Öffentliche Defibrillatoren

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Viele Fragen... Eine nach der anderen:

Werden mitarbeiter eines Einkaufszentrums geschult im Umgang mit den Geräten? Ja, werden sie in der Regel. Ein Betrieb muss eine gewisse Anzahl extra geschulter Mitarbeiter vorhalten, wenn er sowas hinhängt. Komisch eigentlich, denn jeder Laie darf es benutzen.

Wie ist das eigentlich, sind diese Laiengeräte genau so effektiv wie die Geräte für Ärzte? Vom Schock her ja. Defi ist Defi, egal, ob ein Doktor auf den Knopf drückt, oder wer anders. Der UNterschied ist, dass ein AED, also ein Automatischer Defi, erst den Herzrhythmus des Patienten analysieren muss, was eine gewisse Zeit kostet. Der geschulte Arzt oder Rettungsdienstler kann dies meist schneller erfassen, so dass die Zeit bis zum Schock kürzer ist.

Werden in Erste-Hilfe-Kursen solche Geräte bereits vorgestellt und besprochen? AEDs sind meines Wissens nach kein vorgeschriebener Lehrinhalt, werden aber gelegentlich erwähnt.

Muß ich so ein Teil zwingend anwenden oder reicht auch die herkömmliche Herz- Lungen- Wiederbelebung....? Dies ist der springende Punkt!!! Hier kommen wir zum interessanten Teil. Denn: Ein Defi ersetzt in keinem Fall die Herz-Lungen-Wiederbelebung! Oder anders: Wenn niemand auf den Brustkorb drückt, kann man den Defi gleich vergessen. Alle aktuellen Richtlinien sagen, dass unbedingt zuerst die Herzdruckmassage durchgeführt werden soll, bevor man einen Defi holt. Nur eine frühe Wiederbelebung ermöglicht gute Ergebnisse. Zwar ist frühestmögliche Schocktherapie ebenfalls empfohlen, aber es ist eben noch wictiger, die Herz-Lungen-Wiederbelebung durchzuführen. Wenn du also am drücken bist, und der Defi um die Ecke - dann muss es ohne gehen, es sei denn, du kannst jemanden schicken, ihn zu holen.

Nebenbei haben meine Vorredner vollkommen recht, die Verwendung ist im wahrsten Sinne des Wortes selbsterklärend, da alle modernen Defis mit dir reden und die Schocks nur freigeben, wenn sie auch sinnvoll sind. Rechtlich machst du bei der Verwendung eines Defis nie etwas falsch, selbst wenn er grillt, wo er nciht soll, ist es nicht deine Schuld.

In der zweiten Antwort wäre ich teilweise anderer Meinung (das beeinträchtigt aber nicht den für den Fragesteller relevanten Inhalt): die Analysefunktion moderner AEDs ist vor allem bei kniffligeren Fällen weit schneller als selbst der geübte Arzt oder Rettungsdienstler. Gut, ein banales Flimmern erkennt fast jeder auf Sicht, aber auch da muss man erst noch checken, was man da eigentlich sieht (die Herzstromkurve oder Artefakte) - das hat der AED in dem Moment schon gemacht. Und der hat auch nicht das Praxisproblem, dass die Sonne (oder der Regen) direkt auf das Display scheint er durch irgendwelche Angehörigen abgelenkt wird etc.

Ich vertraue mittlerweile bei der leblosen Perso dem AED mehr als meinen eigenen Augen, und ich komme auch noch aus AED-losen Zeiten. Selbstverständlich muss auch da noch die Plausibilität geprüft werden, aber das muss man sowieso. Zeit zum Fernsehen hat man dann, wenn man eine Person mit Restherztätigkeit vor sich hat, die man genauer auslesen will - diese Diagnosefunktion ist aus verschiedenen technischen und rechtlichen Gründen bei den Geräten eigentlich nur Spielerei.

@baertl

Ich denke, das ist geschmackssache. Ich persönlich finde, dass ich Kammerflimmern/-flattern und pulslose VT auch ohne Analyse sicher und schnell erkennen kann, zudem sind Reanimationen draußen mit blendender Sonne ja eher selten. Vielleicht die Arroganz des Notarztes, aber bisher bin ich damit (glaube ich) gut gefahren.

Auch wenn ich nicht weiß ob du das nach 7 Jahren noch ließt, hier meine Antwort. Deine Fragen sind durchaus berechtigt angesichts der steigenden Zahl öffentlicher AEDs.

Die Anwendung ist simpel, sobald man das Gerät einschaltet, gibt es Sprachanweisungen, unter anderem dazu, wo man die Elektroden auf den Brustkorb kleben muss, diese sind zusätzlich bebildert. Das Gerät gibt während der gesamten Reanimation solche Anweisungen, diesen muss man einfach nur folgen.

Mittlerweile werden die Geräte in Erste- Hilfe Kursen besprochen. Es mal kurz gesehen zu haben ist sinnvoll, aber nicht zwingend notwendig. Manche Organisationen bieten an manchen Standorten aber auch spezielle Wiederbelebungskurse an, da wird dann mehr auch auf die AED Anwendung eingegangen. In einem normalen EH- Kurs fehlt die Zeit dazu, da es ja nicht nur um die Wiederbelebung geht.

