Wann stellt sich raus das eine person transgender ist?

5 Antworten

Ich glaube das wird in den meisten Fällen schon früh in der Kindheit bemerkt. Es kann auch deutlich später im Erwachsenenalter erfolgen, allerdings, so meine Meinung, deutlich seltener. Die Zuordnung erfolgt eben bei Geburt wie automatisiert: Penis = Junge, nicht Penis/Scheide = Mädchen. Aber so einfach ist das halt nicht immer... es gibt auch Jungs die Brüste bekommen oder Mädchen später mit Bart und Stimmbruch. Eine Indoktrination, noch so stark, hat da wohl keinen Einfluss auf Gegensteuerung der inneren Gefühle. So merkt etwa ein zugeordneter Junge, der sich als Mädchen fühlt, das auch recht schnell. Er ist einfach anders als die echten Jungs und passt meist auch nicht wirklich dazu. Ich denke ein Kinderarzt kann das auch erahnen, ob er aber die Familie darauf anspricht ist eine andere Frage. Hat das Kind, der Jugendliche oder später die erwachsene Person ernsthafte Schwierigkeiten mit der Identifikation hilft wohl nur ein Psychologe weiter...

Sie sind es von Geburt an. Das ist nicht ganz einfach zu erklären. Der Körper, den wir haben, ist für uns eine Art Fahrzeug, in das wir bei der Geburt einsteigen und mit dem wir dann durch das Leben fahren. Der Fahrer hat von Geburt an eine bestimmte Identität, auch wenn er sich dessen am Anfang noch nicht bewußt ist. Das Fahrzeug hat eine bestimmte Biologie - Mann oder Frau oder irgendetwas dazwischen. Beides kann zusammenpassen, aber beides kann sich auch unerscheiden. Wenn es sich unterscheidet, wenn also bspw. eine Frau ein "Männerauto" fährt, dann nennt man das Transgender.

Das merkt man aber nicht gleich, weil wir von klein auf eine Geschlechterrolle indoktriniert bekommen, die auf dem Fahrzeug basiert. Wenn du körperlich als Mädchen geboren wirst, bekommst du beigebracht wie ein Mädchen sein soll, wenn du ein Junge bist, dann wie ein Junge sich verhalten muss. Diese gesellschaftlichen Rollen verdrängen und überdecken die eigene Identität. Du magst dich als Mädchen fühlen und sehen, aber dein Körper ist männlich und du wirst männlich erzogen, also versuchst du die männliche Rolle auch zu erfüllen.

Wenn diese Indoktrination, also das Aufprägen des Rollenmodells, nicht zu intensiv passiert, dann merkt die Person relativ schnell, dass sie im falschen Körper ist. Das kann schon bei Kleinkindern mit drei Jahren passieren, das kann aber auch erst mit 70 Jahren passieren - je nachdem, wie stark die eigene Identität unten dem falschen Rollenmodell "vergraben" wurde und wie groß der Widerspruch zwischen eigener Identität und Körper ist.

Durch einen Arzt ist das nicht feststellbar, der Arzt kennt nur den biologischen Körper, das Fahrzeug, aber nicht den Fahrer. Den Fahrer kann bestenfalls ein Psychologe herausfinden.

Intersexualität kann bei Geburt festgestellt werden.
Es ist körperlich erkennbar.
( Überwiegend).

Transsexualität kann nur das Kind in sich feststellen.
Akut wird es dann in der Pupertät, wenn die gefühlt falschen Geschlechtsmerkmale sich weiter entwickeln.

Entwickelt sich meistens im Jugendalter. Geschlechtsidentitätsstörung ist eine therapierbare Krankheit. Man kann sie nur dann nicht als Krankheit werten (und auch nicht "Störung") nennen, wenn man das biologische Geschlecht als solches ablehnt und es  ausschießlich als Gesellschaftskonstrukt betrachtet. Das aber ist keine Wissenschaft, sondern eine politische Ideologie.

