Hilfe - Thyronajod wirkt nicht mehr!?

2 Antworten

hmm, deine Symptome würde ich jetzt nicht unbedingt als "die Klassiker" der Unterfunktion bezeichnen, aber sei's drum.

Deine Idee, dass die SD-Hormone blockiert werden, scheint mir nicht abwegig zu sein. Es gibt neben den "gängigen Antikörpern" auch Antikörper gegen die Schilddrüsenhormone selbst ( wird allerdings fast nie getestet , klingelts ? ). Und wenn Du diese Antikörper hast gleicht dein Körper einem Eimer, der zwar unter dem Wasserhahn steht, aber unten ein Loch hat. Den kann man nur "auf Niveau" halten, wenn der Hahn mehr liefert, als über das Loch rausgeht. Der Antikörpertest ist eine einfache Blutuntersuchung, die - meine ich zumindest - ein Facharzt ( Endorkrinologe , ggf. auch NUK ) bei der geschilderten Sachlage immer durchführen sollte, weil selbst eine negative Diagnose auch einen Erkenntnisgewinn bringt.

Ansonsten gilt natürlich die Regel, dass man, so wie man am besten nicht von Drogen abhängig sein sollte, auch nicht vom TSH abhängig sein sollte. Nur weil der mal unter der Norm ist , muss man nicht gleich , egal wie das Befinden des Patienten ist, die Dosis runterschrauben. Auch so etwas, was sich bei den wenigsten Ärzten je durchsetzen wird.

Hallo,

leider hast Du Deine Blutwerte nicht gepostet. Kannst Du dies noch machen? Ansonsten kann ich nur vermuten. Du schreibst, dass Deine SD entfernt wurde. Dies bedeutet, dass kein eigenes SD-Hormon mehr ausgeschüttet werden kann und vollständig substituiert werden muss. Hierfür führst Du das Körpergewicht als Grundlage für die Dosisbestimmung an. Meiner Erfahrung nach kann man das nicht tun. Die Dosierung erfolgt aufgrund der Blutwerte und des Befindens.

Da Dein Arzt nicht auf Dein Befinden eingeht, solltest Du Ihn auf jeden Fall wechseln. Du schreibst, dass Du erst Thyronajod und jetzt L-Thyroxin einnimmst. Da Deine Schilddrüse nicht mehr vorhanden ist, benötigst Du auch nicht diese "Unmengen" von Jod, die in Thyronajod enthalten sind. Sogut wie alle unsere Lebensmittel sind jodiert und dieses zusätzliche Jod kann leicht zu einer Überdosierung führen. Ich selber habe katastrophale Erfahrungen mit Thyronajod mit Folgen gemacht. Die Umstellung auf L-Thyroxin war das schon ein guter Gedanke. Da die Problematik aber weiterhin besteht, ist die Medikation wahrscheinlich nicht ausreichend. Es könnte sein, dass Du neben L-Thyroxin, das Thyroxin, also T4 enthält, auch noch T3, das aktive SD-Hormon benötgst. Um das zu sehen, benötigt man Blutwerte (fT3, fT4). Man könnte z. B. Thybon dazu geben, aber bitte Vorsicht! Wenn Du das in Eigenregie machen solltest, wie ich den Eindruck gewonnen habe, dann bitte nur ganz niedrige Dosierungen am Anfang. Das kann man nicht einfach so hochdosieren, denn das geht bei einer Übedosierung sofort aufs Herz.

Einfacher zu handhaben sind aber Kombipräparate, die sowohl T4 als auch T3 enthalten, z. B. Novothyral oder Prothyrid. Der Unterschied der beiden Präparate ist das Verhältnis von T4 zu T3, das in den Präparaten ist,. Wenn alle Stricke reißen, kann der Arzt auch noch natürliches SD-Hormon anwenden. Das sind getrocknete Schweineschilddrüsen (z. B. das US-Präparat Armour Thyroid oder das deutsche Präparat von Receptura in Ffm. Thyroid Hormonkapseln). Die Kosten für natürliches SD-Hormon werden nur von Privatkosten oder bei Kassenpatienten als Einzelfallentscheidung übernommen.

