Wie sehen Psychotherapeuten ihre Patienten?

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Sehen sie ihre Patienten nur als Geldquelle? Oder versuchen sie tatsächlich den Menschen zu helfen?

Natürlich müssen auch Psychotherapeut/innen davon leben, dass sie sich um ihr Einkommen kümmern (Versicherung oder Selbstzahler). Damit müssen sie sich einfach auskennen, geht nun mal nicht anders.

Aber das ist es in Sachen Geld auch schon. Wäre es der einzige Punkt, würde ihre Praxis auf Dauer nicht funktionieren können und ihre gesamte langjährige und teure Berufsausbildung wäre in den Sand gesetzt. Auf diesen langen Weg einschließlich der Auseinandersetzung mit sich selbst hätte sich niemand eingelassen, dem es nur ums Geld gegangen wäre.

Das "oder" in deiner Frage stimmt so nicht: Geld oder Hilfe, das schließt sich ja nicht aus! Ich habe zum Teil auch erlebt, dass das Thema Geld sogar unangenehm ist. Ganz klar, Trouble1991: die Motivation ist, den Menschen zu helfen. Am Anfang steht der Aufbau von Vertrauen und das Kennenlernen des Patienten, seiner Stärken und Schwierigkeiten, seiner Lebensgeschichte, seiner Angstschwelle, seiner Reaktionsmuster, seiner Sehnsüchte und Wünsche und wo die Blockaden stecken, die an einem zufriedenen Leben hindern.

Ein Wort mehr zur Angstschwelle. Im Laufe der Therapie wird sie sich verändern. Natürlich ist sie anfangs hoch und sie wird dann während der Zeit rauf- und runtergehen, weil erstmal und dann immer wieder ein neuer fester Boden entstehen muss, auf dem du deine nächsten Schritte tun kannst. Dafür wird dein Ich gestärkt und es wird vorsichtig und behutsam darauf geachtet, dass es nicht zu schnell geht und dass niemals etwas passiert, wovor du zu viel Angst hast.

Es geht nicht nur darum, die Probleme im Sinne von "Defizit" aufzufassen. Sondern darum, sie zu verstehen - auch in dem Sinne: aus welcher Not heraus ist diese Blockade entstanden? Sie hat dich früher einmal gerettet, aber dann hat sie sich verselbstständigt und nun hindert sie dich leider auch daran, dass einige deiner Fähigkeiten zum Zuge kommen können.

Ich wünsche dir einen guten Verlauf deiner Therapie. Du wirst selber merken, dass es nicht nötig ist, an der Motivation deines Therapeuten zu zweifeln. Und das Gute ist: er gestaltet mit all seinem Wissen eine professionelle Beziehung zu dir, das ist etwas anderes als eine freundschaftliche Beziehung im Alltag. Professionell heißt, es geht um dich und du brauchst seine persönliche Lage nicht zu berücksichtigen. Denn wie er für sich selbst mit der menschlichen Belastung seines Berufs umgeht und z.B. abends abschalten kann, das hat er in seiner Ausbildung gelernt.

Jeder Patient, jede therapeutische Situation ist ganz einzigartig. Als "Maschine" könnte der Therapeut das überhaupt nicht erfassen und erspüren und damit umgehen. Er ist ja selbst ein Mensch und keine Maschine.

Ein Psychotherapeut hat sich diesen Beruf gewählt, weil er Menschen helfen und unterstützen will. Dazu hat er ein Wissen gespeichert, kann in Fachbüchern nachlesen, hat erfahrungen aus früheren Behandlungen, auf die er zurückgreifen kann. All das braucht er und dazu ganz wichtig, einen professionellen Abstand zum jeweiligen Klienten.Sonst könnte er das elend, das er manchmal aufzufangen versucht und das Leid nicht aushalten. Er muss also eine gefestigte Persönlichkeit sein. Er muss sachlich bleiben und doch Anteilnahme vermitteln, was sicher manchmal nicht leicht sein dürfte. Eine menschliche Maschine, die auf Abruf Lösungen oder hilfen ausspuckt, ist er deshalb nicht. Du darfst ihm vertrauen und damit rechnen, dass dir spürbar geholfen wird.

