ständiges Räuspern, Pilze im Magen, Pförtner schließ nicht, Stimme weg

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Hallo! Ich hoffe du hast was gegen den Pilz verschrieben bekommen. Wurde danach eine Kontrolle gemacht, ob es auch tatsächlich besser geworden ist? Das sollte auf jeden Fall geschehen.

Bei dir ist ja auch festgestellt worden, dass der Magenpförtner nicht richtig schließt. Dadurch kann es sehr leicht passieren, dass Magensäure zurück in die Speiseröhre fließt. Hast du vielleicht auch Sodbrennen oder wurde ein Reflux diagnostiziert? Manchmal kann man auch einen Reflux haben, ohne dass man ständig Sodbrennen hat. Das kann sogar soweit gehen, dass die hochsaure und ätzende Magensäure bis hoch an den Kehlkopf und die Stimmbänder kommt. Durch die Säure werden die Stimmbänder und der Kehlkopf angegriffen und es kommt zu Heiserkeit, Räusperzwang, etc.

Ich hatte dadurch z.B. mal eine heftige Kehlkopfentzündung mit fast 6 Wochen ohne Stimme. Der Reflux bzw. auch das Ausmaß des Reflux wurde bei mir damals mittels ph-Metrie näher untersucht bzw. die Stärke bestimmt. Dabei bekommt man für 24 Std. eine Sonde in die Speiseröhre (durch die Nase) und dann wird rund um die Uhr der Säuregrad in der Speiseröhre (ich glaube an zwei Stellen) gemessen. Du musst dann immer notieren, bzw. an dem Aufzeichnungsgerät einen Knopf drücken, ob du isst, liegst oder sitzt. Das ist zwar mit der Sonde etwas unangenehm aber auszuhalten.

Wenn es tatsächlich zu einem Rückfluss von Magensäure bis zum Kehlkopf oder auch noch weiter kommt, dann heißt das "laryngopharyngealer Reflux" (danach kannst du auch mal bei google suchen).

Falls noch nicht bei dir geschehen, solltest du die Sache mit dem Reflux mal genauer untersuchen lassen. Denn lies mal dies:

Säurereflux findet sich bei 30-50 Prozent der Asthmatiker, bei mehr als 50 Prozent der Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom, zu 10-20 Prozent bei chronischem Husten, bis zu 80 Prozent bei „therapieresistenter“ Heiserkeit, zu 25-50 Prozent bei Globusgefühl (...)

Durch die Forschung verschiedener wissenschaftlicher Arbeitsgruppen wurde belegt, dass gastroösophagealer Reflux auch zu Beschwerden außerhalb des Ösophagus führen kann. Extraösophageale Manifestationen wurden für Larynx, Pharynx, Mundhöhle und die Lunge beschrieben. Gastroösophagealer Reflux, begleitet von Aspiration, kann durch den direkten Kontakt von Mageninhalt mit der Schleimhaut des Kehlkopfes (Larynx) und des Rachens (Pharynx) zu folgenden pathologischen Veränderungen im oberen Aerodigestivtrakt (Luft- und Speisewege) führen: Laryngitis, chronische Heiserkeit, chronischer Hustenreiz, Larynxgranulome, Pharyngitis, rezidivierende Pneumonien, Asthma, nächtliche Erstickungsanfälle und Zahnerkrankungen. (...)

Die typischen Symptome eines Patienten mit einem okkulten gastroösophagealen Reflux sind: Trockener oder rauer Hals, Globusgefühl, Heiserkeit, chronischer Husten, Dysphagie und Zungenbrennen. Bei der hals-nasen-ohrenärztlichen Spiegeluntersuchung finden sich jedoch kaum pathologische Veränderungen im oberen Aerodigestivtrakt und die okkulte Refluxkrankheit wird nicht primär diagnostiziert. Häufig werden diese Patienten als nicht-allergische Rhinitis mit „post nasal drip“, nicht spezifische Rhinopharyngitis oder rezidivierende Sinusitis diagnostiziert und unzureichend therapiert. Denn bei bis zu 50 Prozent der Patienten mit einer Kehlkopfmanifestation einer EER fehlen typische Refluxsymptome wie Sodbrennen, Aufstoßen. Laryngeale Manifestationen einer EER werden meist zu selten diagnostiziert und geschätzte 10 Prozent aller Fälle mit Heiserkeit (bzw. Stimmstörungen) sind refluxbedingt. Besonders in der Gruppe der Patienten mit Stimmstörungen, welche auf übliche Therapien nicht ansprechen, findet sich bei 55-79 Prozent der Patienten ein gastroösophagealer Reflux. Eine chronische Laryngitis und persistierendes Halsbrennen sind in 60 Prozent mit Reflux assoziiert.

http://www.linguamed.de/linguamed/secure/af-artikeldetail.php?rubrik=3&unterrubrik=2&jahr=2005&heftnummer=3&artikel=720

Eventuell solltest du diese Möglichkeit mal mit deinem HNO besprechen und dich dann ggf. zu einem Gastroenterologen überweisen lassen. In München werden an einer Klinik diese Untersuchungen sogar an einer HNO-Klinik gemacht (Link folgt im Kommentar).

Nachdem bei mir nach den Untersuchungen einmal die Diagnose gestellt war, habe ich erst einmal ziemlich hoch dosiert einen Protonenpumpenhemmer (Pantozol oder Omeprazol) bekommen. Dieser blockt die Entstehung von Magensäure. Ich habe eine zeitlang 80 mg genommen und dann nach und nach reduziert. Als Dauermedikation war ich dann irgendwann bei 20 mg angekommen (leider ist es bei mir im Moment wieder schlimmer, so dass ich jetzt kurzfristig wieder 2x20 mg nehmen muss). Parallel hatte ich in der ersten Zeit ein Rezept für Logopädie bekommen (bin in einem Sprechberuf tätig) und in der Kombination der Behandlungen wurde es dann auch recht schnell wieder besser.

Wenn dies die Ursache der Beschwerden ist und Medikamente nicht helfen, dann gibt es zur Not auch noch die Option einer OP bei der der untere Schließmuskel der Speiseröhre operativ verengt wird. Dies ist aber die sog. "ultima ratio". Vorher sollte man alles andere ausprobiert haben.

Du könntest auch mal ausprobieren, z.B. mit erhöhtem Kopfteil zu schlafen. Dann kommt es über Nacht nicht so schnell zu einem Reflux oder zumindest nicht so weit, weil die Magensäure dann ja "bergauf" fließen müsste. Wenn dadurch deine Beschwerden schon besser werden, dann muss dies auf jeden Fall als Ursache berücksichtigt werden.

Ich hoffe, dass ich dir ein bißchen weiterhelfen konnte. Wenn du noch Fragen dazu hast, dann melde dich einfach.

Alles Gute!

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