Nach Bandscheibenvorfall weiterhin krank und psychisch angeschlagen

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Hallo Michael030460,

Sie schreiben unter anderem:

Nach Bandscheibenvorfall weiterhin krank und psychisch angeschlagen. Mit 53 Jahren fühle ich mich schon total fertig und sehe mich noch nicht am Ende meiner Behandlungen.Wie seht Ihr die Sachlage bzgl. Frührente und meinem Antrag beim Versorgungsamt. Hat jemand von Euch schon ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir Rat geben?<

Antwort:

Mit 53 Jahren müßten Sie also noch vor dem sehr wichtigen Stichtag 1.1.1961 geboren sein und somit in der gesetzlichen Rentenversicherung (DRV) ggf. Anspruch auf Vertrauensschutz bei Berufsunfähigkeit haben, sofern Sie Ihren zuletzt ausgeübten und allgemein anerkannten Beruf auf Dauer nicht mehr als 3 bis unter 6 Stunden pro Arbeitstag innerhalb einer 5 Tage-Woche, ausüben können.

Siehe hierzu auch die aktuelle Broschüre der Deutschen Rentenversicherung "Das Netz für alle Fälle" unter folgendem Link:

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/30430/publicationFile/16891/erwerbsminderungsrente_das_netz_fuer_alle_faelle.pdf

Wie seht Ihr die Sachlage bzgl. Frührente und meinem Antrag beim Versorgungsamt.<

Antwort:

Mit Frührente meinen Sie sehr wahrscheinlich die seit 1.1.2001 geltenden Erwerbsminderungsrenten, denn seit Stichtag 31.12.2000 gibt es die Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrenten nicht mehr!

Bei den Erwerbsminderungsrenten müßen in jedem Fall die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden, das sind in den letzten 5 Jahren mindestens 36 Monate Pflichtbeiträge!

Haben Sie diese versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt, so geht es nun um den knallharten Nachweis der medizinischen Voraussetzungen!

Bei der teilweisen Erwerbsminderungsrente wegen Berufsunfähigkeit für vor dem 1.1.1961 Geborene müßen Sie also glasklar nachweisen, daß Ihre noch verbliebene Restleistungsfähigkeit auf Dauer, auf 3 bis unter 6 Stunden pro Arbeitstag, innerhalb einer 5 Tage-Woche, abgesunken ist!

Sollte Ihnen diese teilweise Erwerbsminderungsrente wegen Berufsunfähigkeit bewilligt werden, kann darauf aufbauend eine ergänzende volle Erwerbsminderungsrente wegen verschlossenem Teilzeitarbeitsmarkt (im Volksmund als Arbeitsmarktrente bezeichnet) duchgeboxt bzw. beantragt werden!

Je nachdem, wie Ihre gesundheitlichen Beschwerden im Detail aussehen, kann auch gleich von Anfang an eine volle Erwerbsminderungsrente beantragt werden.

Hier müßen Sie den knallharten Nachweis erbringen, daß Ihre noch vorhandene Restleistungsfähigkeit auf Dauer, auf unter 3 Stunden pro Arbeitstag innerhalb einer 5-Tage-Woche, auch für leichte Tätigkeiten am allgemeinen Arbeitsmarkt, abgesunken ist!

Was die Beantragung eines Schwerbehinderten-Ausweises anbelangt, so ist es wichtig zu wissen, daß die Schwerbehinderung nicht in %, sondern in Grad der Behinderung (GDB) bewertet wird!

Eine Schwerbehinderung beginnt ab einem GDB 50 aufwärts und wird an Hand der versorgungsmedizinischen Grundsätze ermittelt auf der Basis der GDS/GDB-Tabellen!

Siehe unter google>>versorgungsmedizinische-grundsaetze.de/GdS-Tabelle.html

Die Einstufung in einen GDB hat aber in der Regel keinen Einfluß auf die Bewilligung einer Erwerbsminderungsrente, weil, wie Sie den obigen Ausführungen entnehmen können, bei beiden Verfahren grundsätzlich andere Bewertungsmaßstäbe angewandt werden!

Fazit:

Bei der Beantragung der Erwerbsminderungsrente und beim Schwerbehindertenausweis werden von den Antragsstellern oft verhängnisvolle Fehler und Versäumnisse begangen, welche dann im weiteren Verfahrensverlauf in einer endlosen Verwaltungsorgie enden!

Das heißt im Klartext:

Antragssteller sind sehr gut beraten, wenn Sie vor der Einreichung Ihres Antrags Ihre Hausaufgaben abarbeiten!

An erster Stelle steht hier in jedem Fall der Abschluß einer Rechtsschutzversicherung für den Fall, daß das Antragsverfahren vor dem Sozialgericht endet.

Bei der Rechtsschutzversicherung muß vor Antragseinreichung eine mindestens 3-monatige-Wartezeit bis zum sogenannten Verfahrensbeginn abgewartet werden, da sonst keine Deckungszusage möglich ist.

Auch die Mitgliedschaft im VDK mit Sozialrechtsschutz für die Mitglieder oder in einem anderen Sozialverband ist dringendst zu empfehlen!

