Wie erkennt man eine Hochbegabung bei einem 2-jährigen Kind, ist das überhaupt schon erkennbar?

5 Antworten

Hallo! Ich finde es interessant, dass Fragen zum Thema Hochbegabung in Foren meistens sehr aggressiv beantwortet werden. In der Regel sind die Eltern/Verwandten einfach nur verunsichert und haben verständlicherweise Redebedarf, wenn sie etwas ungewöhnliches bei ihrem Kind beobachten. Man sollte dieses Bedürfnis sich auszutauschen nicht immer gleich niedertrampeln, selbst wenn man eine Übermotivaton der Eltern dahinter vermutet. Nicht alle Eltern, die besondere Fähigkeiten bei ihren Kindern vermuten und diese fördern möchten sind automatisch darauf aus, ihnen die Kindheit zu nehmen. Ich fände es sehr begrüßenswert, wenn sich die besorgten Eltern ernstgenommen fühlen könnten, auch wenn bei einem Beitrag die Vermutung naheliegt, dass die Sorgen unbegründet sind. Ob das dann tatsächlich der Fall ist, lässt sich über ein Forum ohnehin nicht klären. Fakt ist nur, dass unerkannte Hochbegabung zu nicht unerheblichen Schwierigkeiten führen kann und ein Austausch mit anderen Eltern vor allem dazu dienen sollte, sich gegenseitig Tipps zu geben und Informationen auszutauschen, anstatt sich mit Anschuldigungen zu überhäufen. Und keine Sorge - alle professionellen Förderungen sind mit Analysen verbunden.

Frage deine Schwägerin, was sie anders machen wird, wenn sie das Testergebnis hat. Ist das Kind hochbegabt, wird sie es dann mehr fördern als vorher? Warum tut sie es dann nicht jetzt schon? Und wenn das Kind nicht hochbegabt sein sollte, wäre sie dann enttäuscht und was würde sich dann ändern? Wenn sie sagt, dann bleibt alles so wie vorher - nein, dann macht sie sich was vor. Entweder sie legt es drauf an, den Test zu wiederholen und hat beim zweiten Test noch gestiegene Erwartungen. Oder sie denkt, dass ihr Kind gar nicht so schlau ist und verliert die Motivation, in ihr Kind zu investieren, weil es sich scheinbar nicht lohnt, weil sie dafür nicht die erwartete Anerkennung bekommen wird. Man darf nicht vergessen: Die Begabung gehört dem Kind und dem Kind gebührt auch die Anerkennung - nicht den Eltern!

Erkennen können das manchmal nur Eltern, deren Kinder selbst hochbegabt getestet wurden, aus der Rückschau heraus. Es gibt gewisse Anhaltspunkte, aber bestimmt nicht so, wie man sich das allgemein vorstellt. Der Blick, das Frageverhalten, die Aufmerksamkeitsspanne und die Beschäftigung mit sonderbaren Dingen. Meine kleine Tochter mit ihren zwei Jahren baut Gebilde aus Lego-Duplo-Steinen, aber dabei baut sie bewusst nur mit blauen Steinen, manchmal macht sie auch eine zweite Reihe mit grünen Steinen auf. Die roten lässt sie eher links liegen, nur wenn es gar nicht anders geht. Ich ernste dafür aber nie Beifall, sondern höchstens mitleidige Blicke. Als meine Große im Kindergarten ankam, hieß es gleich: Wir machen uns Sorgen, sie rührt das ganze Spielzeug überhaupt nicht an. Sie sucht sich nur Bücher aus und setzt sich damit in die Ecke. Im Garten spielt sie die ganze Zeit mit drei Stöckchen und zwei Steinchen. Stundenlang. Ich als Mutter dachte natürlich: Na und? Kann doch jeder machen, wie er lustig ist. Wenn es ihr Spaß macht....

Als ich dann andere Eltern mit hochbegabten Kindern kennenlernte, hörte ich viele von solchen Geschichten. Die Kinder machen im Kindergarten das, was sie zuhause auch dürfen, und plötzlich sagt ihnen jemand, dass das nicht geht. Sie hatte zuhause 100er-Puzzle, die durfte sie im Kindergarten gar nicht erst aus dem Schrank rausholen, weil das nur den Großen vorbehalten war.

