Nach einem Jahr noch immer traumatisiert - brauche ich professionelle Hilfe?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Du wärst mit einem Gynakologen besser beraten als mit einem Psychologen... Nein, im Ernst. Entweder du hast die Eier oder du hast sie halt nicht. Nicht jeder Mensch ist fürs Fallschirmspringen gemacht und bei dir hab ich so meine Zweifel - du zerbrichst dir den Kopf zu sehr und risikofrei wird der ganze Spaß einfach nie sein. Bewusstlose Tandempassagiere kommen übrigens schon mal vor - das liegt daran, dass die Gurtzeuge anatomisch für den Durchschnittsmensch gemacht sind und bei manchen Menschen drückts dann halt so stark auf die Oberschenkelarterie, dass in Kombination mit der Aufregung, Temperatur, vielleicht noch wenig gegessen und den Kurvenkräften von der Schirmfahrt von Zeit zu Zeit die Licht ausgehen. Dass so etwas bei einem Solosprung passiert, hätte ich aber noch nie gehört.

Lg Ein Fallschirmspringer

;-)

Sind die Passagiergurtzeuge anders, als "normale" Gurtzeuge oder warum sollte so etwas nicht passieren können, wenn man "allein unterwegs ist"?

Gemäß Wikipedia (ich weiß, dass das keine verlässliche Quelle ist) scheinen die ganz normalen Gurtzeugen zu entsprechen. Ich zitiere ...


Das Passagiergurtzeug entspricht grundsätzlich einem normalen Fallschirmgurtzeug, nur ohne die Container für Haupt- und Reservefallschirm, die sich am Gurtzeug des Tandemmasters befinden.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Tandemsprung#Tandem-Fallschirm


Meinen Kollegen wundert es eben so sehr, dass gerade ihm so etwas passiert. Er ist allgemein sehr sportlich, geht regelmäßig ins Fitnessstudio, läuft viel (hat schon an einigen Stadtläufen teilgenommen mit 10 oder 21 km Distanz), fährt viel Rad (Mountainbike), etc. Und er hat eben im Gegensatz zu mir keine "Historie".

Gut, Laufen (auch bis 21 km, aber bislang immer nur "außer Konkurrenz" - "als Training", bzw. "zum Vergnügen") und Radfahren mach ich auch, aber ich glaub er spielt da schon noch in ner etwas anderen "Liga", als ich. An die Zeiten, die er läuft, komm ich derzeit nicht ansatzweise ran und auffm Rad hat er mich auch immer "zersägt". ;-)

Vielleicht war es aber auch nur ein dummer Zufall und das Gurtzeug war einfach "schlecht eingestellt". Das hab ich am Anfang auch zu ihm gesagt, in der Hoffnung, dass wir noch einen Versuch starten, aber für ihn ist es seit dem Vorfall eben aus und vorbei. Ich glaube nicht, dass er sich nochmal aus nem Flieger fallen lassen wird. Dass er, sehr sportlich, gut trainiert, ohne "Vorgeschichte", schon "hinschmeißt" (und er "überlegt" nicht mehr, für ihn ist's wirklich "aus" seit dem Tag), ist eben auch ein deutliches Zeichen für mich. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn er nen Sprung wagen würde, würde ich es auch tun. Aber ich will ihm da auch nicht "reinreden", das ist seine Verantwortung.

Auch wenn sich das jetzt vielleicht ein bisschen so liest, als wäre ich nur "Mitläufer" und würde das Springen von ihm abhängig machen, möchte ich hier nochmals hervorheben, dass die Initiative von mir ausging und ich stets auch den stärkeren "Antrieb" hatte, als mein Kollege. Das hat mein Kollege auch mal zu mir gesagt.

@NoHumanBeing

Was ich mir auch frage: Wenn wir mal davon ausgehen, dass ich wirklich "nicht dafür gemacht bin", wie Du es nennst, wieso reizt es mich dann derart?

