Wie viel verdient ein Facharzt der Allgemeinmedizin?

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Aus eigener Erfahrung: 9.000 Euro brutto. So ist es bei mir. In guten Monaten noch mehr. Allerdings arbeite ich noch als Internist in einem Krankenhaus und habe die Praxis nur nebenbei.

Wie lang hat das Studium gedauert? Inklusive Weiterbildung zum Facharzt der Allgemeinmedizin? Und wie teuer war das Studium so ungefähr?

@Christmas97

Bei mir hat das Studium 6 Jahre lang gedauert. Die Ausbildung zum Allgemeinmediziner dauerte bei mir 60 Monate. Das Studium hat bei mir 700 Euro/Semester gekostet. Ich hoffe ich konnte dir helfen. Bei fragen kannst du dich jederzeit an mich melden!

@philip2407

Vielen Dank. Du warst mir eine GROßE Hilfe!

@philip2407

Glückwunsch, daß du deinen Allgemeinmed. in so kurzer Zeit zusammen bekamst (ehrlich gemeint!)

Viele Kollegen, die mir begegneten, hatten da immer wieder Hänger, bevor es mit der entsprechenden WB-Stelle wirklich klappte.

@beamer05

Dankeschön. Ja ich denken, wenn man an der Materie interessiert ist, dann schafft man es. Was machst du denn beruflich?

@philip2407

FA Strahlentherapie

- nomen est omen ;-))

@beamer05

Welche Fächer sollte man weitermachen und welche abwählen um Facharzt der Allgemeinmedizin zu werden. Und meine Note liegen in wirklich jedem Fach (sogar Sport) zwischen 1 und 2. Also Biologie auf jeden fall und dann . . . ?

@eosine

Also ich habe Abitur in Latein, Biologie, Chemie (dafür keine Kunst oder Musik). Ich hatte noch Englisch und W u R im LK. Aber heute ist es ja anders. Heute muss man ja glaube ich Musik oder Kunst nehmen. Englisch oder Latein. Bio oder Chemie. Und zwanghaft Mathe, Deutsch. Wie gesagt ich bin mir dort nicht sicher.

Zu deiner Frage: ich würde auf jeden Fall Engl. nehmen. Chemie wäre sicher auch gut und vill. Latein, kommt darauf an wie es dir liegt. Bei weiteren Fragen kannst du dich auch gerne mit einer Textnachricht bei mir melden. Dann kann ich dir meine Erfahrungen mitteilen.

@beamer05

Ah ok. Ja ich denke, dass in dem Gebiet noch einiges erforscht werden kann.

Ich kann nur hoffen, das wieder mehr Menschen Ärzte aus Berufung werden.Dann sind sie nämlich nicht enttäuscht, wenn es finanziell mal nicht so läuft. Ich bin froh, das es Ärzte gibt. In meiner Stadt gibt es Gottseidank genug.

Ein Assistentarzt verdient im krankenhaus NUR 10 euro pro stunde - Bei eigener Praxis und höherer ausbildung siehts dann aber auch anders aus. Aber generell ist der Lohn der Ärzte in Deutschland im Vergleich z.b. mit der Schweiz relativ niedrig.

ca. 160 tausend/jahr als honorar, davon muss er seine unterkosten bezahlen: personal. miete, verbrauchsmaterialien, fortbildungen, etc. er ist auch nicht steuerabzugsberechtigt, muss immer die mwst. entrichten.

