Wunden oder eine Krankheit?

2 Antworten

Sieht nach der Zwergfadenfischkrankheit (EUS) aus.

Das sieht nach einer typischen Erkrankung eines Zwerfadenfisches mit EUS aus. Die Fadenfischkrankheit, oder richtig EUS, Epizootisch Ulzeratives Syndrom, wird überwiegend im asiatischen Raum als Bezeichnung herangezogen. In Japan wird die Krankheit als Mykotische Granulomatose und in Australien als RSD (Red Spot Desease, Rotflecken Krankheit) bezeichnet. Ulzerative Mykose (UM) ist ebenso eine Bezeichnung dafür.

EUS-Ausbrüche treten nur dann in Erscheinung, wenn mehrere kausale Faktoren zusammentreffen. Ursächlich gilt ein Pilz namens Aphanomyces invadans als hauptverantwortlich, der zum Ausbruch dieser Krankheit führt. Es existiert eine ausreichende Anzahl an Ursachen, die zu einer Exposition der Hautoberfläche führen, ausgelöst durch ein Keimen der Pilzsporen. In der frühen Phase einer Infektion kommt es zu roten Flecken und kleineren hämorrhagischen Läsionen. Im Zwischenstadium entwickeln sich diese Hautläsionen zu kleineren Geschwüren. Läsionen im fortgeschrittenen Stadium entwickeln sich zu großen, tiefen nekrotischen Geschwüren, die tödlich enden.

Auslöser ist ein Pilz namens Aphanomyces invadans, dieser spezifisch, pathogene Pilz besitzt die Eigenschaft, tief in die Haut von Fischen einzudringen (Kiryu et al., 2003). Eine Isolierung dieses Pilzes erweist sich als schwierig, da er sehr langsam wächst und die meisten Hyphen im Muskel, bis auf jene, die tief ins Muskelgewebe eindringenden Spitzen, tot sind (Roberts et al, 1993).

Im Großen und Ganzen handelt es sich bei den Läsionen im Allgemeinen um kleine rote Erosionen an Körper, Kopf und Flossen. Im fortgeschrittenen Stadium breiten sich tiefe hämorrhagische Geschwüre über den ganzen Körper aus. Aphanomyces invadans verursacht weltweit Krankheiten und Todesfälle in Zierfischfarmen und auch bei Wildfischen in freier Natur.

Es gibt keine Informationen darüber, dass Fische lebenslange Träger von A. invadans sein können. Im Allgemeinen sterben die meisten infizierten Fische während eines Ausbruchs. Obwohl sich einige Fische mit leichten oder mittelschweren Infektionen erholen können, sind sie wahrscheinlich keine lebenslangen Träger von A. invadans.

Aphanomyces invadans besitzt ein weites Temperaturspektrum und gedeiht am besten bei 20–30 ° Grad. Es wächst nicht in vitro bei 37 ° C. Ein Salzgehalt von> 2 Teilen pro 1000 (ppt) kann eine weitere Ausbreitung verhindern.

Es gibt keine wirksame Behandlung für mit A. invadans infizierte Fische in freier Natur und in Aquakulturen. Um Fischverluste zu minimieren, sollte der Wasseraustausch gestoppt und Salz angewendet werden.

Selbst mit einer Salzbehandlung liegt die Mortalitätsrate sehr hoch.

eieiei2  21.09.2020, 23:08

Aufgrund dieser Problematik (und weil die allermeisten Zwergfafis eh nicht artgerecht gehalten werden) kann man eigentlich zu raten, die Tiere überhaupt nicht zu kaufen.

So lange der Umsatz stimmt, geht es den Züchtern nur darum, die Tiere optisch gesund in den Handel zu bringen und das Drama läuft weiter wie gehabt. Die Züchter sollen sich aber mal wieder anstrengen. Die Zuchtlinien sind eh überaltert und degeneriert, die haben ja nichtmal mehr eine vernünftige Körperform.

Es sollte eigentlich kein großes Problem sein, gesunde Wildfänge aufzutreiben, da nach allem was man erfahren kann längst nicht alle Wildpopulationen betroffen sind und Zwergfafis in ihrem großen Verbreitungsgebiet eine häufige Art sind. Mit entsprechender Hygiene sollte es normalerweise kein Problem sein, mit diesen Tieren über etliche Generationen gesund zu züchten. Wenn dazu über die komplette Lieferkette hinweg Infektionen vermieden werden (strikte Trennung sauberer und unklarer Ware bzw. grundsätzliche Ablehnung unklarer Ware), bekommt der Kunde gesunde Tiere. Natürlich ist das teurer als wenn man einfach weiter macht wie gehabt. Der Handel muss dem Kunde dann halt vermitteln, welche Vorteile die teureren Tiere haben. Wie Werbung funktioniert ist doch auch sonst eine Kernkompetenz des Handels.

