Wie sollte man mit unsympathischen Leuten umgehen, die man nicht meiden kann?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Mit diesem Problem wird man immer wieder konfrontiert. Aus dem Weg gehen und ignorieren hilft da nicht immer. Verschärft wird es dann, wenn man aus seiner Antipathie kein Hehl mehr machen kann und jede Geste, jeder Blick und jeder Ton, den man von sich gibt, diese Antipathie zum Ausdruck bringt und dann beim Gegenüber entsprechende Reaktionen hervorruft.

Hier kann eine Technik helfen, die man "Filterwechsel" nennt. Such dir bewusst eine Eigenschaft dieses dir unsympathischen Menschen, die eigentlich ganz positiv ist. So ein Mensch wird doch auch von anderen Menschen (Familie, Freunde usw.) geliebt und gemocht. Vielleicht weiß er viel oder er hat nur einen exquisiten Geschmack.

Egal wie, dieser Filterwechsel wird dir helfen, einem solchen Menschen anders entgegenzutreten und so auch anders auf ihn zu wirken, was wiederum duch seine Verhaltensänderung gespiegelt wird.

So gewinnt man zwar nicht unbedingt Freunde, man lernt aber mit anderen umzugehen und sie zu respektieren.

oh, das ist mal sehr interessant, vor allem hatte man ja bei dem aufregen über das gegenüber wohl auch einen "filter drin", nur eben einen negativen ... sehr interessant !

@HowardFrazetta

Eine schöne Überraschung. Danke für den Stern!

@StellvertreterX

gerne ! sehr verdient !

denn ignorieren oder einfach hinnehmen ist mir nicht so geheuer und darauf zielte hier das meiste ab, aber deins ist mehr emotionskontrolle, was durchaus sinnvoll ist wie ich finde

Man sollte auch fragen, woher kommt das Gefühl, dass man jemanden unsymphatisch findet? Es ist ja einfach da, man steuert das nicht bewusst. Es hat doch aber den Grund, dass der andere anders ist als man selbst. Entweder schon vom Aussehen her, er ist vielleicht gepierct, dick etc. also alles Sachen, die man selber gar nicht mag und die einem deshalb sofort unsymphatisch an anderen erscheinen. Oder man lernt jemanden kennen, stellt fest, dass der andere Meinungen und Standpunkte vertritt und dann wird der einem auch unsymphatisch. Es ist also immer das andere an der Person, das wir nicht mögen.

Aber genau das macht ja den Unterschied. Denn letztlich glaubt jeder etwas Besseres zu sein. Und genau dieses Andere lässt uns besser erscheinen. Wir urteilen über jemanden und fühlen uns gleichzeitig besser als dieser jemand. Das passiert pausenlos und ständig. Das Wort Ur-teilen sagt es schon: wir teilen (ein). Das ist die Aufgabe des Verstandes, er zerhackt alles in zwei Teile.

Der eine ignoriert den "anderen", wieder einer legt sich mit dem "anderen" an und streitet und wieder jemand ist höflich und nett (was auch eine gewisse Arroganz sein kann, also auch eine Taktik, um sich besser zu fühlen). Nichts dagegen einzuwenden, jeder ist wie er ist. Einfach zu akzeptieren fällt uns am schwersten.

Denk Dir eine Person, die Du nicht ausstehen kannst. Wenn Du in der Lage wärst, in das Bewusstsein dieser Person zu schlüpfen, ihr Bewusstsein zu sein für nur 5 Minuten, dann würdest Du sehen, dass diese Person vollkommen in Ordnung ist und sogar in allem Recht hat. Diese Person ist genau wie Du und ich die Summe ihrer gesamten Konditionierungen, Erfahrungen, Einbildungen und Prägungen und noch etwas, was unveränderlich ist in jedem. Sie kann gar nicht anders sein als sie ist. Das nennt man Mitgefühl, nicht zu verwechseln mit Mitleid. Mitleid hat immer mit uns selbst zu tun, Mitgefühl mit dem anderen. Es ist also jeder richtig wie er ist.

