Sertralin - Ein Leben ohne Emotionen?

4 Antworten

Hallo Popey, ich würde an Deiner Stelle den Gedanken an eine ergänzende Medikation (sei es auch pflanzlich) über Bord werfen. Durch das Sertralin wird lediglich die Verweildauer des Serotonins im synaptischen Spalt verlängert, was zur Folge hat: Es stellt sich die antidepressive Stimmungslage ein. Der ganze Stoffwechsel wird sich daran gewöhnen und wird quasi resetet! Wenn Du wärend diesen Vorgangs noch etwas zusätzlich (sei auch nur pflanzlich) einnimmst, würde dies die eigentliche Sertralineirkung beeinflussen. Du darfst auf "gar keinen Fall" ein Mittel wie Johanniskraut zu Dir nehmen und denken,: ist ja nur pflanzlich! Auch pflanzliche Mittel haben leichte serotonerge Wirkungen (so das Johanniskraut) und "könnte" ein "Serotoninsyndrom" zur Folge haben! Damit wäre dann nicht zu spaßen (worst case!). Ich nehme auch seit fast 6 Jahren 50mg Sertralin und komme super klar damit. Die subjektive, und auch objektive Einschätzung deiner Verfassung zeugt von deiner Auffassungsgabe und ist sehr gut. Wenn Du diese nicht hättest, wärst Du vielleicht schon abgestumpft. Auch ich bezeichne mich als relativ sensiblen Menschen, dem vieles zu schnell bewusst wird! So auch Gefühle, wie Trauer, welche sich niemals komplett beseitigen lassen! Ein Mittel, wie Sertralin dient nur dazu, sich wieder zu fangen und auch wieder aus dem Loch der Trauer herauszukommen. Dass du karkeine Trauer mehr empfinden kannst, kommt von einer erhöhten Serotoninkonzentration, was aber niemals bedeuten wird, dass solche Gefühle komplett beseitigt werden. Sie bleiben nur auf einem erträglichen Level. Auch eine bestehende Angststörung wird durch ein SSRI günstig beeinflusst, was aber nicht heißt, man wird völlig Angstfrei! Für mich hört sich das bei Dir alles sehr bekannt an, denn auch Ich dachte eine Zeit so. Mich hat das Sertralin gut stabilisiert, und ich hoffe, dass tut es bei Dir auch. Vielleicht solltest Du mal mit deinem Arzt über eine Dosisreduktion auf 50mg sprechen, dann könnten auch die bekannten Probleme mit der Libido wieder normalisieren. Bevor ich auf 50mg runter bin, war das bei mir auch ein großes Problem! Fazit: Bevor du zusätzlich etwas anderes nimmst, versuche die richtige Dosierung zu finden (selbstverständlich unter ärztlicher Anweisung)! Viel Erfolg

Ich möchte mich ganz recht herzlich für Deine Ausführungen bedanken. Ich weiß um die Gefahr von Johanniskraut in Kombination mit Sertralin. Ich kenne auch das Gefühl einer Überdosierung von Sertralin, die mir aus Versehen zu Anfang wiederfahren ist.

Ich war bis vor ein paar Wochen noch auf 150 mg Sertralin und bin auf 100 mg runter. Seit gestern arbeite ich wieder mit 150 mg, da ich mit dieser Dosierung das Gefühl hatte, besser klarzukommen.

Ich werde Ende August meinen Neuro fragen, was für Möglichkeiten ich habe...

Hast Du vielleicht eine Idee, ob ich das Zeug jetzt ein Leben lang nehmen muss?

Wie gesagt, mein sportlich motiviertes und in diese Richtung sehr exzessiv ausgerichtetes Leben wird mich so oder so einige Jahre kosten, auch weil ich hier medikamentös eingestellt werden musste...

