Wir arbeiten in einer Entzugsklinik - Immer mehr Patienten (Alkoholiker) die neu zu uns kommen, erscheinen betrunken, was könnte man dagegen tun?

5 Antworten

Hi,

ich kann euren Frust gut verstehen, aber da wird es nicht allzu viele Möglichkeiten geben. Die Patienten kommen auf Grund ihrer Alkoholsucht zu euch - wenn sie so einfach nüchtern bleiben könnten, hättet ihr vermutlich keine Arbeit mehr.

Ich kann mir sogar vorstellen, dass einige Patienten ohne eine gewissen Pegel gar nicht den Mut hätten, einen solchen Schritt zu gehen.

Entsprechend führen Gegenmaßnahmen eventuell dazu, dass weniger Patienten diesen Schritt wagen - was sicher auch nicht in eurem Sinne ist.

Eventuell gibt es aber Möglichkeiten, die Wahrscheinlichkeit solcher Vorfälle etwas zu verringern. Man könnte z.B. die Aufnahmegespräche früh morgens durchführen.

Ansonsten müsst ihr wohl mit den Symptomen leben - Alkoholismus ist nun mal eine Krankheit. In der Notaufnahme beschwert sich auch niemand, wenn die Patienten blutend erscheinen ;)

Viele Grüße,
SacredChao

Ich war einmal zum Ausschleichen von Schlaftabletten 3 Wochen in einer stationären Entzugsstation, die hauptsächlich mit Alkoholikern belegt war.

Wenn ich mich richtig erinnere, war dort ein Alkoholspiegel von mindestens 2 oder 2,5 ‰ Voraussetzung, um stationär aufgenommen zu werden. Die besoffenen Neuzugänge kamen in einen geschlossenen Bereich und wurden im Bett fixiert, bis sie nach 2 - 3 Tagen soweit waren, dass man sie in den offenenen Bereich herauslassen konnte.

Da es eine offene Abteilung war, gingen die Alkis auch in den nahegelegenen Supermarkt Nachschub holen, als sie zum Monatsanfang ihr Geld bekamen. Viele von ihnen waren "Stammgäste", die gar nicht ernsthaft daran dachten, dem Alkohol abzuschwören, sondern das Ganze eher als eine Art "Urlaub unter Freunden" betrachteten, den sie sich in periodischen Abständen gönnten.

Das Klima zwischen Patienten und Ärzten/Pflegepersonal war relativ locker. Da ich ansonsten nichts mit psychiatrischen Einrichtungen zu tun hatte und habe, hat mich dieser lockere Umgang, der mich eigentlich an der Ernsthaftigkeit des Therapieansatzes zweifeln ließ, sehr erstaunt.

Ergänzend muss ich allerdings sagen, dass jemand, wenn er während des stationären Aufenthalts mit Alkohol oder betrunken erwischt wurde, die Station unverzüglich verlassen musste.

Ans Bett FIXIERT? Sind sie sich da sicher, das ist nicht gewöhnlich! Bei uns werden sie in besondere Zimmer (ohne Teppich und mit Klinik Boden) verfrachtet, damit sie sich übergeben können etc

@DoktorBoehr

Ans Bett FIXIERT? Sind sie sich da sicher,

Nein, da bin ich mir nicht ganz sicher. Man sah in diese Bereiche nur durch ein relativ kleines Fenster in der verschlossenen Eingangstüre in einen Vorraum. Aber ich meine, irgend sowas einmal gesprächsweise aufgeschnappt zu haben. Es handelte sich dabei um einen Randalierer, der dabei war, die Einrichtung zu zerlegen.

Das Problem am Alkoholismus ist, dass man meistens genau weiß was man tut. Die Leute wissen, dass sie bei euch nichts bekommen und da sie süchtig sind, wollen sie "ein letztes Mal" trinken. Daher dann auch der hohe Pegel. Manchmal haben solche Leute aber auch nur Angst und trinken sich Mut an.

Vielleicht sollte man die Vorgespräche ausbauen, den Patienten die Angst nehmen, ihnen mehr erklären, warum sie dort sind. Und das ganze auf einer MENSCHLICHEN Basis, nicht auf der des Arztes und des Patienten.

Zu dem Fall mit den zwei Wodka-Flaschen: Habt ihr mal mit der Frau gesprochen, was das soll? Sollte sie ihren Mann nicht eher unterstützen, mit dem Alk aufzuhören, statt ihm noch "zwei letzte Flaschen" zu gewähren?

Ich weiß, das Thema ist schwer und es ist nicht leicht, eine Pauschallösung zu finden, aber eigentlich sollte so etwas im Team besprochen werden. Und die Ärzte sollten nach ihrer Ausbildung bzw. dem Studium eigentlich wissen, wie man mit sowas umgeht...

Was sind denn die Zugangvoraussetzungen in eurer Klinik? Ihr müsst die klar definieren und dann auch selbst ohne wenn und aber einhalten. Wenn Zugangsvoraussetzung ist das man nüchtern kommt, dann wird der der angetrunken kommt halt gnadenlos wieder weg geschickt. Aber es muss halt klar kommuniziert sein.

Richtig!

Aber wie so oft im Leben bedeutet das dann auch, dass die KEINE Rechnungen schreiben können/dürfen bzw. nichts bei den KK abrechnen können!

Und Geld wollen und können die sich nicht entgehen lassen!

@alarm67

klar, aber einen Tod muss man sterben. Entweder abrechnen wollen und alles akzeptieren oder konsequent sein und in den sauren Apfel beißen.

Ich finde es merkwürdig, dass Du als "Profi" sozusagen hier in GF diese Frage stellst bzw. stellen musst...

Gilt bei Euch die übliche Hausordnung in so Kliniken nicht?

Meiner Meinung nach eine Fake Frage. 

Als Krankenpfleger einer Suchtklinik zuschauen, wie sich jemand innerhalb einer Stunde 2 Pullen Schnaps reinzieht?? Zumal sowas auch tödlich enden kann.

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