Wer kennt seltene Herzkrankheit "Tako Tsubo"

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Hello!

Ist schon mehr als einen Monat her die Frage - dachte, schreib trotzdem mein Erlebnis rein. Ja, bei mir wurde eine Tako-Tsubo-Kardiomyopathie diagnostiziert. Obwohl die Krankheit überwiegend bei älteren Frauen aufzutreten scheint, hat es mich 40-jährig, männlich, erwischt. Ich wusste zuvor nichts von einer solchen Krankheit. Am Abend des 25. Oktober 2007 bekam ich während einer zwar ungewohnten aber nur sehr leichten körperlichen Anstrengung (Hobby-Sport) zuerst ein Enge-Gefühl, dann starke Schmerzen in der Brust, ausstrahlend in den Rücken und in die Arme. Sofort spürte ich, dass es was Ernstes ist. Ich kramte mein Handy hervor und rief den Notarzt, wobei ich bereits recht schwach war, sodass ich kaum mehr sprechen konnte und auch beispielsweise die konnte ich nur mit grosser Anstrengung, mir war speiübel, ich schwitzte und zitterte vor Kälte und laut der Personen, die sich um mich kümmerten, war ich grau im Gesicht. Der Notartzt kam nach etwa 10 Minuten, er gab Sauerstoff, Nitroglyzerin und Morphin. Das Morphin wirkte allerdings kaum, worauf man Fentanyl gab, dies brachte zwar Linderung der Schmerzen, allerdings nicht für lange. In der Notfallaufnahme dämmerte ich hin, die Augen geschlossen und trotzdem halb wach und erhielt immer wieder Fentanyl, erst nach 3 Stunden ging der heftige Schmerz langsam weg. Allgemein ging man von einem Infarkt aus. Das EKG zeigte die typischen Infarkt-Anomalien. Der Ultraschall zeigte, dass der Herzmuskel nur noch knapp 40% Pumpleistung aufwies. Inzwischen waren die Herzenzym-Laborwerte gekommen und auch diese deuteten offenbar auf einen Infarkt. Allerdings führte eine erneute Sonographie am zu einem überraschenden Ergebnis, denn bereits nach wenigen Stunden war die Pumpleistung auf 47% angestiegen und das Bild wies auf etwas hin, das kein Infarkt war. Am nächsten Tag fühlte ich mich fast restlos erholt. Tags darauf wurde ich mit dem Befund einer Tako-Tsubo-Kardiomyopathie aus dem Spital entlassen. Als Medikamente erhielt ich einen Betablocker, Aspirin Cardio, vorübergehend einen Blutverdünner sowie einen Kalziumantagonisten.

Die Diagnose scheint zu stimmen, denn das charakteristische beim Tako-Tsubo-Syndrom ist, dass sich der Herzmuskel nach der Akutphase, im Gegensatz zum Infarkt, meist vollständig erholt. Dies war bei mir jedenfalls glücklicherweise der Fall. Zum "Broken Heart"-Syndrom passt auch die Tatsache, dass ich nach Konflikten mit meinem Vorgesetzten ein paar Tage vor dem Anfall meine Kündigung ins Blaue eingereicht hatte. Eine Woche nach meinem Klinikaufenthalt war die Pumpleistung schon wieder bei 64% angelangt und inzwischen, einen Monat später, zeigt der Ultraschall bei mir eine völlig normale und restlos erholte Herzleistung.

Zu den Ursachen: Sicher die psychische Belastung einerseits, denn im Blut werden massenweise Stresshormone nachgewiesen. Und soviel ich weiss (wobei niemand wirklich sehr viel darüber weiss, schon gar nicht ich als Laie) scheint mittlerweile der Zusammenhang von zuviel Kalzium (deshalb der Kalziumantagonist) eine Rolle zu spielen.

Vielleicht nützt die Beschreibung was?

Gruss

Rob

Aus Wikipedia:

"Verlässliche epidemiologische Daten fehlen, das Wissen über die Stress-Kardiomyopathie stützt sich auf Einzelfallschilderungen und die Beschreibung von „Kleinstserien“ mit wenigen Patienten. Bis Mitte 2006 sind weltweit erst etwa 700 Patienten mit einer Tako-Tsubo-Kardiomyopathie beschrieben worden, davon etwa 400 in Japan und jeweils etwa 150 in Europa und Nordamerika. Seit 2004 wurde auch über Patienten in Australien und Südamerika berichtet, so dass von einer weltweiten und bislang unterschätzten Verbreitung ausgegangen wird."

Aus diesem Grund glaube ich nicht, daß Du hier Erfahrungsberichte hören wirst!

Die Therapie bei der Tako-Tsubo Kardiomyopathie ist bislang empirisc. Harte Daten aus Studien fehlen bislang. Im Tiermodel wurde bisher gezeigt, dass Betablocker das Auftreten einer linksventrikulären Störung verhindern können. Daten zur Anwendung eines Calcium-Antagonisten liegen nicht vor. Die Tatsache, dass spontane Vasopasmen der Herzkranzgefäße ausgeschlossen werden können, macht den Einsatz eigentlich auch nicht sinnvoll. Es sei denn der Calcium-Antagonist wird zur Blutdruckregulation verwendet.

Bei speziellen Fragen: http://www.kerckhoff-klinik.de Gruß Connexin

Ach ja, wegen deiner Frage: Ja, die Medis (also Betablocker, Kalziumantagonist und Aspirin Cardio) muss man (bzw. muss ich) lebenslang nehmen.

Gruss Rob

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