Kann man wirklich keine oder zu wenig Muttermilch haben oder ist wirklich alles nur eine Frage des Willens?

5 Antworten

Eine ziemlich gemeine Einstellung.Nicht jede Frau kann stillen und nicht jede Frau hat genug Milch.

Leider haben wir auf der Intensivstation immer mehr Kinder die als Notfälle aufgenommen werden müssen weil man den Müttern diese Quatsch einredet.

Wenn sich dann auch noch das Jugendamt einmischt, ist die Sache elend verkorkst. Bei unterernährten Kindern wird eben auch Meldung ans Jugendamt gemacht.

Keine Angst zu wenig gibt es nicht. Ich habe mir immer gesagt: Was die Muttis im Urwald schaffen, wirst du ja in der Zivilisation auch hinkriegen!!! Es hat funktioniert. Habe meine Tochter fast 1 Jahr gestillt, etwas praktischeres und gesünderes gibt es einfach nicht!!! Also durchhalten und nicht verrückt machen ...lassen !!!

Entgegen der Behauptung „Jede Frau kann stillen“ gibt es tatsächlich Gründe für eine unzureichende Milchproduktion. Es gibt jedoch wenige belastbare Studien zu dem Thema, was vermutlich daran liegt, dass es Milchersatzprodukte gibt und somit aus medizinischer Sicht kein großer Handlungs- bzw. Forschungsbedarf besteht.

Der online frei verfügbare Artikel “Markers of Lactation Insufficiency: A Study of 34 Mothers von Kathleen E. Huggins bringt folgende Merkmale mit einer verminderten Milchproduktion in Verbindung: wenig runde, tubuläre Brustform, deutlicher Größenunterschied zwischen beiden Brüsten, kein oder geringes Brustwachstum während der Schwangerschaft, großer Abstand zwischen den Brüsten, kaum Brustdrüsenschwellung nach der Geburt. Insgesamt wird die Ursache mit “hypoplasia” (zu wenig Drüsengewebe) bezeichnet.

Auch der Deutsche Hebammenverband im „Praxisbuch: Besondere Stillsituationen“ in Kapitel 22.3, Seite 316 ff. widmet sich diesem Thema und spricht im Zusammenhang mit tubulären Brüsten von einer Fehlbildung in der Embryonalzeit. Die Bedeutung eines optimierten Stillmanagements ggf. in Kombination mit Galaktoga (Medikamente zur Steigerung der Milchproduktion) bei gleichzeitiger regelmäßiger Kontrolle des Gedeihens des Kindes wird betont, wobei jedoch abschließend bemerkt wird: „Bei tubulären Brüsten ist ausschließliches Stillen häufig nicht möglich.“

Das Buch „Stillberatung“ von Marie Biancuzzo erwähnt ebenfalls „die primäre Stillunfähigkeit“ (= nicht durch verbessertes Stillmanagement zu beheben, S.174) als Folge von zu wenig Drüsengewebe, wobei jedoch davon ausgegangen wird, „dass dies nur sehr selten vorkommt.“ Anzeichen sind wieder das Fehlen von Brustveränderungen in der Schwangerschaft und der Brustdrüsenschwellung nach der Geburt. „Steht die Diagnose fest, muss der Frau klar und deutlich gesagt werden, dass die Stilunfähigkeit nicht ihr „Fehler“ ist." Als weitere Gründe für primäre Stillunfähigkeit werden genannt: zurückgebliebene Plazentareste, Anämie (Blutarmut) sowie hohe Natriumgehalte. Viel mehr wird zu dem Thema nicht geschrieben, daher würde ich nicht empfehlen, die beiden (deutschen) Bücher extra zu lesen.

