Reanimation-Vorschrift?

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Nein, es gibt keine Vorschriften, wie lange reanimiert werden muss. Der Arzt entscheidet über den Abbruch der Maßnahmen allein aus der Überlegung hinaus, wie die Erfolgsaussichten sind. Dabei berücksichtigt er verschiedene Punkte: welchen Rhythmus zeigte das Herz im ersten EKG, und wie ist die Entwicklung (war vielleicht ursprünglich eine Nulllinie da, und danach Kammerflimmern ist das gut, war erst Kammerflimmern da, das sich in eine Nulllinie verwandelt hat, ist das schlecht)? Wie lange läuft die Wiederbelebung schon, und welche sind die erwarteten Veränderungen im Körper (neben der kritischen Sauerstoffversorgung wären da noch Abfall des pH-Wertes, der Temperatur, des Zuckers, der Gerinnungsfähigkeit des Blutes, Entwicklung von Organschäden durch Schockzustand...)? Hat der Patient schon mal irgendwie auf die Maßnahme reagiert (schon mal kurz wieder Kreislauf gehabt)? Was ist die Ursache für den Stillstand (Rhythmusstörung, vielleicht durch Herzinfarkt, Unterkühlung, Ersticken, Lungenembolie...)? Wie alt ist der Patient, was sind seine Vorerkrankungen? Gibt es womöglich eine Patientenverfügung oder hat er schon mal mit Angehörigen darüber geredet, was er in diesem Fall überhaupt will? Und, ganz wichtig: wie lange lag der Patient tot da, bevor was unternommen wurde? Wenn der Rettungsdienst erst mit der Reanimation beginnt, nachdem er 8 Minuten zum NOtfallort gebraucht hat, zuvor aber keine Laien-Reanimation stattgefunden hat, ist eine Reanimation meistens sinnlos, die Schäden sind bereits zu groß. Aus all diesen Informationen überlegt sich der Arzt, wie wohl die Chancen stehen, den Patienten wiederzubeleben und bricht die Maßnahme früher oder später ab. Bei jungen Patienten ohne nennenswerte Vorerkrankungen ud mit erfolgterLaienreanimation wird man sich ne Menge Mühe geben, da kann die Reanimation mal locker anderthalb Stunden dauern und einiges an Rettungsdienstmitarbeitern und Feuerwehrleuten verschleißen (ist nämlich ganz schön anstrengend). Meistens gilt aber als Faustregel, dass Reanimationen, die länger dauern als 15-20 Minuten, ein sehr schlechtes Ergebnis haben, selbst wenn es nach dieser Zeit noch gelingt, einen Kreislauf wieder herzustellen - man ist halt nur geneigt, jungen Menschen eher die Chance einzuräumen,es zu versuchen, da ihre Chancen wesentlich besser stehen (sie können halt einfach wesentlich mehr wegstecken, als sehr alte und kranke Menschen). Letztendlich und trotz des langen Schreibens ist die Antwort auf deine Frage, dass der Arzt vor Ort selbst entscheidet, wann die Maßnahme keine Aussicht auf Erfolg mehr hat und eingestellt wird. Eine Richtlinie gibt es nicht, aber es ist auch keine Entscheidung aus dem Bauch heraus, sondern basierend auf medizinischen Überlegungen ud Erfahrung.

Nicht zu vergessen die Temperaturen. Ein Unterkühlter hat deutlich höhere Chancen bei später beginnender Reanimation. Es gibt dazu sogar den Grundsatz: "Niemand ist tot, so lange er nicht warm und tot ist."

http://de.wikipedia.org/wiki/Hypothermie

Der Arzt entscheidet, wann die Maßnahmen eingestellt werden. Schließlich sind die Situationen ja auch unterschiedlich gelagert. Möglich ist da vieles zwischen gar nicht mehr anfangen und ner Stunde...

,.....oder muss er selbst entscheiden wann "Schluss" ist?

genau so ist es. Er entscheidet im jeweiligen Einzelfall wann aufgehört wird.

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