Nähen/Klammern = Operation? (Ab wann ist es eine Operation)

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Ja.... man unterscheidet drei Formen der Wundbehandlung:

  1. "Keine Wundbehandlung" = Wunde ist klein und unkompliziert, es ist eine spontane Heilung zu erwarten...

  2. offene Wundversorgung = wird aufgrund der Dauer (Zeit von der Beibringung der Wunde bis zur Versorgung mehr als 8 h) oder der Art der Wunde (z.B. Bisswunde) eine erhöhte Gefahr angenommen, dass bereits Keime eingedrungen sind, wird man eine Wunde möglichst primär nicht verschließen. Man beschränkt sich auf das Reinigen der Wunde und eventueller Entfernung von eingedrungenen Fremdkörpern (dies kann aber schon wieder je nach Ausmaß des Eingriffs eine operative Versorgung sein).

  3. operative Wundversorgung = jegliches Manipulieren an der Wunde, was bereits mit dem Einbringen einer lokalen Betäubung beginnt. Je nach Art der Wunde muss gereinigt werden, "zerfetzte" Ränder geglättet werden oder größere Gefäße, Sehnen Nerven oder Muskeln separat genäht werden. Auch das Ansetzen einer Nadel oder eines Klammerapparates zählt zur sogenannten Wundoperation.

Operation > [lat ] operare = handeln ... ist streng genommen jedes "Hand anlegen" an der Wunde. Lediglich das bloße Betrachten und der Entschluß nicht zu handeln ist keine Operation. Muß genäht oder geklammert werden, wird dies zumeist unter örtlicher Betäubung gemacht und ist somit eine Operation. Das Entfernen von Schmutz, Fremdkörpern (etwas "heraus"operieren) oder Gewebefetzen (chirurgisches Wunddebridement) ist bereits eine Operation.

Vielen Dank für diese sehr gute Antwort. :)

Das hat mir wirklich weitergeholfen. :)

@Baumbino

Hallo und Guten Morgen Baumbino....

ich wollte meiner Antwort noch etwas hinzufügen....sie ist sicherlich korrekt, wenn es um die prinzipielle Definition geht. Aber ich habe überlegt, wie Du auf diese Frage kommst. Oftmals wird nach einer stattgehabten Operation gefragt, wenn man irgendwelche medizinischen Bögen ausfüllt (bei einem geplanten Eingriff für eine OP = Anamnesebogen oder Anästhesiebogen) oder bei irgendwelchen sonstigen Auskünften über seine Krankengeschichte. Hier ist sicherlich eine "einfache" Wunde (Rißwunde, Schnittwunde) und deren Versorgung nicht gemeint. Hier wird nur nach "Eingriffen" gefragt, die z.B. eine Erkrankung im Vorfeld hatte (Appendizitis, Tonsillektomie, Polypen-OP) oder die wirklich einen weiterreichenden Eingriff in die körperliche Integrität dargestellt haben (z.B. offene Reposition eines komplizierten Bruches). Hier würde ich die Grenze für das "Bejahen" bei dem Merkmal "Vollnarkose" setzen. Wundversorgungen nach kleineren Verletzungen sind hier nicht so sehr von Interesse. Da muss man das nicht en Detail angeben. Falls man da aber Zweifel hat, kann man die Frage auch einfach offen lassen und beim Abgeben nochmal drauf hinweisen. Diese Bögen sind auch nicht "verpflichtend" zu 100 % richtig auszufüllen, sondern nach besten Wissen und laienhafter Einschätzung. Diese Bögen sollen auch mit dem Arzt besprochen werden. Das gehört zum Aufklärungsgespräch. Leider sieht man es oft, dass diese Bögen dem Patienten in die Hand gedrückt werden und ausgefüllt wieder "eingesammelt" werden. Aber ein kurzes Gespräch mit dem Arzt gehört dazu. Er darf sich nicht einfach auf die Antworten verlassen und damit die komplette Verantwortung in die Hand des Patienten legen. LG eosine

@eosine

Vielen Dank nochmals. :)

Auf die Frage kam ich, da viele (vor allem Jugendliche) meinten, sie würden "operiert" werden.

Und dann fragte ich nach und es stellte sich heraus, dass sie genäht/geklammert werden.
Und da ich mir nicht sicher war, frage ich nach.

Zum Glück konnte es mir jemand so gut erklären. :)

@Baumbino

Danke für den Stern Baumbino :), freut mich, dass ich helfen konnte...

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