Kann einem Migräne nachgewiesen werden?

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Vor jeder Kopfschmerz- oder Migräne-Therapie steht auf alle Fälle das Gespräch mit einem Arzt. Nur er kann eine Diagnose stellen und darüber entscheiden, welche Behandlung im Einzelfall die richtige ist. Da es über 160 verschiedene Kopfschmerzarten gibt, von denen Migräne nur eine ist, kann die Bedeutung der ärztlichen Diagnose gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Hierbei kann und sollte der Patient den Arzt aktiv unterstützen. Das fängt mit einem allgemeinen Gesundheitsprofil an: Beim Arztbesuch sollten grundsätzliche Informationen über Alter, Blutdruck, Cholesterinspiegel, evtl. Krankheiten, Medikamenten-Einnahme, Alkohol- und Nikotinkonsum, Gewichtsveränderungen, Stress-Situationen oder Schwangerschaft vorgelegt werden können.

Sind Ihre Kopfschmerzen wirklich Migräne? Der folgende Migräne-Check leistet einen weiteren wichtigen Beitrag:

Wenn Sie mindestens zwei der Fragen aus Test A und mindestens eine der Fragen aus Test B mit Ja beantworten, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen, um mit ihm zu besprechen, ob Sie unter Migräne leiden. Manchmal können Kopfschmerzen auch Symptome für Krankheiten sein, die ebenfalls ernst zu nehmen sind, aber eine andere Therapie erfordern. Deshalb sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen, wenn Sie unter Kopfschmerzen leiden, auch wenn diese schon längere Zeit bestehen oder wenn sich die Symptome im Vergleich zu früheren Kopfschmerzen verändert haben. Test A: Konzentriert sich der Schmerz auf einer Seite des Kopfes? Ist der Schmerz klopfend oder hämmernd? Beeinträchtigt der Schmerz Ihre normale Aktivität? Verschlimmert sich der Schmerz durch Aktivität?

Test B:

Leiden Sie während einer Attacke unter Übelkeit, oder haben Sie das Gefühl, sich übergeben zu müssen? Sind Sie während einer Attacke überempfindlich oder besonders empfindlich gegen Licht oder Geräusche? Noch bis vor kurzem waren die möglichen Ursachen der Migräne wenig erforscht. Heutzutage hat die Medizin sehr viel mehr Informationen über das Krankheitsbild. Vieles spricht dafür, dass Migräneattacken durch biologische Veränderungen im Gehirn und in den benachbarten Bereichen ausgelöst werden. Gesundheit aktuell Man geht davon aus, dass bei einer Migräneattacke die Blutgefäße im Gehirn erweitert und entzündlich verändert sind. Der Durchmesser dieser Arterien nimmt so weit zu, dass Nervenfasern rings um das Blutgefäß gereizt werden und Schmerzsignale aussenden. Bis heute ist allerdings ungeklärt, warum einige Menschen unter Migräne leiden und andere nicht. Gerüche oder Geräusche, flackerndes Licht, zu wenig oder zu viel Schlaf, manche Nahrungsmittel, Stress, Hormonschwankungen oder Zeitverschiebungen - Menschen, die für Migräne empfänglich sind, können auf vielerlei Reize und Situationen mit den typischen Kopfschmerzattacken reagieren. Allerdings spricht jeder Betroffene auf andere Auslöser an. Was bei einem Menschen zu Migräne führt oder sie noch verstärkt, kann einem anderen Erleichterung verschaffen. Genau darin liegt eine besondere Chance: Wer den Auslöser für seine Migräne kennt, kann die Attacken möglicherweise abschwächen oder sogar ganz vermeiden. Nur ein Arzt kann im persönlichen Gespräch feststellen, ob eine Migräne vorliegt und wenn ja, welche Therapie angewendet werden sollte.Mit bildgebenden Untersuchungsmethoden (Röntgen, CT, MRT) sowie Verfahren, die die Funktion des Gehirns prüfen (EEG, PET), hat man versucht, typische Veränderungen oder Schäden bei Betroffenen nachzuweisen. Das ist jedoch nicht gelungen. Um zu klären, um welche Form von Kopfschmerz es sich bei Ihnen handelt, ist deshalb Ihre Beobachtung und Empfindung wegweisend. Nur wenn der Verdacht besteht, dass es sich nicht um Migräne, sondern um einen Begleitkopfschmerz handelt, der durch eine andere Grunderkrankung hervorgerufen wurde, sind bildgebende Untersuchungsmethoden notwendig. http://www.gutefrage.net/frage/kann-einem-migraene-nachgewiesen-werden#

