Ursache von SM Vorlieben?

5 Antworten

Das Sexuelle vom Persönlichen abspalten zu wollen, ist ein Schutzmechanismus, um sich mit sich selbst und/oder der Vergangenheit nicht auseinander zu setzen.

Ein BDSM Video angeschaut und jedem Menschen, der auf seine Empfindungen zugreifen kann, wird klar, dass es hierbei nicht um eine Vorliebe wie zu Kaffee und Kuchen gehen kann.

Viele Menschen, die BDSM betreiben - und das auf einem sehr ausgeprägten Level - geben an, dass sie sich sicher seien, dass es schlichtweg eine Vorliebe sei, "wie andere eben Vorlieben für Kaffee und Wein im Alltag entwickeln". Geschmackssinn hängt mit einem Sinnesorgan zusammen. Richtig ist: Menschen haben eine genetische Disposition wie stark sie eine Vorliebe oder gar Suchtverhalten entwickeln können.

Dass Lust- und Schmerzzentrum nahe beieinander liegen, erklärt hingegen nicht, warum ich es sexuell erregend finde, im Extremfall Menschen heftige Schmerzen zuzufügen, sie als Stück zu "nehmen", indem ich sie mit Masken unkenntlich mache oder mich umgekehrt roher Gewalt und Demütigung aussetze.

Nachweislich sind bei Menschen mit einem geringeren Empathievermögen gewisse Gehirnareale weniger entwickelt. Biologie steht also im Zusammenhang mit dem, was wir als Charakter wahrnehmen und bezeichnen. Allerdings wurde ebenfalls nachgewiesen, dass der Lebenslauf eine entscheidende Rolle spielt, wie unsere genetischen Dispositionen sich im Leben auswirken, wie wir mit anderen in Kontakt treten, welche Vorlieben wir hier entwickeln.

Ebenfalls ist häufig zu beobachten, dass Menschen, die Missbrauch und Demütigung in ihrer Kindheit erfahren haben, diesen auch im Erwachsenenalter in ihrer Sexualität suchen. Es ist ein Mechanismus, der dazu führen soll, dem Schmerzhaften der Vergangenheit weniger Gewicht einzuräumen, indem es als etwas Gewöhnliches umgedeutet wird. Nur so kann die Sexualität aufrecht erhalten bleiben.

Ebenfalls häufig zu beobachten ist, dass Menschen mit dem Wunsch, andere zu demütigen und Gewalt zuzufügen, ein sehr niedriges Selbstwertgefühl besitzen und in der Vergangenheit Verletzungen ausgesetzt waren, die zu Hass, Wut und hoher Verunsicherung geführt haben. Solche Menschen können schlecht auf ihre Empfindungen zugreifen, geschweige denn mit ihnen umgehen. Auch sie nutzen Sexualität als Mittel der Schmerzlinderung.

Menschen reagieren unterschiedlich auf gewisse Ereignisse. Was für den einen unproblematisch bleibt, verletzt den anderen aufgrund seiner Veranlagung zutiefst. Es ist demnach zu kurz gedacht, zu sagen, dem ist doch nichts Schlimmes widerfahren - daran kann es nicht liegen.

Persönlichkeit speist sich also aus dem Zusammenspiel von Genetik und Erlebten.

Sexuelles Verlangen nach Demütigung und Schmerz kann nicht mit einer rein körperlichen Veranlagung erklärt werden.

  • Leider ist nicht sicher bekannt, warum sadomasochistische Veranlagungen auftreten. Es wird jedoch vermutet, dass es mit Erziehung, Missbrauch und prägenden Einflüssen in der Kindheit zu tun hat. Möglicherweise sind die Ursachen so vielfältig, dass es schwierig ist, klare Schlüsse zu ziehen.
  • Es gilt aber schon als gesichert, dass Lust am Schmerz nicht natürlich, gesund und üblich ist, sondern in irgendeiner Form eine psychische Störung und sexuelle Devianz darstellt.
  • Wenn die Betroffenen darunter nicht leiden, sondern ihnen ein normales Leben möglich ist, ist diese Form der Devianz nicht behandlungsbedürftig.

