Wie hilft eine Psychotherapie bei geringen Selbstwert?

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GErade das ist das Paradegebiet der Psychotherapie. Und entgegen aller Meinungen hier, kommt es bei der Therapie weniger auf Ursachenfindung an. Die Ursache liegt oft, meist, in der nicht wertschätzenden Erziehung durch die Eltern in der frühen Kindheit. Warum auch immer das geschehen ist. Interessant, aber richtig weiterbringen tut einen das nicht, da man ja nicht in die Vergangenheit zurückreisen kann, um das zu ändern. Man kann vielleicht aber heute verstehen, wie es dazu kam, dass die Eltern einen nicht angenommen haben, als der/die, die man ist. Und das wiederum liegt in der Biographie der Eltern begründet.

Wichtig ist die Frage: was hindert mich heute daran, mich zu entfalten und mich als die/den zu akzeptieren, die/der ich bin. Und das ist ein schwerer Weg. Man lernt in der Psychotherapie, sich selbst mit allen Gefühlen wahrzunehmen und zu akteptieren. Das heißt nicht, dass man dann alle Gefühle einfach ungefiltert rauslassen soll. Wahrnehmen ist ja etwas anderes als ausagieren. Ich kann wahrnehmen, dass ich Herrn oder Frau XY am liebsten eine reinhauen würde. Das ist völlig in Ordung, aber tun darf man es natürlich nicht.

Viele Klienten/Patienten mit beschädigtem Selbstwert sind so überzeugt davon, lebende Sch***e zu sein, dass sie sich selbst gar nicht mehr wahrnehmen.

Durch die therapeutische Beziehung zum Therapeuten lernt man zudem, nicht zu pauschalisieren. Wenn immer mir ein Patient sagt: "Alle hassen mich" frage ich unweigerlich: "Ich auch? Glauben Sie, dass auch ich Sie hasse?" Und wenn die Antwort "ja ist", dann frage ich weiter: "Woran machen Sie das fest." Und ganz oft erkennt der/die Patientin dann, dass sie pauschalisiert hat und mir etwas unterstellt hat, statt genau hinzugucken. Natürlich fragt man dann auch: "Wie kommt das. Woran erinnert Sie das Gefühl, von allen gehasst zu werden." und dann erzählt der/die Patientin meist Geschichten aus der Kindheit. Aber wie gesagt, es geht hier nicht um Ursachenfindung, sondern um die Erkenntnis, dass das, was damals war, heute nicht mehr gelten muss.

Die Frage nach dem "Warum" in der Therapie ist wirklich nur peripher interessant, die eigentliche Frage ist: wie stelle ich es an, dass ich mir heute so im Wege stehe."

Die Frage nach dem Warum ist eine medizinische Frage, die aber in der Psychotherapie daneben geht. Ein Arzt muss das Warum klären. Warum hat der Patient einen hohen Blutdruck, warum hat er Sodbrennen, warum humpelt er.

IIn der Psychotherapie aber bringt einen diese Warumfrage nur intellektuell weiter. "Aha, darum ist das so. Und? Was hab ich davon?" Nix. Es ändert nämlich nichts an der Befindlichkeit. Das liegt unter anderem daran, dass das intellektuelle Wissen in ganz anderen HIrnarealen angesiedelt ist als die damit verbundenen Gefühle.l

Hallo videre,

ich bin zwar kein Therapeut, doch könnte ich mir denken, dass bei einer Psychotherapie neue Denk- und Verhaltensmuster eintrainiert werden. Das alles geht natürlich nicht von heute auf morgen, sondern braucht eine gewisse Zeit.

Aber selbst ohne Therapie könntest Du einiges tun, um Dein Selbstwertgefühl zu verbessern. Versuche Dich z.B. möglichst nicht mit anderen zu vergleichen. Niemand ist genauso wie Du. Jeder hat gewisse Persönlichkeitsmerkmale vererbt bekommen und ist in einer anderen Umgebung aufgewachsen. Aufgrund Deiner Einzigartigkeit ist es daher wenig sinnvoll, wenn Du Dich mit anderen vergleichst.