Wobei ich auch sagen muss, dass, wenn man es ganz genau analysiert, mich eigentlich auch "nur" (oder zumindest vor allem) die Wingsuit reizt, nicht so sehr das Fallschirmspringen an sich. Das sehe ich eher als "notwendiges Übel", durch das ich durch muss, wenn ich so eine Suit mal fliegen will, wobei sich das Bild eventuell wandelt, wenn man tatsächlich springt und die verschiedenen Disziplinen kennen lernt. Als "Laie" denkt man sich eben erstmal: "Mmh 200 mal runterfallen. Oh man!" Aber ganz so ist es ja wahrscheinlich eher nicht. ;-)

(Was nicht heißen soll, dass ich die Mindestanforderung der 200 Sprünge als "Gängelei" empfinde. Mir ist bewusst, dass für diese Disziplin jede Menge Sprungerfahrung benötigt wird, auch wenn ein Ami mir mal gesagt hat, im Prinzip könnte man auch nach 50 Sprüngen schon ne Wingsuit anlegen, der Lernfortschritt sei vielleicht geringer, aber "heil runter kommen" würde man damit auch mit diesem Erfahrungsstand schon. Die 200 Sprünge sein eher eine "Formalität" und würden "Geld in die Kassen der Sprungplätze bringen". Ob da tatsächlich was dran ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass das Limit ursprünglich mal bei 500 Sprüngen lag und später, als die Trennsysteme für die Armflügel eingeführt wurden, auf 200 Sprünge herabgesetzt wurde.)

Aber die Suit reizt mich eben unglaublich stark. Vielleicht ist das auch der "Kern des Problems". Das Springen ist für mich hauptsächlich ein Risiko und "Voraussetzung", um danach etwas machen zu können, das mich tatsächlich so stark reizt, dass ich den Eindruck habe, dass es den Aufwand wert wäre. (Den Aufwand ja, aber das Risiko von 200 Sprüngen auch? Schon deutlich schwieriger zu beantworten. Schließlich muss ich das Risiko eingehen, bevor ich mein eigentliches Ziel erreicht, das heißt ich muss mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit "mit meinem Leben in Vorleistung gehen" wenn Du es so ausdrücken möchtest.) Aber auch daran habe ich bereits lange herum überlegt und die Wingsuit reizt mich eben nach wie vor und ich kann mich von diesem Gedanken auch nicht "trennen". Irgendwie treibt es mich dort hin und dazu "muss" ich nunmal springen, "ob ich will oder nicht" (überspitzt ausgedrückt).

Andererseits muss ich auch sagen, dass das Springen selbst mich auch zumindest "ein wenig" reizt. Die Tandemsprünge waren schon echt cool (Angst hat man vor allem im Flieger - beim ersten Sprung war erstmal mächtig "sensory overload" angesagt, zumindest die Schirmfahrt war aber echt genial - beim zweiten Sprung waren sowohl Freifall, als auch Schirmfahrt genial), die Windkanal-Erfahrung war noch viel cooler (weil man selbst die Kontrolle hat - beim Tandemsprung hat die ja der Tandemmaster) und wie genial es sich anfühlen wird, eine Wingsuit zu fliegen, kann ich mir nur erträumen.

@NoHumanBeing

Vergiss mal den ganzen Schwachsinn, den man so im Internet findet - das ist alles (gefährliches) Halbwissen, zum Teil noch nicht mal korrekt, das dir wesentlich mehr schadet als es dir nützt. Der ganze Blödsinn, der so auf Wikipedia steht bringt dir gar nix. Außerdem kannst du noch so viele Statistiken lesen - das ändert nichts an der Tatsache, dass halt eine gewisse Gefahr immer bleibt. Die einzig verlässliche Quelle beim Springen sind Leute, die sich tatsächlich auskennen (und auch hier sollte man mit etwas Hausverstand überlegen, wem man glaubt und wem nicht - im Endeffekt ist es dein Leben, das von den Entscheidungen abhängt, die du aufgrund dessen triffst, was du von Anderen gelernt hast).