Hallo,

eine konkrete Antwort ist schlecht möglich, da das die Vergütungsstruktur nicht zulässt, die nicht bundeseinheitlich ist. Die Allgemeinmediziner bekommen je nach KV-Bezirk relativ unterschiedliche Vergütungen. Zwischen 29 Euro bei den Hamburger Kollegen pro Patient und Quartal bis zu 45,- Euro bei den bayrischen Kollegen. In der KVWL (Westfalen-Lippe) liegen wir ziemlich am niedrigen Ende. Die durchschnittliche Patientenzahl liegt bei ca. 950 Patienten pro Quartal. In den Städten, wo es viele Ärzte gibt, sind die Patientenzahlen niedriger, auf dem Land deutlich höher. Ich betreibe eine Allgemeinarztpraxis in einer Kleinstadt, neben mir gibt es noch 7 weitere Kollegen. Die Scheinzahl beläuft sich je nach Quartal auf 1350 bis 1600 Patienten. Das führt zu einer Abrechnung von 55.000 bis 60.000 Euro UMSATZ. Davon sind dann die Gehälter (Brutto + AG-Anteil, VWL) zu zahlen. Es kommen Miete, Berufshaftpflicht, Investitionen, Material, Ärztekammerbeitrag, Versicherungen, Auto, Beiträge für den zentralen Notdienst (JA, wir zahlen unseren Notdienst selber!) usw. hinzu. Oft sind auch noch erhebliche Ratenzahlungen für die Existenzgründung an die Bank zu leisten. Wenn man gut wirtschaftet, bleibt vielleicht die Hälfte übrig. Dann kommt das Finanzamt und kassiert den sogenannten Spitzensteuesatz, der bei über 40 % liegt. Unterm Strich bleiben so vielleicht 15.000 bis 18.000 Euro übrig. Das entspricht dann einem Brutto von 5000 bis 6000 Euro im MONAT. Hiervon geht die Zahlerei weiter....

Die eigene Krankenkasse möchte bedient werden (nicht gerade wenig), die Rentenkasse will ihr Geld (immer auf's Brutto berechnet), die eigenen Investitionen in seinen Lebensstandard (z.B. eigene Imobilie) müssen zurück gezahlt werden, eigene Versicherungen, Kindergartenbeiträge und OGS (immer Höchstsatz, da Besservediener), zusätzliche Renten- oder Berufsunfähigkeitsversicherung (da die Ärzteversorgung nicht bei vorzeitiger Erwerbsunfähigkeit zahlt) usw., usw.

Vielleicht bleiben am Schluß 1200 bis 1500 Euro übrig, die man ausgeben kann. Sicherlich mehr als viele andere zum Ausgeben haben. Aber der Preis dafür ist hoch, und das wird selten beachtet. Ich habe das anderer Stelle bereits einmal anders formuliert und zitiere das hier einfach mal: Studium und praktische Zeit bis zum Facharzt sind sehr lange. Für einen Allgemeinmediziner bedeutet das mindestens 10 Jahre (!). Dann ist man zwar fertig, aber die wirkliche Berufserfahrung, um sich nieder zu lassen, fehlen einem meistens dennoch, In dieser Zeit verdient man zunächst kein Geld (Studium), es kostet nur, schlimmstensfalls geht es nur über BaföG und wenn man fertig ist und arbeitet beginnt man damit, es zurück zu zahlen. Assistenzarztgehälter sind weit entfernt von Chef- oder Oberarztgehältern. Man beginnt spät mit Einzahlunen in die Rentenkasse und muss dass irgenwann meist durch entsprechend höhere Beitrage kompensieren... sonst ist man in seinem Leben lange nicht für den "Ernstfall" abgesichert. Wenn man dann so weit ist, dass man sich in eine Selbständigkeit begibt (egal ob in einer Mehrfachpraxis oder Einzelpraxis), muss man sich Gedanken über eine Finanzierung machen. Eine Praxis kostet nicht gerade wenig. Für einen Allgemeinmediziner muss man da locker mit 100.000 Euro rechnen, und das ist noch "low-budget". Da man keine Gelegenheit hatte zu sparen (da kein übermäßiges Einkommen bis dahin), lecken sich die Banken alle Finger. Also fängt man an abzubezahlen. So nebenbei denkt man an die eigene Lebensgestaltung. Ein Eigenheim? Na klar, aber geht oft auch nur über Vollfinanzierung (woher neben, wo ist der dicke Bausparvertrag). Man taucht ins "normale" Leben, hat Kinder. Alle (!) schauen irgendwann nur aufs Bruttoeinkommen, keiner berücksichtigt, das man noch so viel abbezahlen soll. Das fängt bei Kindergartenbeiträgen an (Höchstsatz als "Gutverdiener") und setzt sich bis zum Finanzamt fort ("Spitzensteuersatz")..... Man muss also viel Leistung aufbringen, um das alles "gebacken" zu kriegen. Und dann beginnt der "Neid" der Bevölkerung, die nur die Öffnungszeiten an den Praxentüren bewundern. Das man Stunden um Stunden noch mit Dingen außerhalb der Sprechstunden verbringt, wollen manche nicht sehen. Man macht Bürokram (Abrechnungen Mitarbeiter, Kuranträge, Rentenanträge, Anträge Versicherungen, Versorgungsamt, Betreuungsverfahren.... etc). Dann warten die alten und kranken Menschen auf Hausbesuche. An den Wochenenden ist man unterwegs um Fortbildungspunkte, die verpflichtend sind, zu sammeln

