Warum muss man bei dem Blutverdünner Brilique im Gegensatz zu Marcumar keinen Quick Wert messen?

3 Antworten

Die INR bzw. der Quick-Wert wird von Brilique nicht beeinflusst, da beim Quickwert nicht die Thrombozytenaggregation gemessen wird, in die Ticagrelor eingreift.

Der Begriff "Blutverdünner" ist nicht ideal. Das Blut wird nicht dünner (= Verhältnis von Plasma zu zellulärem Anteil wird geringer). Es gibt welche, wie Brilique, ASS, Clopidogrel, Prasugrel etc., die die Neigung von Thrombozyten vermindern, Thromben zu binden und es gibt solche wie Marcumar, Warfarin, Apixaban, Rivaroxaban und Dabigatran(etexilat), die in die Gerinnungskaskade eingreifen. Diese Mittel beeinflussen den Quickwert, wobei bei den genannten außer bei Marcumar und Warfarin auch das Problem besteht, dass er nicht mehr aussagekräftig ist.

Der Quick oder INR wird von Brilique nicht beeinflusst, weil es wie ASS direkt auf die Thrombozyten wirkt, während Marcumar einige Faktoren der Blutgerinnung hemmt.

Vielen Dank für die schnelle Nachricht! Hat das auch Nachteile oder warum nehmen dann nicht alle Herzpatienten Brilique?

@MarkusFaerber

Es hat den Nachteil, dass es kein Gegenmittel bei Notoperationen gibt und es scheint nicht so stark zu wirken wie Marcumar, denn es wird wohl meist in Kombination mit ASS gegeben. Allerdings ist vermutlich das Blutungsrisiko geringer als bei Marcumar.

@MarkusFaerber

Vielen Dank! Das hat mir sehr geholfen!!

@FelixFoxx

Thrombozytenaggregationshemmer (TAH) wie ASS oder Ticagrelor (Brilique) haben auch andere Indikationen. Zudem ist Ticagrelor deutlich teurer als ASS oder Marcumar.

TAH sollen die Bildung von Thrombozytenaggregaten im arteriellen System hemmen, Marcumar, Warfarin, Apixaban, Rivaroxaban etc. die Gerinnung von nicht schnell genug fließendem Blut verhindern.

Weil der Blutverdünner keinen Einfluss auf den Quick-Wert hat. Dieses Verdünnungspräparat zapft ganz andere Rezeptoren an, wobei man dies an den Blutwerten bislang noch nicht feststellen kann. Vorteil ist aber, dass man eine feste Dosis hat, während man beim Marcumar eben ständig die Blutwerte kontrollieren und die Medikamentendosierung anpassen muss.

Der Nachteil ist, dass es kein Gegenmittel gibt, wenn z.B. eine Notoperation ansteht. Da müssen die Ärzte dann so operieren, dass möglichst wenig Blutungen auftreten. Ist etwas kniffeliger, aber gute Ärzte bekommen das schon so hin, dass die Blutungen nicht zu stark werden. Zur Sicherheit müssen bei solchen Operationen aber immer Blutkonserven in Bereitschaft sein.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Krankenschwester, Stationsleitung, PDL, 4 Semester Medizin

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