Du kannst dich also entweder zum Kurs anmelden, das Geld dafür auf den Tisch legen, die Sache ausprobieren und im schlimmsten Fall, wenn du draufkommst, dass das wirklich nichts für dich ist, abbrechen und damit leben, dass du halt einen "kleinen" Betrag verloren hast, oder aber du lässt es gleich bleiben. Wenn du nicht bereit bist das Risiko einzugehen, wenn du nicht einfach ein gewisses Grundvertrauen in deine Lehrer und ins Material hast, hilft eh nix - der Sport ist dann halt einfach wirklich nichts für dich, egal wie gerne du es hättest. Da wird dir auch das Ausbildungspersonal nix anderes sagen. Ich seh im Jahr ungefähr 100-200 Leute die ihre Ausbildung machen, 10% davon seh ich nach dem Kurs nochmal wieder und von den 10% machen vielleicht nochmal 10% bis zur Lizenz bzw. ernsthaft weiter. Aber es ist der größte Traum eines jeden einzelnen Fallschirmspringer zu werden.... Im Endeffekt gehört halt doch etwas mehr dazu als es einfach nur zu wollen.

P.S.: Wenn du tatsächlich noch eine konkrete Frage hast, dann stell sie - aber kurz und bündig in 1-2 Sätzen. Ich hab wenig Lust mir absätzeweise philosophische Ausführungen durchzulesen.

@MrBill01

Mit "ein bis zwei Sätzen" ist es bei diesem Thema eben leider nicht getan, da für mich nunmal so viel an dieser Entscheidung hängt (im Extremfall mein Leben).

Das Problem ist die Entscheidung (gut, das ist eine Nullaussage, denn das dürfte klar sein).

Fakt ist, ich war so lange überzeugt davon, dass ich springen wollte, bis ich meinen Kollegen bewusstlos unten ankommen sah. Es war definitiv genau diese Erfahrung, genau dieser Moment, der bei mir "eine Sicherung hat durchbrennen lassen". Wenn mein Kollege ohne Probleme unten angekommen wäre oder erst gar nicht auf einem Tandemsprung bestanden hätte oder von vornherein gar nicht hätte springen wollen, hätte ich mich für die Ausbildung (per AFF-Verfahren) angemeldet. Ob ich dabei geblieben wäre mag auf einem anderen Blatt stehen, aber ich hätte es versucht. Wenn mein Kollege es, trotz dieser Erfahrung, zu einem späteren Zeitpunkt noch versuchen würde, würde ich es auch versuchen. Ich habe versucht, ihn dazu zu bewegen, aber er ist auch "blockiert". (Er will jetzt auch in einen Windkanal gehen, aber ich habe wenig Hoffnung.)

Kann ich mir selbst gegenüber rechtfertigen, aufgrund einer "unglücklichen Verkettung von Umständen" (genau das ist es letztlich) die Sache aufzugeben, ohne es überhaupt wirklich versucht zu haben? Ich kann mir nicht vorstellen, wie das gehen soll. Es macht keinen Sinn. Mich hat noch nie etwas so sehr gereizt, ich muss es zumindest versuchen, alles andere wäre "Betrug an mir selbst", zumal es keine stichhaltigen objektiven Gründe zu geben scheint, nicht zu springen.

Auf der anderen Seite kann ich aber auch mit der Angst, die dieser Vorfall in mir ausgelöst hat (die nicht einmal unbedingt bedeutet, dass ich Angst vor einem tatsächlichen Bewusstseinsverlust meinerseits hätte, es ist vielmehr ein "diffuses Gefühl", dass "irgendetwas schief gehen könnte", das lediglich den Auslöser im Bewusstseinsverlust meines Kollegen hat) nicht springen. Es ist, als hätte der Vorfall eine "Verletzung" in mir hervorgerufen, die einfach "nicht verheilt", nur dass diese eben nicht körperlicher, sondern psychischer Natur ist.

Die "Lösung" für mein Problem muss meines Erachtens eine Möglichkeit sein, die Angst, die durch die Ereignisse in mir ausgelöst wurden, wieder zu eliminieren, entweder vollständig oder zumindest soweit wie möglich. Es erscheint mir plausibel, dass die Angst nachlässt, wenn ich selbst springe und "Vertrauen in die Sache bekomme", aber ich werde nicht springen können, solange die Angst noch so stark ist. Und von selbst lässt sie nicht nach. Seit dem Vorfall ist ja inzwischen mehr als ein Jahr vergangen und es fühlt sich immer noch an, als wäre es gestern erst gewesen.