Ich bin höflich zu Menschen, die ich nicht mag. Ich muss sie nicht mögen, aber ich weiß, dass sie so wie sie sind "richtig" sind. Es gibt auch Höflichkeit, die nichts anderes als Lügen sind, wenn man nämlich etwas von jemandem will, obwohl man ihn partout nicht ausstehen kann. Ein Erbe z.B. oder Anerkennung oder eine Beförderung. Daran ist auch nichts Schlimmes, man muss nur gucken, wer man gerne selbst sein möchte in diesem Spiel des Lebens.

Liebe Grüße

vielen dank für die ausführliche antwort !

also quasi das gegenüber annehmen und respektieren aber am eigenen verhalten ebenso festhalten ?! hm leuchtet ein !

und ja, mit jedem anlegen wegen allen kleinigkeiten ... cholerisch wär das ja schon

Du tust so, als hättest du eine Alternative.

Wenn du ein emotional geladener, extrovertierter Mensch bist, dann wirst du diesen Leuten bei jeder Gelegenheit deine Meinung sagen.

Wenn du ein zurückhaltender Typ bist, dann wirst du versuchen, denjenigen zu ignorieren oder hinter seinem Rücken zu intrigieren. Letzteres ist natürlich nicht die feine englische Art, aber wenn du von diesem Typ bist, wirst du es machen, vor allem wenn "ignorieren" ich langfristig unglücklich macht, weil derjenige dich zum Beispiel auf irgendeine Art unterdrückt.

Ein Problem haben also immer die, die nicht mutig genug sind, etwas anderen direkt zu sagen und zugleich so empfindlich sind, dass sie "Ignorierversuche" dauerhaft nicht ertragen.
Mir fällt gerade ein: Vielleicht lohnt es sich in so einem Fall, einen Mittler einzuschalten. Sieht natürlich erstmal nach petzen aus, führt aber zur Vermittlung des Unmuts. Das ist in den meisten Fällen schon einmal ein guter Anfang.

ich wünschte zumindest, es gäbe alternativen...

aber danke für die antwort, gibt ja auch nicht nur solche fälle, wo es offene konflitke sind, aber ja meist ist es so

man kann einfach höfliche distanz wahren, auch wenn man mit diesen menschen umgang pflegt. niemand zwingt dich zu übertriebener freundlichkeit, aber auch nicht zu unhöflichkeit.

wenn es dir wichtig ist, dann lass es die leute wissen, was du von ihnen denkst - mir sind solche einblicke in meine gedanken/gefühle aber zumeist nur menschen wert, die ich gut kenne und auch gut kennen möchte.

hm ja okay vielen dank für die antwort

Erstmal ist es entscheidend wo sich diese unsympathischen Menschen befinden. In der Schule kann man sie erst ignorieren, dann muss man vielleicht plötzlich eine Streitschlichtung inklusive Lehrer in Betracht ziehen , im Beruf wird es schwieriger wenn der Chef Teamarbeiten anordnet. Das Feld der Menschen die man meiden kann ist sonst relativ groß, weil man die meiste Zeit sonst eher nur für sich ist, mal hier und da eh nur angenehme Menschen um sich rum lässt und selbst den Nachbarn links liegen lassen kann, auch wenn man ihm noch so oft beim Müllraustragen sieht. Trotzdem würde ich sagen, dass man jede Person die man alltäglich sieht aber nicht leiden kann, a ) erstmal nicht weiterhin provozieren muss b) sich darüber aufzuregen lohnt sich nicht c) ignorieren könnte. Aber am besten finde ich noch genau das was viele emotional nicht unterdrücken können. Höflichkeit! Höflich- und coolbleiben ist eine starke Waffe, mit denen Menschen die dir absichtlich Schaden zufügen wollen meist verwirrt werden und über ihre eigene Handlungen und Denkweisen nachdenken.