.

Die Zeit wird immer weniger, das Geld stimmt irgendwann, aber in saus und braus kann man davon bestimmt nicht leben. Und dann fliegen einem so Kommentare entgegen: Ärzte jammern auf hohem Niveau... Trotzdem ist der Beruf als Allgemeinarzt sehr schön. Für mich gäbe es keine Alternative. Aber die nackten Zahlen darf man dabei nicht allein sehen. Es gehört eine Menge Idealismus dazu.

Vielen Dank für die hilfreiche Antwort. Dennoch würde mich interessieren wie dein/ihr Studium abgelaufen ist. Bzw. was man dort macht.

@Christmas97

Angangs hatte ich noch nicht das spezielle Berufsbild des Allgemeinarztes vor Augen. Zufälle haben mich dahin geführt. Nach 5 Jahren Regelstudienzeit (4 Sem. Vorklinik, 6 Semester Klinik, 1 Jahr PJ mit Chirurgie, Innere, Orthopädie und Gynäkologie) habe ich 1995 mein 3. Staatssexamen gemacht und die damals noch gültige vorläufige Approbation erhalten. Danach musste ich 18 Monate ins AIP (Arzt im Praktikum, ist heute glücklicherweise abgeschafft). Für ein festes Gehalt von 2045,- DM (!) wurden wir auf Station als HiWi"s der Assistenzärzte verheizt. Normalerweise Patientenaufnahmen, Blut abnehmen und Entlassungsbriefe. Also eigentlich Zuarbeiter für die Assistenzärzte. Ich für meinen Teil hatte sehr viel Glück. Durch mein hervorragendes drittes Staatsexamen ergatterte ich eine Stelle in der Kardiologie des gleichen Lehrkrankenhauses, wo ich bereits mein PJ gemacht hatte. Ich "landete" auf der Monitor-Station, also eine Station, wo die Patienten an Monitoren zur Überwachung hingen, weil sie für eine periphere Station zu instabil waren und für die Intensivstation zu gesund waren. Uns angeschlossen war eine Nephrologie mit Dialysezentrum und die Pulmologie. Durch zu wenig Planstellen gab es auf dieser Station keinen Assistenzarzt (nur einen tollen Oberarzt) und dafür zwei AIPler, die die Arbeit wuppen mussten. Anfangs fühlte ich mich vollkommen insuffizient, weil soviel Verantwortung zu tragen war. Unser Oberarzt hatte keine Lust auf Therapiepläne und so durften wir uns alles selbst überlegen, von Aufnahme des Patienten über sinnvolle Diagnostik, Analyse der Ergebnisse und Therapievorschläge. Natürlich immer kontrolliert und genehmigt von unserem Oberarzt, wenn er zur Stippvisite kam. Bekanntlich macht alles Spaß, wo dann die Leistung auch positiv reflektiert wird. Mein Berufsziel Kardiologin stand ziemlich schnell fest. Doch erstens kommt es anders als man zweitens denkt. Ich wurde am Anfang meiner Assistenzarztzeit schwanger. Der Chefarzt strich mich aus seiner Planung, da weibliche Ärzte oft in den Mutterschutz abwandern und nicht mehr gesehen werden. Ich solle mich mal erst um mein Kind kümmern. So saß ich nach der Geburt zu Hause und wollte unbedingt wieder arbeiten. Eine Anschlußstellung in der Klinik war mir für ein halbes Jahr später zugesagt worden. Aber mein Trotz siegte. Ich wollte nicht untätig zu Hause sitzen, wo ich jetzt schon so lange studiert hatte. Ich suchte mir einen vorrübergehenden "Job" in einer Hausarztpraxis bei einem gestandenen Landarzt. Dort erwartete mich eine ganz andere Welt. Ich hatte nicht mehr den Rückhalt der sofortigen Diagnostik in der Klinik (kein Labor, keine Geräte). Ich musste meine Theorie und meinen Verstand bemühen um sinnvolle Strategien zu entwickeln. Der Medikamentenschrank enthielt Medikamente, von denen ich mein Lebtag noch nichts gehört hatte und die Patienten kamen mit allen möglichen Problemen, internistisch, dermatologisch, urologisch, gynäkologisch, endokrinologisch und seelisch. Und es kamen immer die gleichen Menschen (nicht nur mal für 3 Wochen wie in der Klinik und dann immer neue Gesichter), ich sah Familien mit Großeltern und Kindern, jedes Alter. Und ich sah schöne Dinge und schreckliche Dinge. Man wurde zu einem Begleiter über lange Zeit. Es gab Dankbarkeit, wie man sie in der Klinik eigentlich nie findet.