Die zentrale Frage muss also lauten: Was kann ich also tun, um die Angst wieder loszuwerden oder zumindest abzumildern, bevor ich die Lizenzausbildung aufnehme?

Zum Schluss hätte ich noch ein paar sehr "konkrete", "persönliche" Fragen an Dich: Seit wann springst Du, hast Du das Springen "konventionell" oder per AFF-Methode gelernt, wie viele Sprünge hast Du auf dem Buckel und hast Du auch "exotischere Sachen" wie Wingsuit gemacht?

Danke soweit.

@NoHumanBeing

Du kannst nichts gegen diese Angst tun - nicht jeder hat diese Angst so schlimm wie du, aber ich hab auch schon Schlimmeres mitgekriegt. Niemand macht den ersten Sprung angstfrei (und wenn das jemand behauptet, ist das ganz schlicht und einfach Blödsinn). Entweder du überwindest deine Angst (und nach 4-5 Sprüngen wirds erfahrungsgemäß besser), oder du lässt es bleiben. So einfach das klingt, so einfach ist es auch. Wie bereits gesagt, Eier brauchts schon zum springen. Hast du die nicht (und wenn ich mir deine Texte so durchlese kommen mir hier ernsthafte Zweifel), solltest du's mit einer anderen Sportart versuchen.

Ich springe seit ungefähr zwei Jahren, hab eine AFF Ausbildung gemacht und bisher ca. 500 Sprünge hinter mir (ist etwas über dem Durchschnitt für diesen Zeitraum im Sport). Eine Wingsuit bin ich noch nie geflogen, da mich bisher andere Sachen einfach mehr gereizt haben.

@MrBill01

Dass man, vor allem am Anfang, nicht tatsächlich angstfrei springen kann, ist mir klar. Ich hatte auch mal gelesen, dass der Adrenalinausstoß vor und während des Sprungs auch bei erfahrenen Springern nicht wirklich geringer wird, sondern die lediglich "abstumpfen" gegenüber dessen Wirkung.

Die Frage ist, ob ich die "zusätzliche Angst", die durch den Vorfall bei mir "dazugekommen" ist (sozusagen zusätzlich zur "normalen Angst" oder "Respekt", die/den eine Person ohne diese "Vorerfahrung" bei einem solchen Sprung zeigt), wieder loswerden kann, oder nicht.

Wenn das tatsächlich nicht geht, sehe ich schwarz. Das "Angstlevel", das ich seit dem Vorfall habe, ist brutal. Dann sollte ich wohl eher daran arbeiten, mich damit abzufinden, dass es tatsächlich "nicht mehr geht", "Lebenstraum" hin oder her. Ein endgültiges "geht nicht mehr" scheint hart, wenn dies durch ein "zufälliges Ereignis" ausgelöst wird, aber wenn man mal ehrlich ist, es gibt Leute, die durch einen "Zufall" teils wirklich herbe Schicksalsschläge erleiden, da ist so etwas dann doch eher "lächerlich".

Danke.

Angst hat nur jemand der etwas zu verlieren hat. Und jeder hat Angst da man immer was verlieren kann. Nur können manche Menschen dieses Gefühl unterdrücken. Die Angst ist etwas natürlich die uns daran hindert Dinge zu tun die uns gefährlich werden könnten. Meine Ängste sind auch ähnlich. Ich würde mich nie trauen aus einem Flugzeug zu springen da ich immer angst habe das irgendetwas schief läuft. Ich bin generell der Mensch der zuviel denkt. Ich weiß nicht ob das gut oder schlecht ist. Ich denke in deinem Fall wird dass keine Krankenkasse übernehmen, da es wie schon gesagt ein Hobby ist dass du gerne machst. Ich hab mal eine CD zum Geburtstag geschenkt bekommen wie man Ängste überwinden kann und wieso man genau angst hat. Ich werde diese mal aufsuchen :) Aber da gibt es auch noch andere Leute die so was ähnliches machen wie Physiologen die nicht soviel Geld verlangen. Zum Beispiel die Mutter meines Freundes dq geht mein Bruder auch des öfteren hin um Dinge in den Griff zu bekommen. Schau dich einfach mal in deiner Umgebung um Vileicht gibt es so Leute die auch ohne große finanzielle Mittel viel bewirken können. Denn mehr als nicht funktionieren kann es ja schließlich nicht.

