Ich habe schon mal gehört, dass man bei Autismus von der Misstrauenskrankeit spricht. Autisten sind aber doch auch häufig naiv. Was stimmt, stimmt evtl. beides?

5 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Autisten können nicht bzw. nur schlecht lügen. Das Konzept der Lüge ist ihnen fremd. Viele beherrschen nicht mal Höflichkeitslügen und sehen auch keinen Sinn darin.

Weil Menschen grundsätzlich von sich auf andere schließen, gehen autistische Kinder zunächst davon aus, auch andere anderen würden immer die Wahrheit sagen. Früher oder später fallen sie damit sprichwörtlich auf die Nase: Sie werden veräppelt, betrogen, abgezockt, ausgelacht.

Die Folge ist ein aus Erfahrung gelerntes Misstrauen gegenüber allen Mitmenschen. Denn sie wissen nun: Die Nicht-Autisten könnten jederzeit lügen! Aber da Autisten auch kaum Körpersprache lesen können, erkennen sie nicht, wann jemand lügt. Fazit: Bloß niemandem zu früh vertrauen!

Das heißt, die frühe Naivität schlägt nach gewisser Lebenserfahrung sinnvollerweise in Misstrauen um.

okay, vielen Dank. Das deckt sich mit meiner Vermutung, die ich hierzu hatte.

@Regulus123

Meine Frage lautet: wann ist es erlaubt als Mensch zu lügen und wann nicht? Gibt es hier eine Regel? Darf man lügen, um sich zu schützen? Wann wird dies gesellschaftlich akzeptiert?

Oder sagt nur niemand, dass er lügt. Ist es ein gesellschaftliches Tabu-Thema, aber jeder tuts?

@Regulus123

Gute Frage! Ich nehme an, lügen ist unter zwei Umständen erlaubt:

  • Wenn die Sache unwichtig ist und der andere mit der Wahrheit traurig wäre. Z.B. Lügen wie "Hey, die neue Frisur sieht suuuper aus!"
  • Wenn man sich sonst selbst belasten müsste. Also Lügen wie "Nein, ich hab das nicht kaputt gemacht, das war schon so!"

Dann kommts aber noch darauf an, in welcher Beziehung man zum Gegenüber steht. Zu Verwandten und Freunden soll man seltsamerweise ehrlicher sein als zu Fremden. Außerdem dürfen Eltern ihre Kinder anlügen, andersherum aber nicht.

Im Endeffekt kommt es auf den Kulturkreis an. In manchen Kreisen wird viel gelogen, in anderen ist Ehrlichkeit eine Tugend.

Am besten machst du dafür eine neue Frage auf. Dann antworten auch Leute, die sich nicht für Autismus interessieren.

@Regulus123

Zu lügen, um die Höflichkeit zu wahren, ist meiner Meinung nach eher moralisch akzeptabel als zu lügen, um jemand anderen hinters Licht zu führen, bzw. ihm zu schaden.

Autisten beharren darauf, stetig die Wahrheit zu sagen. Deshalb haben sie zunächst auch die Auffassung, dass andere ebenfalls ehrlich sein würden. Leider aber kommt es exorbitant oft vor, dass Autisten aufgrund ihres Verhalten - vor allem weil die meisten, die ich kenne, sehr hilfsbereit sind - betrogen werden. Vor allem in zwischenmenschlichen Beziehungen passiert dies oft.

Das ist - wie du dir wahrscheinlich schon denken musst - sehr verletzend und es kränkt sie. Wie würdest du reagieren, wenn man dich ständig anlügt und betrügt? Nach einer Zeit entwickelt sich dann dieses enorme Misstrauen. Erfahrungen können eine ganze Existenz beeinflussen.

Ich würde Autisten nicht als "naiv" bezeichnen.. Ich würde eher sagen, dass sie ihre Umgebung anders wahrnehmen als wir. Wir Filtern die Reize, die uns umgeben, und genau das können Autisten eben nicht sehr gut. Sie werden förmlich überflutet mit Reizen und sind dadurch dann überfordert. Aber das ist einer der Punkte, der sie wahnsinnig intelligent macht. Sie haben oft ein fotografisches Gedächtnis und lernen unglaublich schnell. Andererseits haben sie jedoch nicht so gute soziale Kompetenzen. Zudem kommen sie mit Veränderungen nicht besonders gut zurecht.

Die Frage ist aber: wie definiere ich soziale Kompetenz? zu lügen ist auch keine soziale Kompetenz, vordergründig freundlich tun und dann hinten herum schlecht über andere reden hat aus meiner Sicht GAR NICHTS mit sozialer Kompetenz zu tun, sondern ist stattdessen asozial.

Sie haben oft ein fotografisches Gedächtnis und lernen unglaublich schnell

Das ist so nicht ganz richtig. Es gibt ein paar Autisten, die nebenbei auch ein fotografisches Gedächtnis besitzen. Allerdings gibt es auch ebenso viele Nicht-Autisten mit einem fotografischen Gedächtnis. Zum Thema lernen: Die meisten Autisten lernen nicht schneller als andere, häufig sogar langsamer. Außer in den Themen, die sie interessieren. Dort können sich tatsächlich erstaunliche Fähigkeiten entwickeln, allerdings ist dies nicht auf das Lernen insgesamt zu beziehen.

Aber das ist einer der Punkte, der sie wahnsinnig intelligent macht.

Gleiches Spiel: Natürlich gibt es auch überdurchschnittlich intelligente Autisten. Dies tritt aber genau so bei Nicht-Autisten auf. Der Großteil liegt eher im durchschnittlichen Bereich. Bei frühkindlichen Autisten, welche oft auch von einer geistigen Behinderung betroffen sind, ist die Intelligenz sogar häufig noch unter dem Normbereich. Ich weiß im übrigen nicht, was die Reizüberflutung mit der Intelligenz zu tun haben soll, aber das nur am Rande.

Es wurde hier übrigens nicht nach einer allgemeinen Beschreibung zu Autismus gefragt, sondern woher der Eindruck von Naivität/Misstrauen bei Autisten stammt. Und wenn du diese Entwicklungsstörung schon versuchst zu erläutern, dann zähl doch bitte nicht nur irgendwelche Halbwahrheiten auf, die du irgendwann mal darüber aufgeschnappt hast. Durch Leute wie dich werden nur Vorurteile geschürt. Damit ist weder den Betroffenen geholfen, noch denen, die Autismus wirklich besser begreifen wollen. Danke.

Ich möchte noch hinzufügen, dass ich weiß, dass Autismus keine Krankheit ist, und ich sie auch nicht für eine solche halte!

Die Naivität wird in diesem Fall eigentlich mehr oder weniger falsch verstanden. Da diese Menschen einfach ein sehr schlecht ausgeprägtes sozialverhalten haben.

Ich glaube aus Sicht eines Autisten und auch diverser anderer Menschen sieht die Lage anders aus: die anderen haben ein ausgeprägt schlechtes Sozialverhalten. Siehe Lügen, ausnutzen, veräppeln, mobben etc. Daran ist nichts sozial. Andere auszugrenzen ist asozial etc. 


Was möchtest Du wissen?