Soll ich meinen Sohn nochmal testen lassen?

10 Antworten

Liebe Sabrina,

ich bin ziemlich sicher, dass dein Sohn kein Autist ist. Erinnere dich, wie er war, bevor seine Symptome einsetzten.

Nach meiner Intuition hat er im April 2019 etwas erlebt, was ihn völlig überfordert hat. Die Folge davon ist ein Schock bzw. Trauma. Schocks blockieren einige Bereiche im Gehirn, das Nervensystem und die Zirbeldrüse, so dass er sich wahrscheinlich nicht gut konzentrieren kann und schlecht schläft.

Es wäre hilfreich ihn noch einmal testen zu lassen, Doch diesmal gib den Fachkräften den Hinweis, dass du den Verdacht auf einen Schock hast.

Alles Gute...

Das mit der nicht vorhandenen Kommunikation sowie das mit Mathe sind nur Klischees. Vermutlich hast du dich eventuell bei den falschen Quellen informiert. Insbesondere das mit Mathe ist nur ein Klischee. Autisten haben sehr oft so genannte Spezialinteressen, diese müssen aber nichts mit Mathe zutun haben. Sie können auch Naturwissenschaften, Sprachen, Geschichte, Kunst oder ein anderes Thema beeinhalten. Ich selber bin Autistin, kenne andere Autisten und keiner von uns mag Mathe.

Und grade das mit dem Dinge erkennen, die andere nicht erkennen kann ein weiteres Anzeichen auf Autismus sein. Denn eine Schwierigkeit Reize zu Verarbeiten kann auch dazu führen, dass man alles ungefiltert wahrnimmt und deshalb Details erkennt, die anderen nicht einfallen würden. Ich würde dir empfehlen, moderne Fachliteratur abseits von den Klischees und Halbwissen zu lesen. Oder Blogs von autistischen Menschen.

Viele Grüße

Sehr gute Antwort, trifft voll und ganz auch meine eigene Erfahrung an mir selbst.

Beim Autismus-Spektrum gibt es sooo so viele Facetten und unterschiedliche Ausprägungen vom Hochintelligenten Ausnahmetalent über "Normalos" bis hin zu jenen mit schweren Behinderungen (physisch und/oder psychisch), die vllt. nicht sprechen können.

Es gibt den Spruch: Kennst Du einen Autisten, kennst Du EINEN.

Das ist wirklich so, denn jeder Autist ist anders. Genau wie Du und ich hat auch jeder Autist unterschiedliche Vorlieben, Gewohnheiten, Interessen.

Die Diagnose für Deinen Sohn ist ja sicher irgendwie begründet worden.

"Ich denke nicht dass er Wahrnehmungsschwierigkeigen hat, er bemerkt oft Dinge die nicht mal ich bemerke".

Das kenne ich von vielen Autisten. Sie bemerken die kleinste Kleinigkeit, aber übersehen dabei das große Ganze, weil sie z.B. das Wichtige vom Nebensächlichen nicht unbedingt filtern können.

Beispiel: Wenn Du durch den Supermarkt gehst, arbeitest Du Deine Einkaufsliste einfach ab. Die Aufmerksamkeit eines Autisten wird dort von vielen Dingen abgelenkt: jedes Geräusch, das Quietschen des Einkaufswagen, Gespräche der anderen, knallige Farben, Lichter, viele Schilder, Gerüche usw. Da kann er dann schon mal vom Weg abkommen.

Andere Autisten kommen im gewohnten Umfeld super zurecht, die Eltern haben sich oft auf die Kids eingestellt. Aber wenn es dann zu fremden Orten und Personen geht, bekommen sie keinen Ton mehr raus und blockieren ungewollt.

Es gibt wirklich viele unterschiedliche Symptome. Viele sind unglaublich ehrlich und tun sich schwer damit zu lügen.