Wichtiger sind die Basismaßnahmen, also durch die Herzdruckmassage einen Notkreislauf aufzubauen und mit Atemspenden das Blut mit frischem Sauerstoff anzurechnen. Eine frühzeitige AED Anwendung steigert die Überlebenswahrscheinlichkeit, ersetzt aber nicht die genannten Basismaßnahmen. Das AED bzw. ein Defibrillator generell dient der Beendigung von lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, bei denen es zu keinem Blutauswurf mehr kommt, baut aber keinen Notkreislauf auf und bringt keinen Sauerstoff in das Blut. Wenn du alleine bist, macht es keinen Sinn zu einem 500 Meter entfernten AED zu rennen und dadurch die Herzdruckmassage zu verzögern. Stehen mehrere Ersthelfern zur Verfügung, kann einer mit der Herzdruckmassage anfangen, während ein anderer das AED holt.

Bei einem AED, wird der Herzrhythmus anders als bei manuellen Defibrillatoren im professionellen Bereich vom Gerät und nicht vom Anwender analysiert und die Energie für eine Defibrillation nur dann geladen und freigegeben, wenn das Gerät einen defibrillierbaren Rhythmus erkennt. Dadurch sind AED in der Anwendung sicher und dürfen von jedem angewendet werden.

In meinem letzten Erste-Hilfe -Kurs haben wir mit diesem Defi gearbeitet, der ist echt narrensicher! Zwingend anwenden musst du das Teil nicht, aber wenn du eins greifbar hast, würde ich das unbedingt empfehlen! Zum Einen misst es die Vitalfunktionen des Patienten, sagt dir ganz genau, was du wann zu tun hast und gibt nur dann, wenn es nötig ist (wenn der Patient Kammerflimmern hat) einen Stromstoß...und der ist in dem Fall effektiver als die Herz-Lungen-Wiederbelebung - die dann zwischendurch auch noch ausgeführt wird.

Sollte ein solches Gerät nicht greifbar sein, ist selbstverständlich die herkömmliche Herz-Lungen- Wiederbelebung angesagt. Das Gerät ist einfach nur eine effektive Erleichterung!

Liebe putzfee1,

als Erste-Hilfe-Ausbilder lege ich Dir nahe, dann doch noch mal einen EH-Auffrischungskurs zu besuchen und dabei besser aufzupassen.

Zum Einen misst es die Vitalfunktionen des Patienten

Das ist schlicht und ergreifend falsch. Zu den Vitalfunktionen gehören:

  • Bewusstsein
  • Atmung
  • Puls / Herzschlag (wobei der im aktuellen Algorithmus für Laienhelfer nicht mehr überprüft wird)

Ein AED überprüft weder die Bewusstseinslage noch die Atmung des Patienten; die Sprachansage des AED fordert Dich höchstens auf, das selber zu tun. Die Beurteilung des Bewusstseins und der Atmung obliegt aber Dir und nicht dem Gerät!

Der AED prüft per Ableitung der Herzströme nur, ob ein schockwürdiger Zustand vorliegt oder nicht - der Rest ist immer noch gute alte "Handarbeit", und diesen Algorithmus solltest Du im Notfall auch ohne AED beherrschen.

@udnobbe

@udnobbe: stimmt, du hast mit allem, was du sagst, recht. Ich erinnere mich jetzt wieder richtig. Andererseits wollte ich auch nur damit sagen, dass auch ein Laie, der noch nie mit diesem Gerät gearbeitet hat, damit gut zurechtkommen müsste aufgrund der genauen Anweisungen und dass das Gerät "weiß", ob es einen Stromschock geben muss oder nicht. Aber danke, dass du mich verbessert hast, ich bin auch nur ein Mensch und mein Gedächtnis spielt mir manchmal einen Streich. Ich glaube aber, dass ich trotzdem in der Lage wäre, mit dem Defi umzugehen.

@putzfee1

Ich glaube aber, dass ich trotzdem in der Lage wäre, mit dem Defi umzugehen.

Davon bin ich fest überzeugt. :)

diese dinger sind sehr einfach zu bedienen. die bilder zeigen wie man die pads anlegt, anschalten...den rest macht das ding automatisch. effektiv sind sie. die geräte im krankenhaus haben noch andere funktionen wie das einstellen der stärke, pacerfunktion und ähnliches. eine normale kardio pulmonale reanimation kann der defi nicht ersetzen. das klassische "wiederbeleben" funktioniert nur in filmen. der defi hilft nur bei diversen rytmustörungen, kammerlimmer, flattern etc..

Dir kann rechtlich als Laie überhaupt nichts passieren, wenn du das Ding falsch benutzt. Viele Defis haben aber neben der schriftlichen Anleitung auch eine Sprachanleitung. Normalerweise werden die MAs geschult. Die Vorschriften, in welchen Abständen solche Reanimationsmaßnahmen geschult werden müssen, kenne ich in Kaufhäusern aber nicht. Die herkömmliche Herz-Lungen-Wiederbelebung kannst du auch nutzen, der Defi hat aber eine viel größere Nutzungsbandbreite, zB Kammerflimmern uÄ. Die einzige Situation, wo es für dich als Laie auch rechtlich schlecht aussieht ist, wenn du gar nichts machst!

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