Idiealot  21.09.2020, 23:10
@eieiei2

Dieser Pilz befällt nicht nur Zergfadenfische. Von daher ist die Problematik nicht auf die Zergfadenfische begrenzt. Zusätzlich sind Studien dazu noch nicht lange bekannt.

eieiei2  21.09.2020, 23:51
@Idiealot

Zwergfadenfische sind bisher sehr deutlich das Hauptopfer und der Hauptüberträger. Die kranken durch saubere Zuchtstämme zu ersetzen und sauber zu halten, würde auch die Gefahr für alle anderen Arten im Handel reduzieren. Es ist zu befürchten, dass dieser Pilz nach und nach durch Mutation für immer mehr Arten gefährlich wird. Diese Gefahr wird kleiner, wenn man jetzt den hauptüberträger aus dem Handel nimmt. Weniger Pilz im Umlauf bedeutet gleichzeitig weniger Gelegenheit auf andere Arten überzuspringen.

Idiealot  22.09.2020, 00:04
@eieiei2

Erstmalig wurde über die Krankheit bei Goldfischen (Carassius auratus) (Myazaka und Egusa, 1972) und bei Ayu (Plecoglossus altivelis) aus verschiedenen Regionen in Japan (Egusa und Masuda, 1971) berichtet.

Wilde Arten, wie z.B. Schlangenköpfe (Channa maculata), Grundelarten (Tridentiger obscurus), Großkopfmeeräsche (Mugil cephalus) waren während dieser Zeit ebenfalls von dieser Krankheit betroffen (Miyazaki und Egusa, 1973a,b,c). Später stellte sich heraus, das der Krankheitserreger der mittlerweile als Mykotische Granulomatose bezeichneten Krankheit, ein Pilz namens Aphanomyces piscicida verantwortlich ist (Hatai, 1980).

1972 tauchte die Krankheit erstmalig bei Fischen im Burnett River, Queensland, Australien als RSD (Red Spot Desease) auf (McKenzie und Hall, 1976; Rodgers und Burke 1981).

Kürzliche Ausbrüche in Australien sind seitdem bekannt bei vielen Süßwasserfischen in New South Wales, (Callinan et. al., 1981), North Territory (Humphrey und Langdon, 1986), (Pearce, 1990). Seit 1971-1972 hat sich die Krankheit über den gesamten asiatisch-pazifischen Raum ausgebreitet. Im Mekong Delta wurde über einen EUS Ausbruch der Krankheit im Jahr 1973 berichtet, der Welsfische befallen haben soll (Roberts et. al., 1994). Allerdings wurde dieser Bericht nicht histopathologisch bestätigt. 1984 wurden Berichte aus Kambodscha, Laos und Myanmar bekannt. Bestätigte Ausbrüche sind aus Ost-Kalimantan, Indonesien bestätigt, der eine sehr große Mortalitätsrate aufwies bei Arten von Schlangenköpfen, Welsarten, Grundelarten, Puntius spp. sowie küssenden Guramis. 1985-1986 erhielt man die ersten bestätigten Ausbrüche von EUS in Laguna Bay, Philippinen. 1987 erfolgten bestätigte Berichte über Ausbrüche in den westlichen Provinzen Sri Lankas.

Nach den großen Überschwemmungen in den Jahren 1988, erfolgten Berichte über erstmalige Ausbrüche in Bangladesh. Bis 1996 hatte sich die Krankheit bis in den Indus Fluß in Pakistan ausgebreitet (Kanchanakhan,1996).

Basierend aufgrund Untersuchungen anhand pathogener Funde von EUS-infizierten Proben, wird EUS einer breiten Palette an Ätiologien zugeschrieben, wie z.B. Bakterien, Pilzen, Parasiten und Viren. Verschiedene Spezies von parasitären Protozoen z.B. (Chilodonella sp., Costia sp., Epistylis sp., Glossatella sp., Ichthyophthirius sp., Scyphidia sp., Trichodina spp.), Myxosporen (Henneguya sp. and Thelohania sp.), Monogenea und Crustaceen (Lernaea sp.) wurden auf infizierten Fischen gefunden (Callinan et al., 1997; Reungprach et al., 1983). Dennoch existiert kein bestätigter Nachweis, das diese parasitären Infektionen als Auslöser für EUS gelten. Parasitäre Infektionen induzieren beim Fisch Stress, bzw. prädispositionieren ihn dafür (Subasinghe, 1993).