An was für "Leute" dachtest Du da? Kennst Du die genaue Bezeichnung?

@NoHumanBeing

Ne genaue Bezeichnung dieser Leute kenne ich nicht, da das die meisten nur als Neben job machen. Zum Beispiel Arbeit diese Mutter meines Freundes auch mit Homöopathie und kann manchmal echt interessante Aspekte im Leben ansprechen. Obwohl sie nach außen nicht so wirkt. Ich glaub auf solche Leute die so was machen wird man nur durch Tag der offenen Tür aufmerksam oder durch Internet Seiten aber ich schau mich mal heute mittag danach um ob es für solche Leute genaue Bezeichnungen gibt :) Und jetzt geh ich schlafen ist mittlerweile auch schon spät ^^

@blAckskArpiAn

In der Tat, es war spät. ;-)

Angststörungen lassen sich ziemlich leicht durch Verhaltenstherapie behandeln. Wenn du eine posttraumatische Belastungsstörung hast, kann es eventuell etwas länger dauern. Zahlen tut es die Krankenkasse auf jeden Fall, vor allem bei einer Verhaltenstherapie ist die Hürde der Finanzierung nicht sehr hoch. Bei einer Traumatherapie schon höher, aber auch da zählt eher die Krankheit, nicht wo sie auftritt. Ob bei der Arbeit oder wie bei dir in der Freizeit ist egal.

Geh aber auf jeden fall davon aus, dass du bei kassenfinanzierten Therapien mit langen wartezeiten rechnen musst. Als selbstzahler kommst du schneller dran und die Therapeuten die nur Selbstzahler und Privatpatienten betreuen, sind im Allgemeinen auch besser und motivierter. Rechne mit mindestens 50 Stunden zu mindestens 50 Euro. Das wären allerdings auch nur 2500 €, und dieses Geld wirst du auch bei deinem extravaganten hobby schnell los, also sollte es dir das wert sein, falls es mit der Kassentherapie nicht klappt.

Es ist eine ganz normale Reaktion "Angst" zu haben, vorallem bei der Vorgeschichte. Angst soll einen ja schützen. Und nur der Adrenalinkick an sich hält einen bei der Stange. Da wird dir aber keiner eine "krankhafte Angst" diagnostizieren. Ich hab auch Höhenangst und geh nicht mal gern auf Hochhäuser, lieber aber Fliegen und den Adrenalinkick am Abgrund zu stehen, auch wenn ich weiche Knie kriege. Das heißt für mich aber einfach, dass ich Respekt vor der Höhe habe. Das ist doch eine Kopfsache, ob man so Risikobereit ist. Und "Ruhe" bekommt man nur mit Routine rein. Also gib mal schön dein eigenes Geld für die nächsten 10 Sprünge aus...es gibt Leute, die richtig krank sind und kaum ihre Medikamente bezahlt kriegen...

Dafür müsste ich mich erstmal überwinden, diese 10 Sprünge zu machen. Einen Schritt nach dem anderen. ;-)

Aber ich hoffe das ist machbar. :-)

Gibt es eine zuverlässigere Methode, herauszufinden, ob ich tatsächlich "sprungtauglich" bin? Ob mir die G-Kräfte etwas ausmachen? Angehende Piloten packt man in Zentrifugen, ob so etwas zu testen. Kann ich sowas testen lassen? (Natürlich auf eigene Kosten.)

