Woher weiß ich welche Produkte entstehen?

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Hallo Luca!

Um zu wissen, welche Stoffe mit welchen wie reagieren, muss man schon die Eigenschaften einigermaßen kennen.
Zusätzlich muss man noch wissen, welche Reaktionen es überhaupt gibt.

Na ist jedenfalls ein starkes Reduktionsmittel, Normalpotential etwa bei -3V und Elektronegativität bei etwa 1.
Somit sollte es alles reduzieren, was (etwas) weniger reduzierend ist.

Wasserstoff ist deutlich weniger reduzierend, die EN liegt bei etwa 2,1. So reagiert Na mit H zum NaH, Natriumhydrid mit dem Hydrid-Ion H⁻.
Das passiert natürlich nur in Abwesenheit von Wasser, weil sich H⁺ und H⁻ sofort zu H₂ verbinden.

Im Wasser ist das O ja schon maximal reduziert, aber das H nicht, es liegt in der Oxidationsstufe +I vor. Die lässt sich noch leichter reduzieren als molekularer Wasserstoff. Aus einem (formalen) H⁺ wird dann H₂, OH⁻ belibt übrig.

In diesem Fall ist das recht einfach, Na reduziert halt alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Beim Fluor ist es ähnlich einfach, es oxidiert alles.
Im Raum dazwischen, also eigentlich immer, muss man schon die Stoffe kennen.
Und auch da ist es nicht immer so einfach:
O reagiert mit F nur zum OF₂, S zum SF₆. Und ob es ein ClF₇ gibt, müsste ich auch erst mal nachsehen - ich glaube nicht. IF₇ gibt es aber, soweit ich weiß.

Ein Fingerspitzengefühl, was wie reagieren kann, entwickelt sich parallel zum Stoffwissen. Keines ist ohne das andere möglich.

Ohne Fleisch kein Preisch, oder so, GyntHerr

DH, besser kann man eine solche Frage nicht beantworten, vielleicht ist noch zu ergänzen, dass man auch noch einiges über EN-Unterschiede, Atomgrößen in Molekülen (7 Fluoratome bei dem kleinen Chlor, dass wird eng und damit abstoßend) wissen muss. Dennoch, das macht die Chemie so faszinierend. In einer Klausur an der UNI hatte ich noch die Frage zu beantworten: Warum gibt es keine Argonverbindungen, was ich brav und damals (1973) korrekt mit der hohen Ionisationsenergie des Argons beantwortete, doch dann kam 2002 der Herr Räsänen aus Finnland und synthetisierte die thermisch zwar recht instabile, aber dennoch echte Verbindung HArF. Ich verzeihe noch heute dem Nobelkomitee nicht, warum man dem inzwischen verstorbenen Herrn Bartlett nicht für seine Entdeckung stabiler Edelgasverbindungen den Nobelpreis verliehen hat. Doch die Lobby der Biochemiker und Organiker war wohl zu stark.

@KHLange

Dann mal Dank für die Blumen!

Ich bin ja nicht mal richtiger Profi. Ich weiß, dass man immer ein halbes Dutzend Faktoren berücksichtigen muss, aber gewichten kann ich sie nur sehr ungenau.

Wobei, Verbindungen von Xe und Kr sind doch schon länger bekannt, ob da ein Nobelpreis für Ar angemessen gewesen wäre, kann ich nicht beurteilen.
Bei Ne oder He wär ich d'Akkordium, oder so ;-)

Und wenn Herr Bartlett die ersten Xe-Verbindungen herstellte, dann war es Pech. Die Welt ist nicht immer gerecht.
Man muss auch mal sehen, wo das Geld herkommt, sicher nicht aus Tunnelbohrungen und Staudammprojekten :-((

Es gibt natürlich die theoretische Chemie, aber von der Historie aus gesehen ist Chemie eine Experimentalwissenschaft.

Auf Deine Frage bezogen heißt dies: Man kann eine Antwort nur auf experimentellem Weg erhalten.

Wenn Dir einer entgegnet, "das, was Du fragst, weiß man doch", dann weiß man das deshalb, weil irgend jemand die Antwort durch das Experiment bekam und er sein Wissen zu diesem Ergebnis jetzt weitergeben kann.

Ganz einfach: Entweder man weiß es, oder man kennt ähnliche Reaktionen und kann von diesen auf eine neue (unbekannte) Reaktion schließen.

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