Wer hat Erfahrung mit Evolutions-Pädagogik?

2 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Oh - diese "wunderbare" Evolutionstheorie. Also: ich bin vom Erstberuf her auch Erzieherin und wurde mit unter anderem mit dieser Theorie "gequält"...

Ich persönlich halte nichts von dieser Theorie - vielmehr sind Hyperaktivität, Legasthenie etc. multicausal bedingt. D.h. bei einem gibt es vielleicht organische Ursachen (z.B. hinsichtlich Nervenleitgeschwindigkeit...), bei anderen ist ein Vitamin-/ Mineralstoffmangel eine Mitbedingung, bei anderen hilft bereits eine Gabe von gesättigten Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren), bei dem nächsten hilft ein strukturierter Tagesplan...

Es wäre schön, wenn man einfach ganz pauschal sagen könnte: Kinder, die so oder so reagieren/lernen... sind so, da dies und jenes passiert ist. Das geht jedoch nicht so einfach. Bei jedem Menschen kann und wird es bestimmte Ursachen geben, die nicht automatisch auf jeden zu übertragen sind...

Man muss immer berücksichtigen, dass es verschiedene Komponente gibt, die auf jeden Menschen einwirken: organische Komponenten, familiäre (und weitere soziale) und konstitutionelle Einflüsse sowie Persönlichkeitsfaktoren. Erst wenn man einem Menschen ganzheitlich betrachten und eine individuelle Betrachtungsweise/Förderung findet, wird sich etwas bei dem jeweiligen Kind verändern können (es bekommt genau das, was es gerade braucht und nicht das, was einem anderen Kind gerade fehlt...).

Anmerkung: Diese Antwort spiegelt meine persönliche Meinung wieder. Falls sich jemand von dieser Antwort angegriffen fühlt: Entschuldigung im voraus! ;-))

Danke für deine ausführliche Antwort. Ich bin ganz deiner Meinung. Weißt du, mein Kleiner ist manchmal ein bißchen wild, vor allem oder fast ausschließlich dann, wenn er mich oder besser meine Aufmerksamkeit mit jemandem teilen muss. Dann versucht er mit vielen Mitteln mich zu provozieren. Manchmal bin ich dann hilflos und in so einer Situation hat unser Kiga-Leiter dann die Sprache auch diese Evolutionsbiologie gebracht. Er ist der Meinung mein Kind stecke in der Krokodilphase fest und könne seine Kraft nicht richtig dosieren. Teils hat er damit ja recht, aber ich glaube nicht, dass allein das Spiel "Spitz, pass auf" da weiter helfen kann. Ich denke, ich muss ihm da eher seine Grenzen zeigen und ihm beibringen, dass er auch mal warten muss.

@Opodeldok

Du machst das schon richtig ;-) Kleiner Tipp: Frag deinen Sohn mal, ob er Kinder einladen möchte, unternimm dann gemeinsam etas - rede aber im Vorfeld mit ihm und stecke Regeln fest. Erklär ihm, dass du dann genauso noch für die anderen Kindern verantwortlich bist. Lege mit ihm gemeinsam fest, was passieren soll, wenn alles gut läuft und er nicht gegen diese regeln verstoßen hat (Gutes verstärken [aber auch nur dann, wenn wirklich alles gut war) anstatt Negatives zu bestrafen). Wenn das öfter so gemacht wird, lernt er das Einhalten von Regeln besser.

@helpmedoch

Das Problem tritt beim Zusammensein mit anderen Kindern eigentlich nicht auf. Er ist auch auf seine kleine Schwester nicht eifersüchtig. Er benimmt sich nur auffällig, wenn andere Erwachsene dazu kommen, also etwa meine Eltern (ganz schlimm) oder mein Mann. Mittlerweile spüre ich aber auch schon eine Verbesserung. Ich bin so vorgegangen, dass ich ihm gesagt habe, dass ich mich gerade unterhalte und er warten soll, bis ich fertig bin. Meist ist er dann still und nach kurzer Zeit, wenn wir fertig geredet haben, wende ich mich an ihn und frage, was er wollte. Das klappt ganz gut. Lediglich in der Öffentlichkeit klappt es noch nicht und so auch nicht in der Situation im Kiga, wo der Leiter mir kurz etwas gesagt hat (beziehungsweise er hat mir die Leviten gelesen, weil ich meinem Sohn noch den Po putze). Da hat er dann genervt und mir ständig ans Bein getreten, damit ich nach ihm schauen sollte. Und der Mann meinte dann natürlich, ich sei erziehungsmäßig voll unfähig. Tja, dumm gelaufen.

@Opodeldok

Dann geh ähnlich vor, nur schaffe solche Situationen, in denen er sonst auffällig ist. Mit Erziehungsunfähigkeit hat dies absolut nichts zu tun - lass dir das nicht einreden (statt Vorwürfe zu machen oder die "Schuld" an einen abzuwälzen, sollte er lieber schauen: "Wie kann man die Situation verbessern? Was könnte hierbei hilfreich sein? In welchen Situationen tritt das verhalten genau auf?..."! Außerdem, wie du schon sagtest: du siehst bereits positive Veränderungen!!! Das heißt doch, dass du auf dem richtigen Weg bist! Also: Mach weiter wie bisher und halte die positiven Erlebnisse besonders fest: schau nicht zu sehr auf das Negative, sondern auf die positiven Veränderungen - den Rat darfst du auch gerne dem Leiter der Kita geben, mit freundlichen Grüßen von mir ;-)

@helpmedoch

Danke, das macht mir Mut, dass ich doch keine "Erziehungs-Niete" bin. Er wird ja auch immer älter und langsam kann ich auch immer öfter Einsicht bei ihm erkennen. Es braucht halt alles seine Zeit. Seine wunderbaren, liebenswerten Seiten überwiegen bei weitem, er ist ein wundervoller, toller kleiner Mann, das lass ich mir auch von niemandem schlecht reden.

@Opodeldok

Hey, mein Sohn kommt am Samstag in die Schule, und wenn er Nähe sucht (oder einfach sich klein fühlen möchte und bemuttert), dann ruft er mich, dass ich ihm den Po abputze - na und??? In der Schule schafft er das genauso gut alleine!

Eine sehr, sehr gute und fundierte Antwort, die mir das tippen spart! Schade, daß es kein DDH gibt! C.

Es ist eine der vielen Theorien, die es in der Pädagogik gibt. Leider bleibt es eine Theorie, weil es schwer ist, Beweise dafür zu finden. Es ist natürlich immer wieder schön, wenn man meint, man habe den Grund für eine bestimmte Fehlentwicklung gefunden. Wenn man sie dann auch noch ausgleichen könnte, umso besser. Aber sich alleine darauf zu verlassen, ist wirklich zu einseitig.

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