Die weiteren Hausaufgaben können Sie auf google>>erwerbsminderungsrente.biz sowie auf Youtube unter dem Stichwort "Erwerbsminderungsrente beantragen-Hausaufgaben" ersehen und befolgen!

Des weiteren ist wichtig zu wissen, daß REHA vor Rente geht!

Sie müßen nach Antragseinreichung damit rechnen, daß Sie in eine REHA-Maßnahme eingewiesen werden und daß dort Ihre Leistungsfähigkeit auf den Prüfstand kommt!

Eine REHA sollten Sie in jedem Fall mit dem Status "Arbeitsunfähig" antreten, weil Sie sonst als "Arbeitsfähig" entlassen werden!

Verzichten Sie auf keinen Fall auf kompetenten Rechtsbeistand!

Wenn weitere Fragen auftreten, bitte einfach wieder melden!

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Hallo Herr Konrad,

das ist ja wirklich super ausführlich und verständlich erklärt!!!

Bzgl. Rechtsschutz und VDK habe ich dies bereits erledigt.

Nun geht es bei mir mit einer weiteren MRT des Halswirbels weiter, da ich weiterhin Probleme bzw. Schmerzen im oberen Rückenbereich sowie in den Schultern habe. Desweiteren merke ich bei psychischer Anspannung zusätzlich Schmerzen im Rücken und in den Schultern. Mein Neurochirurg hat mir zur psychologischen Betreuung geraten.

Ich melde mich wieder, wenn ich etwas neues erfahre.

Nochmals vielen Dank für diese sehr ausführliche Antwort!!!

Mit freundlichen Grüßen und alles Gute

Michael

@Michael030460

Hallo Michael, am Besten ist es, wenn Sie von Anfang an Nägel mit Köpfen machen und dazu gehören folgende Dinge:

1) Ordentliche Krankenakte anlegen, Kopien und Originale trennen, Originalunterlagen nie aus der Hand geben, fehlende Nachweise beschaffen und sicherstellen, denn Ärzte und Kliniken müßen Unterlagen nicht für ewige Zeiten archivieren. (In der Regel maximal 10 Jahre) Fehlende Nachweise könen ein Antragsverfahren gefährden und/oder unnötig in die Länge ziehen!

2) Tabellarische Krankengeschichte ausarbeiten und Belege beifügen. Beschwerden-Übersichtsblatt an Hand der GDS/GDB Tabelle erarbeiten und der Krankengeschichte beifügen!

3) Schmerzfragebogen der Schmerzklinik Kiel gründlichst ausfüllen und der Krankengeschichte beifügen!

4) Gesundheitskomplettfragebogen "PHQ-D" der Uni-Klinik-Heidelberg-Psychosomatik gründlichst ausfüllen und der Krankengeschichte beifügen!

5) Von den behandelnden Ärzten aktuelle, ausführliche, aussagefähige, knallharte, glasklare, unwiderlegbare Arztberichte, Entlassungsberichte anfordern! Aus diesen Arztberichten muß zweifelsfrei ersichtlich sein, daß Ihre noch vorhandene Restleistungsfähigkeit auf Dauer, auf unter 3 Stunden pro Arbeitstag innerhalb einer 5-Tage-Woche, auch für leichte Tätigkeiten am allgemeinen Arbeitsmarkt, abgesunken ist!

6) Diese gesammelten Unterlagen nehmen Sie künftig zu jedem Arztgespräch, Gutachtertermin, REHA-Aufenthalt, Klinikaufenthalt, Rentenantrag, Gespräch mit Ihrem Rechtsbeistand mit!

So haben Sie die Gewähr, daß keine gesundheitliche Einschränkung übersehen wird!

Wenn weitere Fragen auftreten, bitte einfach wieder melden!

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

@Konrad Huber

Mein Neurochirurg hat mir zur psychologischen Betreuung geraten.<

Tipp:

Gehen Sie mit derartigen Problemen gleich zum Schmied und nicht zum Schmiedle, denn da kommt man schneller auf den genauen Punkt!

Z.B.:

bei psychischen Beschwerden überweisen lassen an

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Psychosomatische-Ambulanz.109592.0.html

Denn:

Psychosomatik = Körper-Geist und Seele!

bei starken Schmerzen überweisen lassen an

google>>Schmerklinik Kiel oder

google>>Schmerzklinik Bad Mergentheim

Beste Grüße

Konrad

Mach doch mal eine stationäre Schmerztherapie. So schnell bekommst du keine EU Rente. Ich kämpfe schon seit 8 Jahren darum, bei einem noch schlechterem Gesundheitszustand.

Hallo Diroda, vielen Dank für Deine Antwort!!!

Wenn ich meine weiteren Untersuchungen und die OP hinter mir habe, werde ich Deinen Rat einmal überdenken. Da ich jedoch auch noch Athrose in meinem Lendenwirbel habe und eventuell auch in meinem Nackenwirbel, werden die Schmerzen mich sicherlich noch weiter begleiten. Viele Grüße Michael

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