Warum muss im Therapeut-Patienten-Verhältniss ein!gegenseitiges! Vertrauensverhältnis bestehen?

5 Antworten

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Ich denke, das hängt schon mal von der Ausrichtung des Therapeuten ab.

Ich persönlich definiere Psychotherapie nicht als Dienstleistung oder anonymes ärztliches Handwerk, sondern als (sicher schon professionell und distanziert gestaltete) Beziehung zwischen Patient und Therapeut, die, bei aller Professionalität, Distanz und Künstlichkeit der Situation, zuerst mal und trotzdem eine ganz persönliche, emotionale Begegnung zwischen zwei Menschen ist und bleibt.

Ich gehe dabei aber schon davon aus, dass Patienten nicht alles erzählen (können) und auch (bewusst oder unbewusst) die Unwahrheit sagen. Die Patienten entscheiden ja, was sie in die Therapie einbringen (und was nicht), worüber sie sprechen (und worüber nicht), welche Ziele sie erreichen, woran sie arbeiten möchten.

Ein Vertrauen muss da sein, dass sich Patienten auf Absprachen einlassen und diese auch einhalten. Ist das nicht (mehr) möglich und lässt sich das nicht klären und erreichen, ist es mE nicht (mehr) möglich, eine Therapie aufzunehmen oder fortzusetzen.

Wenn der Therapeut seinem Patienten nicht vertraut, wenn er also davon ausgeht, dass der Patient ihm etwas vormacht oder vorlügt, wie will er ihm dann helfen? Er wird sich vielleicht arrogant oder höhnisch verhalten oder zumindest dem Patienten das Gefühl geben, dass er ihn nicht ernst nimmst. Würdest du dein Inneres nach außen kehren gegenüber einer Person, die dich nicht ernst nimmt? Zum Schluss lügen sich beide etwas vor, und die ganze Therapie ist für die Katz´.

Ich denke du hast den wichtigsten Punkt schon genannt.

Es ist deutlich schwerer eine effektive Therapie durchzuführen, wenn der Klient dem Therapeuten Dinge (zB Ereignisse oder Phantasien) verschweigt, oder aber im Bezug auf diese lügt.

Je unkooperativer der Klient ist, desto schwieriger gestaltet sich im Regelfall die Therapie - womit sich die lügende Person meist selber keinen Gefallen tut. ;-)

Therapeuten sind auch Menschen. Trotz ihrer Ausbildung besteht die Gefahr, dass sie ihre eigenen Probleme auf den Patienten übertragen oder ihm gegenüber negative Gefühle hegen, weil sein Verhalten etwas bei ihnen auslöst. Wenn dann da ein Patient sitzt, der den Therapeuten an den Ex-Partner oder die grausame Lehrerin oder den fiesen Nachbarn erinnert und der Therapeut kriegt das durch Super- und Intervision nicht in den Griff, dann ist es das Beste, wenn er den Patienten an einen anderen Therapeuten überweist, der besser mit ihm arbeiten kann. Es muss also passen zwischen Therapeut und Patient, damit ein vertraulicher Rahmen geschaffen werden kann und die Therapie erfolgreich verlaufen kann...

das ist natürlich nur ein Schritt auf dem Weg in ein Vertrauensverhältnis. Das Vertrauen in den Patienten folgt darauf, dass die Chemie stimmt, und ist wichtig, damit die Therapie überhaupt funktionieren kann. Wenn ein Therapeut befürchten muss, dass sein magersüchtiger Patient trotz Vereinbarung zu Hause wieder nichts isst oder dass ein suizidaler Patient einen weiteren Selbstmordversuch begeht, dann kann die Therapie so nicht weitergehen- dann muss er seine Patienten in eine Klinik überweisen oder, falls der sich weigert, u.U. sogar die Polizei einschalten. Bei harmloseren Beispielen wie einem Depressiven, der sich doch nicht zum Sport aufrafft, oder einem Gestressten, der weiter im Akkord arbeitet, kommt es einfach zu einem Stillstand der Therapie, denn die vielleicht einstündige Sitzung alle zwei Wochen kann natürlich nicht die versäumte Zeit zu Hause aufwiegen. Wenn der Therapeut merkt, dass sich überhaupt kein Fortschritt einstellt, weil der Patient nicht kooperativ ist und nur in die Defensive geht, dann ist eine Therapie zum Scheitern verurteilt.

Weil das mehr Vertrauen aufbaut und eine Beziehung Nie 1 seitig funktioniert

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

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