Da liegst du leider sehr falsch. Die meisten Leute entwickeln schon im frühen Kindheitsalter dieses spezielle Verhalten, welches eine Reaktion auf die Inkongruenz zwischen dem Körper und dem Gehirn - in dessem sich die Geschlechtsidentität des anderen Geschlechts entwickelt - und kann im fortschreitendem Alter zu einer Geschlechtsdysphorie führen die bei jedem unterschiedlich ausfällt. Auch können aus dieser Kondition Störungen wie Essstörungen oder Depression entstehen. Transsexualität ist aber selbst kein "angelerntes", psychisches Phänomen. Das Transsexualität neuronale Ursprünge hat ist schon etwas länger bekannt. Letzterer Punkt ist unter denen sehr beliebt, die entweder Non-binary, Agender oder Genderfluid sind. Sie verleugnen den Fakt, dass Gender und Sex untrennbar miteinander verbunden sind. Wäre das Gender ein reines soziales Konstrukt wäre es unsinnig transsexuell zu sein.

@xXSnowWhiteXx

Also erst mal: Geschlechtsidentitätsstörung ist der deutsche Begriff für Gender Dysphoria. Das wird auch nicht umsonst mit "Störung" übersetzt. Bei den Folgen davon sind wir uns durchaus einig. Aber die chemische Balancestörung, die die körperliche Ursache für Depressionen darstellt, ist in der Regel nichts, womit man geboren wird. Erfahrungen von außen können diese Störung schaffen und (vorläufig) dauerhaft werden lassen. Dass dasselbe bei Transsexualität passiert, streite ich gar nicht ab. Aber das zeigt doch erst recht, dass es sich um eine Krankheit handelt. Auch, dass weitere neuronale Komplikationen daraus entstehen, wundert mich nicht.

Dafür, dass sich die schon im "frühen Kindesalter" entwickelt, bräuchte ich erst mal Quellen. Fast jeder Bericht, den ich von Betroffenen gehört und gelesen habe, führt die erste Erkenntnis dieses Unwohlseins im eigenen Körper auf die Pubertät oder kurz davor zurück. Andererseits gibt es Studien über Kinder (im frühen Kindesalter, wohlgemerkt), die recht eindeutig Spielzeug bevorzugen, das auf ihr biologisch bestimmtes Geschlecht zugeschnitten ist. 

Ich bin nicht sicher, ob ich deinen letzten Punkt ganz verstanden habe...Aber ja, Gender und Sex sind miteinander untrennbar verbunden. Deswegen ist es auch nicht "normal", das in sich selbst als voneinander getrennt anzusehen.

Abschließend möchte ich hinzufügen, dass ich aus genau diese Gründen finde, dass man Transsexualität lieber zu behandeln versuchen sollte, als mitzuspielen (oder gar noch in Schulen darüber zu reden, als wäre das keine Krankheit). Transsexuelle befinden sich in keiner beneidenswerten Situation - wer fühlt sich schon gern im falschen Körper gefangen und dafür von der Gesellschaft verurteilt. Und muss dazu noch mit genannten weiteren gesundheitlichen Folgen leben. Ich habe eine Menge Sympathie für diese Menschen. Viele gehen ja in ihrer frühen Pubertät durch eine kurze Phase, in der sie sich nicht sicher sind, ob ihr Geschlecht zu ihnen passt - ich gehöre dazu. Aber wenn so getan wird, als wären sie tatsächlich eine Frau oder Mann im falschen Körper und nicht identitätsgestört, dann drängen wir sie dazu, diesen krankhaft vorgestellten, furchtbar belastenden Zustand einfach hinzunehmen und danach zu leben, als wäre das die endgültige Realität.

Und dann sehen sie sich gezwungen, sich anders zu kleiden, zu stylen, über teure und riskante Operationen nachzudenken. Was, wenn sie sich das nicht leisten können? Oder sich nicht trauen? Sie kriegen dann ja heute schon von anderen Transsexuellen zu hören, jemand, der nicht mit aller Macht auf seine Reassignment Surgery hinarbeite, sein kein "echter" Trans. Sogar aus ihrer eigenen Community kommt dann der Druck. Ganz zu schweigen davon, dass die Entfremdung von der Familie ultimativ ist. Warum wollen wir ihnen lieber das antun, statt effektive Behandlungsmethoden zu entwickeln und ihnen damit Aussicht auf ein normales Leben zu bieten, in dem sie mit sich und ihrem natürlichen Körper zufrieden sein können? 

Sie sind von Geburt an im falschen Körper. Manche merken das auch schon im frühen Kindesalter. Manche merken es aber erst später, dass sie sich mit der biologisch zugewiesenen Geschlechterrolle gar nicht identifizieren können. 

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