Im US-amerikanischen Raum werden „IMS - insufficient milk supply“ (zu geringe Milchbildung) oder „IGT - insufficient glandular tissue“ (zu geringes Drüsengewebe) häufiger thematisiert. Lalecheleague.org (die amerikanische La Leche Liga) spricht von einigen Müttern, die trotz optimaler Bedingungen nicht in der Lage sind, genug Milch zu produzieren, wobei jedoch wieder der oben erwähnte Artikel von Huggens zitiert wird. Als möglichen Ursachen oder Begleiterscheinungen werden genetische Ursachen (genetic component), Umweltschadstoffe (contaminants), z.B. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, Lutealinsuffizienz sowie das Polyzystisches Ovarialsyndrom diskutiert.

Englischsprachige Erfahrungsberichte von betroffenen Müttern finden sich zum Beispiel unter dem Stichwort „noteveryonecanbreastfeed“ oder http://www.mobimotherhood.org/MM/article-lms.aspx#causes.

Abschließende Bemerkung: Die Erkenntnis, dass man nicht voll stillen kann, ist ernüchternd, aber das Verstehen hilft, Schuldgefühle und Selbstzweifel abzubauen. Eine zu geringe Milchbildung ist auch kein Grund gar nicht zu stillen. Ich selbst habe trotz dieses Problems meinen Sohn fünf Monate und meine Tochter acht Monate kombiniert gestillt und zu gefüttert.

Hallo!

Ich weiss, die Frage4 ist schon ziemlich alt, aber ich moechte trotzdem mal mein herz ausschuetten: Ich wollte absolut stillen, fuer mich war das selbstverstaendlich, ich konnte mir gar nicht vorstellen das es nicht geht. Und dann kam einfach nix! Ich war am verzweifeln ich Krankkenhaus schon, ich wuenschte mir haette jemand von Anfang an gesagt das es bis zu 10 Tagen dauern kann bis die Milch einschiesst und das man sich nicht verrueckt machen lassen soll. Ich hab alle 2 Stunden entweder angelegt oder abgepumt, bin zu nichts anderem gekommen. Wenn ich gewusst haette das es manchmal eben dauert haette mir das viel Kummer und Traenen erspart. Nach dem 5. Tag hab ich endlich eine Veraenderung in meinen Bruesten gespeurt und bekam tatsaechlich endlich ein bisschen Milch raus. Knapp 5ml aus BEIDEN Bruesten. Hab dann Fenugreek genommen, hat ausser Hautausschlag nix gebracht, Stilltee getrunken, etc...dann Reglan - verschreibungspflichtige Hormone- wie gut die fuer ihn sind, naja, angeblich schaden sie nicht - nach der ersten 10 Tage Therapie hatte ich ein bisschen mehr Milch. einen Monat spaeter hab ich es wieder versucht, weil es einfach viel zu wenig war und ich 5 Flaschen dazufuettern musste. Beim 2. Mal hab ich viel mehr Milch bekommen, hab mich total gefreut, aber sobald ich aufgehoert hab nach den 10 Tagen war die Milch wieder weg. Seit ein paar Tagen nehm ich sie jetzt regelmaessig, sie meinten ich waere wohl ein Kandidatin fuer ne Langzeittherapie, aber leider glaub ich hab ich jetzt fast gar nichts mehr. Mich macht das echt traurig, aber ich hab alles versucht und ich muss wohl jetz aufhoeren, tut mir vor allem so leid, weil mein Kleiner (er ist jetz 4. Monate) nichts anderes lieber macht als an der Brust zu trinken. Kann man wohl nichts machen, ich muss mich damit abfinden das es halt nicht geht. :0( Ich wuensche jedem mehr Glueck als ich hatte!

angeblich können ja alle frauen stillen. bei meinen ersten 2 kindern hat es nicht geklappt (unkompetenz der hebammen!!!)und beim jetzigen dritten lief alles mit einer fantastischen stillberaterin wie im traum! die ersten 4 tage kommt auch bei mir fast nichts (habe zus. gepumpt) wogegen andere frauen schon literweise abpumpen können. aber nach 4 tagen rundumdieuhr-anlegen hat es dann funktioniert. wichtig ist aber das ihr auf schnuller und jegliches zufüttern(auch tee) verzichtet, damit der ständige saugreiz-oxytocinausschüttung-die milchbildung in gang bringen kann!

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