Als der Ruf aus der Klinik kam, habe ich dann nur noch kurz überlegt und mich für den Verbleib in der Hausmedizin entschieden. Eine gute internistische Ausbildung in der Klinik hatte ich bereits. Die Chirurgie war sowieso nie meine Neigung gewesen und ich habe das vorgeschriebene halbe Jahr in Halbtagsstellung auf ein Jahr verlängert und "nebenbei" absolviert. Die Weiterbildung zur Allgemeinmedizin übernahm mein Chef (mit allen dankenswerten Tipps eines alten Landarztes). An den Wochenenden fuhr ich zur theroretischen Fortbildung für Allgemeinmedizin, damals 240 Stunden. Der lief über 2 Jahre. Einer der nachhaltigsten Sätze damals war der eines Dozenten: "Wir können von Glück sagen, dass der Mensch soviel aushält"... :) Die Ausbildungsinhalte dieses Kurses waren im Einzelnen nochmal alle Fachbereiche mit ihren hausärztlich relevanten Fragen zur Differentialdiagnostik, Notfällen, Arzneimitteltheapie und psychosomatische Grundversorgung. Das war auch schon vorher im Studium und in den einzelnen Abschnitten der Klinik relevant, aber man vergisst zunächst vieles. Über die Wiederholungen und die tägliche Arbeit festigte sich dieses Wissen, was mir anfangs vorkam, als könne man es nie begreifen. Vieles war "Learning by Doing". Die Abwechslung stimmte. Nach meiner Weiterbildungszeit für Allgemeinmedizin habe ich die entsprechende Prüfung abgelegt und hatte meinen Facharzt. Trotzdem habe ich in meiner Ausbildungspraxis noch weiter gearbeitet. Ich konnte mir nicht vorstellen, eine eigene Praxis zu gründen... [Fortsetzung einen Kommentar weiter]

@eosine

.... Außer der Medizin gab es ja noch so viel mehr, wie Praxisführung, Budgets, Mitarbeiterführung, Verwaltungsmodalitäten, Kassenabrechnung usw.

Ich war froh, dass ich so langsam eine gewisse Sicherheit gewann, die mir anfangs nicht vorstellbar war. Ich bin auch bis heute der Meinung, das Medizin nur zu einem gewissen Teil ein studierter Beruf ist. Eine Menge lernt man wie ein Handwerker im täglichen Umgang mit der Marterie. Exotische Krankheitsbilder, die man irgendwann mal in der Uni lernt (und vergisst) begegnen einem. Man ist erstaunt, das da irgendwo noch eine gewisse Erinnerung ist, schlägt nach, begreift zum ersten Mal so richtig und vergisst es nie wieder.

