroffenen bereithalten. Leider sind sie in dieser Periode oft alles andere als freundliche Zeitgenossen, eher widerborstig allen Erwachsenen und Jüngeren gegenüber. Es verlangt von denen ein hohes Maß an Bewußtheit und Verständnis ab nicht instinktiv genauso abwehrend auf die Pubertierenden zu reagieren. Nur wer sich ausgiebig mit dem Thema befaßt, kann das nachvollziehen und Euch die Liebe, Verständnis und Toleranz entgegenbringen die ihr gerade braucht. Bei Mädchen sind die Umstellungen noch massiver als bei den Jungs. Wenn man männlcihen Hamstern den Östrogenspiegel der weiblichen geschlechtsreifen Hamster spritzt dann STERBEN sie, so toxisch sind die Hormonbedingungen an die sich der weibliche Körper in der Pubertät anpassen muß...wir Frauen müssen in der Pubertät unsere Nervenschutzhülle, die Myelinscheide verdicken, damit wir diese hormonellen Schwankungen in JETZT und in Zukunft einigermaßen überleben. PMS sind solche Restsymptome unter denen viele Frauen auch später um die Periode rum leiden. Die Pubertät ist sozusagen eine schwere Dauer PMS. Einige vertragen es besser andere schlechter. Die Pubertät ist leider oft ein Auslöser für Schildlrüsenerkrankungen wie Hashimoto. 30% aller Frauen leiden unter Schilddrüsenerkrankungen. Darauf muß ganz besonders in der Pubertät geachtet werden, weil die schildlrüse ALLE Körperzelölen beeinflußt und das Wachstum und die schulische Leistungsfähigkeit und insbesondere die Psyche sehr darunter leiden können. Laß den Arzt gründlich deine Schilddrüse untersuchen. 50% und mehr der in geschlossenen Anstalt befindlichen Frauen haben eigentlich ein Schilddrüsenproblem, dass die gleichen Symptome macht wie die rein psychischen Ursachen. Die Therapie mit Thyroxin wirkt stimmungsaufhellend, mut machend, sorgen nehmend, antidepressiv und antriebssteigernd. Bei meiner Trauzeugin hat man 20 Jhare psychiatrisch interveniert ohne Erfolg, es war und ist die Schilldrüse gewesen.

Wie sieht es mit Deiner Schilddrüse aus?

Lieber saiko,

danke dass Sie so offen hier schreiben.

Ich empfehle Ihnen, sich eine andere Therapeutin zu suchen. Sie werden sicherlich jemanden finden, der mit Ihren Emotionen umgehen kann und Ihnen hilft, schrittweise damit klar zu kommen.

Wie fühlen Sie sich bevor Sie ritzen? Fühlen Sie sich durch das Ritzen erst lebendig? Oder betrafen Sie sich dadurch? Ist es Haß? Oder eine Art, sich lebendig zu fühlen? Sind es Aggressionen? Oder was ganz anderes? Wenn Ihre Therapeutin mit Ihnen nicht diese oder ähnliche Fragen verfolgt und schaut wo diese Tendenzen herkommen und Ihnen hilft, diese Emotionen in andere Bahnen zu lenken (schließlich sind das ungeahnte Kräfte, die Sie auch anders nützen könnten...), dann suchen Sie sich wirklich jemanden anderen.

Sie sind ja schließlich niemand, den man dressieren müßte, sondern ein Mensch, der Gefühle hat und der ein Anrecht darauf hat, verstanden zu werden! Zumindest ist das meine Grundhaltung.

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