schwingender Lyse-Saum bei Hüft-TEP nach schon 3 Jahren, was tun?

1 Antwort

Ich bin der Ansicht, dass Du das sobald wie möglich machen lassen solltest.

Auf der Basis der diagnostischen Trias „Anamnese – Klinik – Röntgenbild“ ist eine Indikation zur Revision bereits frühzeitig gestellt und der Eingriff sollte nicht unnötig hinausgeschoben werden, wie ich finde.

Die Probleme nach der Zweit-OP links haben eine Kompensationshaltung des Körpers ausgelöst, dabei das re. Hüftgelenk überlastet.

 Dieser würde dann nur zementiert werden können.

Diese Formulierung hört sich recht negativ an, siehst Du darin ein Problem? Meine Mutter ist mit einem einzementierten kurzen Schaft über 25 Jahre gelaufen, bis er dann doch erneuert werden musste. Die Knochensubstanz wird beim Einzementieren weitgehend erhalten, der Anschluss Knochen/Prothese ist sehr stabil und verhindert aufwendigere rekonstruktive Maßnahmen, das sind große Vorteile des Einzementierens. Lass es aber bald machen, möglichst bevor Knochenmaterial am Saum ausbricht.

Ich hoffe, dass die linke Hüfte inzwischen ohne Komplikation ist, sonst erschwert es die Prozedur wg. der eingangs erwähnten Kompensationshaltung. LG

Woher ich das weiß: Berufserfahrung

vielen lieben Dank für diese kompetente, gut gemeinte Antwort. Ich bin selbst inzwischen dabei, einen baldigen OP-Termin zu vereinbaren, zumal ich diese leidige Geschichte auch aus dem Kopf haben möchte.

Was mir noch Sorgen bereitet ist, dass die linke Hüft-TEP (wo die Femur-Fraktur nach der OP stattgefunden hatte, die mittels Langschaft und 5 Cerclagen erneuert wurde) lt. Aussage des Chefarztes einer hiesiegen Klinik, sowie lt. Aussage eines Knochenszintigrammes auch nicht angewachsen ist.

Am Ende entwickelt sich auch auf dieser Seite ein Saum - nachdem ich jetzt die andere operieren lasse....

Wie lange dauert das, bis ich nach zementierter Hüft-TEP wieder voll belasten kann?

Was sagt deine Erfahrung dazu?

LG

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@reisejule

Wenn ich all meine Erfahrungen, sowohl in 40 Jahren mit vielen Patienten, als auch mit meiner Mutter (sie hatte insges. 6 TEP-OPs) zusammenfasse, dann kann ich nur sagen, dass alles seine Zeit braucht. Um noch eine Phrase zu bemühen: Man soll nichts über´s Knie brechen, oder auch "eile mit Weile". An all diese Phrasen ist viel Wahres dran. Ich hatte mich bereits gewundert, als ich oben in Deiner Frage las, dass Du nach einer Woche bereits die Treppen im Krankenhaus gestiegen bist, - womöglich auch runter (?) gegangen, runter wäre besonders ungut gewesen.

Die verschiedenen Gewebestrukturen des Knochens, die ihn umgebenden Gewebe, vor allem die Muskeln, und auch das Zusammenspiel mit dem Kopf, muss komplett neu justiert und koordiniert werden, all die vielen Zellen und ihre jeweiligen Funktionen müssen sich wieder "finden", das ist eine enorm komplexe Symbiose. Einfach nur den neuen Schaft in die Röhre hämmern, Wunde zunähen und gut ist, - ganz so einfach ist es nicht. Im gesamten OP-Bereich müssen Gewebe-Strukturen z. T. neu aufgebaut werden, verlegte Muskeln müssen erst anwachsen und sie müssen ihre neue Aufgabe anlernen, usw., das ist eine riesige Aufgabe, die unsere Zellen erledigen müssen und das alles im Zusammenspiel mit dem Kopf, wo ja alles koordiniert wird. Dies alles solltest Du, besonders im Kontext der anderen Hüfte, bedenken, lass Dich nicht hetzen.

Wir Menschen sind doch keine Maschine, kein Auto, wo ein Ersatzteil eingebaut wird, - da brauchen nur einige Schrauben gelöst werden, altes Federbein raus, das neue rein, etwas Fett dran, Schrauben wieder festdrehen und feddisch.

Daher: Ich präferiere bei TEP-OPs die Zementlösung und die konservative Vorgehensweise, d. h. alles schön gemütlich machen. Ich verstehe die heutige Hektik mancher Krankenhäuser/Ärzte nicht, - als gäbe es einen neuen Geschwindigkeitsrekord zu brechen, alá "hurra, wir sind die Schnellsten". Diese Hektik führt dann gerne Mal zu Fehlern,

  • keine/keine ausreichende MRSA-Prophylaxe,
  • falsche Einschätzung der Schaftlänge,
  • falsch gewählte Kopfgröße,
  • falsch eingestellte Achse,
  • keine/zu wenig Blutkonserven bereit legen,

usw., - habe alles etliche Male mitbekommen. Spende Dir vor der OP selber Blut, ist sehr zu empfehlen!