Spezielle Inhalte in der Allgemeinmedizin gibt es eigentlich nicht. Man lernt, dass man nur begrenzt diagnostische Möglichkeiten hat, dass es gewisse begrenzte Ressourcen gibt, dass eine Zusammenarbeit für spezielle Fragestellungen mit den ortsansässigen Fachärzten unabdingbar ist, man lernt den Menschen zuzuhören, man begreift, dass nicht alles medizinisch machbare menschlich sinnvol ist usw.... Nach einem theoretischem Studium erlangt man so langsam wieder Bodenhaftung und verankert sich mit einem guten Wissen, was man ohne Uni und Ausbildung nicht hätte.

Nach 10 Jahren Mitarbeit habe ich mich dann 2008 für meine eigene Praxis entschieden mit allem Bauchkribbeln und Ängsten. Ich habe es gewagt und bin heute zufrieden mit dem, was ich aufgebaut habe. Rückblickend möchte ich keine Phase meiner medizinischen Ausbildung missen. Es gibt keine bestimmten Werdegänge, oftmals geht das "Schicksal" seine eigenen Wege. Aber jeder Tag mit Freude an der Marterie bringt einen weiter und macht einen letztendlich zu einem hoffentlich gutem Arzt. Der Blick auf's Finanzielle ist zwar nie unwichtig, verliert aber irgendwann auch seine absolute Erstrangigkeit. Ich möchte heute sagen, dass man sich ruhig ein wenig "treiben" lassen sollte, Dinge ausprobieren sollte, und irgendwann hat meinen seinen Platz gefunden, wie "philip2407" als "geteilter" Niedergelassener und krankenhaustätiger Internist oder "beamer05" als Strahlenarzt, oder, oder, oder...

Wir brauchen zwar jede Menge Allgemeinmediziner, aber dann mit voller Leidenschaft. Arbeite, wenn es soweit ist, doch mal für eine Zeit in einer Allgemeinarztpraxis mit. Dann siehst Du schnell, ob es der Bereich ist, der Dich ein Leben lang faszinieren kann.

@eosine

Sehr interessant dein Lebenslauf. Und wie hasst du das mit deinem Kind geschafft. Ich meine das klingt schon alles sehr schwer.

@Christmas97

Geht alles, man macht jeden Tag auf's Neue weiter und überlegt sich Lösungen. Mittlerweile habe ich zwei Kinder, aber die sind mit 12 und 15 Jahren aus dem gröbsten raus und sehr selbständig. Meine Ältere will sogar in die Fußstapfen ihrer Mutter treten. Aber da ist das letzte Wort bestimmt noch nicht gesprochen :) :)

Hallo eosine,

du schreibst mir aus der Seele! Gleichzeitig treibst du mir die Schamesröte ins Gesicht, denn als bayerischer Hausarzt verfüge ich tatsächlich über ein RLV/QZV von aktuell 45kommairgendwas € plus Bereitstellungspauschale (Danke KVB!). Ich gehöre also zu den "bestverdienensten" Hausärzten Deutschlands - was aber nichts heißt. Meine Bankerin hat mir letztens vorgerechnet, dass ich mit meinen, lt. KVB durchschnittlichen Fallzahlen und einem unternehmerischen Gewinn (Honorar minus Personalkosten minus Zinsen) von 185T€ meine Familie eigentlich gar nicht ernähren könnte! Leider wird dieser unternehmerische Gewinn vor Steuern in der Öffentlichkeit gerne mit dem Bruttogehalt eines Angestellten verglichen, was betriebswirtschaftlich bekannermaßen falsch ist. Eigenheim - was ist das? Porsche? Hahahaha!