Aeromonas hydrophila, A. sobria, Pseudomonas spp. and Vibrio spp. sind Bakterienarten die aus infizierten Organen einzelner Fische entnommen wurden (Burke und Rodgers, 1982; Llobrera und Gacutan, 1987; Tonguthai, 1985). Davon gilt Aeromonas hydrophila am häufigsten vorhanden bei infizierten Fischen im fortgeschrittenen Stadium. Üblicherweise findet man sie nicht in der frühen Phase der Infektion. Desweiteren ist bekannt, das Aeromonas hydrophila zur natürlichen Mikroflora und aquatischen Umgebung der Fische zählt und gemeinhin als opportunistischer Erreger gilt.

Verschiedene Birnaviren (Birnaviridiae), Reoviren (Reoviridae) und Rhabdoviren (Rhabdoviridae) wurden auf mit EUS-infizierten Schlangenkopffischen gefunden, sowie auf Arten die für Anfälligkeit bekannt sind. Allerdings handelt es sich dabei eher um eine zufällige Infektion, aufgrund ihrer heterogenen Natur, und stehen in keinem Zusammenhang mit EUS Infektionen und dem geringen oder nicht konsistenten Grad der Genesung dieser Tierseuche ((Kanchanakarn, 1996; Roberts et al., 1994).

Auf mit EUS infizierten Arten wurden mindestens zwei Pilzarten nachgewiesen. Zum einen eine Achlya sp., die im oberflächlichen Bereich der Läsionen vorgefunden wurde (Pittchayangkula und Bodhalamik, 1983; Subasinghe et al., 1990), und Aphanomyces sp. die sich in den muskelnahen Bereichen der Läsionen vorfand (Egusa, 1992, Fraser et al., 1992; Hatai et al., 1994; Roberts et al., 1993). Seit Kurzem zeigt sich, das sämtliche EUS infizierte Proben die mit Aphanomyces sp. befallen sind, nicht nur der gleichen Art entsprechen sondern vielmehr, das diese auch ein und der selben klonalen Abstammung entsprechen und auf eine gemeinsame Mutterzelle zurückzuführen sind (Lilley et al., 1997).

Daher gilt als bestätigt, das es sich bei EUS im ätiologischen Grundbestandteil um einen Peronosporomycet namens Aphanomyces invaderis (Willoughby et al., 1995) handelt, früher Oomycota oder Oomycetes. Der gültige taxonomische Name gemäß dem Internationalen Code of Botanical Nomenclature (ICBN) dieser Art lautet jedoch Aphanomyces invadans (Lilley et al., 1997).

Idiealot  22.09.2020, 00:09
@Idiealot

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eieiei2  22.09.2020, 00:30
@Idiealot

Na gut, dann muss ich eben präziser formulieren, um verstanden zu werden.

Der Zwergfadenfisch ist die Art, die im Zierfischhandel weit überproportional am häufigsten von dieser Krankheit betroffen ist oder noch genauer, die Art, bei der diese Krankheit weit überproportional am häufigsten symptomatisch identifiziert werden kann. Das sollte Grund genug sein, mit dieser Art besonders vorsichtig umzugehen.

Es kann nicht gut sein, diese auch für andere Arten gefährliche Krankheit weiterhin permanent in den Verkaufsanlagen praktisch aller Händler zu kultivieren und nichtmal zu versuchen, die Übertragung unwahrscheinlicher zu machen.

Mit ein bisschen Pech haben wir so in wenigen Jahren die ganz große Katastrophe und nur noch kranke Fische, egal welcher Art. Das würde auch den Züchtern die wirtschaftliche Existenzgrundlage rauben, die heute die Anwesenheit der Krankheit bei einzelnen Arten akzeptieren. Dazu kommt, dass eine Einschleppung des Erregers in heimische Gewässer wahrscheinlicher wird, wenn mehr kranke Tiere im Umlauf sind. Niemand weiß, auf welchen Wegen dieser Pilz von einem Gewässer zu einem anderen übertragen werden kann. Besonders blöd wäre, wenn die Sporen des Pilzes von Insekten, die ihre Eier ins Wasser legen, von Gewässer zu Gewässer verschleppt werden könnten. Dann wäre jede Verwendung von Aquariumwasser als Gießwasser im Außenbereich hochgefährlich, auch weit abseits von natürlichen Oberflächengewässern. Auch deswegen ist es keinesfalls ein Fehler, die symptomatisch am häufigsten betroffene Art nicht zu sorglos zu verbreiten.

Offensichtlich ist das aber bisher sowohl den mehrheitlich südostasiatischen Massenvermehrern als auch den Händlern egal, weil der Umsatz noch stimmt.