Natürlich kannst Du Dir eine zweite Meinung einholen. Durch die Diagnose kannst Du sicherlich auch eine Hilfe und Beratungen erhalten, die Dein Gefühl bestätigen könnten.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Autisten sind auch Menschen, das heißt alles Individuen. Und Autismus selbst kann stärker als auch schwächer ausgeprägt sein. Ich selbst bin ein leichter Fall von Asperger, kann aber ein Pferd tot reden und bin sehr kontaktfreudig und extrovertiert, kann gut mit Zahlen umgehen, aber deshalb trotzdem kein Genie in Mathe.

Betroffene können nicht mit Leuten kommunizieren, andere Leute ins Gesicht schauen, haben Probleme bei den audiodiven und visuellen Reize und sind nur gut in Mathe.

Auf was für Seiten hast du dich denn informiert?

Das, was du dort schreibst, gilt für sehr viele Autisten nicht. Viele Autisten können kommunizieren - Ich bin Autistin und wie du sehen kannst, kann ich mich artikulieren und mit dir kommunizieren - und ich bin in Mathe so schlecht, dass ich nicht einmal das Kleine 1x1 ohne langes Grübeln und nur mit den Fingern kann.

Wir Autisten sind sehr individuell. Nicht alle von uns können gut (und schon gar nicht nur!) Mathe. Manche können es, andere nicht. Die haben ihre Stärken ganz woanders.

Wichtig wäre zu wissen: War der Kinderpsychiater oder Kinderpsychologe, bei dem du mit deinem Sohn die Diagnose gemacht hast, auf Autismus spezialisiert?

Mein Sohn kann sehr wohl kommunizieren, aber den fehlenden Blickkontakt hat er schon.

Spricht für mich genau so sehr für Autismus, wie wenn du sagen würdest "Mein Sohn kann nicht kommunizieren, aber kann Blickkontakt halten." Wie gesagt: Wir Autisten sind sehr verschieden und jenachdem, wie man als Kind aufwächst, kann sich der Autismus auch unterschiedlich zeigen.

Ich denke nicht dass er Wahrnehmungsschwierigkeigen hat, er bemerkt oft Dinge die nicht mal ich bemerke, obwohl meine Wahrnehmung normal ist.

Ein Blick fürs Detail also? Ja, das klingt für mich nach Autismus.

Und in der Schule (kommt heuer in die 3. Schulstufe) liegt ihm Mathe überhaupt nicht, er ist eher gut in Sprachen und hatte in Deutsch schon immer eine 1. Er interessiert sich sehr für Englisch und er kann diese Sprache schon ziemlich gut für sein Alter.

Passt doch alles. Sprachen sind wohl sein (derzeitiges) (Spezial)interesse. Wie gesagt: Nicht jedem Autist liegt Mathematik oder liegen Naturwissenschaften.

Also soll ich ihn nochmal testen lassen, weil er die meisten Anzeichen nicht hat?

So wie du deinen Sohn beschrieben hast, würde ich nicht davon ausgehen, dass die Diagnose falsch war. Allerdings können selbst Leute vom Fach (ja, sogar solche, die auf Autismus spezialisiert sind) Fehler machen. Du kannst dir eine Zweitmeinung einholen - Dagegen spricht absolut nichts.

Hat er denn Probleme mit dem Filtern von Reizen? Wird es ihm schnell zu viel (z.B zu laut, zu grell etc.)? Benötigt er ein gewisses Maß an Routine? Mag er keine Überraschungen? Kann er stundenlang in einem oder mehreren Themen "versinken"? Neigt er zu repetitiven, selbststimulierenden/selbstberuhigenden Bewegungen, wenn er überfordert oder unterfordert ist (bspw. Wippen, mit den Händen flattern - Kann aber auch weniger auffällig sein.)? Fingen viele oder all diese (und die von dir erwähnten) Anzeichen vor oder ab seinem 3. Lebensjahr an? Hat er eventuell einen etwas/sehr eingeschränkten Essensplan, kann er manche Texturen einfach nicht essen? Hat er motorische Schwierigkeiten (z.B beim Sportunterricht)? ...

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