Was mich beschämt, sind aber nicht nur die vergleichsweise hohen Fallwerte Bayerns im Vergleich zu anderen Bundesländern, sondern dass du deutlich höhere Fallzahlen hast, als ich. Wie schaffst du das?! Ich habe durchschnittlich 900 Fälle mit ca. 2500 APK. Bei 1000 Scheinen muss ich abriegeln, weil ich einfach nicht mehr schaffe.

Scheinbar geht es "uns Bayern" wirklich noch zu gut, wie Nürnberg I und II gezeigt haben. Ich gehörte zu den 2801 HausärztInnen, die im Dezember 2011 den Zulassungsverzicht erklären wollten - leider haben etwa 800 gefehlt. Schon bei Nürnberg I landete meine Verzichtserklärung unwirksam im Korb... Ein Trauerspiel.

Schreibst oder liest du eigentlich auf facharzt.de bzw. hausarzt.de mit?

Viele Grüß aus dem "gelobten Land"

Djoser

@Djoser

Hi djoser,

keine Ahnung, wie das zu schaffen ist. Ich kann Dir nur soviel sagen, dass ich ein extrem gutes Helferinnen-Team habe. Meine erste Helferin (ganztags) arbeitet seit 30 Jahren (!) mit Herz und Seele in ihrem Beruf. Sie ist hier geboren, kennt Land und Leute, weiß wie die Menschen ticken und hat einen ausgesprochen medizinischen Sachverstand. Eigentlich müsste sie nur noch approbiert werden. Meine zweite Helferin (halbtags) ist noch länger in ihrem Job und hat lange Zeit bei einem alten Landarzt gearbeitet, der noch Kinder geholt hat und Unfallverletzte selbst mit brachialer Gewalt aus dem Auto "gebogen" hat. Zwei weitere Kräfte sind auch sehr gut, aber haben nicht dieses spezielle Know How. Wenn man sich auf sein Team verlassen kann und die nicht nur ihren "Job" tun, sondern selbst richtig mit drin hängen, dann schafft man eine Menge. Und die Patientenbindung ist nachhaltig und gut. Ohne meine Damen wäre das alles absolut nicht möglich. Wir arbeiten zudem jeden Tag von 8 Uhr bis halb zwei und Mo, Di und Do von 15 Uhr bis 19 Uhr. Dran stehen zwar andere Zeiten, aber das war mal antiquarisches Wunschdenken.

Tja, die Sache mit Bayern und hier oben ist wirklich nicht so ganz gerecht. Aber auch ich bin hier geboren und möchte daher nicht aus meiner Heimat weg. Habe auch den Sprung nach Australien verpasst :) :) :) .... Aber sei nicht beschämt. Jeder ist seines Glückes Schmied und ich bin nun mal hier gelandet und muss mich mit den hiesigen Gegebenheiten abfinden. Leider halten wir Ärzte ja nicht immer und dann leider auch nicht bis in die letzte Konsequenz zusammen. Das ist schade. Ich muss immer daran denken, wie viel möglich wäre, wenn ich jetzt wieder die Bodenpersonal-Streiks an den Flughäfen verfolge. Ich war "damals" auch mit in Berlin. Wir haben 2011 auch überlegt, den Zulassungsverzicht zu erklären.... ABER.....

Und ich denke, die Lebenshaltungskosten bei Euch sind ganz anders als "hier oben". Es tröstet mich zumindest, dass Du Dir auch keinen Porsche leisten kannst :) :) :) Vielleicht überlegt man sich demnächst ja auch eine Vergütung im "Rotationsverfahren"... dann bekommen wir die höheren Pauschalen und ihr die Niedrigeren... Auf jeden Fall darf es unseren KK nicht schlechter gehen, der Fensterputzer für die Spiegelbauten will bezahlt sein, die Pseudo-Gesundheitsprogramme auch (Check ab 35, kardiovaskuläres Risiko, aber bitte ohne EKG) und die Möblierung in den Chefetagen ist auch nach drei Jahren veraltet. Deswegen geht es nur im Rahmen einer "Umverteilung" :) :).. also mach Dich auf was gefasst :)

LG eosine

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