symptomverlagerung

5 Antworten

Das ist so nicht richtig. Vielleicht hast du ein falsches Bild von der Verhaltenstherapie, die sich in den letzten Jahren auch verändert hat. In der Verhaltenstherapie arbeitet man heute daran, dass der Patient falsche und dysfunktionale Verhaltensmuster erkennt und verändert. Zur Symptomverlagerung kann es allenfalls bei älteren Formen der Verhaltenstherapie, die noch auf dem Prinzip des "Umprogrammierens" basierten. Die werden heute allerdings kaum noch angewandt, weil sie sich als wenig sinnvoll erwiesen haben.

Bei einer guten Verhaltenstherapie werden nicht nur die Symptome verlagert, sondern Probleme wirklich behoben.

VH ist am effektivsten und somit Methode der Wahl (wobei man auf die Art der Störung achten muss für Effektivitätsüberlegungen). Ausserdem werden Probleme nicht verlagert, sondern aus der Welt geschafft. Nehmen wir das alte Beispiel mit Spinnenphobie. Nach erfolgreicher Therapie kann der Patient wieder normal funktionieren und mit ev. "Spinnen im Haus" leben. Das die Ursache dafür in einer generell ängstlichen Einstellung liegt heisst zwar das ursächliche Problem nicht beseitigt ist, aber es hat keine Auswirkungen mehr (die Angst vor Spinnen kommt nicht zurück, hoffentlich). Es kann sich jedoch eine neue Phobie entwickeln. Dagegen kann man auch mit anderen Therapieformen kaum was machen, aber man kann (mit VH!) lernen wie man generell mit Phobien umgeht und wie man sie beseitigt!
VH killt unerwünschtes Verhalten.
Möchte man die Ursachen grundsätzlich bekämpfen müsste man quasi biochemisch eingreifen und den Mensch verändern, was heutzutage weder möglich noch angemessen scheint. VH tut meist ihren Zweck. Und bei anderen Beispielen lassen sich die Ursachen durchaus auch kognitiv-verhaltenstherapeutisch bekämpfen (z.B. reaktive Depression)

Ein schlauer Mensch sagt mal zu mir: Manche Menschen wollen sich selbst nicht kennenlernen.

Ich selbst meine: Wer sich kennenlernen will, der darf allerdings auch kein Feigling sein. Der erste Schritt weg von der Verdrängung ist meiner Erfahrung nach der schwerste und der langwierigste. Menschen rennen in eine Verhaltenstherapie, weil sie Angst davor haben, mit verdrängten Inhalten konfrontiert zu werden. Klar, die Verdrängung hat ja ihren Grund. Manchmal werden Dinge verdrängt, weil jemand einem Konflikt mit einem engen Verwandten aus dem Weg geht.

Der Umgang mit Traumata und Dingen, die man - meist in der Kindheit - vermisst hat, ist eine Gratwanderung. Es ist kaum empfehlenswert, sofort alle verdrängten Inhalte hervorzukramen und ins Bewusstsein zu rücken. Es gibt leider kein Patentrezept dafür, wie und in welcher Reihenfolge man die Leichen im eigenen Keller bestmöglich abträgt. Auch einem sehr erfahrenen Psychotherapeuten können dabei Fehler unterlaufen und er kann Dinge aufrühren, die seinen Patienten überfordern. Daher wird ein guter Psychotherapeut seinen Patienten niemals eine Entscheidung aufzwingen.

Eine Verhaltenstherapie, genau wie Mediation oder Hypnose können helfen, die Eigenliebe zu stärken und erstmal den Mut zu entwickeln, sich den Leichen im eigenen Keller zu stellen. Eine Verhaltenstherapie mit Symptomverschiebung kann temporär trotzdem die richtige Entscheidung sein, wenn der Patient einfach noch zu schwach für die Wahrheit ist und zum Beispiel Alkohol durch Sport ersetzt wird. So ganz verteufeln würde ich es daher nicht.

Wer einmal die wunderbare Erfahrung gemacht, eine Leiche im eigenen Keller nicht "umzubetten" sondern sich von ihr ein für alle mal zu befreien, tut nichts anderes mehr und torpediert fortan munter die eigene Verdrängung, bis er den Gleichmut von Buddha besitzt. Leider muss man es wenigstens einmal getan haben, sonst begreift man nicht, wie befreiend das wirkt.

Leider ändern wir Menschen uns aber nur, wenn wir es unbedingt müssen, weil wir sonst im A*sch sind, auf der Strasse sitzen und buchstäblich auf die herkömmliche Tour nicht mehr weiterkommen. Eine Verhaltenstherapie wie oben beschrieben kann dazu führen, dass einer sich nicht im Glückspiel finanziell ruiniert aber dafür irgendeine halberträgliche Ersatzhandlung macht. Und dann hört er auf und verharrt in dieser Position.

Tja, den meisten Menschen ist eben nicht zu raten.

Wieso Symptomverlagerung.

Es geht letztlich daruum ein erlerntes Falsches Verhalten wieder zu " verlernen " oder zu erkennen.

Bei der Psychoanalyse oder Tiefenpsychologie hingegn, wird der Therapeut selbst bei einem " perfekten " Leben immer eine Ursache finden.

Nur leider nutzt diese Erkenntnis in den wenigsten Fällen etwas, da man die Uhr nicht zurückdrehen kann.

Um mal einen Patienten zu zitieren:

" Nach 1 Jahr Psychoanalyse weiß ich erst wie schlecht ( das ander Wort darf man hier nicht schreiben ) mein Leben ist und könnte mich umbringen "

Mit freundlichen Grüßen

Nasdaq

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