Warum haben viele Menschen Angst vor hohen Handwerkerrechnungen?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Weil so eine Handwerkerrechnung (zwangsläufig) den Etat vieler Menschen übersteigt und trotzdem nicht vor Pfusch schützt, im Gegenteil.

Wenn du Netto 15 Euro die Stunde heimbringst und der Handwerker 45 Euro +19% Mehrwertssteuer bekommt ist das schon ein Ding. Wenn jetzt auf das Material EK noch einmal 120% aufgeschlagen werden und die Steuer draufkommt entstehen schon Überlegungen dem auszuweichen.

Wenn jetzt der freundliche Handwerker in der Nachbarschaft für 25 Euro die Stunde und ohne Materialaufschlag bei dir am Wochenende die gleichen Arbeiten macht welche er sonst Montag bis Freitag macht......

Aber den meisten Pfusch habe ich bisher von Heimwerkern gesehen - von angebohrten Stromleitungen, wo dann in das Bohrloch einfach Silikon gespritzt wurde, bis hin zu tropfende Eckventile (waren meistens selbstdichtende). Nullleiter mit Schutzleiter über Lüsterklemme verbunden. Tür eingetreten statt Türfallendraht zu biegen uvm....

Alles von Leuten gemacht die sich "auskannten".

@BrilleHN

Kenne ich auch und deswegen mache ich keine Elektrik mehr "nebenbei" der vorher oder danach macht Pfusch und du sollst haften....

Aber es ändert nichts daran das der "qualifizierte Handwerker" nur den Job weitermacht welchen er sowieso macht. Wenn er natürlich immer pfuscht macht er das auch in seinem Hauptjob (aber da zahle ich mehr für ihn).

Jetzt lasst mal alle die Kirche im Dorf. Ich bin auch nicht bereit, für eine Leistung mehr zu bezahlen, als diese Wert ist. Aber Schwarzarbeit bleibt Schwarzarbeit. Und wenn ich bei Elektrizität, Sanitär oder Dach den "Kenner" dran lasse, dann darf ich mich nicht wundern, wenn es später mit der Haftung etwas problematisch wird. Habe ich eine Handwerkerleistung zu vergeben, dann fordere ich drei/vier Angebote ein, vergleiche, verhandle und gebe demjenigen den Zuschlag der für mich den günstigsten/besten Eindruck macht. Was letztendlich eine Handwerkerstunde kostet, dass ist von Tarifgebiet zu Tarifgebiet und von Innung zu Innung unterschiedlich. Allerdings glaube ich kaum, dass heutzutage ein seriöses Handwerkerunternehmen noch mit Facharbeiterstunden von unter 45,-/46,- Euro arbeiten kann. Andererseits ist ein Aufschlag von 100 Prozent und mehr auf das verbaute Material nicht üblich und in meinen Augen Wucher. Da ist es schon gut, wenn man mehrere Angebote vorliegen hat. Anfahrtskosten berechnen ist legal, aber in vom Mitbewerbern stark umkämpften Regionen auch nicht immer möglich. Interessant ist hierzu auch ein Artikel aus dem "Handelblatt", denn ich hier auszugweise einfüge:

"Handwerker können solchen Kunden mit dem Hinweis auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf den Wind aus den Segeln nehmen.


Bei Aufträgen von ein oder zwei Stunden allgemein üblich

„Die Erstattungsfähigkeit von Fahrtkosten ist in aller Regel nur bei Werkleistungen, die in ein oder zwei Stunden auszuführen sind, allgemein üblich, auch dann, wenn sich der Leistungsort am Ort des Bauvorhabens befindet", so das Urteil im Wortlaut.

Und: „Bei über einen Zeitraum von mehreren Wochen zu erbringenden Werkleistungen ist eine Berechnung der An- und Abfahrtszeiten nach Stunden nicht üblich."

Darauf weist die Handwerkskammer zu Köln hin und will ihre Mitgliedsbetriebe darin bestätigen, die Fahrtkosten als Rechnungsposten mit aufzunehmen.