Wenn all das noch immer keine Besserung ergibt, gibt es noch einige Komponenten die untersucht werden sollten. Eigentlich sollten diese überhaupt vorher schon untersucht werden: Nebennieren und Ferritin.

Du solltest dir auf jeden Fall einen wirklich kompetenten Endokrinologen suchen, der Dich richtig einstellt. Gehe doch mal auf top-docs.de . Vielleicht wirdt Du fündig. Das Forum www.ht-mb.de/forum könnte Dir auch nützlich sein.

Das wird schon wieder (mit der richtigen Einstellung).

LG
Catlyn

Liebe Catlyn, vielen herzlichen Dank für die ausführliche und kompetente Antwort. Du gibst Dir so viel Mühe! Wunschgemäß stelle ich meine SD-Werte ein: 18.02.2015 NUK TSH basal 0,27 (0,30 - 3,70) FT3 4,70 (3,10 - 7,00) FT4 14,60 (8,00 - 17,00) FT4 könnte höher sein, ich weiß. TPO AK <60,00 (<60,00) Eingestellt mit 75 mcg Thyronajod.

23.09.2015 Krankenhaus TSH <0,01 FT3 4,10 leider keine Angabe des Referenzbereiches FT4 2,20 soweit ich mich erinnere, war oberer Wert des Ref-bereiches 1,40) Eingestellt mit 75 mcg L-Thyroxin.

Kannst Du mir noch von Deinen Erfahrungen mit Thyronajod berichten - welche Symptome hattest Du? Ich habe seit einem Jahr Reizhusten (besonders morgens) leichten Juckreiz, Entzündungen im Mund und immer wieder Ohrenschmerzen sowie rheumaartige Schmerzen im Ober- und Unterkieferbereich. Hattest Du bei Einnahme von Thyronajod auch ständig das Gefühl, in der Unterfunktion zu sein? Ich vermute, dass das Jod die SD-Hormone wirklich blockiert. Liebe Catlyn, ich habe solche Angst, wieder bis zur Überfunktion hochzudosieren. Es ist die Hölle! Am Freitag war ich in der Uniklinik Regensburg in der ambulanten NUK. Das war ein Schuß in den Ofen. Der junge Arzt nahm Blut für die Standardwerte und empfahl mir, keinesfalls eigenmächtig hochzudosieren. Es war halt die ganze Zeit so, dass ich von einem Tag auf den anderen schlimme UF-Symptome bekam mit Schüttelfrost, Panik, trockenen Augen, Krämpfen in Armen und Beinen, Blasenentzündung etc.. Wenn ich die Dosis um 25 mcg erhöhte, waren die Symptome weg und so ging es weiter, bis ich mit einer Dosierung für Elefanten zwischen 162,5 und 200 mcg wieder in der ÜF landete. Für die Ärzte ist das ein Rätsel. Eine Allergie gegen Jod ist mir nicht bekannt. Freue mich auf Deine Nachricht.

Liebe Grüße 7gipsy7

@7gipsy7

Hallo,

leider kann ich Dir bei Deinen Werten vom 23.09.2015 nichts zu den Werten fT4 und fT3 sagen, da hierzu die Angabe der Referenzbereiche zwingend notwendig ist. Zum TSH-Wert kann ich Dir aber sagen, dass der Wert von 0,01 alleine nicht auf eine Überfunktion hinweist. Vielmehr handelt es sich dabei um ein "supprimiertes TSH", das ich übrigens auch habe. Solange die Werte fT4 und fT3 dabei innerhalb der Normbereiche liegen, handelt es sich nicht um eine Überfunktion. Mehr dazu kannst Du hier nachlesen: http://www.ht-mb.de/forum/vbglossar.php?do=showentry&id=73 .

Zu den Blutwerten vom 18.02.2015 denke ich folgendes: Der TSH-Wert ist zwar niedrig, aber noch tolerabel. Wenn man nun die Werte fT4 und fT3 innerhalb der Normbereiche betrachtet, so sieht man, dass fT4 mit 73,33 % und fT4 mit 41,03 % etwas weiter auseinanderklaffen. Nach meiner Erfahrung kann man sich mit solchen Werten nicht wohl fühlen. Die Werte fT4 und fT3 sollten nicht so weit auseinanderklaffen. Das würde in diesem Fall heißen, dass man den fT3-Wert etwas anheben sollte, wie ich es bereits geschrieben hatte (Kombipräparat oder Thybon).

