Frage von elli57b, 61

Mein Sohn nimmt Speed - was kann ich tun?

Mein Sohn nimmt vermutlich schon seit längerer Zeit Amphetamine/Speed. Da er nicht bei uns lebt (er ist bereits 36), haben wir zunächst nichts davon mitbekommen. Auffällig waren nur seine stete Unruhe und Aggressionen. Bisher ist er leider nur wenig einsichtig - begreift nicht die Dringlichkeit einer Therapie. Wir haben jetzt den Kontakt zu ihm "auf Eis gelegt" und jede Unterstützung verweigert. Gibt es denn tatsächlich keine Möglichkeit, ihn zum Entzug zu zwingen? Was kann man tun?Wir können doch nicht stillschweigend auf ein Wunder warten.

Antwort
von Winherby, 48

Ob Speed, ob Kiffen, ob Heroin, ob Crystal Meth, ob Koks, ob Alkohol, ob Nikotin, völlig egal welche Droge jemand nimmt, es muss im Kopf des Konsumenten "KLICK" machen. Alles andere nützt nichts!

Du kannst es mit Härte versuchen, Du kannst den Schmusekurs fahren, nichts wird nützen, wenn es nicht im Kopf Eures Sohnes Klick macht.

Er ist Euer Fleisch und Blut, steht zu ihm, sagt ihm Unterstützung zu (keine finanzielle!), aber bitte ihn nicht klammern, ihm nicht dauernd mit Ermahnungen auf der Pelle hängen, das ist mein Rat für Euch. Denn sonst wendet er sich vollkommen von Euch ab. 

Ich wünsche Euch die Kraft und Geduld, die nötig ist, und dem Sohn alles Gute


Kommentar von elli57b ,

Unsere Unterstützung ( Wäsche waschen, zum Essen einladen, etc.)interessiert ihn leider nur wenig. Für Vernunftsargumente ist er kaum zugänglich. In seinen Augen sind alle gegen ihn, die nicht 100% tig das machen, was er sich vorstellt. Er bricht dann von sich aus den Kontakt ab. Was also soll man da noch machen? 

Kommentar von Winherby ,

Tja, wie gesagt, eigentlich könnt Ihr bei seinem Verhalten nichts machen.

Das Problem ist, dass die Sucht sich im "Libischen System" des Gehirns abspielt. Das ist der Bereich wo sich sämtliche Emotionen, das Triebverhalten und alle Empfindungen abspielen. Dieses System steht sehr oft im Widerspruch zur Großhirnrinde, die wiederum für die "Vernunft", den Verstand, für das logische Denken zuständig ist.

Die Hirnforschung weiss zu berichten, dass bis zu 95% all dessen, was wir alle tagtäglich tun, vom Limbischen System bestimmt und gesteuert wird, - bei uns allen. Bei Drogenabhängigen und bei Verliebten ist dieser Prozentsatz noch höher!

Das ist die Erklärung dafür, dass es Frauen gibt, die bei Ihrem Mann bleiben, obwohl er säuft und/oder obwohl er sie regelmäßig schlägt. Diese Frauen sind vom Limbischen System gesteuert, - sie können nichts dafür. Sie wissen dass es falsch ist, und dennoch bleiben sie bei ihrem Peiniger.

Das Gleiche läuft bei Eurem Sohn: Er weiss sehr genau, dass seine Sucht ihn kaputt macht, er weiss genau, dass seine Eltern es nur gut meinen, er weiss genau, dass Ihr ihm helfen wollt, er weiss dies alles mit seiner Großhirnrinde. Aber sein Limbisches System ist stärker und steuert ihn, wider sein eigenes besseres Wissen.

Und das ist der Grund, weshalb er für all Eure Vernunftsargumente nicht zugänglich ist, weshalb Ihr völlig machtlos seid. Eure Argumente erreichen zwar seine Großhirnrinde, aber sein Limbisches System hat ihn fest im Griff. Das liegt daran, dass die Droge den neuronalen Verknüpfungen im Limb.Sys. eine Belohnung verspricht und auch empfinden lässt.  Und diese Sucht nach Belohnung lässt das Limb. Sys. stärker als den Verstand sein, dies ist der Kern einer jeden Sucht, egal wonach jemand süchtig ist.  

Er kann nur von den Drogen weg, wenn er es will, wenn er in einen Entzug einwilligt. LG

Antwort
von help4you, 41

Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen das es nicht hilfreich ist den Kontakt "auf Eis zulegen " oder "Unterstützung zu verweigern". Natürlich ist das für Eltern eine verdammt schwierige Situation und man ist mit den Nerven am Ende. Jedoch macht dies die Sache für den betroffen noch schlimmer finde ich persönlich. Das Gefühl zu haben das man alleine da steht und auch die Eltern anwenden verleitet dazu noch mehr in ein "Loch" zu rutschen.

Beistand und das gefühl von liebe und Geborgenheit sowie Sicherheit ist unfassbar wichtig. Drohungen bzw das androhen von Konsequenzen ist hier völlig fehl am Platz.

Um jemanden zu "zwingen" einen Entzug zu machen,  muss man diesen entmündigen. Dieser jenige muss eine Gefahr für dich oder andere darstellen (suizid) und als unzurechnungsfähig gelten. Dieses bringt aber auch nix (zum Thema rückfall) wenn der jenige das nicht selbst einsieht !

Von einer Anzeige bei der Polizei ist auch dringend anzuraten. Das stört das Verhältnis zwischen euch noch mehr und zerstört das Vertrauen. Abgesehen von der rechtlichen Strafe wie er bekommen würde.

Zeige ihm das ihr da seit und ihn liebt und ihm helfen wollt suche nochmal ein Gespräch und Rede offen über Gefühle,  zeig ihm das er nicht alleine ist . Man sollte sein Kind nie abstoßen oder verbannen erst recht nicht mit diesem Problem.

Viel Kraft und alles gute wünsche ich euch

Kommentar von help4you ,

Verbesserung der autokorrektur:

"Eltern sich ABwenden"

"Gefahr für Sich ....."....darstellen

"Von der Anzeige ist ABzuraten"

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