Wie hilft man unorganisierten Menschen?

3 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

(1) Schriftlichkeit: Ich schreibe alle Aufgaben auf, denn das Aufschreiben entlastet meinen Kopf und verhindert, dass ich etwas vergesse (gilt auch für Ideen). Schriftlichkeit ist der Kern jeder Selbstorganisation.

(2) Regelmäßigkeit: Selbstorganisation funktioniert nur, wenn ich sie regelmäßig betreibe. (Ist das eine Binsenweisheit? Wenn ja, warum scheitern denn die meisten an diesem Punkt?)

(3) Einfachheit: Je einfacher meine Art der Selbstorganisation ist, desto eher überlebt sie auch stressige Phasen und desto eher wird sie zur Routine und Gewohnheit. Eine einfache Aufgabenliste, die ich täglich benutze, ist besser als ein ausgefeiltes Planungs-System, das ich in der ersten Stressphase nicht mehr benutze, weil es zu aufwändig ist.

(4) Passgenauigkeit: Ich wähle eine Organisationsmethode und Organisationswerkzeuge (PDA, Zeitplanbuch, Klemmbrett, etc.), die am ehesten zu meinen Vorlieben und zu meiner Persönlichkeit passen. Es gibt nicht die Methode für alle, deswegen muss ich mir meine Methode selbst konstruieren.

(5) Training: Auch Selbstorganisation muss geübt und trainiert werden. Klavierspielen lernt man nicht durch das Lesen eines Buchs und indem man sich vornimmt, jeden Tag Klavier zu spielen. Wieso sollte man Selbstorganisation durch ein Buch und einen Vorsatz lernen können. Auch Selbstorganisation lernt man nur, indem man es übt, schaut wo es hakt und so lange Kleinigkeiten verbessert, bis man eine Methode hat, die für sich selbst gut funktioniert. Quelle: http://www.zeitzuleben.de/1150-5-prinzipien-der-selbstorganisation/

War kürzlich erst einem jungen Nachbarn behilflich sein chaos zu organisieren. Obwohl er mich gebeten hat zu helfen war er mehr oder weniger vorerst renitent und ich ging nach kurzer Zeit wieder nach Hause. Anscheinend hatte mein Abgang jedoch eine wunderliche Wirkung denn nach einigen Stunden kam er und erzählte das er einige Dinge umgesetzt habe und er sehr zufrieden damit ist. Er rief mich einige Tage später noch einmal und das gleiche Spiel ging genau so weiter. Das sieht mittlerweile richtig gut bei Ihm aus und er ist sau stolz auf sich. Mit kleinen Hilfen grosses bewirkt...das freut dann auch mein kleines Herz:)...

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Lieber rulamann,

deine Tipps sind wirklich gut, obwohl ich mich auf gar keinen Fall als unstrukuriert oder unorganisiert bezeichnen würde, kann ich einiges davon für mich nutzen.

Den ersten Punkt, die Schriftlichkeit, wende ich schon seit sehr vielen Jahren an und habe damit schon viel Spott geernet. "Das kannst du auch direkt machen, das musst du nicht erst aufschreiben!"

LG Jabii

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Ich finde die Tipps und Ratschläge von schanny und rulamann ganz hervorragend. Allerdings bin ich überzeugt, dass diese Tipps bei Deinem Freund nicht fruchten werden. Denn der Freund weiss ja, dass er chaotisch lebt, er verspürt ja die Nachteile die er sich dadurch einhandelt und bedauert dies alles ja. Dennoch bekommt er sich nicht in den Griff. Der Lösungsansatz findet sich in einem Deiner Sätze, das Stichwort ist Diziplin. Die Organisation und Strukturierung eines Tageablaufs, einer Arbeitsaufgabe, eigentlich alle Bereiche des Alltags sind nur durch Disziplin zu gut und problemfrei schaffen. Disziplin kann man lernen. Entweder von klein an, also im Elternhaus, oder, und jetzt kommt mein Ratschlag, durch Sport. Sehr geeignet für "schwere Fälle" sind da mMn. fernöstliche Praktiken. Von Yoga, über Tai-Chi, bis hin zu Kampfsport wie Tae Bo, Taekwondo, oder auch Iaido. Im Mittelpunkt , dieser und noch anderer fernöstlicher Kampfkünste, steht, -noch vor der eigentlichen körperlichen Aktivität-, vor allem der spirituelle Aspekt, die charakterliche Bildung der Kämpfer, sowie Bildung der mentalen Disziplin. Um diese Sportarten einigermaßen gut betreiben zu können, wird im Training der höchste Stellenwert auf das Erlernen der Disziplin Wert gelegt. In Fernost wird eben nicht nur in der Medizin, sondern auch im Kampfsport höchster Stellenwert auf die Einheit von Körper, Geist und Seele gelegt. Die mentale Disziplin, die er somit beim Training erlernt, überträgt sich vollautomatisch ( er kann quasi garnicht mehr anders ) auf seinen täglichen Ablauf. Wenn dem Freund dieses Fernöstliche nicht so sehr zusagt, kann man es auch mit Mannschaftssportarten oder Fechten versuchen, auch dabei wird die Disziplin gut gefördert. Nachteil meines Tipps: Es geht nicht schnell, gerade die fernöstlichen Praktiken brauchen ihre Zeit, am ehesten wäre mit Tai-Chi ein "schneller" Erfolg zu erzielen.

