Worin liegt der Unterschied zwischen Achtsamkeits-meditation und Zen-Meditation?

1 Antwort

Ich bin Zen-Buddhist und gebe mal meinen Senf ab.

Zazen

Das Zazen ist eine Übung, bei der die Bewahrung der korrekten Haltung eine besondere Rolle spielt, da man davon ausgeht, dass sich Geist und Körper gegenseitig beeinflussen.

Ein trüber Geist, zeigt sich in einer nachlässigen Haltung - umgekehrt kann aber eine gute Haltung auch den Geist positiv beeinflussen. Zazen bedarf also einer gewissen Übung, bis die Technik korrekt ist.

Deshalb wird Zazen meist auch in Gruppen unter Aufsicht eines Leiters praktiziert, da er Haltungsfehler korrigieren kann, damit Körper und Geist gleichermaßen geübt werden..

Hat man die Zazen-Praxis verinnerlicht, kann man auch alleine üben.

Vipasana

Achtsamkeitsmeditation sollte zwar in einer aufrechten, entspannten Haltung geübt werden, legt jedoch nicht so viel Gewicht auf die streng "korrekte Haltung" Haltung gelegt, wie beim Zazen.

Vipassana setzt die Aufmerksamkeit auf den fließenden Atem voraus und dazu ist eine natürliche Haltung erforderlich. Die Disziplinierung der Haltung ist aber nicht so wesentlich wie im Zen.

Ziel der Meditation

Zazen und Vipassana haben kein Ziel, denn das würde eine Erwartungshaltung des Übenden bedeuten.

Dieses Leistungsdenken, der Wunsch nach Erfolgen - "mehr Ruhe", "mehr Konzentration", "mehr Weisheit" wird völlig fallen gelassen.

Im Buddhismus ist man kein "schlechter" Mensch, der durch irgendwelche Techniken "besser gemacht" oder womöglich sogar "optimiert" werden muss.

Man übt sich einfach in Meditation, ohne dabei etwas besonderes mystisches zu erwarten, oder sich positive Effekte auf Körper und Psyche zu versprechen.

Meditation ist keine Technik

Letztlich ist Meditation aber überhaupt keine Technik, sondern ein Zustand  entspannter Achtsamkeit, also das Gegenteil von Trance oder Anspannung.

Auch wenn Sitzmeditation die Grundlage darstellt, kann man sich - gerade durch die Beobachtung des Atems - immer wieder aus dem unbewussten Alltagstrott und den Anhaftungen, wieder ganz in den gegenwärtigen Moment holen.

Gerade durch Atembeobachtung, kann man auch im Alltag die Erfahrung der Achtsamkeit machen.

Letztlich kann jede, im Zustand der Achtsamkeit ausgeführte Handlung, eine Form der Meditation werden (Nicht umsonst gibt es diesen ganzen Haufen der "Zen in der Kunst des...." Bücher, wobei das meiner Meinung nach teils einfach philosophisches Geschwurbel ist).

Das sind natürlich nur meine Ansichten. Hoffe, die Antwort war dennoch hilfreich.

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