vielen dank, die antwort gefällt mir ... bist auch differenzierter rangegangen, ich hab meine frage anscheinend zu allgemein formuliert, dass der eindruck rüberkam, ich meine so leute, wie den von dir angesprochenen nachbarn, den man beim müllraustragen sieht =)

dein angeführter punkt c würde ja als konsequenz haben, dass eben diese leute nicht weiterhin zu dem personenkreis gehört mit dem man alltäglich zu tun hat... hmpf ist an sich ja auch die beste lösung, nur in den seltenen fällen wo es nicht möglich ist, was würdest du dann tun ? also wirklich konsequent das mit der höflichkeit durchziehen ? meinste das würd auf dauer glücklich machen ? so eine fassade ? (keine rhetorischen fragen, mich interessiert echt)

@HowardFrazetta

Die Frage ist nicht ob es auf Dauer glücklich macht, sondern ob es eine sinnvolle Methode ist die Verbesserungen garantiert. Ich finde die Fassade völlig legitim, oder nennen wir es Maske. Du hast jemanden der dich andauernd nervt und du denkst zu Unrecht. Dann wäre es nicht gerade unmoralisch wenn man sich eine künstliche Höflichkeit gönnt. Künstliche Höflichkeit gegenüber Menschen die man nicht mag, ist ja eine Mischung aus gut und böse. Gut - ich bin höflich, was kann man mir vorwerfen? Böse - ich zahle es ihm mit einer besonderen Strategie heim, in dem ich ihn damit zur Weißglut bringe, was aber keine Provokation an sich ist, denn Höflichkeit ist eher etwas, wo man sich nur schwer gegen wehren kann. Bei einer Provokation oder in einem Streit kann man die dicksten Beschimpfungen erleben und zwar gegenseitig und gemeinsam, bei der Höflichkeit ist es eher so, er bellt dich an, beschimpft dich und du bleibst gelassen und er kann noch so viel reden, an dir perlt alles ab. Womit wir bei der zweiten Strategie indirekt sind. Nämlich die "Mir-Egal-Einstellung". Ich meine ein Nachbarschaftsstreit verschafft doch viel zu viel Adrenalin und Stress. Carpe Diem!

@freezyderfrosch

da muss ich nochmal nachhaken =)

"Die Frage ist nicht ob es auf Dauer glücklich macht, sondern ob es eine sinnvolle Methode ist die Verbesserungen garantiert."

wie genau meinst du das ? bzw inwiefern differenzierst du da ziwschen den beiden sachen ? Für mich wäre eine absehbare glücklichkeit die verbesserung die ich mir wünsche !

deine argumentation, macht sinn, ja, sofern das gegenüber auch diese taktik blickt ... wenn das gegenüber sehr ignorant ist, und nichtma erkennt das es nur eine fassade ist, beugt man sich ja quasi der ignoranz des anderen... so nach dem motto "du urteilst in vorurteilen und den vorurteilen werd ich gerecht, auch wenn sie nicht stimmen" ... wo man ja sein eigenes ego dann mit füßen tritt .. ich hoffe mein punkt wird auch klar ?! aber okay, man sieht ja auch selbst, wie das gegenüber es aufnimmt ... danke für die antwort und den ansatz, werd ich ma in gedanken weiter verfolgen =)

@HowardFrazetta

Ganz einfach, weil ich nicht beweisen kann ob es dich auf Dauer glücklich macht. Es kann eine gute Methode sein, die dir aber persönlich nichts gibt und weil du gerne eine andere Strategie für dich selber ausmachen möchtest.