Migräne gemäß den Kriterien der International Headache Society (IHS) im Allgemeinen, wenn mindestens 2 der 4 Hauptkriterien erfüllt sind: Hemikranie (also einseitiger Kopfschmerz), Seitenwechsel ist möglich mittlere bis starke Schmerzintensität pulsierender oder pochender Schmerzcharakter Verstärkung durch körperliche Aktivität. Zusätzlich muss mindestens ein vegetatives Symptom, also Übelkeit und optional Erbrechen oder Phono- und Photophobie, vorhanden sein. Nitroglyzerin-Provokationstest klärt im Zweifel die Diagnose Migräne. Bei neurovaskulärem Kopfweh löst Nitroglyzerin sublingual die Beschwerden aus. Zur Migräne-Diagnose wünschen sich Ärzte einen zuverlässigen Biomarker. Zwar gibt es den noch nicht. Aber mit dem Nitroglyzerin-Provokationstest lassen sich immerhin neurovaskulär verursachte Kopfschmerzen relativ sicher nachweisen. Einen Biomarker für Migräne gibt es bisher noch nicht. Mit Nitroglycerin sublingual lässt sich aber neurovaskulärer Kopfschmerz nachweisen. Für die Diagnose eines primären Kopfschmerzes (Migräne, Clusterkopfschmerz) in Abgrenzung zu sekundären Kopfschmerzen (etwa Trigeminusneuralgie, Analgetika-Kopfschmerz) wäre ein einfacher, im Blut zu bestimmender Biomarker sehr hilfreich. "Aber ein solcher Marker steht uns nicht zur Verfügung", sagte Dr. Christina Tasorelli von der Universität Padua in Italien. Zur Diagnostik geeignet ist aber der Nitroglyzerin-Provokationstest. Daten dazu hat die Neurologin beim Europäischen Neurologen-Kongress in Brüssel vorgestellt. "Unsere Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass mit einem Nitroglyzerin-Provokationstest zuverlässig Patienten mit neurovaskulären Kopfschmerzen wie Migräne ohne Aura oder Clusterkopfschmerz erkannt werden," sagte Tasorelli. Die Gruppe ermittelte für diesen Test eine Sensitivität von 82 Prozent und eine Spezifität von 96 Prozent. Nitroverbindungen, besonders Stickstoffmonoxid (NO), werden längst mit Kopfschmerzen in Verbindung gebracht. Seit langem ist etwa bekannt, dass das zur Sprengstoffproduktion verwendete Nitroglyzerin Kopfschmerzen auslöst. Allerdings: NO-produzierende Enzyme können offenbar Migräne-Attacken lindern, berichtete Tasorelli. Deshalb ist der Stellenwert von NO als Biomarker für primäre Kopfschmerzen noch unklar. Auch andere Substanzen, die aus Plasma oder Liquor von Migräne-Patienten isoliert werden können, werden auf potenzielle Biomarker-Qualität geprüft. Dazu gehören Neuropeptide, Opioide, Amine und Wachstumsfaktoren. Bei den Neuropeptiden korreliere nur das Calcitonin gene-related peptide (CGRP) mit der Schmerzintensität bei primärem Kopfschmerz.

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