Einem Idealbild von Dir hinterherzulaufen, trägt ebenfalls nicht zu einer gesunden Selbstachtung bei. Solch ein Idealbild hast Du Dir höchst wahrscheinlich nicht selbst erdacht, sondern stammt von denen, die Dich erzogen oder auch anderweitig beeinflusst haben. Besser wäre es, wenn Du selbst entscheidest, wer oder was Du sein möchtest - sei also ganz Du selbst! Das gibt Dir eher ein Gefühl von Stärke und Sicherheit. Nachfolgend möchte ich Dir noch ein paar Tipps geben, die Du einmal ausprobieren könntest:

Nimm Dir z. B. eine kleine Sache vor (Zimmer aufräumen, Arbeiten im Haushalt etc.) und zieh sie durch. Je öfter Du das tust, desto mehr kleine Erfolgserlebnisse wirst zu haben. Der Erfolg wiederum stärkt Dein Selbstvertrauen.

Suche auch regelmäßig nach einer Möglichkeit, Dich körperlich zu betätigen und auszupowern. Vielleicht versuchst Du es ja mal mit schwimmen, Fahrrad fahren, joggen etc. Das führt zur vermehrten Ausschüttung von Endorphinen, was wiederum Glücksgefühle auslöst.

Eine andere Möglichkeit wäre, wenn Du Dich kreativ betätigst. Baue oder bastele etwas Sinnvolles. Etwas zustande gebracht zu haben, hebt das Selbstbewusstsein. Wie wäre es damit, einmal etwas Neues auszuprobieren? Du könntest z. B. an einem Kurs teilnehmen, ein Musikinstrument erlernen o. ä. Dabei kommst Du mit anderen Menschen zusammen und erwirbst neue Fähigkeiten und Fertigkeiten. Auch das könnte Deinem Selbstvertrauen einen neuen Schub geben.

Vielen, denen es an Selbstwertgefühl mangelt, haben kein gesundes Verhältnis zum eigenen Ich. Sie haben ständig an sich etwas auszusetzen und sind nie mit Ihren Leistungen zufrieden. Sie denken permanent schlecht von sich und lassen kein gutes Haar an sich selbst. Wenn es Dir auch so ergeht, dann wird es höchste Zeit, das Steuer herumzureißen. Statt Dich selbst zu verurteilen und schlecht zu Dir zu sein, versuche es doch einmal mit dem Gegenteil: Sei gut zu Dir, gönne Dir bewusst etwas Schönes und habe Verständnis für Deine Fehler und Schwächen.

Probiere doch einmal die einfache Übung aus, indem Du immer wieder zu Dir selbst sagst: "Ich mag Dich!" Vielleicht kommt Dir das ein wenig albern vor, doch mit der Zeit wird es Wirkung zeigen. Damit gibst Du Dir das, was Du bisher von anderen zu wenig oder gar nicht gehört hast. Ein gesundes Selbstwertgefühl kann auch nur dann entstehen, wenn Du Dich selbst bedingungslos annimmst. Knüpfe diese Selbstannahme nicht an Bedingungen, wie z. B. Leistung oder Perfektion. Nimm Dich also auch dann an, wenn Du nicht perfekt bist.

Was das Selbstvertrauen enorm stärkt, sind Erfolge. Da jeder Mensch irgendwo Erfolge erzielt, sie aber nicht immer wahrnimmt, sollte er es lernen, sie sich bewusst zu machen. Wenn Du glaubst, nicht erfolgreich zu sein, dann könnte es daran liegen, dass Du einfach nicht von Deinen Fähigkeiten und Leistungen überzeugt bist. Lerne es daher, an Dich zu glauben. Versuche auch an frühere Erfolge anzuknüpfen.

Solltest Du Dir angewöhnt haben, Dich mit anderen zu vergleichen, dann fügst Du Deinem Selbstvertrauen Schaden zu. Vergiss nicht, dass jeder Mensch einzigartig und wertvoll ist. Dein eigentlicher Wert hängt nicht davon ab, dass Du genauso viel kannst und leistest wie andere. Jeder hat andere Talente und Fähigkeiten mitbekommen und ist in einer anderen sozialen Umgebung aufgewachsen.

