Ist das Burn-Out-Syndrom eine anerkannte Krankheit?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Nein, es ist keine Erkrankung. Auch im DSM-V, der in den USA im März rauskommt und maßgebend die Diagnostik der psychischen Störungen festlegt, enthält keine Burnout-Diagnose, insofern ist anzunehmen, dass auch das ICD-11 (das vermutl. in drei Jahren veröffentlicht werden wird), ebenfalls keine Burnout-Diagnose beinhalten wird.

Im ICD-10 ist Erschöpfungszustand (Burnout) lediglich eine Zusatzangabe als ein mögliches Problem mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung aus der Gruppe der Zusatzangaben "Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen". Es ist als lediglich ein Einflussfaktor.

Eine Therapie oder Behandlung ist also nicht notwendig, sondern präventive Maßnahmen sind angezeigt. Insofern werden Burnout-Therapien auch nicht bezahlt.

Bezahlt wird die Behandlung psychischer Erkrankungen.

Nach meiner Erfahrung haben die meisten "Burnout-Patienten" eine "Rentenneurose" (d.h., sie haben keinen Bock mehr und wollen die Frührente, sind körperlich aber leider zu gesund, als dass sie sich "kaputt shreiben" lassen könnten). Ein anderer Teil leidet an psychischen Erkrankungen wie nicht-organische Schlafstörungen, Depression, bipolare Störung oder sind auch an einer Substanzabhängigkeit erkrankt (zB Schmerzmittel oder Alkohol - wer trinkt, hat dann logischerweise auf der Arbeit irgendwann ein "Burnout").

Also nach ICD-10 stimme ich Dir zu, auch wenn ich überzeugt, dass es im ICD-11 sehr wohl auftauchen wird, da es langsam ja auch mal Ärzte geben soll, die so etwas ernst nehmen.

Deine Meinung teile ich aber überhaupt nicht. Therapien sind durchaus notwendig, da Burn-Out durchaus bei Nicht-Behandlung bis zum Suizid führen kann. Präventive Maßnahmen sind natürlich wichtig - wie eigentlich bei jeder Krankheit - aber das hilft den bereits Erkrankten überhaupt nicht. Aber wir haben ja auch ein "Krankheitssystem" und kein Gesundheitssystem.

Burn-Out-Patienten als "faul" zu bezeichnen, halte ich für sehr gefährlich. Das zeigt wieder einmal, in welcher kranken Arbeits- und Stress-Gesellschaft wir insbesondere in Deutschland leben. Außerdem wäre es gefährlich, Burn-Out oder auch Depressionen nur auf die Antriebslosigkeit zu reduzieren.

Von Frührente würde ich dennoch abraten (es gibt durchaus auch Fälle, bei denen sie auch bei psychischen Erkrankungen gewährt wird), da den Betroffenen ja nicht damit geholfen ist, genau das zu unterstützen, was sie eigentlich bekämpfen sollten.

Zu guter Letzt möchte ich noch dazu appellieren, dass psychische Erkrankungen endlich mal auch in der Durchschnitts-Bevölkerung ernst genommen werden - niemand muss sich als "verrückt" abstempeln lassen, nur weil er depressiv ist oder eine Angststörung hat.

@musikuss78
  1. Das sind meine Erfahrungen aus der Reha und der ambulanten psychotherapeutischen Tätigkeit von Patienten, die von Hausärzten (meist auf Drängen des Patienten) mit einer "Burnout-Diagnose" zu mir kamen. Wie gesagt rede ich dabei nicht von Patienten, die sich selbst die Diagnose Burnout stellen, nach ICD-10 aber an einer - zT schweren - psychischen Erkrankung (zB Affektive oder/und Angststörung, Abhängigkeitssyndorm usw.) leiden.

