Behandlung/Transport durch Rettungsdienst/Notarzt verweigern

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Befindet sich eine Person offensichtlich in einem medizinisch besorgniserregenden Zustand, ist das behandelnde Personal ein wenig in der Zwickmühle, wenn der Patient die Behandlung ablehnt. Grundsätzlich gilt: der Wille des Patienten ist zu akzeptieren, auch wenn Bereich dadurch selbst gefährdet, wenn er vollständig Herr sein Sinne ist. Ist er das nicht, muss der Arzt vom mutmaßlichen Willen des Patienten ausgehen und auf dieser Basis handeln. Es ist gemeinhin aktzeptierte Meinung, dass ein Mensch wunscht, behandelt zu werden, kann man nicht durch eine Patientenverfügung oder Angehörige eine andere Meinung herausfinden. Einfach ist es mit dem mutmaslichen Willen bei einem Bewusstlosen, der keinen Willen äußern kann - er wird halt behandelt. Schwieriger ist es, wenn der Patient wach ist und eine Meinung äußert, der Arzt aber den Eindruck hat, der Patient sei nicht Herr seiner Sinne. Beispiel: eine alte Dame wird von Nachbarn zu Hause auf dem Boden liegend aufgefunden, nachdem man sie zwei Tage nicht gesehen hatte. Die Dame konnte wegen eines Hüftleidens nicht selber aufstehen. Dem Rettungsdienst erzählt sie, sie habe keine Schmerzen und lehne einen Transport ins Krankenhaus ab. Zunächst wirkt sie auch ganz klar. Dennoch befindet der Notarzt, dass bei unklarer Ursache des Sturzes und der langen Liegezeit mit entsprechenden Flüssigkeitsmangel die alte Dame nicht ausreichend Herr ihrer Sinne und nicht zurechnungsfähig ist. Die Nachbarn beschreiben sie als lebenslustig und vernünftig, die stureWeigerung passe gar nicht zu ihr. Der Notarzt bbeschließt gegen den ausdrücklichen Willen, den er als ungültig erachtet, die Patientin mitzunehmen. Tatsächlich zeigt sich im Krankenhaus neben einem schweren Mangel an Flüssigkeit eine kleine Hirnblutung, wohl durch den Sturz. Nach ihrer Genesung bedankt sich die Frau sogar, das man nicht auf sie gehört hat, als sie so verwirrt war. Fazit: ja, es gibt Behandlung gegen den geäußerten Willen, wenn das medizinische Psonal den Patienten für unzurechnungsfähig hält. Das ist auch völlig zulässig, im Gegenteil kann sich ein Arzt der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen. Natürlich auch genauso gut natürlich auch der Körperverletzung, wenn die Diagnose der Unzurechnungsfahigkeit falsch war... daher wird sich ein Arzt dabei äußerst schwer tun. Grundsätzlich ist eine Zwangsbehandlung aber somit möglich. Übrigens ist eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie bei Recht von Selbstgefährdung was anderes, als die medizinisch notwendige Behandlung bei Unzurechnungsfähigkeit.

Bitte entschuldige den längeren Text, es ist ein komplexer Sachverhalt.

Nein, der Rettungsdienst kann die Leute nicht gegen ihren Willen mitnehmen. Aber natürlich versuchen sie zu helfen und auch die Notwendigkeit einer Mitnahme darzulegen.

Gegen seinen Willen darf kein Mensch behandelt werden. Wenn der Wille geäußert werden kann und es kommt ein klares "nein", dann muss das so akzeptiert werden. Anderenfalls könnte man von vorsätzlicher Körperverletzung sprechen, mindestens aber von fahrlässiger Körperverletzung. Aber beackern darf man, nur nicht gegen den Willen festhalten. Rein theoretisch könnte man einfach aufstehen und gehen, wäre aber unfreundlich. :)

Kann jemand seinen Willen nicht kundtun, so geht man generell erstmal von einer Einwilligung aus (aber oftmals problematisch bei Zeugen Jehovas oder anderen Glaubensrichtungen).

Das mit dem Aufstehen und Weggehen ist so eine Sache. Was ist denn, wenn der Patient eben das nicht kann?

@MSkruemel

Dann gilt das was ich im zweiten Absatz geschrieben hab. Ansonsten könnten sich die Sanitäter wg. unterlassener Hlifeleistung, eher sogar wg. Körperverletzung durch Unterlassen oder, verstirbt der Patient, wg. Totschlags durch Unterlassen strafbar machen. Die Straftatbestände könnte ich jetzt unendlich ausdehnen, aber ich will hier ja nicht promovieren.. :)

@MSkruemel

Oder meintest du wenn der Patient bei Bewusstsein ist und sich halt nur nicht bewegen kann? Auch dann gibt es keine Einwilligung, wenn der Patient die Behandlung ablehnt!

Als Beispiel mal die Zeugen Jehovas: Weiß ein Arzt das der Patient Zeuge Jehovas ist, wird er sich hüten eine dringend benötigte Bluttransfusion durchzuführen, selbst wenn der Patient ohne Transfusion sterben kann / wird. Zeugen Jehovas verweigern aus Glaubensgründen die Behandlung mit fremden Blut.

Als Faustregel: Keine (ausdrückliche) Einwilligung, keine Behandlung!