Allein schon aus diesen Gründen bringt es nichts, sich mit anderen zu vergleichen. Besser ist es, auf das zu blicken, was Du im Laufe Deines Lebens alles zustande gebracht und erreicht hast. Bestimmt gibt es auch Dinge, die Du besonders gut kannst, besser als die meisten anderen.

Neben all den genannten Tipps solltest Du auch eines nicht aus dem Blickfeld verlieren (falls Du an Gott glaubst): Du bist wertvoll in Gottes Augen! Das geht z. B. aus den Worten Jesu hervor, durch die er seinen Jüngern klar machen wollte, welchen Wert sie in Gottes Augen hatten.

Jesus sagte: "Verkauft man nicht fünf Sperlinge für zwei Münzen von geringem Wert? Doch nicht einer von ihnen wird vor Gott vergessen. Aber sogar die Haare eures Hauptes sind alle gezählt. Fürchtet euch nicht; ihr seid mehr wert als viele Sperlinge" (Lukas, Kapitel 12, Verse 6 u. 7). Die Redewendung "die Haare eures Hauptes sind gezählt", bedeuten, dass Gott sich so sehr für jedes Detail unseres Lebens interessiert, als ob er gleichsam die komplette Anzahl unserer Haare wüsste. Ist das nicht ein sehr schöner Gedanke, der einem helfen kann, sich in einem anderen Licht zu sehen?

Je mehr man über Gott erfährt, desto größer mag der Wunsch werden, eine enge persönliche Beziehung zu ihm aufzubauen. Ja es ist sogar Gottes ausdrücklicher Wunsch, seine Nähe zu suchen. Eine Freundschaft zu ihm zu erlangen, ist aus meiner Sicht das Beste und Wertvollste, was man besitzen kann. Wer Gott zum Freund hat, der hat auch einen Helfer an seiner Seite, der mehr zu tun imstande ist, als jeder menschliche Helfer. Das kann ich aus vielen Erfahrungen in meinem Leben bestätigen.

Wie Du also siehst, gibt es Möglichkeiten, etwas gegen Dein mangelndes Selbstwertgefühl zu tun. Fange am besten noch heute damit an! Ich wünsche Dir viel Erfolg mit diesen Tipps und hoffe, dass sie Dir dabei helfen, Dich selbst in einem besseren Licht zu sehen.

LG Philipp

Vor allem wird ermittelt warum du ein geringes Selbstwertgefühl hast, denn das ist erstmal zwar nichts schlimmes, kann dich aber natürlich in deinem Sozialleben stark beeinträchtigen. Als Therapie werden dann effektive Methoden in Kooperation mit dir gesucht, diesen Selbstwert wieder herzustellen, dir ein anderes Empfinden über dich selbst zu vermitteln. Das sollte dann natürlich auch schnell im Alltag bemerkbar sein.

Schlussendlich lernst du mehr über dich selbst, deine Macken aber auch deine Stärken und Methoden dich selbst wohl zu fühlen, wie du bist.

Eine Konsultation beim Psychologen sollte sicherlich erst einmal kostenlos sein, fragen schadet nicht, sieh es als ersten Schritt zur Besserung, falls ich das so richtig heraushöre, dass du ein Problem mit deinem Selbstwertgefühl hast.

Woher ich das weiß:Recherche

nicht hilfrich war ein Versehen!

Vor allem wird ermittelt warum du ein geringes Selbstwertgefühl hast

Nein. Natürlich bekommt man raus, warum man ein geringes Selbstwertgefühl hat, aber dadurch ändert sich erst mal gar nichts. Die Warum-Frage ist in der Psychotherapie nicht so wichtig wie die Wie Frage. "Wie mache ich das, dass ich mir heute im Wege stehe" "WArum?" Gut, dass wir mal darüber gesprochen haben. Gähn.
Jeder Psychol. Student kann vermutlich die Warumfrage beantworten. Dazu liest er ja genügend Literatur. Aber letztlich kommt es auf die absolut individuelle "Wie Frage" an.

Das ist eine Verhaltenstherapie. Und sie kann zumindest in Teilen helfen. Ich habe zum Beispiel das Wort Nein gelernt. Und es hilft mir seit vielen Jahren, mich etwas besser abzugrenzen.

