Abneigung gegen körperliche Nähe?

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Mir ging es in meiner Ehe ganz genau so. Alles war perfekt, bis wir verheiratet waren. Danach war ich nicht mehr zu körperlicher Nähe in der Lage. Erst dachten wir, es sei die Schwangerschaft, die Stiefkinder 12,15, dann das Baby, das Kleinkind, dass ja immer dazwischen steht...

Nein, es war in mir drin. Genau wie du versteifte ich mich bei der kleinsten Berührung. Ich wollte schon Nähe, fürchtete aber immer schon, dass daraus etwas gebastelt werden sollte...

An meiner Kindheit kann es nicht liegen, ich wuchs sehr gut behütet, umsorgt mit verständnisvollen Eltern auf... Genau wie du habe ich gesucht und gesucht, wo der Knackpunkt wohl in der Vergangenheit liegt. Wo sollte er sonst denn sein.

Inzwischen habe ich den Grund für die Blockade nun gefunden. Wir waren zuhause 5 Kinder (es war in der Zeit vor der Pille). Erst 2, dann jahrelang nichts, dann ich und noch zwei hinterher. Heute weiß ich, schon ich war nicht gewollt, und die beiden danach auch nicht.

Unsere Eltern haben es uns nie gesagt und sich nie etwas anmerken lassen. Wir wurden alle gleich behandelt, es wurden keine Unterschiede gemacht, jeder wurde so angenommen wie er war. Jeder bekam die gleiche Menge Streicheleinheiten, Unterstützung und Aufmerksamkeit, unsere Eltern haben sich nach allen Kräften um jeden von uns gleichermaßen bemüht.

Trotzdem hat dieses "unerwünschtes Kind sein" bei mir diese Blockade hinterlassen, und nicht nur bei mir, sondern auch bei meinen jüngeren Geschwistern. Wir alle drei haben Bindungsängste, können keine körperliche Nähe vertragen und müssen uns dazu überwinden. Das müssen wir dann wohl doch bei der Muttermilch mitgeschluckt haben.

Dass ich es jetzt weiß, hilft mir bei der Blockade aber nicht. Jetzt kann ich jedes Mal denken, ich weiß ja, warum das so ist. Aber es bleibt so. Ich bin immer erleichtert, wenn andere weggehen, und bin dann traurig, weil ich wieder alleine bin.

Ich kann mich geistig sehr gut in andere Menschen hineinversetzen, aber spontane Gefühle sind etwas, das ich nur schwer begreife. Es bleibt mir nur zu hoffen, das meine Tochter dies nicht auch noch heruntergereicht bekommen hat. Ich warte direkt auf den Tag, an dem sie sagt, sie sei leibeleer groß geworden. Dann habe ich genau so versagt, wie meine Mutter damals. Aber ändern kann ich es nicht.

Ich danke Dir für Deinen Kommentar und habe diesen auch als hilfreichste Antwort erwählt.

( Wobei ich sagen muß, daß ich dieses System nicht sehr mag - aber so sind die Regeln hier nun mal, also nehme ich sie an. Sonst hätte ich mir ja auch eine andere Plattform suchen können. An sich haben mir aber fast alle Antworten etwas geben können und ich finde es schwierig, nun eine beste auswählen zu müssen. Möchte mich an dieser Stelle deswegen auch bei allen bedanken, die etwas beigetragen haben!!)

Du sprichst mir jedenfalls aus der Seele, denn genaus so geht es mir. Interessant finde ich, daß Du den Grund für die Blockade gefunden hast, es deswegen aber nicht einfacher geworden ist. Das würde ja dann doch ein wenig den Therapieansatz bestätigen, daß das Jetzt und Heute wichtig ist und nicht das, was einst passiert ist.

Ich habe nun einige Impulse bekommen, über die es sich nachzudenken lohnt. Mal sehen, wie ich dann weiter machen werde.

Also noch mal vielen Dank! Das muß jetzt erstmal etwas in mir weiter arbeiten.

Ganz ehrlich? Für mich brauchst du keine psychologische Hilfe.

Was du schilderst ist auch nicht unnormal, sondern einfach ein Zeichen dafür, dass es wohl noch nicht so ganz der richtige Partner ist bzw. dass die Reife für eine längere Beziehung noch nicht vorhanden ist.

Traue doch einfach deiner Intuition! In jungen Jahren ist man aus verschiedensten Gründen schnell verliebt und schnell begeistert und der Hormoncocktail reicht dann für ein kurzes Intermezzo, aber eben nicht für mehr.