Das stimmt nicht. Es ist sogar wissenschaftlich bewiesen dass Schmerz und Lust nah mitienander verbunden sind, weil die beiden Rezeptoren sehr nah am Gehinr zusammenliegen. Weshalb manche den Schmerz gar nicht als Schmerz sondern als Lust empfinden. Ich hab keine schlimmen prägenden Ereignisse erlebt, mein Vater hat mich nicht missbraucht, oder sonst wie schlimm geprägt und trotzdem hab ich diese Neigung. Einfach weil ich gern alle aus der Hand gebe und auf ein dominantes Auftreten sowie dominante Männer stehe. Ist nunmal so. Im Alltag auch. Nur nicht so extrem wie im Bett.

@Protego

Was genau "stimmt nicht"? ich habe doch ausdrücklich gesagt, dass die Ursachen sadomasochistischer Veranlagung noch nicht genau bekannt sind -- willst du behaupten, sie wären es? Wohl kaum!

Lust und Schmerz mögen räumlich im Hirn beieinander liegen, aber fast alle Menschen sind durchaus in der Lage, beide Gefühle deutlich und klar voneinander zu unterscheiden. Räumliche Nähe hat doch nichts damit zu tun, dass es separate Gefühle und Wahrnehmungen sind.

Wenn Du selbst sadomasochistisch veranlagt bist, wäre doch eher interessant, worauf Du es in Deinem Falle zurückführst -- irgendeinen Grund muss es haben, da sind wir usn ja wohl einig. Nur ist der eben noch unbekannt -- wie bei so vielen Störungen, bei denen die Ursachen unklar sind, sollte man deswegen aber noch lange nicht so tun, als ob es keine Störung wäre. Wir wissen halt nur nicht, wie so etwas in bestimmten Fällen entsteht.

@Protego

Ich ergänze hier noch mal, um Missverständnisse zu vermeiden: Jeder darf und soll doch gerne leben, wie er möchte. Solange beide beteiligten Sexualpartner einvernehmlich und gerne derartige Praktiken ausleben, sollen sie es gerne tun.

Aber Fakt ist, dass für die überwältigende Mehrheit der Menschen Lust und Schmerz sich stark widersprechen und die meisten schon bei geringen Schmerzen kaum noch Lust empfinden können. Das ist die normale, gesunde, natürliche Art, wie sie von er Natur gedacht ist -- tut es weh, ist es eine Warnung. Tut es weh, hat man besseres und wichtigeres zu tun als Sex zu haben und sich der Lust hinzugeben. Schmerzen sind Warnung. Sie fokussieren uns biologisch auf Lebenserhalt.

Ich finde es bedauerlich, dass man heutzutage nicht mehr Tacheles reden darf, wenn es um sexuelle Devianzen geht. Störung ist Störung. Das muss man doch sagen dürfen. Niemand will diese Leute verurteilen oder es ihnen verbieten oder sonstwas. Aber physiologisch normal ist es definitiv nicht. Und ja, das kann man sagen -- das ist nämlich Fakt.

@Kajjo

Allerdings hat man keine Schmerzen, wenn man beim Sex schmerzen hervorbringen will. Deshalb denke ich dass es eben nicht unnatürlich ist. Man spürt den Schmerz überhaupt nicht als Schmerz, sondern nur als Lust.

Ich führe das auf gar nichts zurück. Ich weiß einfach dass es meine Lust steigert, ich bin übrigens viel weniger auf den Schmerz aus, als auf die Unterwerfung an sich. Ich mag es nunmal einfach die Kontrolle aus der Hand zu geben, sowie manche es überhaupt nicht mögen keine Kontrolle zu haben.