Das einzementierte Gelenk sollte mMn drei Wochen garnicht belastet werden, der Zement muss aushärten, das Gewebe muss die Muße bekommen sich neu zu sortieren und zu ordnen und zu heilen.

Die KG-Therapie (ohne Belastung) kann durchaus bereits ab dem zweiten/dritten Tag beginnen, abhängig vom Verlauf der Wundheilung.

Dann zunächst mit 20 Kg - und dann im wöchentl. Rhythmus mit jeweils weiteren 20 Kg belasten, immer vorausgesetzt, dass keinerlei Komplikationen auftreten. Die 20 Kg ermittelst Du zusammen mit der Physiotherapeutin mit Hilfe einer Waage, und etwas Einübung. Und zum Schutze der anderen Hüfte immer mit UA-Stütze/n gehen, anfangs mit zwei, später reicht eine, besprich dies mit der Physiotherapeutin.

Das alles führt dazu, dass Du, - wenn immer komplikationsfrei -, nach insgesamt sechs bis sieben Wochen post-OP voll belastend frei gehen kannst, also ohne die bis dahin verwendeten Unterarmstützen. Und ohne Angst, dass da bald wieder was wackelt und locker ist. Aaaaber: Schwerere Dinge wie z. B. ein vollbepackter Reisekoffer oder die Einkaufstaschen sollten nicht vor einem halben Jahr getragen werden.

Belastest Du dauerhaft zu früh und zu hoch, kann sich die zementierte Hüfte etwas setzen, d. h. die Beinlänge verringert sich, das kann bis zu zwei Zentimeter betragen. Ist zwar nicht dramatisch, lässt sich mit Schuhsohlenerhöhung korrigieren, muss aber nicht sein. Eine evtl. bisherige Beinlängendifferenz lässt sich bei einer solchen OP hervorragend korrigieren.

Wichtig ist auch eine stabile Knochenstruktur, - oft ein großes Problem, besonders bei Frauen in Deinem Alter. Daher empfehle ich gerne eine hochdosierte (mind. 30.000 I.E. tgl.) Vitamin D3+Vit.K2 - Supplementierung einige Wochen lang im Vorfeld einer solchen OP, aber auch noch danach.

Organisiere vor der OP Deinen Haushalt, dass jemand für Dich einkauft, kocht, putzt. Die ersten drei bis vier Wochen ist dies dringend anzuraten. Wenn niemand aus der Familie, dem Freundeskreis dafür zu finden ist, wende Dich an Deine Krankenkasse, die übernehmen eine solche Fachkraft für gewisse Zeit. Besprich auch dies vorher mit der KK. Nimm dieses Thema nicht auf die leichte Schulter. Denn all diese Dinge im Haushalt lassen sich nicht mit UA-Stützen durchführen, so manche Hüfte wurde in der Küche ruiniert. (Ach das bisschen Haushalt.....) Ohne Stützen überlastest Du immer eine der beiden Hüften.

Gut wäre auch eine AHB , alles darüber hier:https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Navigation/2_Rente_Reha/02_Rehabilitation/02_leistungen/02_ahb/ahb_node.html

So, genug dazu, ich hoffe Du nimmst die Sache ernst, ich wünsch Dir alles Gute

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@Winherby

WOW, ganz lieben Dank für diesen ausführlichen Bericht mit vielen neuen Erkenntnissen für mich!

Ja, das Treppensteigen wurde mir bereits am 4. Tag nach der OP gezeigt und zum kräftigen Üben dringend empfohlen! An Tag 10 in die REHA mit allem Drum und Dran - ohne Rücksicht auf Verluste....

Für die neue jetzt anstehende OP in einem anderen KH hat mir der Chefarzt gesagt: nach der OP 2 Wochen mit 1/2 Belastung, danach - je nach Verlauf - Vollbelastung, natürlich mit UA-Stützen. Ca 8-10 Tage nach der OP folgt die AHB.

Ich werde ich mich nicht mehr "jagen" lassen! Auch dank deiner tollen Tipps - nochmal ein dickes "Vergelt´s Gott".

Schöne Ostertage und herzliche Grüße

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@reisejule

Ja, der Vorgehensplan des neuen Arztes hört sich doch schon besser an, ich wünsche gutes Gelingen. Richte Dich immer nach Deinem Empfinden, solange es Dir OK sagt, ist es gut. Sich jagen lassen ist gerade i. S. Gesundheit ungut. Alles Gute für Dich. LG

PS: Konnte nicht früher antworten, bin heute Nacht erst aus meinem Spanienurlaub zurückgekehrt.

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