Was schnell vergeht, gelangte nicht zur Tiefe. Da stellt sich eher die Frage nach den Auswahlkriterien den Partner betreffend. Und da du diesbezüglich kaum ein breites Erfahrungsspektrum mitbringen dürftest, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass du einen Partner aussuchst, der in letzter Konsequenz eben nicht deinem Wesen und deinen Bedürfnissen entspricht. Kaum ist der Rausch verflogen, äußert es sich in Abwehr.

Vielleicht wird es dir noch einige Male so ergehen.

Je besser man sich selbst kennt (und kennen will), desto klarer wird man in der Partnerwahl. Und beim richtigen Partner, gibt es auch keine Abwehr mehr.

Deine Worte sind wahre Worte !!

"..Kaum ist der Rausch verflogen,äußert sich die Abwehr...." - ein Psychologe kann da nicht helfen... .

DH :)!!! & danke für deinen :).

Auch wenn es womöglich gestern mit meinem Geschreibsel so rüber kam - ganz so jung bin ich nicht mehr (Mitte dreißig). Und es ist auf keinen Fall so, daß ich mich blödsinniger weise verliebt habe (was ja meist eher eine Ergänzung dessen ist, was einem selbst fehlt - in was man sich da verliebt). Nee, das habe ich hinter mir und diese Lektion zum Glück gelernt.

Ich weiß also, was mir am jetzigen Partner behagt (wir sind verheiratet, ich mag das Wort Partner dennoch lieber als den Begriff Mann und Frau), warum wir zusammen sind, das es eine gemeinsame Basis gibt und er es ebenso sieht. Sonst wären wir längst gescheitert. Wir haben übrigens auch Kinder zusammen.

Fast möchte ich sagen, ich wäre froh, wenn es das wäre - aber mein Problem ist tiefschürfender und ich möchte endlich den Grund dessen finden. Ein langer Weg liegt bereits hinter mir, aber geschafft ist es halt nicht. Wie soll ich sagen? Nach etlichen Jahren der Mühe und Verdrängung hatte ich eine angenehme Pause in der es mir gut ging und ich mich erholt habe. Darum fühle ich mich nun gerüstet, den nächsten Schritt zu machen. Und da wartet scheinbar noch mal ein großer Brocken auf mich.

Meine Hoffnung, warum ich hier schreibe ist, daß sich womöglich jemand in meinen Worten wiederfindet, das was ich beschreibe kennt - und teilen mag, wie er/sie damit umgegangen ist, was ihm/ihr geholfen hat. Oder auch aus der Sicht der Partners - also wenn hier jemand mitliest, der/die eine/n Partner/in hat/te, die/der ähnlich tickt wie ich - wie es ihm damit ging.

Sicher mag ein Psychologe angebracht sein, sofern man einen findet, der was taugt. Aber vielmehr hat mir bisher geholfen mich mit Menschen auseinander zu setzen, die es selbst durchlebt haben - oder ganz einfach eine so klare Menschenkenntnis besitzen, daß sie sehen können, was los ist, was ich vielleicht übersehe - oder eben sowas in der Art, worauf ich selbst jetzt nicht komme. Das dies eine Therapie womöglich nicht ersetzen kann, ist mir bewußt (wobei mir meine einstige Therapie damals am wenigsten geholfen hat). Das ich dennoch selbst an mir arbeiten muß und mir dies niemand abnehmen kann, weiß ich auch. - Dies ist also sozusagen die Basis.

@Yeenn

Ok, diese Informationen fehlten freilich. Dein Text las sich wirklich wie der einer Mittzwanzigerin auf der Suche nach dem richtigen Mann. Ich fürchte, dann muss ich passen. Abwehr gegen eine Mann kenne ich nur im Zusammenhang mit fehlendem Begehren (selbst wenn man den Mann mag und es eine "gemeinsame Basis" gibt).

Ich hoffe, du findest helfende Antworten.

@UpupaEpops

Danke für Deine ehrliche Antwort.

Mir helfen übrigens auch die Fragen hier, da ich mich doch mit dem ganzen auseinandersetze - irgendwie muß ich ja erklären, wo der Schuh drückt. In diesem Sinne hast Du dem ganzen auch eine Richtung gegeben. Dafür auch danke.