Im Grunde grast jede Therapie in den Anfängen, sprich, in der Kindheit, Jugend, in der Erziehung, in der Beziehung zu Eltern oder Partnern. Für jede "Verhaltensauffälligkeit" gibt es einen Grund und der wird versucht zu ergründen. Und dabei muss der betroffene Patient aktiv mitarbeiten. Denn nur mit seiner Hilfe kann ein Therapeut mögliche Wege aufzeigen. Gehen muss sie dann aber jeder selbst.

Für jede "Verhaltensauffälligkeit" gibt es einen Grund und der wird versucht zu ergründen

Nein. Das ist vielleicht die Verpackung um die Probleme. Durch KLären der "Warum-Frage" ändert sich das intellektuelle Wissen, ansonsten aber nichts.

@Dahika

Doch, der Umgang mit den Problemen ändert sich, wenn man erkennt, was falsch gelaufen ist.

@user89467

Ist nicht meine Erfahrung. Oft setzt es die Patienten nur noch mehr unter Druck. "ich weiß doch, warum das so gelaufen ist, aber ich fühle mich immer noch wie gequirlte Sch***" Der Umgang mit den Problemen ist keine Ursachenforschung.

@Dahika

Wer aus seiner Scheizze raus will, spürt keinen Druck. Genau den will er ja loswerden. Und darum arbeitet er mit. Und wer den Grund eines Problems kennt, kann auch zukünftig etwas an seinem Verhalten ändern, wenn er den Willen und die Kraft dazu hat.

@user89467

Nein, er muss wissen, wie er es das macht, immer in derselben Sch**e zu bleiben. Warum er es macht... ist gut für Lehrbücher.

Du kannst es auch erst mal alleine versuchen, mit Internet und gegebenenfalls Büchern. Schlagwörter: Selbstliebe, Christian Bischoff, Robert Betz

Woher ich das weiß:Recherche

Psychotherapie seriös?

Hallo,

bin zwar schon 22, aber wohne noch mit meinem Vater zusammen.

Ich mache seit 6 Monaten eine Psychotherapie bei einem Heilpraktiker für Psychotherapie wegen einem kleinem Eßproblem. Helfen tut es zwar überhaupt nicht,aber mir wird immer wieder Hoffnung gemacht, nicht aufzugeben. Das braucht halt seine Zeit wurde mir gesagt.

Mein Vater ging bisher zu der Ehefrau dieses Psychotherapeuten, die ist Heilpraktikerin. Da sie mit dem Problem meines Vaters aber nicht weiterkommt, hat sie meinem Vater geraten, in Behandlung bei ihrem Mann zu gehen, also zu dem Heilpraktiker für Psychotherapie, da dieser so eine spezielle Behandlungsmethode anbietet. Das dauert auch etwas länger.

Aber seit dem kann ich dem Psychotherapeuten einfach nicht mehr so richtig vertrauen. Ich habe ständig das Gefühl, daß die beiden evtl. über mich reden. Und ich habe auch schon so einiges von meinem Vater gehört. Mein Vater denkt sich nichts dabei, wir haben ja ein gutes Verhältnis. Aber mich stört es halt, ich weiß, da wird geredet, aber ich weiß nicht,was. Das kommt ja auch irgendwie zwangsläufig, wenn 2 Familienmitglieder bei dem selben Psychotherpeuten sind. Aber ich möchte das auch nicht so einfach abbrechen, das hat mich schon ein Vermögen gekostet. Aber meinem Vater möchte ich das auch nciht sagen, daß mich das etwas stört und ihn bitten, da aufzuhören. Ich habe mal gewagt, dem Psychotherapeuten durch die Blume zu sagen, daß mir das etwas unangenehm ist, aber er sagte nur, das wir doch Vater und Tochter sind.

Nun habe ich gehört, daß normalerweise seriöse Psychotherapeuten das ablehen würden, weil es eben genau zu solchen Problemen kommen muß. Es sei denn, es handelt sich um eine Familientherapie, was in unserem Fall definitiv nicht der Fall ist.

Was meint ihr denn so dazu? Stell ich mich an? Oder würde euch das auch so gehen?

Danke

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