Disziplin!

Zusammenreißen!

Selbstbeherrschung!

Lieber Winherby, sicherlich hast du Recht, wenn ich diszipliniert vorgehe, schaffe ich mehr und es ist besser. Trotzdem reagiere ich darauf allergisch, es ist wie ein Korsett, eine Ritterrüstung, die mir die Luft, die Beweglichkeit nimmt. LG Gabi

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@Jabii

Wenn Du es Dir privat und beruflich leisten kannst, undiszipliniert und unbeherrscht zu leben, dann nichts wie weg mit dem Korsett! :o)

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@Jabii

Liebe Jabii,

auch ich lasse gerne die Seele baumeln und die 5 gerade sein, und ich beherrsche auch keine asiatische Kampfkunst. Aber ich kenne durch viele Jahre Arbeit in einem Kölner Institut für Sportrehabilitation sehr viele Sportler. Ich habe in der Zeit viele hochinteressante und für mich lehrreiche Gespräche geführt, denn man unterhält sich oft während den Behandlungen. Die Disziplin wurde von keinem meiner Gesprächspartner als Belastung empfunden, oder gar als einzwängendes Korsett. Eher war das Gegenteil der Fall. „Mir fällt jetzt alles viel leichter“, „ich bekomme jetzt alles geregelt“, „das Leben ist viel bunter und schöner“, so die Essenz der oft gehörten Aussagen. Das Wort Disziplin wird oft negativ belegt, offensichtlich auch von Dir Jabii, das ist schade. Denn wer die Disziplin gefunden und für sich verinnerlicht hat, sieht es genau andersherum. Die Disziplin ist der liebe Freund und Helfer, und das vor der Sportlaufbahn oft vorhandene „Chaos“ war immer als "viel belastender" beschrieben worden, jetzt fühle man sich wie befreit, jetzt habe ich nicht so viele offene "Baustellen", ich bekomme alles leichter erledigt, so der allgemeine Tenor. „ Ich bin dem Sport dankbar, denn er hat mich diszipliniert. Erst seit ich diesem Sport intensiv nachgehe und nun sogar Sport studiere, komme ich gut durch den Tag, denn obwohl der Sport zeitlich einen großen Teil meines Tagesablaufs einnimmt, bekomme ich jetzt mehr auf die Reihe als jemals zuvor“. Diese Antwort gab mir mal eine bekannte Deutsche Marathonläuferin auf meine Frage, warum sie sich dieses harte, brutale, stundenlange Training vor den einzelnen Marathonläufen antue. Auf Grund der Erfahrungen all dieser Sportler gab ich dem Fragesteller den Rat, „seinem Freund“ Sport zu empfehlen.

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@Winherby

Lieber Winherby, möchtest du damit sagen, dass ein Mensch durch den Sport lernt, seinen "inneren Schweinehund" an die Leine zu nehmen, was ihm dann auch im Alltag in anderen Situationen hilft? Grüße von Jabii

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@Jabii

Hallo Jabii, ja Du triffst den Kern ziemlich gut. Im Sport ist es zumeist so, dass eine bestehende Aufgabe gelöst werden muss, um eine Situation für sich zu entscheiden. Oft muss die Entscheidung über das Wie (schaffe ich das jetzt? ), in Sekundenbruchteilen entschieden und durchgeführt werden. Ooooch das mach ich morgen, jetzt habe ich dazu keine Lust, gibt es nicht. Es muss kein innerer Schweinehund überwunden werden, weil es den erst garnicht gibt. Denn jedes Zögern, Zaudern, auf die lange Bank schieben, würde im Sport sofort den Punktverlust, den Satzverlust, die Niederlage einleiten. Niederlagen aber hasst ein guter Sportler, wie der Belzebub das Weihwasser. Dieses Prinzip überträgt sich automatisch auf das tägliche Leben außerhalb des Sports. Die Aufgaben des tägl. Lebens werden also erledigt, sobald sie erkannt sind, Punkt, wie im Sport halt. Das Wort "Disziplin" kennt ein Sportler nicht, jedenfalls nicht so, wie ein Soldat in der preussischen Armee. Daher ist die Disziplin nichts, zu dem sich der Sportler zwingen müsste, er hat sie einfach.

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