@Protego

Allerdings hat man keine Schmerzen, wenn man beim Sex schmerzen hervorbringen will

Man spürt den Schmerz überhaupt nicht als Schmerz, sondern nur als Lust.

Ich selber würde das so nicht stehen lassen, denn der Begriff "Lustschmerz" kommt ja nicht von irgendwo her :-)

Ich glaube schon das es eine Form von Schmerz sein kann, aber wie wir "alle" wissen hat man beim Sex eine andere Schwelle der Empfindung.

@antonioMO

Naja, ich kann das schlecht beschreiben. Ich meine man fühlt natürlich schon dass es kein Federstreicheln ist, aber ich meine wenn mir jemand ne Backpfeife verpassen würde, einfach so mal beim Essen oder so. Das tut dann weh. Aber beim Sex da fühlt es sich nicht an wie ein Schmerz. Sonst würde mir das auch da nicht gefallen. Das meinte ich damit^^

@Protego

Aber beim Sex da fühlt es sich nicht an wie ein Schmerz. Sonst würde mir das auch da nicht gefallen...

ne Backpfeife verpassen

Kann ich (noch) nicht mitreden :-)

@antonioMO

Naja, es kommt natürlich auf die Veranlagung eben an. Wenn jemand eben kein bisschen auf SM in jeder Form steht findet der das vllt auch dann nicht toll. Aber wenn man das mag dann kann man das nicht Schmerz nennen. Keiner will heißen Kerzenwachs auf der Brust. Beim Sex ists aber nunmal wieder anders und nicht direkt schmerzhaft. Aber während dem Sex sind die Sinne sowieso komplett entschärft. Ich höre dann auch um mich rum kaum noch was. Vielleicht liegt es daran dass man den Schmerz auch anders spürt als so. Wer weiß ;) Wirst es sicher noch rausfinden^^

@Protego

Wirst es sicher noch rausfinden

Ich meinte nur, dass ich das mit der "Backpfeife" nicht kenne :-))

@antonioMO

Achso. Naja, ich meinte allgemein, einfach mal so nen Schmerz im Alltag, von mir aus auch wenn ich mir den Ellbogen anschlage. Nicht so doll ;)

@Protego

Normalerweise sollte das aber weh tun anstatt daß man Lust dabei empfindet bzw. anstatt daß man den Schmerz zwar spürt aber ihn nicht als unangenehm empfindet. (Selbsterhaltung).

so genau weiß das keiner... es gibt hier mehrere mögliche ursachen

  • prägende erlebnisse in der kindheit
  • versteckte agressionen
  • das bedürfnis, sich unterzuordnen

für mich ist das auch ein rätsel in gewiser weise. meine beste freundin hat so ein paar äußerst merkwürdige vorlieben. die steht total auf regenjacken. woher es genau kommt, weiß sie selbst auch nicht. nur so viel weiß ich, es war die rote Regenjacke von ihrer großen schwetster mit der alles angefangen hat... die hat sie auch heute noch, ob wohl sie ihr viel zu klein ist...

ich hab da sone theorie zu regenjacken, latex und generell reflektierdem zeugs. die art, wie licht darin reflektiert wird, und die lichtflecken sich bei bewegungen verschieben, implizieren höchst anschmiegsame massagebewegungen

Hi! Der Grund dafür ist ein relativ einfacher. Lust- und Schmerzzentrum liegen im Gehirn ganz nah beieinander. Beinhaltet der Schmerz nun eine sexuelle Komponente, wie eben bei SM-Praktiken, so wird quasi das Lustzentrum weiter stimuliert und die sexuelle Erregung gesteigert. Voraussetzung dafür ist allerdings auch eine entsprechende psychische Veranlagung. Bei SM-Praktiken geht es ja auch nicht allein um Schmerz, sondern auch um Dinge wie Erniedrigung, Ausgeliefertsein (Fesselspiele) usw. "Normal" ist das durchaus, es kommt halt ganz einfach auf die individuelle Veranlagung an. Manche mögen es, andere nicht. So wie manche Kaffee mögen, andere Wein :). Wenn es beiden Spaß macht, ist nichts dagegen einzuwenden. LG

Das Sexuelle vom Persönlichen abspalten zu wollen, ist ein bewusster oder unbewusster Schutzmechanismus, um sich mit sich selbst und/oder der Vergangenheit nicht auseinander zu setzen.