ich würde mal sagen, das eine schließt das andere nicht aus. es lässt sich vermutlich nicht absprechen, dass eine gewisse routine mit der zeit entsteht. das ist bei jedem prozess so, den man öfter macht, und therapeuten haben nun mal als job ständig leute mit problemen zu behandeln. das heisst aber nicht, dass sie nicht trotzdem gut zuhören und auch dir als mensch persönlich weiterhelfen wollen. therapeut wird man ja auch mit einer gewissen motivation, das ist ja kein job, den man mal eben aus den ärmeln schüttelt. dazu gehört ein schweres studium und eine teuere ausbildung und man muss selbst auch psychisch mit den problemen der menschen fertig werden. und soooo wahnsinnig gut bezahlt ist das auch nicht. also ist die vordergründige motivation vermutlich interesse/helfenwollen. du musst dich mit dem gedanken abfinden, dass du natürlich nicht der einzige patient bist, aber wenn es ein guter therapeut ist, dann bist du dort gut aufgehoben und kannst ihm vertrauen.

Eine Psychotherapie ist niemals ohne eine innere Beziehung zwischen dem Psychotherapeuten und seinem Patienten möglich. Ein Therapeut, der nicht in der Lage ist, sich auch emotional auf seinen Patienten einzulassen, wird kaum erfolgreich therapieren können.

Auch wenn diese Beziehung klare Regeln und Grenzen haben muss, um für den Patienten die notwendige Sicherheit zu gewährleisten, sich innerhalb dieser vertrauensvoll zu bewegen, ohne befürchten zu müssen, dass der Therapeut ihm emotionalen Schaden zufügen könnte, so ist sie dennoch immer echt.

Therapeuten haben - wie jeder Profi in jedem Bereich - selbstverständlich ihr "Handwerkszeug" in Form von Methoden, die sie befähigen, den Therapieprozess in Gang zu bringen, aufrechtzuerhalten und zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Das, was du gelesen hast, gehört dazu.

Und hier kommt der entscheidende Punkt: Würde man nur diese Methoden "abarbeiten", wäre der therapeutische Prozess zum Scheitern verurteilt. Ganz einfach deswegen, weil Menschen keine Laborratten sind, die man auf Knopfdruck in die eine oder andere Richtung marschieren lassen kann.

Eine Methode in einem therapeutischen Setting wird immer nur dann erfolgreich sein können, wenn der Therapeut in einem echten und lebendigen Kontakt mit seinem Patienten steht.

Vertrau darauf: Du wirst spüren, ob du deinen Therapeuten interessierst. Und gerade weil eine positive Beziehung zwischen Therapeut und Patient entscheidend ist, gibt es die probatorischen Sitzungen, die dazu dienen, herauszufinden, ob man miteinander kann.

Wie in jeder zwischenmenschlichen Beziehung ist Sympathie auch in einer professionellen therapeutischen Beziehung elementar wichtig. Aus diesem Grund lehnen übrigens auch Therapeuten hin und wieder Patienten ab, wenn sie das Gefühl haben, dass zwischen ihnen keine gelingende Beziehung entstehen kann.

hallo trouble,

bin selbst nicht psychotherapeut, habe aber seit jahren duz-freunde, die psychotherapeut sind - in klinik oder eigener praxis. Ich kann dir versichern, dass ihnen das schicksal ihrer patienten allesamt am herzen liegt und sie echt bemüht sind, diesen zu helfen. Das machen sie nicht ein erster Linie wegen des Geldes (in anderen branchen könnten sie mehr verdienen)- aber natürlich müssen sie davon leben.

selbstvertrauen und selbstakzeptanz aufzubauen ist wichtiger bestandteil jeder guten therapie.

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