Du bist mit Sicherheit nicht die Einzige der es so geht, ich möchte nicht zu persönlich darauf eingehen, doch kann ich dir sagen das es sicherlich was mit wahrer Liebe zu tun hat, deine Liebe zu ihm ist zu gering ;(. Über kurz oder lang wird die Beziehung eh zu Ende gehen, weil du wirst diesen Zwang irgendwann nicht mehr aushalten und dir alles Zuviel wird.

Wenn es etwas mit Liebe zu tun hat (was ist Liebe denn eigentlich?), so ist mir das schon etliche male passiert, daß ich meine Partner nicht richtig geliebt habe. Nein, damit hat es nichts zu tun. Ich behaupte sogar mal, ich kann sehr gut lieben (im Sinne von, einen anderen Menschen so annehmen zu können wie er ist, ihn zu verstehen, seine Geschichte zu kennen). Wenn mir etwas fehlt, dann ist es eher das, was man Leidenschaft nennt oder Begierde, oder "heiß sein". Ich empfinde (empfand) meine Beziehungen auch als sehr harmonisch. Der einzige Punkt der eben nicht funktioniert ist das Thema körperliche Nähe. Und der stört mich im Prinzip auch nur, weil mein Partner darunter leidet. Ich vermisse diese Art der Nähe nicht (es sei denn, ich mache mir arg was vor).

Ich versuche näher darauf einzugehen, wenn ich nun auf all die Kommentare reagiere (und hoffe mal, daß das hier im Forum so funktioniert und gedacht ist. Kommt mir irgendwie ein wenig unübersichtlich vor und ich würde lieber in einem Stück antworten.

Womit Du aber recht hast, ist das der Zwang stärker wird und es nicht ewig so weiter gehen kann. Wobei ich gestehen muß, einen sehr toleranten und geduldigen Partner zu haben. Vielleicht ergibt sich euch ja ein besseres Bild, wenn ich auf all das eingehe, was bisher geantwortet wurde.

Wenn du deinen "Partner" (noch) liebst, warum hast dus nicht mal mit einem Gespräch versucht? Unabhängig davon, welche Hintergründe es hat, dass du bei ihm körperliche Nähe "verabscheust, ist es doch zunächst mal ein Fakt! Vielleicht gibt es einfach Unterschiede in dem, was du willst, was körperliche Nähe betrifft und was er will. Vielleicht hat sich dein Partner in dieser Richtung geändert, oder ist gleich geblieben und du entwickelst andere Bedürfnisse.

Was mich ein wenig nachdenklich macht, ist, dass du Sex zulässt, obwohl du zunächst gar nicht willst. Da muss es bei dir doch ein Pflichtgefühl geben, weil ihr doch Partner seid! Das ist keine gute Voraussetzung für Nähe. Wenn du wie du schreibst Mitte 30 bist und Kinder hast, dann kann es einfach sein, dass sich, und das schon eine Weile, jemand von euch verändert hat und dadurch ergibt sich automatisch eine Veränderung der Beziehung. Vielleicht solltest du darüber mal nachdenken und vielleicht auch mit dem anderen reden! Da wären wir wieder am Beginn meiner Antwort.

Mein Partner wußte von Beginn an, was für Probleme ich habe. Diese habe ich nie verschwiegen. Vermutlich ist er mit einer Art Selbstüberschätzung (?) an die Sache gegangen, daß er das schon hinbekommen wird. Ganz so leicht ist es aber leider nicht. Jedenfalls reden wir schon über diese Dinge.

Das ich körperliche Nähe nicht mag, war schon immer so, nicht nur ihn betreffend. Das fing mit der ersten Partnerschaft an und es spielte sich jedes mal das gleiche Spiel ab. Anfangs war alles okay und dann kam recht schnell der Punkt, wo es ätzend wurde. Ich habe bei zu viel Nähe abgeschaltet (innerlich) und es "über mich ergehen lassen". Beim ersten Freund hatte ich zusätzlich ein Problem mit dem "nein" sagen. Das mußte ich erst lernen.

Das ich Sex oder auch Nähe zulasse, obgleich ich nicht möchte ist in der Tat nicht sehr förderlich. Ich weiß das, aber andererseits habe ich ein ebenso schlechtes Gefühl, wenn Monate lang gar nichts läuft. Da hat mein Partner Recht, wenn er sagt, dies ist für ihn keine Beziehung, sondern wäre eher sowas wie eine Freundschaft.