So geht es mir, wenn ich heute mal in der Bravo blättere, die ich als Teeny geradezu verschlungen habe. Wenn ich sie heute sehe, schäme ich mich dafür, was für ein Schwachsinn da drin steht und dass ich das mal toll fand. Wenn man mich jetzt 5 Tage die Wochen zum Bravo-Lesen verdonnern würde, würde ich wohl auch irgendwann komisch werden.

unser kinderarzt hat bei unserer tochter zur u7 auch festgestellt, dass sie gleichaltrigen vieles vorraus hat, aber er meinte man kann erst ab ca. 4 jahren wirklich feststellen in wie weit ein kind hochbegabt ist. meine tochter ist 2 jahre und 4 monate alt, sie hat einen wortschatz von mehr als 500 wörtern, spricht in ganzen sätzen, singt jetzt über 20 lieder fehlerfrei, kennt alle farben, also auch orange, lila, schwarz, braun usw. , zählt bis 20 und singt das lied vom abc auch fehlerfrei. durch ihre lieblingsserie "dora" spricht sie auch einiges auf englisch. ich denke aber nicht, dass meine tochter deshalb hochbegabt ist. ich habe mich einfach viel mit ihr beschäftigt, da sie nur max. 9-10 stunden schlaf pro tag braucht, bleiben auch jeden tag mind. 14 stunden in denen ich mit ihr was machen kann. also bei deiner schwägerin sehe ich auch keinen anlass zur hochbegabung oder diese zu prüfen.

Es kommt bei der Sprache auch wirklich drauf an, welche Wörter die Kinder benutzen und fehlerfrei aussprechen. Wie diffenrenziert sind diese Begriffe und können sie diese Begriffe in einen Zusammenhang bringen? Ich war mit meiner Zweijähringen auch zur U 7 und da zog sie sich ihre Schuhe an und sagte zum Arzt:"Das sind meine Schuhe! Ich mach die zu!" Erstens das Wort MEINE, zweitens das Wort ICH und drittens das Wort SCHUHE und das Wort ZU. Für unser Gehör alles eine Selbstverständlichkeit, aber selbst für viele Dreijährige noch eine große Herausforderung. Im U-Heft steht deshalb "sprachlich sehr weit". Sie kennt die Farben aber noch nicht und kann auch garade mal bis 3 zählen. Dafür würde ich meine Tochter aber mit 2 1/2 noch nicht Dora sehen lassen. Es gibt für die intellektuelle Entwicklung viel bessere Möglichkeiten, die Kinder zu fördern.

Ich werde immer sofort misstrauisch, wenn jemand behauptet, ein zweijähriges Kind würde PERFEKT sprechen. Niemand ist perfekt.

Viele hochbegabte Kleinkinder laufen und sprechen sehr früh, viele schlafen sehr wenig. Eine differenzierte Sprache führt oft zu der Bemerkung, es wäre ein altkluges Kind und die überwiegende Beschäftigung mit intellektuellen Dingen ist untypisch in diesem Alter. Das Kind entwickelt ausgeprägte Interessen (z. B. Dinosaurier, Schwarze Löcher, Bakterien, Automarken, Schlösser und Kirchen, Atlanten) die andere Kinder nicht teilen. Das "Handarbeiten" wird geschickt umgangen, es sei denn, man darf schon Zahlen, Buchstaben oder Worte schreiben. Oft unbemerkt von Elternhaus und Kindergarten entwickelt sich langsam ein Defizit in der Feinmotorik, aber oft auch die Fähigkeit, sich völlig allein das Lesen und Rechnen beizubringen. Frühes Sprechen kann also ein Anzeichen sein, muss aber nicht. Es gibt tatsächlich viele Kleinkinder, die schon früh sehr gut sprechen können, das allein spricht für sich jetzt nicht für eine Hochbegabung.

Ich bin nicht sonderlich früh gelaufen. (Habe aber sehr früh über Astronomie erzählt.

Nur als Ergänzung zu den Ausführungen von hotelmama:

Es gibt mit Sicherheit viele hochbegabte Kinder, bei denen das einfach nicht getestet wurde. Das sind dann die Kinder, die wegen der ausbleibenden angemessenen Förderung spätestens im Schulalter renitent werden und schlechte Noten haben. (Nicht alle mit schlechten Noten sind jedoch hochbegabt - daß wir uns da nicht mißverstehen.)

Es ist völlig okay, wenn die Schwägerin ihr Kind testen läßt - vorausgesetzt, sie ist nicht all zu enttäuscht, wenn das dann nix war.

http://www.mensa.de hält vielleicht irgendwo weitere Infos bereit.

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