Hast Du sonst noch irgendwelche Vorschläge? Oder ist mein momentaner Weg wirklich der optimale? Windkanal und Tandem springen, bis ich so weit bin, dass ich mich traue, selbst zu springen?

Kann ich irgendwie (halbwegs) zuverlässig herausfinden, ob ich auch anfällig wäre für das, was meinem Kollegen passiert ist? Was ist ihm überhaupt genau passiert? Wenn es tatsächlich am Adrenalin (Vasodilatation) und an den G-Kräften lag, kann es ja im Grunde jeden treffen und das auch jederzeit. Ist ja eine relativ "übliche" Reaktion. Muss ich meinen Körper vorher an die G-Kräfte gewöhnen? (Da wären wir wieder bei der Zentrifuge. ;-) )

Die Dropzone hatte sich schon gewundert, dass ich das zweite Mal komme, der Tandemmaster (ein Australier) hatte mich gefragt: "You wanted to obtain your license this summer now you're back for another tandem jump?"

Ich glaube wenn ich noch sehr viel öfter komme, halten die mich für verrückt. Aber das ist wohl das geringste Problem. ;-)

Außerdem ist es wie gesagt bestimmt nicht unbedingt die zuverlässigste und objektivste Methode.

Höhe macht mir durchaus etwas aus. Seitdem ich den Plan mit dem Springen habe, versuche ich mich daran zu gewöhnen, was teilweise funktioniert, aber ich komme trotzdem keine höhere Leiter nach oben. Das ist aber auch nicht wirklich ein Problem, das haben mir schon einige Springer bestätigt. Höhenangst wird über die Tiefenwahrnehmung ausgelöst. Die Höhen beim Fallschirmspringen sind allerdings zu hoch dafür, da funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr.

Ich würde vielleicht noch mehrere Tandemsprünge machen, für den fall das du bewusstlos werden solltest, denn dann kann dir ja nichts weiter passieren. Gibt es nicht auch automatische fallschirmöffner, also wenn du eine gewisse höhe erreichst das der schirm dann automatisch öffnet, für den fall das du es selbst dann nicht mehr kannst?

Zunächst einmal vielen Dank für Deine Antwort!

Ja, es gibt ein so genanntes AAD (automatic activation device), das 225 m über dem Boden durch eine pyrotechnische Treibladung (kein Witz!) den Loop, der den Reservecontainer verschlossen hält, zerschneidet, und dadurch die Öffnung des Reserveschirms einleitet. Das wurde genau dafür entwickelt, den Fall "handlungsunfähiger Springer" (entweder tatsächlich bewusstlos oder z. B. Arm durch eine Kollision im Freifall gebrochen und dadurch nicht mehr in der Lage, den Öffnungsgriff zu ziehen, manchmal aber auch einfach nur "Höhe verpennt") abzufangen.

Allerdings sollte man sich auf diese Systeme nicht verlassen. Ganz im Gegenteil, man sollte sich eigentlich (bis auf wenige Ausnahmen, z. B. wenn man zu tief, also unterhalb der anvisierten Öffnungshöhe zieht, MUSS man in jedem Fall die Reserve anstelle des Hauptschirms ziehen, um zu verhindern, dass das AAD in den öffnenden Hauptschirm noch "die Reserve reinfeuert", was sehr dumm wäre, aber das sind wirklich krasse Ausnahmen) so verhalten, als wären sie gar nicht da.

Erstens haben diese Systeme keine Zuverlässigkeit von 100 %, sondern vielleicht von 95 %. Das liegt an der Pyrotechnik. Die Elektronik ist im Grunde äußerst zuverlässig, aber die Treibladung zündet eben nicht immer und selbst wenn sie zündet, wird dadurch nicht immer der Loop zerschnitten.

