Warum haben Menschen Angst vor der Narkose?

5 Antworten

Hm, ich denke auch das ist der Gedanke anderen völlig ausgeliefert zu sein. Ein Gefühl von Kontrollverlust. Ich gebe zu, toll finde ich diesen Gedanken auch nicht. 

Vorab: ich bin Anästhesist und frage mich oft, wieso Patienten Angst vor der Narkose haben. Zugegeben, es ist inzwischen 2009 und die Frage lange her, aber während meiner Recherchen zu Patientenkomfort stößt man auch auf solche Themen, soll doch unsere Aufgabe beim Erstkontakt mit dem Patienten sein, Angst zu nehmen und Sicherheit zu vemitteln. Tatsächlich ist Anästhesie ein sicherheitsdominiertes Fach. Ist aus Krankengeschichte und vorhandenen Befunden nicht klar, ob ein erhöhtes Narkoserisiko besteht, werden sämtliche Befunde erhoben, die dieses Risiko abbilden können, um dann ein optimiertes Narkose-"Package" zu schnüren. Unser größter "Feind" ist das Internet und Fernsehsendungen wie "Emergency Room". Patienten kommen mit fixen Vorstellungen ins Krankenhaus und glauben, dass hier alle Leute mit blutverschmierten Kitteln rumlaufen. So sieht mans doch auf Youtube und im Fernsehen. In Wirklichkeit ist die Narkose eine Zeit, in der sich mehrere Ärzte und Schwestern um einen kümmern. Das hab ich zuhause im Schlaf nicht. Natürlich tun wir dann schon unseren Teil zu einem Risiko dazu, indem wir als OP-Team in die "Integrität des Körpers" eingreifen, oberstes Ziel der Anästhesie ist dann allerdings, die Physiologie, also den Normalzustand von Kreislauf und Atmung im Wesentlichen, aufrecht zu erhalten. Facts und Zahlen? 2004 ging man davon aus, dass die Gesamtsterblichkeit während einer OP 6‰ beträgt (Promille, nicht Prozent!). Die primär anästhesiebedingte Mortalität beträgt dabei lediglich 0,07-0,09‰! Das ist gerade mal ein hundertstel der Sterblichkeit rundum Operationen. Soll heißen: nur ein Hundertstel der Todesfälle sind auf Narkoseprobleme zurückzuführen. Das war 2004. Geschätzte Sterblichkeit anders ausgedrückt 1 von 20000 Patienten verstirbt wegen primär anästhesiebedingten Komplikationen! Bereits damals vermutete man aber, dass die Zahl wohl um den Faktor 10 übertrieben ist. Das war vor 5 Jahren. 1842 wurde zum ersten mal öffentlich eine Demonstration einer Zahnextraktion unter Lachgas vorgestellt. Zugegeben, der Versuch scheiterte und der Patient ist schreiend davongelaufen, aber verstorben ist er sicher zumindest nicht an der Narkose ;) Was will ich sagen: Unser Fach ist jung. 5 Jahre sind eine lange Zeit, gerade bei der rasanten Entwicklung, die in der Medizin derzeit passiert. Ist man gesund, hat man nichts zu befürchten, ist die OP an sich schon schwerwiegend und der Allgemeinzustand des Patienten schlecht, steigt das Narkoserisiko sprunghaft an. Kann man 2 Stockwerk stiegensteigen? Dann halten sie ne Blinddarm-OP aus. Gut, das ist verallgemeinernd und das will ich nicht. Ich will vor allem die Angst vor dem "Nicht-mehr-aufwachen" nehmen. Die Sterblichkeit von Schwerstkranken (Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Zustand nach mehrfachen Schlaganfällen, etc., v.a. in Kombination) ist dann allerdings doch 8%. Mittlerweile kann man viele Grundkrankheiten soweit optimal einstellen, dass das Risiko einer OP trotzdem noch gesenkt werden kann, sofern Zeit dafür bleibt, wie es oft bei Akutfällen leider nicht möglich ist. Gerade hier treten doch mehr Komplikationen auf. Angst vor der OP oder der Narkose, oder ist doch beides das selbe? Interessanterweise nein. Wie die Zahlen oben belegen, bedeutet eine OP ein Risiko, wobei der Anteil der Narkose vermutlich deutlich überschätzt wird. Ich denke, das Narkoseteam (Ärzte, Pflegepersonal, Pflegehelfer, etc.) verdienen ihren schlechten Ruf nicht (jaja, das muss ich ja sagen). Im Gegenteil. Wir bemühen uns in jeder Sekunde das Risiko zu minimieren, indem wir den Optimalzustand erhalten und die Katastrophe schon im Vorfeld abzuwenden. Wir sind für ihre Sicherheit im OP! Die Angst vor dem Kontrollverlust ist zugegeben etwas anderes und auch durchaus verständlich. Ich war schon selbst in Narkose, mehrfach, aber Angst hatte ich keine (gut, ich bin sonst Herz- und Lungen-gesund). Was ich machen würde? Vertrauen. Abschließend möchte ich auf den einen Post - fast etwas ärgerlich - reagieren, der die Narkose als einen der größten Risikofaktoren der OP zählt von IchoTolo: ich hoffe ich konnte zeigen, wie gering der Anteil am Risiko anästhesiebedingt ist. Unwissen auch nur zu verbreiten ist nicht nur dumm, sondern trägt auch zur allgemeinen Verunsicherung bei. Wer sich nicht auskennt, sollte seinen Mund halten, oder nachfragen (sorry, just my 2 cents). Nebenwirkungen, unvorhergesehene Ereignisse ... wie gesagt, die sind unvorherzusehen. Ich fahre trotzdem mit dem Rad in die Arbeit (obwohl ich schon ca. 4 mal auf einer Motorhaube gelegen bin - unschuldig).

Ich hoffe, ich habe in doch viel Text halbwegs alles v.a. z.T. Sterblichkeit darstellen können. Komplikationen und Nebenwirkungen und v.a. deren Häufigkeit würde diesen Rahmen sprengen, aber auch das wird deutlich überschätzt. Kommt vor, natrürlich, ich möchte nichts verschweigen, aber gottseidank ist nicht alles was mit Narkose zu tun hat lebensbedrohlich ;)

In diesem Sinne:

Träumen Sie süß (auch in Narkose möglich ...)

Monidoc

Es ist die Angst vor Verlust der Kontrolle und Ausgeliefertseins.

Kontrolle ist auch nur eine Illusion.

Eine gute, aber eine Illusion.

Es ist nicht die Narkose selbst, sondern die Nebenwirkungen und unvorhergesehene Ereignisse, die Angst und Schrecken verbreiten.

Hm.... weil man das beim ersten Mal nicht kennt... Man ist ja weg. Als ich meine erste OP nach dem Unfall hatte (Handgelenk), hatte ich Angst vor dem Moment, in dem ich weg bin. So schlimm war es nicht. Jetzt werde ich mich vielleich noch ein Mal Operieren lassen und werde, wenn es möglich ist, statt der örtlichen Beteubung, die Vollnarkose wünschen.

Viele Menschen haben Angst dass sie nie wieder aufwachen. Besonders die Eltern, deren Kinder die Narkose "durchstehen" sollen haben um dieses Angst.

http://www.mil-blog.de

'Statt' der örtlichen Betäubung? Ich hoffe doch, 'zusätzlich' zur örtlichen Betäubung?

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