Kleinkind (2,5J.) stottert nach Geburt von Bruder. Wer weiß Rat?

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Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Herzliche Gratulation zu deinem zweiten Buben!!

Also erstmal - klar, dass du dich erschrickst, wenn dein Grosser plötzlich stottert. Dennoch - keine Panik! Die Sprache, das Sprechen ist in dem Alter noch ein ganz feines System und dementsprechend störungsanfällig, weil die ganze Sprache ganz ganz eng mit "Erleben", "Begreifen" ("Begriffs"bildung), mit Emotion, mit Beziehung verknüpft ist.

Mein Rat ähnelt dem meiner VorrednerInnen: möglichst wenig Fokus auf sein Stottern, keine sorgenvollen Blicke, wenn er einen Moment frustriert wird - lass es zu, dass sich mit der Geburt seines kleines Bruders alles ein wenig auf den Kopf gestellt hat, so auch seine Sprache. Schenk ihm viel Zuneigung, binde ihn in Tätigkeiten, in die Pflege des Babys mit ein, sei stolz auf ihn und zeig ihm, dass du ihn zur Unterstützung mit dem Kleinen brauchst. Aber das scheinst du ja bereits ganz bewusst zu machen!

Gut, wenn du dich beraten lässt - das ist immer hilfreich, beruhigend und sinnvoll, wenn Verunsicherung und Sorge da ist. Wenn das Stottern anhält, dann ist es gut, wenn du eine Logopädin konsultierst, die sich mit Stottern auskennt.

Vielen Dank auch für Deine Antwort und Deine Glückwünsche. Ich habe in Deinen vorherigen Antworten gelesen, dass Du auch selbst Logopädin bist, daher beruhigt mich Deine Antwort doch sehr. Ich merke jetzt schon, je ruhiger ich seblst werde, desto weniger wird das stottern. Heute ist mir aufgefallen, als mein Sohn mir etwas erklären wollte und mal wieder eine Blockade hatte, er einfach in die andere Sprache (arabisch) übergewechselt ist und mir dass, was er eigentlich auf deutsch sagen wollte und nicht geschafft hat, flüssig in der anderen Sprache sagen konnte. Habe ja bereits geschrieben, dass er zweisprachig aufwächst. Kennst Du dieses Verhalten? Beziehungsweise kann es auch sein, dass er dadurch, dass er zweisprachig aufwächst eh mehr Schwierigkeiten hat? Er redet sehr viel für sein Alter. Das sagt auch der Kinderarzt, der sich schon sehr darüber gewundert hat. Als ich ihm dann erklärrt habe, dass er all das, was er auf deutsch sagt, auch auf arabisch sagen kann, sagte er, dass er so etwas selten gesehen hat.

@katjou

Die sprachliche Entwicklung ist in der Tat sehr unterschiedlich. Mein Bub spricht auch schon sehr früh sehr viel und kann schon komplexere Inhalte transportieren. Ich glaube es gibt unzählige Studien dazu, woher eine frühe bzw. eine späte Sprachentwicklung herrühren. Ich habe die Erfahrung, dass es häufig eine Kombination ist zwischen einer Veranlagung (Vater/Mutter haben auch früh gesprochen, sind sprachgewandt, mehrsprachig) und einem günstigen sprachlichen Vorbild und Umfeld. Stottern hat aber in dem Sinne nicht mit dem Spracherwerb zu tun - abgesehen von der Entwicklungs-Unflüssigkeit, die bei den meisten Kindern im Laufe des Spracherwerbs auftaucht und KEIN Stottern ist.

Ist ja wunderbar, wenn dein Sohn so behende zwischen den beiden Sprachen switchen kann, um so schöner, wenn das sogar eine mögliche Strategie sein kann bei Blockaden. Perfekt, wenn er diese selbst entdeckt und gewählt hat.