Handwerker darf keine überteuerten Materialien einkaufen

Mit demselben Urteil entschied das Gericht in einem anderen Punkt  aber gegen den Handwerker:  

Es sagte, dass auch bei Stundenlohnarbeiten nur die Stunden bezahlt werden müssen, die für tatsächlich notwendig waren. Trödeln die Handwerker am Bau, muss der Auftraggeber dafür nicht geradestehen.

Gleiches gelte für die Materialien. Auch hier, so die Richter, müsse die Firma wirtschaftlich handeln und dürfe keine überteuerten Materialien einkaufen. Die Handwerkerrechnung wurde gekürzt.

Damit es gerade bei kleineren Arbeiten nicht zu großem Ärger kommt, rät der Verband Privater Bauherren (VPB) den Auftraggebern, um einen Pauschalfestpreis zu bitten. In dem sollte alles enthalten sein, also die gesamte Arbeit und das Material.

Oberlandesgericht Düsseldorf, Urteil vom 28. Februar 2012, Az.: 23 U 59/11"

Meine Oma hatte mal einen Handwerker gefragt wie teuer es werden würde.

Sie hatte dem Handwerker vertraut.

Am Ende war die Rechnung viel höher, der hatte sogar noch einen Lehrling mit angeschleppt und die Arbeit des Lehrlings ebenfalls in Rechnung gestellt, obwohl die Montage des Ersatz-Mini-Wasserbeulers so einfach war, dass er das auch ganz alleine geschafft hätte, und der Lehrling außer zugucken, wie der Meister das macht, selber kaum was gemacht hat.

Meine Oma war wütend, hat aber gezahlt, weil sie sich auf kein Gerichtsverfahren und ähnliches einlassen wollte.

Was kostet eigentlich im Durchschnitt ein regulärer Klempner oder Elektriker ink. Anfahrt wenn er eine Stunde bei mir arbeitet?

Das dürfte regional mehr oder weniger Unterschiedlich sein, ergo dürfte es für Dein Umfeld am einfachsten sein, einfach mal Angebote einzuholen.

Zwischen 40 und 50 € für den Stundenlohn plus Anfahrt sollte man schon einplanen. Der WDR führt in seiner Sendung "Servicezeit" sogenannte Handwerkertests durch. Orientiert man sich an diesen Beiträgen, sind Rechnungen um die 100 bis 150 € für eine Stunde wohl realistisch.

Und die Tatsache, dass man sich einen Fachmann bestellt, heißt diesen Sendungen zufolge noch lange nicht, es kommt auch jemand, der kompetent ist.

Die Kosten können einem schon mal das Blut zum wallen bringen. So haben wir für das wechseln eines Absperrventils (Wasser) während der regulären Arbeitszeit inklusive Materialkosten 150 € bezahlt (etwa 20 Minuten Arbeitszeit). Für das Ventil wurden rund 70 € berechnet das man in einem Baumarkt gleichwertig für weniger als die Hälfte erwerben kann.

Trotzdem sollte man es sich gut überlegen, ob und welche Arbeiten man selbst erledigt oder "unter der Hand" ausführen lässt, die "Folgekosten" können unter Umständen immens sein. 

Stimmt schon, dass Handwerkerrechnungen alleine schon aufgrund der reinen Arbeitszeit ins Geld gehen können. In meiner Region verlangt z.B. der Heizungsinstallateur ca. 45 - 50 Euro pro Stunde, ohne Anfahrt und Material.

Manchmal ist es aber so, dass bestimmte Arbeiten nur von anerkannten Fachbetrieben (z.B. Heizungsinstallationen und Wartungen) ausgeführt werden dürfen. In meiner Region nehmen sich diese Betriebe in Bezug auf ihre Preise nichts.

So kann es passieren, dass bei der jährlichen Wartung des Gaskessels schon mal 125 Euro anfallen, wobei die Arbeitszeit ohne großartige Reparaturen ca. 30 Minuten beträgt.

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