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5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Lieber tommi,

als Archäologiestudentin habe ich mich mit der von dir angesprochenen Thematik befasst. Ich verstehe deinen Standpunkt, denn der Gedanke die Totenruhe zu stören, gefällt mir auch nicht sonderlich. Ich möchte dir aber trotzdem den Unterschied zwischen Archäologie und Grabraub erklären und ich hoffe, dass es dir hilft, auch die andere Seite zu verstehen. (Und natürlich um deine Frage zu beantworten.)

Solange die Menschen dort draußen wissen, dass in Gräbern potentiell wertvolle Dinge liegen, werden Menschen diese Gräber ausräumen. Andere Gräber, ohne wertvolle Beigaben, werden bei modernen Baumaßnahmen zerstört. (Denkst du einer Baufirma macht es was aus, wenn sie Gräber zerstört um z.B. eine ICE Trasse zu bauen?) Oft ist es so, dass ein Archäologe erst dann von einem Grab erfährt, wenn es ohnehin von Zerstörung bedroht ist und für immer undokumentiert verschwinden würde.

Nun gut, bei den Pyramiden ist das anders. Die wird keiner platt machen um eine Straße darüber zu bauen. Aber angenommen kein Archäologe beschäftigt sich mehr mit einer Pyramide - dann gehen die Grabräuber rein, zerstören alles und nehmen mit was ihnen wertvoll erscheint.

Dagegen will ein Archäologe nach Möglichkeit nicht zerstören - und die Zeiten in denen es um die Mitnahme wertvoller Dinge ging, sind auch schon 80/90 Jahre lang vorbei. Heute geht es nur darum zu dokumentieren und zu erfahren, wie die Menschen damals lebten. Nun stell dir vor, ein Grab würde durch Baumaßnahmen zerstört - Dann wäre der Tote und all das verschwunden, was seine Lieben für ihn gebaut haben. Wird das Grab dagegen von Archäologen untersucht und dokumentiert, dann ist es uns heute möglich, noch einmal zu sehen, welche Liebe die Menschen damals in die Bestattung ihres verstorbenen Menschen gesteckt haben. Es ist nicht alle Mühe der Menschen damals verloren, weil wir sie heute sehen und bewundern können.

Der Punkt mit den Mumien, die heute keiner mehr zu einem Grab zuordnen kann, ist berechtigte Kritik. tommi, ich kann dir versichern, dass modernen Archäologen soetwas nicht passieren darf. Man muss IMMER narrensicher festhalten, woher Museumsbestände stammen. Denn sonst ist ja auch viel von den gewinnbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen für die Katz. Die Mumien die du im Regal gesehen hast, stammten wahrscheinlich aus alten Grabungen- aus Zeiten als die Archäologie noch nicht so entwickelt war und wirklich kein großer Unterschied zum Grabraub bestand. Moderne Archäologen finden es genauso bitter wie du, wenn nicht bekannt ist woher so eine Mumie stammt. Sowas kommt heute nicht mehr vor.

Übrigens- wusstest du, dass es in der Archäologie inzwischen zunehmend vorkommt, dass man die aus Gräbern geborgenen Leichen wieder bestattet? Man schüttet ihnen zwar keinen Grabhügel mehr auf, aber man begräbt sie wieder und gibt ihnen ihre Totenruhe zurück anstatt sie in Regalen zu lagern. Bei allem wissenschaftlichen Interesse, vergessen wir nicht, dass wir einen toten Menschen vor uns haben. Das bringt man schon den Studenten im ersten Semester bei.

glückwunsch! die erste und einzige wirklich gute und vernünftige antwort auf eine an sich sinnlose frage(? wohl eher ein kommentar...) fragt sich nur ob tommi36 sich auch die zeit nimmt, das ganze zu lesen - und er/sie müsste sogar nachdenken dabei! gruß philipp (M.A. in klass.arch.)

Sadat ließ den Mumiensaal der Pharaonen schließen. Nur Ramses II, der Libyer war, den kann man noch betrachten. Sadat träumte davon, die Mumien und sich selber im Sinai bestatten zu lassen. Diesen Wunsch hat man ihm nicht erfüllt. Stattdessen baut man an einem riesigen Museum, das an der Straße von den Pyramiden in Richtung Alexandria irgendwann in diesem Jahrtausend einmal fertig werden soll. Ich denke Archäologen sind genauso feinsinnig mit Mumien, wie es die Leichenfledderer in Krimis sind, die die Todesursache feststellen wollen. Trotzdem bin ich froh, dass ich damals noch den Mumiensaal betreten durfte, und die Mumien sehen konnte.

Vermutlich, weil sie sonst von den Einheimischen ausgebuddelt und meistbietend verscheuert werden. So kann der Staat damit Geld verdienen und die Nachwelt, auch die, die sich keine eigene Mumie leisten können, hatte die Chance, durch die Arbeit der Archäologen doch einiges über ihre Vorfahren, ihre Kultur und Lebensweise zu erfahren.

Weil man oft nur über Grabfunde etwas über die entsprechende Kultur erfährt. Ansonsten ist meist nicht viel überliefert.

Man mag das sehen wie man will, es ist einfach Tatsache.

Und heutzutage ist es mit der Ausfuhr von historisch relevanten Gegenständen auch nicht mehr so einfach.

Mb: egal wie auch immer unsere Neugier begründet ist, würdest Du es toll finden, wenn man Deinen Papi ausbuddelt und zum Zweck der Wissenschaft irgendwo ausstellt?

Ich achte die Toten, und jedesmal, wenn ich solche Unsinnigkeiten mitbekomme, dreht sich mir der Magen rum

@tommi36

Irgendwann, wenn lange Zeit verstrichen ist und mit Sicherheit auch keine lebenden Verwandten mehr zu ermitteln sind, deren Gefühle verletzt werden könnten, wird eine alte Leiche automatisch zum archäologischen Artefakt.

@JinxValentine

sry, aber mich verletzt es ziemlich, daß man T.A.A nicht mit Würden sterben läßt, sondern meine Generation Schuld ist, daß er keine Ruhe mehr findet.

Qualitativ gibt es da vielfach Unterschiede - wie beispielsweise auch zwischen Mord und Totschlag (Beweggründe) - aber ansonsten muss man dem sicherlich zustimmen. Zumal ein respektvollerer Umgang mit Gräbern und Leichnamen gewöhnlich sehr wohl möglich wäre, ohne auf die Forschung zu verzichten.

ich buddel dich dann auch mal aus..

@tommi36

Naja, also noch ist es ja nicht so weit - auch wenn ich mich manchmal zeitweise vergrabe ;-)

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