Wie kann man sich die wirkung von antidepressiva vorstellen?

5 Antworten

Also ich nehme Venlafaxin santoz 75mg jede nacht vor dem schlafen gehen ein. Ich hatte ne schlimme Kindheit und fühl mich Grund dessen Minderwertig und weine sehr oft deswegen. Ich träume sehr stark so dass ich morgens wieder sehr müde bin. Ich stand kurz vor einem Black Out. War überfordert, hatte zu nichts mehr Lust.

Dann habe ich die Tabletten bekommen. Ich muss sagen dass ich nicht mehr deswegen weinen tue. Auch wenn ich dran denke, werd ich nicht traurig. Ich habe jetzt auch wieder lust was zu unternehmen... Aber süchtig werde ich von den Tabletten nicht,

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen :)

Antidepressiva unterstützen den Neurotransmitter Serotonin. Dieser Stoff ist dafür verantwortlich, dass die Steuerungsmechanismen im Hirn nicht ausser Kontrolle geraten. Wenn zu wenig Serotonin zur Verfügung steht, können Gefühlsprozesse ausser Kontrolle geraten. Das zeigt sich dann z.B. in totaler Hoffnungslosigkeit. Man befindet sich in finsterer Nacht. Ein anderes Gefühl das unter der Kontrolle von Serotonin steht ist die Angst. Angst kann ausser Kontrolle geraten, das ist dann Panik. In beiden Fällen können Antidepressiva helfen, die Kontrolle über diese Gefühlsprozesse wieder zu erlangen.

Antidepressiva dröhnen nicht zu. Das Erleben der Gefühle ist nach wie vor da. Um sich zuzudröhnen braucht man Stoffe, die den Neurotransmitter Dopamin beeinflussen, wie Heroin, Kokain, Amphetamine usw. Diese Stoffe machen auch süchtig. Antidepressiva können nicht süchtig machen, da sie auf Serotonin wirken.

Wenn dein Freund stirbt und du nimmst Antidepressiva, verhinderst du höchstens, dass du so hoffnungslos wirst, dass du dich gleich von einer Brücke stürzen möchtest. Aber Trauer wird nach wie vor erlebt.

Antidepressiva würde ich nur (mit fachlicher ärztlicher Beratung) und auch nur im aller letzen Zustand (Suizidgefahr) einnehmen. Dann aber auch bald wieder davon weg kommen (Abhängigkeit) und das auch wieder langsam nicht abrupt und Fachärztliche Begleitung. Sonst kann ich noch eher eine Psychotherapie empfehlen. Wichtig nicht allein mit sich selber kämpfen, seinen Frust ruhig raus lassen und sich mit engen Freunden verbinden. Das "kann" helfen ...

Wie @bethke schreibt... nur im allerletzten Zustand! Fakt ist, dass der Zustand, der Ärzte solche Medikamente verschreiben lässt, einen Hintergrund hat, einen, den man nicht mit einem einzigen Arztbesuch aufarbeiten kann und somit geht der Arzt den einfachen Weg. Für denjenigen, der sie nimmt, bedeutet es, dass das zugrunde liegende Thema nur gedeckelt wird, auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, um dann, wenn die Tabletten abgesetzt werden, nur umso stärker wieder hervorzukommen. Die wirkliche Lösung liegt IM jeweiligen Menschen. Es geht darum, Altes aufzuarbeiten, Verdrängtes ans Tageslicht (ins Bewusstsein) zu bringen um den Druck (De-Press-ion), den das Unterbewusstsein verursacht, zu lösen. Keine Aufgabe für heute und morgen... aber jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

hier musst du ein wenig unterscheiden: antidepressiva kürzen im wahrsten sinne des wortes die spitzen... soll heißen: du verfällst nicht mehr in den selbstinduzierten todtraurigen zustand, noch erreichst du die manischen phasen, in denen du übermäßig, außer kontrolle gut gelaunt bist. also: mit den medikamenten gleichst du dich eher an das normale gefühlsspektrum eines "normalen" menschen an. die tabletten behindern aber keineswegs deine normale empfindung. anders siehst es bei neuroleptikern aus.... die greifen massiv in deine gehirnchemie ein und verhindern so bei leuten, die zb an psychosen leiden gewisse emotionen.... das kann dann soweit gehen, dass man einen freund verliert aber nicht fähig ist, trauer zu empfinden bzw nicht einmal den verlust als solchen begreift. aber diese medikamente sind hardcore und eben keine antidepressiva. um es leicht auszudrücken: stell dir vor, dein leben ist eine achterbahn. ist es auch. aber die achterbahn von depressiven macht leider auf den höhen und tiefen halt. normale menschen rauschen da durch und am ende ist man wieder in der ebene. depressive menschen leider nicht. die halten sich dann in den extremen auf, und dann fehlt auch oft der schwung um wieder runter oder rauf zu kommen. die antidepressiva machen nichts anderes, als dem wagen ein wenig schwung zu geben. natürlich kommst du nach unten oder nach oben, aber du machst das wie jeder andere auch. bis dein hirn eben wieder normal läuft bzw du deine Eigenwahrnehmung wieder im Griff hast. Alles Gute!

sehr schön beschrieben! Ich danke Dir!

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