@Elenic

Ok, also kann man sogenanntes Stottern auch mit dieser Entwicklungsunflüssigkeit, von der Du schreibst stark verwechseln, so wie ich verstanden habe. Das bedeutet für mich, dass sich das auf jeden Fall jemand anhören sollte, der sich auskennt, damit wir Gewissheit haben. Und dass das Switchen zwischen den Sprachen eine Strategie sein kann, die Blockaden zu lösen, klingt beruhigend. Also Du hast mir schon sehr weiter geholfen. Vielen Dank nochmal, echt lieb von Dir :) Hast Du vielleicht noch einen Webseiten-Tipp für mich,wo ich etwas über diese Entwicklungsunflüssigkeit lesen kann?

@katjou

Er hat aufgehört zu stottern. Es lag wohl tatsächlich an der Gewöhnungsphase. War alles ein wenig viel für ihn, denke ich mal. Danke an dieser Stelle nochmal an alle Antwortgeber. Ihr habt mir alle wirklich sehr geholfen.

Das verliert sich schnell wieder, je mehr du versuchst etwas ändern zu wollen umso schlimmer wird es. Das Kind ist verwirrt, weil du nicht mehr bist wie vorher. Das Problem für die älteren Geschwister ist nicht das Baby, sondern das veränderte Verhalten der Erwachsenen.

Ja, da hast Du recht..

Bei meinem Sohn, damals 3 Jahre, kam das mit dem Wechsel in den Kindergarten. Ich habe mir das etwa ein halbes Jahr angeschaut und bin dann zu einer Logopädie gegangen. Das hat sehr gut geholfen. Er fühlte sich ernst genommen und vor allem, es hat ihm Spaß gemacht. Jetzt, er ist 9, kann er richtig gut sprechen und das stottern ist weg. Ich kann Logopädie nur empfehlen, wenn das Kind mit dem Therapeuten zurecht kommt und man als Mutter ein gutes Gefühl hat. Man sollte sich ruhig professionell helfen lassen, dazu sind die Einrichtungen doch da.

Habe ja bald den Termin beim Kinderarzt.. er kann mir bestimmt auch ein paar Tipps geben. Klar, wenn es nicht besser wird, werde ich einen Logopäden aufsuchen. Mein Neffe hat auch gestottert und die Logopädie hat da gut geholfen. Für mich kam das halt nur ziemlich überraschend, von jetzt auf gleich.. mal gucken was der Arzt sagt. Habe zum Glück einen Kinderarzt, der sein Handwerk versteht und auch psychologisch viel drauf hat..

Ein Kind das stottert braucht viel Aufmerksamkeit und einen ruhigen sprachlichen Umgang. Eine Sprachtherapie ist dann gut, wenn sie ein Vorbild für die Eltern im Umgang mit dem Kind ist: langsamer sprechen, kürzer sprechen, pausierender sprechen (z.B. Ja --- der sieht so aus -- wie der Bär) Wortanfänge spielerisch verlängern (iiich sehe was - - uuund das ist - - rrrot). Kinder brauchen mehr Formulierungszeit als Erwachsene - insofern sollten die Erwachsenen ein Vorbild sein für das Sich-Zeit-nehmen. Experte, Dipl-Psych.

Vielen Dank für Deine hilfreiche Antwort. Ich denke auch, dass Eltern da eine wichtige Vorbildfunktion haben. Da hast Du vollkommen recht. Dieses "sich Zeit nehmen" ist im Moment nicht ganz einfach, dennoch werde ich versuchen das bewusster zu tun. Deinen Beitrag habe ich vor zwei Tagen schon gelesen und versuche seither auch kürzer und langsamer zu sprechen. Ich glaube schon jetzt einen Unterschied feststellen zu können. Der Kleine ist mein Spiegelbild, ich weiß das... Vielen Dank für Deine Tipps :)

das hatte ich auch...meine Eltern sind mit mir zmu Logopäden gegangen, aber das wird dir der Kinderarzt bestimmt auch sagen.

Ja, ich habe ja bald einen Termin beim Kinderarzt, mal sehen was er so sagt..

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