Seine Ignoranz kann dir egal sein. Wenn er eine Höflichkeit mit Ignoranz abstraft, dann hat er ein Problem mit sich selber oder es ist sein Problem. Aber woher willst du wissen, ob er nicht doch über sein Verhalten nachdenkt, so wie ich schrieb. Vor dir kann er der größte Ignorant sein, nach dem er die Tür zumacht, kann er schon im Stillen drübergrübeln. Und wer über seine Fehler nicht nachdenkt, der ist für mich ne arme Sau die man nicht weiterhin beachten muss. Im Grunde genommen hat jede Strategie Vor- und Nachteile. Provokation bedeutet vielleicht Herablassen auf das selbe Niveau, Ignoranz kann dazuführen dass man denkt, man hätte sich nicht genug gewehrt... und so weiter...

@freezyderfrosch

achso ok, dann hab ich das erst falsch verstanden !

"dass man denkt, man hätte sich nicht genug gewehrt"

hm gut möglich dass das der knackpunkt ist, warum ich soviel drüber grübel, ich würde es toll finden, könnte man sich gegen so etwas immer wehren... aber womöglich ist da dann der fehler bei mir und ich sollte daran arbeiten ?!

hm

@HowardFrazetta

Es ging nicht um Fehler! Es ging um Methoden! Ob du etwas richtig oder falsch machst beim Dialog oder der Kommunikation zwischen deinem Feind und dir kann ich nicht beurteilen.

@freezyderfrosch

jo war auch nur als gedankengang formuliert

@HowardFrazetta

Ich finde deine Antwort gut, frage mich jedoch: Macht es einen nicht selbst kaputt, wenn man ständig freundlich zu jemandem sein muss, den man nicht mag. Belügt man sich damit nicht ständig selbst, da man nicht so sein kann, wie man eigentlich will?? Das ist für mich irgendwie unauthentisch. Natürlich hat es den Vorteil, dass der andere dann nichts gegen einen in der Hand hat und man dadurch Streit aus dem Weg geht, aber ob es auf* Dauer* gesehen die richtige Methode ist, ist für mich fragwürdig.

@Skyfall255

Macht es einen nicht selbst kaputt, wenn man ständig freundlich zu jemandem sein muss, den man nicht mag>

Waffen sind da um einen zu stärken; nicht um sich selber kaputtzumachen. Und hiermit ist die Höflichkeitsstrategie als eine Art Waffe gemeint. Jeder normale Mensch erwartet Ignoranz oder Provokation. Höflichkeit überrascht und genau darauf will ich hinaus.

Belügt man sich damit nicht ständig selbst, da man nicht so sein kann, wie man eigentlich will??>

Im Streit geht es nicht zwingend immer darum authentisch oder unauthentisch zu sein, sondern seinen Feind zu verwirren. Wenn man jede neu-entdeckte Strategie wie man am besten reagieren sollte mit einer Selbstlüge abstempeln würde, käme man nicht weiter. Aber Höflichkeit muss doch nicht deswegen unauthentisch sein, nur weil die Masse nur auf kontern, kontern, kontern aus ist. Unauthentisch ist derjenige meiner Meinung nach eher, der völlig aus der Haut fährt wegen irgendeinem Persönchen, obwohl man an sich eine viel gelassenere , nettere Type ist, dessen eigentliches Naturell, nämlich die Höflichkeit, schon immer ein Markenzeichen war.

Natürlich hat es den Vorteil, dass der andere dann nichts gegen einen in der Hand hat und man dadurch Streit aus dem Weg geht, aber ob es auf* Dauer* gesehen die richtige Methode ist, ist für mich fragwürdig.>

Was wäre denn in deinen Augen eine auf Dauer funktionierende richtige Methode?

@freezyderfrosch

Das ist sehr schwer zu beantworten. Ich würde versuchen, so wenig wie möglich mit der Person zu tun zu haben und mich im Gespräch nur auf Dinge beschränken, die notwendig sind. Auf keinen Fall über persönliche Dinge sprechen, sondern nur so "Alltagsgeplänkel". Falls ich nicht gezwungen bin, ständig mit dieser Person "aufeinander zu hocken", würde ich die Zeit, die sie nicht in meiner Nähe ist, nutzen und mich mit Leuten abgeben, die mir sympathisch sind.

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