Ich wäre gerne näher auf Deine aktuelle Situation mit L-Thyroxin eingegangen, aber wie bereits gesagt geht das nur mit Angabe der Referenzbereiche. Aus meiner Erfahrung heraus würde ich aber Thyronajod nicht wieder nehmen. Du fragst, welche Symptome ich mit Thyronajod hatte. Naja, die kamen schleichend und waren zuletzt wirklich schlimm. Nur ein paar Sachen: extreme Gedächtnsprobleme, Gelenkschmerzen morgens, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Energie- und völlige Antriebslosigkeit, häufige Infekte, Gereiztheit, Kraftlosigkeit, usw.

Du fragst, ob ich auch ständig das Gefühl hatte, in der Unterfunktion zu sein. Oh ja! Und mir erging es wie Dir mit einer Dosiserhöhung richtig schlecht. Dann kam auch bei mir die Umstellung auf L-Thyroxin und Selen beim "richtigen Azrt", der dann Hashimoto-Thyreoiditis diagnostizierte. Dies war das Ergebnis von 2 Jahren Thyronajod. Leider war dies der Auslöser für Hashimoto-Thyreoiditis bzw. der letzte Tropfen dazu.

Gebessert hatte sich dann alles erst, als ich auf eigenen Wunsch von diesem Arzt Armour Thyroid (natürliches Schilddrüsenhormon) verordnet bekam. Und dann passierte auch genau das, was Du beschrieben hast: 1 Woche war alles besser und dann musste ich hochdosieren. Dieses Spielchen ging ca. 1,5 Jahre so weiter, bis ich dann zu einem Arzt in Belgien wechselte. Dort bekam ich dann zu Armour Thyroid noch ein Cortisonpräparat und diverse andere Hormone, da inzwischen eine Downregulation des gesamten Hormonsystems vorlag. Bei diesem Arzt bin ich heute noch. Er lässt mir völlige Freiheit mit der Dosierung des Schilddrüsenhormones, weil er der Meinung ist, dass nur ich selber feststellen kann, wie ich mich fühle, und solange alles innerhalb der Normbereiche ist (fT4, fT3), ist alles ok.

Soviel zu meinem Weg. In Deinem Falle würde ich wie folgt vorgehen: Mit einer Schilddrüsenerkrankung würde ich keinesfalls in ein Krankenhaus gehen. Ich würde mir als nächstes einen Endokrinologen aussuchen und einen Termin zur Untersuchung vereinbaren. (Schilddrüsenhormon morgens vor der Blutentnahme bitte NICHGT einnehmen!). Der Endokrinologe sollte einen kompletten Schilddrüsencheck vornehmen und die Ursache der Unterfunktion feststellen. Dazu gehört die Bestimmung der Blutwerte TSH, fT4, fT3 sowie der Antikörperwerte TPO-AK, TG-AK und TR-AK. Außerdem muss im Ultraschall die Gewebestruktur und Größe der Schilddrüse bestimmt werden. Dies ist wichtig, weil eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse aufgrund von nicht vorhandenen Antikörpern (seronegativ) nicht ausgeschlossen werden kann. Ist die Schilddrüse aber zu klein und/oder liegen inhomogene oder echoarme Bereiche bei der Gewebestruktur vor, dann lässt dies schon auf eine Hashimoto-Thyreoiditis schließen. Sollte dies der Fall sein, dann ist Thyronajod kontraproduktiv.

LG

Catlyn

@Catlyn

Liebe Catlyn,

zunächst möchte ich anmerken, dass meine Schilddrüse operiert wurde, d. h. es ist nichts mehr da! Ich werde auf jeden Fall Deinen Rat befolgen und mich schnellstmöglich bei einem guten Endokrinologen anmelden. Nochmals ein herzliches Vergelts Gott für all Deine Mühe. Ich wünsche Dir alles, alles Gute.

Viele Grüße 7gipsy7

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