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@Popey1978

Ein Leben lang wäre wohl übertrieben. So, wie ich weiß, sollte man ein SSRI mindestens 6 Monate durchnehmen, aber dies ist auch sicherlich von Fall zu Fall verschieden. Allerdings ist von manchen SSRI bekannt, dass Ihre eigentliche Wirkung nachlassen kann. Das war bei mir der Fall und der Grund, warum ich von Fluctin zu Sertralin gewechselt bin. Es gibt mittlerweile sehr viele SSRI und das Sertralin ist von seiner Potenz im unteren Drittel anzusiedeln. Mein Neuro arbeitet sehr viel mit SSRI und ist der Meinung, er hätte mit Sertralin die besten Erfahrungen bei seinen Patienten beobachten können. Ich stellte ihm die gleiche Frage- wie lange nehmen? Er meinte einfach, solange bis es einem besser geht aber bestenfalls mind. 6 Monate. Wenn die Wirkung nicht mehr reicht, Präperatwechsel. Du bist mit 150mg relativ hochdosiert, aber wenn Du mit klarkommst ists doch ok! Aber bei 200mg/Tag ist Schluß mit Sertralin, dann würde ich was anderes testen. Viel Erfolg!

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Hallo Shawny.

Ich persönlich möchte behaupten, dass es noch schlimmer geworden ist.

Der einzige Mensch, der von mir emotionale Wärme und Nähe empfängt und dem gegenüber ich sie auch fühle, ist mein Sohn.

Vielleicht ein Funke Hoffnung, aber vielleicht bin ich auch einfach über die Jahre mit all den Erfahrungen, die ich habe machen müssen, emotional abgestumpft. Will heissen, dass die Umstände u.U. weniger der Medikamente als meiner Lebensgeschichte geschuldet sind. Richtig sagen kann ich das aber nicht.

Viele Grüße

Hallo Popey,ich möchte gern nachfragen wie es bei dir mit den Depressionen jetzt ausschaut und vor allem ob du für deine Frau wieder etwas fühlst?Ich habe dasselbe Problem daher meine Frage.

Ich bin überrascht, wie viel Resonanz ich innerhalb dieser kurzen Zeit erfahren darf. Zunächst einmal ganz recht herzlichen Dank dafür.

Auch was die Qualität der Antworten angeht, bin ich mehr als positiv überrascht.

Mit bloßen Aussagen wie: "Geh zum Arzt." oder dgl. ist nämlich niemanden geholfen, der zunächst einmal versucht sich und seine Situation zu verstehen und darauf hofft, Leidensgenossen zu finden, die über ähnliche Begleiterscheinungen zu berichten wissen.

Ich habe im Übrigen einen neuen Termin für Ende August anberaumt...

Ich denke, dass sich meine Depression biologisch, d.h. in einem Mangel an einem oder mehreren Botenstoffen begründet.

Eigeninitiative Recherchen deuten zumindest darauf hin, da ich aus dem Leistungssport komme und über mehr als ein Jahrzehnt durchgängig Medikamentenmissbrauch betrieben habe und sich die Depressionen sukkzessive nach Absetzen der Medis über drei Jahre zunehmend aufgebaut haben.

Das ist der Preis den ich dafür zahle, doch möchte ich nicht, dass auch andere darunter leiden müssen, wie eben meine Familie oder mir nahestehende Menschen.

Meiner Frau möchte ich mich nicht anvertrauen, da sie mit dem Thema nichts anzufangen weiß und mir zudem ausweichen würde. Sie versteht das einfach nicht, was ich ihr nicht zum Vorwurf mache, da kein Mensch, der sich einer solchen Situation nicht schon einmal selbst ausgesetzt fühlen musste, nachvollziehen kann, was das bedeutet.

Zudem möchte ich sie nicht zusätzlich belasten.

Therapien wurden mir bis dato verweigert, da sich niemand im Stande sah mich zu therapieren.

Ich habe es mit Hypnose versucht, welche mir sehr geholfen hat und mich von meinen Essstörungen mit nur einer Sitzung befreite.

Da ich bis zu diesem Zeitpunkt leidenschaftlicher Genussraucher war, ist diese Leidenschaft "leider" auch ganz ungewollt gelöscht worden.

An dieser Stelle also der Hinweis, dass Hypnose wirklich funktioniert, wenn man kontentriert mitarbeitet und sich darauf einlässt.

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