Und zweitens öffnet das Teil ja "nur" den Schirm, landen musst Du das Ding also in jedem Fall. Ein geöffneter Flächenfallschirm hat noch eine beträchtliche Vorwärts- und Sinkgeschwindigkeit. Gegen Ende der Landung musst Du ihn "flaren", dadurch kannst Du für eine kurze Zeit (wenn Du zu lange "flarst", fängt der Schirm irgendwann an zu "stallen" und "rammt Dich in den Boden" - "Dauerflare" ist also keine Lösung ;-) ) die Sinkgeschwindigkeit reduzieren und so verletzungsfrei landen. Wenn Du an einem Schirm landen willst, der sich durch einen Defekt nicht mehr "flaren" lässt, musst Du einen "Landefall" ausführen (sozusagen Dich "abrollen"), um Verletzungen zu vermeiden (oder um es zumindest zu versuchen - ich denke das geht nicht immer gut).

Außerdem legst Du ja am Schirm auch noch eine gewisse Strecke zurück.

Wenn Du also während des Freifalls das Bewusstsein verlierst, wird höchstwahrscheinlich der Reserveschirm automatisch geöffnet, aber Du landest ...

  • ... irgendwo (evtl. nicht einmal auf dem Sprungplatz, sprich Außenlandung, schlimmstenfalls auf einer Straße oder in einem Gewässer).
  • ... irgendwie (ungeflared, in ein Hindernis, wer weiß).

Dafür, dass Du, insbesondere im Bereich der normalen Öffnungshöhe, nicht plötzlich von oben "auf den Schirm eines anderen Springers draufklatscht" (was auch äußerst fatal sein dürfte - unter Umständen sogar für beide Beteiligten), weil Dein AAD ja erst deutlich unterhalb der normalen Öffnungshöhe öffnet, gibt's natürlich auch keine Garantie.

Natürlich sind Deine Chancen wesentlich besser, als ohne AAD, aber es ist immer noch keine Garantie und es ist definitiv etwas, das ich unter allen Umständen vermeiden möchte.

Oder um meinen Kollegen zu zitieren: "AAD-Öffnung ist auch nicht so viel besser, als sterben." (Geile Aussage! ;-) )

Ich denke aber das Problem ist nicht nur das tatsächliche Risiko eines Bewusstseinsverlustes. Dieses Risiko schätze ich selbst als äußerst gering ein, nachdem ja acht Jahre lang nichts passiert ist. Absolute Sicherheit wird es in einer solchen Extremsituation wohl nie geben. Ein gewisses "Restrisiko" wird immer bleiben, aber das betrifft grundsätzlich alle Springer, nicht nur diejenigen mit "Vorgeschichte". Es gibt jedes Jahr einige "AAD-Auslösungen". Die wenigsten davon dürften eine "Vorgeschichte" haben. Das Problem ist vielmehr die Angst, die ich seit diesem Vorfall habe und die sich "verselbständigt", vom tatsächlichen Risiko abgekoppelt hat.

Bezüglich der Tandemsprünge: Ja, ich denke das ist nicht die schlechteste Methode. Ich hoffe nur, dass dies tatsächlich kein nennenswertes Zusatzrisiko für den Tandempiloten (und Passagier) darstellt, schließlich dürfte es sich auch nicht so wahnsinnig toll fliegen, wenn der Passagier "wie ein nasser Sack an einem hängt" (Schwerpunkt ist "irgendwo", Aerodynamik ist "irgendwie", ...). Ich hatte diesbezüglich mit der Dropzone vor meinem zweiten Sprung gesprochen und die meinten, es gäbe keine Probleme, aber die haben natürlich auch kommerzielles Interesse daran, dass Du springst. Ich weiß nicht, wie sehr die Gier dazu verleitet, die Augen vor dem Risiko zu verschließen bzw. wie weit es tatsächlich "unproblematisch" ist. ;-)

Das größte Problem ist aber, ich muss "gegen meine Angst" und trotzdem springen. Der zweite Sprung fiel mir schon nicht leicht. (Das ist untertrieben, es war höllisch schwer.) Aber wenn ich die Angst wieder loswerden möchte, ist Konfrontation wohl Pflicht

Danke.

@NoHumanBeing

Die Liste hinter dem Punkt "... irgendwo" ließe sich natürlich beliebig mit noch "schlimmeren Szenarien" ausbauen.

... oder auf einem Dach, oder in einer Hochspannungsleitung, oder ...

;-)

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