@elmundoesloco

Ich meine, dass der Patient zwar wieder bei Bewusstsein ist, aber nicht die "Kraft" hat, selbst aufzustehen/wegzugehen. Und er ist der Meinung wieder voll geschäftsfähig zu sein. Ich finde es schwierig, da ich schon gehört habe, dass Personen, die kurz zuvor bewusstlos waren, mal eben als nur "eingeschränkt geschäftsfähig" eingestuft werden und dann gegen ihren Willen eben doch behandelt/mitgenommen werden.

@elmundoesloco

falsch! Nur eine ausdrückliche Verweigerung mit Unterschriftlicher Bestätigung entbindet uns von einer Behandlung! Siehe meine Antwort. MfG

@Imker2306

Da muss ich dich korrigieren:

Ausdrückliche Verweigerung ja, die Unterschrift ist aber nicht zwingend nötig und kann durch Zeugenaussagen ersetzt werden.

@Maxl100

Unterschreiben dann nicht ersatzhalber die Zeugen? Bei uns schon. Ohne Unterschrift haste doch keinen Nachweis der Verweigerung falls es später trotzdem zu einer Klage käme.

@sachlich123

Klar ist die Unterschrift (vom Patienten oder ggf. von Zeugen) ideal, jedoch besteht die Gefahr bei "nachdrücklichem" Drängen der Person zur Unterschrift eine Nötigung zu begehen; damit macht man sich strafbar und die Unterschrift verliert auch ihre Bedeutung.

In der Praxis: Patient bitten zu unterschreiben, macht er das nicht, dann Zeugen darum bitten. Sind keine Zeugen da oder möchten diese nicht unterschreiben, dann ausdrücklich vermerken und mindestens vom Kollegen gegenzeichnen lassen.

@Maxl100

In der Praxis wird es kaum vorkommen, daß ein zurechnungsfähiger Patient der den Transport verweigert auch die Unterschrift verweigert (wozu auch). Ist mir in über 20 Jahren noch nicht passiert. Wenn ich der Meinung bin, daß ein Transport nötig ist und der Patient sich weigern würde sowohl mitzufahren als auch zu unterschreiben würde ich einen NA oder Hausärztlichen Notdienst nachfordern. Aber wie gesagt war noch nicht notwendig jemanden zu drängen. Es ist ja eine Entscheidung, die der Patient selbst trifft. Transport oder Verweigerung. Und das Einsatzprotokoll hat ja entsprechend einen Absatz wo alles vorgefertigt steht, sodaß der Zweck der Unterschrift nicht verfälscht werden kann.

Eine Person die mehr Ahnung hat von Erste Hilfe und so, ist verpflichtet zu helfen, also musste er den Rettungsdienst rufen...das darf jeder andere aber auch machen, ist das mindeste was man tun kann. Nur nicht zu helfen ist falsch, man bekommt nur Strafe für nicht handeln.

Wenn der Rettungsdienst kommt und einen behandelt darf man den Transport ablehnen, eventuelle gesundheitliche Folgen trägt man dann aber selber.

Wenn die person nicht zurechnungsfähig ist und sich nicht selber helfen kann ist das eine Art Zwang, vllt, aber die müssen dem helfen...

Hallo MSkruemel, nein Zwangsbehandlung in "DEM" Sinne gibt es nicht. ABER, wenn zu vermuten ist das der Pat. nicht Herr seiner Sinne ist oder er eine Gefahr für sich und andere darstellt fordern die Rettungskräfte den Notarzt,die Polizei und/oder den sozial psychatrischenDienst nach. In dem von dir geschilderten Fall wäre das nicht nötig gewesen. Vernünftiger wäre jedoch eine Behandlung und Vorstellung in einer Notfallambulanz! Die Kreislaufdys./ Bewustlosigkeit muß ja eine Ursache haben. Kann harmlos sein, oder einen ernsten Hintergrund haben. Vor dem Rett.dienst muß man keine Angst haben, das spricht sehr für ein psychisches Problem. Aber ich war nicht dabei und kann also nicht beurteilen ob der Pat. ernsthaft Lebensbedroht war. Auf alle Fälle ist es in Deutschland ein Grundrecht jedes Menschen an Unvernunft zu versterben! Somit KEINE ZWANGSBEHANDLUNG. MfG

Ob der Patient in Lebensgefahr war, kann ich als medizinischer Laie nicht beurteilen. Es kam nur schon öfter vor mit dem Umkippen und unser RettSan auf Arbeit hat erste Hilfe geleistet und anhand der Vitalparameter (heißt das so?) dann den Rettungsdienst angefordert. Und ich gehe mal davon aus, dass er dazu schon allen Grund hatte.

@MSkruemel

Genau so ist die Rettungskette. Wie schon gesagt, diese ständigen Synkopen müssen eine Ursache haben. Wenn dieser Mensch auch noch ein Auto fährt ist er in meinen Augen grob fahrlässig! Was wäre denn wenn er so eine Attacke im Auto bekommt und eventuell ein paar Kinder tötet? Dann hilft kein "DAS WOLLTE ICH NICHT", dann kommt jede Einsicht zu spät. Gott, wie ich diesen Satz hasse! ( und schon zu offt hören mußte) MfG

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