Wieviel Anästhesie könnte ein "Nicht-Anästhesist" zur Not?

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Wahrscheinlich liegt der Unterschied vor allem in Theorie und Praxis.  Theoretisch weiß eigentlich jeder, was man für eine Narkose  braucht. Aber dann geht es los. Die Dosierung der Medikamente für eine Narkose ist weit höher, als die meisten nicht-Anästhesisten jemals geben würden. Manche Medikamente, wie Relaxantien, fassen andere Berufsgruppen aus lauter Respekt gar nicht an. Wir rennen von unserer Anästhesiogischen  Intensivstation regelmäßig auf die Internistische, weil dort jemand ins "Künstliche Koma" gelegt werden soll (was ja im Prinzip nichts anderes ist als eine Langzeit-Anästhesie) und die Internistischen Kollegen sich wundern, dass mit einem Viertel der empfohlenen Dosierung und unter Verzicht auf ein Relaxans der Patient a) nicht schläft und b) sich nicht intubieren lässt.

Das wäre dann auch schon das zweite Problem : die Atemwegssicherung. Für eine Narkose benötigt man eine künstliche Beatmung über einen Schlauch, der in die Luftröhre vorgeschoben wird. Das ist nicht ganz einfach und erfordert eine Menge Übung, die man außerhalb der Anästhesie selten bekommt.

Also mein Fazit: in der Theorie kann sicher auch ein anderer Arzt als ein Anästhesist Narkose machen. Das Problem ist eher die mangelnde Praxis. Das gleiche gilt natürlich andersherum auch - ein Anästhesist kann keinen Blinddarm operieren  (obwohl er es vielleicht jeden Tag sieht) oder einen Herzkatheter durchführen, auch wenn er für beide Eingriffe die Theorie bestens kennt. 

In der Notfallmedizin muss gelegentlich auch durch Nicht-Anästhesisten Narkose gemacht werden, denn wenn der Internist als Notarzt mit dem Blaulicht-Auto unterwegs ist, dann hat er keinen Anästhesisten, den er rufen kann. Solche Notfallpatienten sind oft entweder gar nicht narkotisiert , obwohl sie es müssten, oder sie sind mit interessanten Dosierungen an Medikamenten und einfachen Atemwegshilfsmitteln versorgt. Man sieht den Unterschied also schon, zumindest oft. Komplett über einen Kamm scheren kann man natürlich nicht alle.

Ganz klar: keine ;-). Nicht umsonst gibt es die Berufsgruppe der Anästhesisten; von den chirurgischen Kollegen manchmal nicht ganz ernst genommen, aber unerläßlich für eine OP. Das Intubieren können natürlich auch fachfremde Berusgruppen lernen, im Rettungsdienst/außerklinischen Notfall kann auch ein Internist/Chirurg helfen. Aber "richtig" Anästhesie können nur Narkoseärzte.

Ansonsten habens meine Vorschreiber schon zutreffend beschrieben. :-)

Naja, für eine normale Narkose bei einem recht gesunden Menschen mit gut einsehbarem Atemweg reichts, auch wenn das keiner machen würde. Wenn etwas nicht nach Plan läuft, dann brauchst du aber unbedingt sofort einen erfahrenen Anästhesisten.

Im OP wird grundsätzlich sofort der anästhesiologische Oberarzt hinzugerufen, wenn ein Anästhesist bei der Narkoseeinleitung oder Narkoseführung ein Problem bekommt.

Gelernt hat das jeder Medizinstudent, aber beherrschen tun ihr Fach nur die Anästhesisten. Kein Arzt außer einem Anästhesisten würde jemals eine Narkose außerhalb einer akuten Rettungssituation durchführen. Und diese Rettungsdienst-Narkosen sind sehr plump gegenüber dem, was Anästhesisten sich da in der Klinik zurechtmischen. ;-)

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