Kostenpunkt außerklinische Intensivplfege

2 Antworten

Meine Mutter hat einen Pflegeplatz über www.intensivpflegeplatz.de bekommen und zählt nur 350 Euro Eigenanteil und der Rest wird von der Krankenkasse übernommen. Wir sind sehr zufrieden mit der Betreung rund um die Uhr.

Hallo Lea,

Ist häusliche Intensivpflege medizinisch notwendig, muss die Krankenkasse die Kosten hierfür auch übernehmen. Der betreuende Pflegedienst verhandelt dann mit der Kasse einen Stundensatz aus.

Dieser variiert – je nach Kasse – zwischen 30,00 – und 35,00 EUR die Stunde. ACHTUNG – kein Pflegedienst kann unter einem Stundensatz von 30,00 EUR eine qualitativ hochwertige Intensivpflege - in der Häuslichkeit - des Patienten durchführen.

In der Regel erfolgt noch eine Einstufung in die Pflegeversicherung. In dem Pflegegutachten ermittelt der Medizinische Dienst (MDK) die sogenannten Grundpflegezeiten. Diese darf die Kasse dann zu Hälfte anrechnen.

Ein Beispiel: Es werden vom Arzt 24 Stunden häusliche Intensivpflege verordnet. Der MDK ermittelt im Einstufungsgutachten tägliche Grundpflegezeiten von 5 Stunden (Stufe 3). Hiervon darf die Krankenkasse jetzt 2,5 Stunden berücksichtigen. Der Pflegedienst rechnet Pflegeversicherungsleistungen nach Stufe 3 (1.550 EUR monatlich)

In Zahlen sieht das dann wie folgt aus:

Gesamtkosten im Monat: 24 Std. x 30 EUR Stundensatz x 30 Tage = 21.600 EUR.

Davon übernimmt die Kasse: 21,5 Std. x 30 EUR Stundensatz x 30 Tage = 19.350 EUR.

Die Pflegekasse übernimmt – Sachleistungshöchstbetrag = 1.550 EUR.

Kassen Gesamtleistung somit = 20.900 EUR

Es bleibt also eine Selbstbeteiligung von monatlich 700 EUR

Das ist natürlich sehr viel Geld. Man muss aber wissen, dass hier eine Pflegefachkraft 24 Stunden vor Ort beim Patienten ihren Dienst verrichtet. Eine Pflegekraft kostet gut und gerne 28 bis 29 EUR die Stunde. Man benötigt in der Regel ein Team von ca. 6 Mitarbeitern um einen Intensivpatienten zu Hause zu versorgen. Rufbereitschaft und Vertretungen im Urlaubs-und Krankheitsfalle nicht mitgerechnet.

Da relativiert sich das Ganze wieder.

Ich hoffe ich konnte etwas "Licht ins Dunkel" ;-) bringen. Falls du weitere Fragen hast -gerne.

Viele Grüße

Peter Wolthoff

Hallo Peter,

danke dir für deine ausführliche Antwort! Ein paar Fragen ergeben sich mir damit aber noch.

Was genau hat es mit dem Sachleistungshöchstbetrag auf sich?

Und warum sind die Kassen bereit das zu bezahlen? Eine stationäre Betreuung müsste doch unter diesen Umständen um einiges günstiger sein. Immerhin könnte eine Pflegekraft sich dann um mehr als nur einen Pflegebedürftigen kümmern.

Viele Grüße, Lea

@LaThalea

Hallo Lea, stimmt, eine stationäre Betreuung ist auf jeden Fall günstiger. Allerdings qualitativ in den meisten Fällen völlig unzureichend. Warum? Die Finanzierung einer stationären Versorgung (also Pflegeheime) sieht völlig anders aus. Anders als bei einer ambulanten Versorgung greift hier greift lediglich noch die Pflegeversicherung. Evtl. noch ein paar Zuschüsse vom Staat - dann ist allerdings Schluss. Das sind so um den Dreh ca. 2.500 EUR. Will man mehr, muss man dies selbst bezahlen - und wer kann das schon. Mit der Gesundheitsreform 2007 sollte dies verbessert werden. D.h. die Heime können von den Kassen für die Betreuung von Beatmungs- oder z.B. Wachkoma Patienten mehr Geld bekommen. Hierfür müssen die Heime spezielle Verträge abschließen. Seither gibt es auch mehrere diesbezügliche Facheinrichtungen in Deutschland. Allerdings nicht Flächendeckend. Entscheidend ist die Wahlfreiheit des Betroffenen. Der Pflegebedürftige (bzw. dessen Bevollmächtigter) entscheidet selbst, wo und von wem er betreut werden möchte. Wünscht der Patient eine Versorgung zu Hause, müssen die Kassen diese auch bezahlen. So stehts im Sozialgesetzbuch. Natürlich sind die Kassen nie "gerne" bereit, dies zu bezahlen - aber sie müssen. Und das ist auch gut so. Weitere Info hierüber findest du auch auf meinem Blog unter http://www.akd-heimbeatmung-blog.de.

Viele Grüße

Peter Wolthoff

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