  2. Ich sehe keine Möglichkeit, Burnout einen eigenen Erkrankungsstatus zuzugestehen, weil ich persönlich bei Krankheitswert nicht wüsste, wie ich das differenzialdiagnostisch hinbekommen sollte, weil dann die Kriterien einer bereits im ICD exisitierenden Erkrankung erfüllt sind. Letztlich kommen bei den (je nach Modell sehr unterschiedlichen) Kriterien bereits nach ICD Diagnosen wie nicht-organischen Insomnie, Neurasthenie, Anspassungsstörung oder sogar eine depressive Störung zusammen. Ich sehe da keinen "blinden diagnostischen Fleck", den man durch eine Burnout-Diagnose schließen müsste.

Als eigenständige Krankheit ist es nicht anerkannt. Das Burn-out-Syndrom nennt sich nicht ohne Grund Syndrom, es ist ein Krankheitsbild, in dem Symptome aus teils unterschiedlichen Erkrankungen zusammentreffen. Wie viele andere Syndrome ist der das Burn-out-Syndrom ein Behelfsname, bis man die eigentliche Erkrankung gefunden hat. Im Grunde ist dieses Syndrom eine Mischung aus Belastungsstörung und Depression. Die meisten Burn-Out-Patienten findet man ohnehin auf Depressionsstationen, wo sie sicher an Besten aufgehoben sind, beiden Krankheitsbilder überschneiden sich sehr stark.

Ja ist es, denn Burn-Out ist im ICD-10 klassifiziert, wenn auch unter "Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung":

http://www.icd-code.de/icd/code/Z73.html

Unter den meisten Ärzten und Psychotherapeuten wird Burn-Out als Depression angesehen, da sie fast die gleichen Symptome beinhalten (inklusive "Begleiterscheinungen" wie Angst- und Zwangsstörungen).

Einige Therapeuten und Kliniken, insbesondere bei tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, werden Dir aber was anderes erzählen, denn nicht bei jeder Depression liegen die Ursachen im krankhaften Stress- und Druckempfinden. Hier wird häufig ganzheitlich an den Ursachen und der Wirkung (Phobien, psychosomatische Störungen etc.) gearbeitet.

Verhaltenstherapeutisch wird hingegen nur an der Oberfläche gekratzt und die Verhaltensweisen mit positiver Verstärkung heraus konditioniert. Rückfallwahrscheinlichkeit: 90 Prozent.

Auch bei Burn-Out übernehmen die Kassen häufig die Kosten für die Psychotherapie, insbesondere bei stationärem Aufenthalt.

( Noch ) nicht - jedenfalls nicht als eigenständige Krankheit:

Tatsächlich ist der Begriff Burn-out im ICD-10, dem Klassifikationskatalog der Weltgesundheitsorganisation (WHO), nicht als anerkannten Krankheit definiert. Er steht unter der Ziffer Z 73.0 im letzten Kapitel: „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen.“ Nach dieser Einstufung ist Burn-out eine Rahmen- oder Zusatzdiagnose und keine voll anerkannte Krankheit.

  • was mithin nicht ganz unerhebliche Folgen hinsuichtlich Erwerbsunfähigkeitsrenten haben kann.

Zumeist löst sich das aber über die Begleit - und Teilerkrankungen, etwa Depressioen - aber auf.

Soweit mir bekannt erscheint aber relativ bald ein neues ICD und seit 1980 hat sich das Ganze von rund 500 auf 1000 Seiten glatt verdoppelt, wie immer man das auch, so daß die Chance ganz gut stehen, das es sich bald dort wiederfindet , wie immer man das auch interpretieren will.

Mit freundlichen Grüßen

Nasdaq

Hallo, "Burn Out" als Diagnose gibt es nicht. Daher ist keine anerkannte Krankheit. Die Symptome eines Burn Outs gleichen die der Depression. Wenn Henand wegen Burn Out behandelt wird, wird er oder sie in der Regel eine Depression diagnostiziert bekommen haben. Es stimmt - wie übten schon geschrieben- dass das ICD überarbeitet wird. Vielleicht gibt es dann Burn Outs ;-)

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