Dann gibt es noch den Punkt, daß ich von meinem Partner verlange, daß er enthaltsam lebt, weil es mein Bedürfnis ist, Nähe zu vermeiden. Ja, meine Gedanken gehen dann schliesslich auch in die Richtung, daß ich eben auch mal etwas zulassen muß, was mir nicht viel Freude macht. Ihm macht die erzwungene Enthaltsamkeit ja auch keinen Spaß. - Das dieser Gedankengang nicht wirklich sinnvoll ist, weiß ich. Vielleicht ist er aber doch nicht vollkommen falsch.

Zum anderen setze ich mich meiner Angst (?) dann doch dann und wann aus, weil ich ja immerhin schon erfahren habe, daß es manchmal einen Punkt gibt, der einmal überschritten, für Entspannung sorgt. Wenn ich das öfter schaffen würde, so habe ich das Gefühl, gewöhnt sich mein Körper (oder mein Hirn?) an diese Situation. Wie soll ich das nur nennen? Aber etwas in mir lernt, daß keine Gefahr besteht. Das hat eine Weile schon recht gut funktioniert. Ob sich das ewig steigern kann oder letztendlich zum Zusammenbruch führt, kann ich nicht sagen. Durch eine Zwangspause (Schwangerschaft) befinden wir uns nun allerdings wieder am Ausgangspunkt. Ich hatte nun mehr oder weniger neun Monate "Ruhe", Baby wird größer und das Thema Sex steht wieder im Raum. Meine Ablehnung ist wieder so groß, was letztendlich auch der Auslöser war, daß ich dieses Thema hier eröffnet habe. Mir graust regelrecht vor "dem ersten mal", was wohl kommen wird. (und das, obwohl ich weiß, daß es nicht wirklich schlimm ist, daß ich es ja schon mal ein Stück weit geschafft habe es mit gutem Gefühl zuzulassen - mit anderen Worten, wir waren schon auf einem guten Weg, ich weiß aber nicht, ob ich es schaffe, ihn noch einmal zu beschreiten. Oder ob es nicht doch eine andere Alternative gibt).

@Yeenn

Es ist die Leidenschaft, die Leiden schafft! Vielleicht hast du einfach Angst davor, durch Leidenschaft angreifbar und verletzlich zu sein. Vielleicht schützt du dich vor dieser Verletzbarkeit durch Distanz. Ob das so ist, musst du selber entscheiden bzw. drüber nachdenken. Aber auf jeden Fall ist diese Distanz etwas, was dich als Person ausmacht. du kannst natürlich gegen deine innere Überzeugung dagegen angehen und gegen deine innere Überzeugung das zulassen, ob das gut für dich und andere ist, wage ich doch zu bezweifeln. Ich hätte Schwierigkeiten mit einer Frau, die "das alles" nur (mit gutem Gefühl) über sich ergehen lässt (weil es vielleicht so üblich ist?). Der eigene Wille und Wunsch dazu fehlt!

Vielleicht hast du einfach nicht den Partner gefunden, der diese Gefühle in dir erweckt. Du scheinst ja recht leicht an Partnerschaften zu kommen, aber Partnerschaften (auch das Annehmen des Anderen, wie er ist) klingt so nach rationaler Lebensplanung, nicht nach Zuneigung und gefühlsmäßiger Bindung, auch Liebe genannt. Ich glaube sogar, dass viele Paare so zusammenleben, auch wenn sie nicht so offen drüber sprechen und nachdenken wie du. Das bewundere ich. Von einem Freund habe ich mal den nachdenkenswerten Satz gehört: "Vielleicht wird die Bedeutung von Sex total überschätzt". Vielleicht brauchen das Männer zur Bestätigung ihrer Männlichkeit und Frauen setzen andere Prioritäten ("Männer" und "Frauen" als gesellschaftliches Produkt verstanden). Ich denke, du bräuchtest einfach Ruhe vor gebräuchlicher Nähe, um zu dir selber zu finden. Ist nicht ganz einfach, das zu realisieren. Um Vorschläge zu machen, kenne ich deine Verhältnisse zu wenig. Auf jeden Fall bedenke eines, du musst nicht nur den anderen offen ins Gesicht sehen können, sondern und vor allem auch dir!

Du brauchst das Gespräch mit einem Psychologen.

Du leidest unter deiner Situation und möchtest sie verändern. Du hast schon selbst gemerkt, daß du an einem Punkt angekommen bist, wo du alleine nicht mehr weiterkommst. Der einzige, der dir jetzt noch helfen kann, ist ein Psychologe oder Psychiater.

Ich wünsche dir viel Glück, du schaffst das schon.

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