Ein BDSM Video angeschaut und jedem Menschen, der auf seine Empfindungen zugreifen kann, wird klar, dass es hierbei nicht um eine Vorliebe wie zu Kaffee und Kuchen gehen kann.

Viele Menschen, die BDSM betreiben - und das auf einem sehr ausgeprägten Level - geben an, dass sie sich sicher seien, dass es schlichtweg eine Vorliebe sei, "wie andere eben Vorlieben für Kaffee und Wein im Alltag entwickeln". Geschmackssinn hängt mit einem Sinnesorgan zusammen. Richtig ist: Menschen haben eine genetische Disposition wie stark sie eine Vorliebe oder gar Suchtverhalten entwickeln können.

Dass Lust- und Schmerzzentrum nahe beieinander liegen, erklärt hingegen nicht, warum ich es sexuell erregend finde, im Extremfall Menschen heftige Schmerzen zuzufügen, sie als Stück zu "nehmen", indem ich sie mit Masken unkenntlich mache oder mich umgekehrt roher Gewalt und Demütigung aussetze.

Nachweislich sind bei Menschen mit einem geringeren Empathievermögen gewisse Gehirnareale weniger entwickelt. Biologie steht also im Zusammenhang mit dem, was wir als Charakter wahrnehmen und bezeichnen. Allerdings wurde ebenfalls nachgewiesen, dass der Lebenslauf eine entscheidende Rolle spielt, wie unsere genetischen Dispositionen sich im Leben auswirken, wie wir mit anderen in Kontakt treten, welche Vorlieben wir hier entwickeln.

Ebenfalls ist häufig zu beobachten, dass Menschen, die Missbrauch und Demütigung in ihrer Kindheit erfahren haben, diesen/e auch im Erwachsenenalter in ihrer Sexualität suchen. Es ist ein Mechanismus, der dazu führen soll, dem Schmerzhaften der Vergangenheit weniger Gewicht einzuräumen, indem es als etwas Gewöhnliches umgedeutet wird. Nur so kann die Sexualität aufrecht erhalten bleiben.

Ebenfalls häufig zu beobachten ist, dass Menschen mit dem Wunsch, andere zu demütigen und Gewalt zuzufügen, ein sehr niedriges Selbstwertgefühl besitzen und in der Vergangenheit Verletzungen ausgesetzt waren, die zu Hass, Wut und hoher Verunsicherung geführt haben. Solche Menschen können schlecht auf ihre Empfindungen zugreifen, geschweige denn mit ihnen umgehen. Auch sie nutzen Sexualität als Mittel der Schmerzlinderung.

Menschen reagieren unterschiedlich auf gewisse Ereignisse. Was für den einen unproblematisch bleibt, verletzt den anderen aufgrund seiner Veranlagung zutiefst. Es ist demnach zu kurz gedacht, zu sagen, dem ist doch nichts Schlimmes widerfahren - daran kann es nicht liegen.

Persönlichkeit speist sich also aus dem Zusammenspiel von Genetik und Erlebten.

Sexuelles Verlangen nach Demütigung und Schmerz kann nicht mit einer rein körperlichen Veranlagung erklärt werden.

Vielleicht hat es etwas mit der frühen Kindheit zu tun, wenn sich erste sexuelle Gefühle zeigen? Aber auch das ist nur Spekulation. Manche Leute haben sexuelle Phantasien, die in der Realität nur der blanke Horror wären. Woher kommt das? Die menschliche Seele ist wohl immer noch reichlich wenig erforscht.

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