Hat man beim Arzt überhaupt ein Mitspracherecht bei Medikamenten?

5 Antworten

Entweder kommt man zu einer Einigung, oder eben nicht.

Du hast kein Recht ein bestimmtes Medikament zu fordern - der Arzt gibt dir das, was er für richtig hält. Auf der anderen Seite musst du das Medikament ja auch nicht nehmen, kann dich auch keiner zu zwingen.

Auch klar: Bei einem gewissen Vertrauensverhältnis wird der Arzt deine Wünsche/Bedenken berücksichtigen - und du die seinen.

Im Zweifel bleibt dir die Möglichkeit, dir einen anderen Arzt zu wählen. Mit dem du vielleicht besser kannst.

  • Der Patient hat keinerlei Recht, sich bestimmte Medikamente verordnen zu lassen oder auf sie zu bestehen. Medikamente werden ausschließlich nach medizinischer Notwendigkeit und nur durch den Arzt verordnet.
  • Der Arzt hat die Freiheit, ein Medikament seiner Wahl zu verordnen. Er alleine muss diese Verordnung ja auch medizinisch und rechtlich verantworten.
  • Gleichwohl sollte ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient bestehen. Das beinhaltet durchaus auch, dass der Arzt mögliche Alternativen anbietet und diskutiert, seinen Ratschlag begründet und gegebenenfalls zusammen mit dem Patienten bisherige gute oder schlechte Erfahrungen mit verschiedenen Medikamenten abwägt und sie in seine Entscheidung einbezieht. Beratung und Begründung gehören zur Behandlung dazu. 
  • In diesem Sinne darf ein Patient natürlich mündig auftreten und selbst Vorschläge unterbreiten, sich z.B. gegen Medikamente aussprechen, die er nicht verträgt, oder für Medikamente, die besonders gut gewirkt haben. Der Arzt sollte, muss aber nicht, darauf eingehen und diese Informationen bei seiner Entscheidung berücksichtigen.
  • Gerade bei Schmerzmitteln gibt es aber natürlich viele verschiedene Klassen und Wirkungsweisen, oftmals verbunden mit Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Zudem besteht gerade bei Schmerzmitteln auch ein gewisses Missbrauchsrisiko, das der Arzt ebenfalls in seine Entscheidung einfließen lassen wird.
  • Du kannst ja mal die Stoffe X, Y und Z nennen, um die es hier konkret geht, sowie die Art des Schmerzes, dann könnte man vielleicht eine gezieltere Antwort geben.

Medikament X = Novalgin Medikament Y = Tramal (ja, ist opioid) Medikament Z = Lyrica

Art des Schmerzes => Rückenschmerzen drückend

@Merok

NOVALGIN

Bewährtes, starkes Schmerzmittel, das sehr viele Patienten ausgesprochen gut vertragen und auch bei akuten Rückenschmerzen geeignet ist. Diese Empfehlung war sinnvoll und ist medizinisch geradlinig verständlich.

Gleichwohl sind chronische Rückenschmerzen medikamentös nur sehr schwierig zu behandeln und eine dauerhafte Therapie mit Novalgin ist NICHT angeraten. Novalgin sollte nur kurzfristig eingesetzt werden.

TRAMAL

Tramal ist ein bewährtes Mittel bei starken chronischen Rückenschmerzen und auch bei starken akuten Rückenschmerzen durchaus sinnvoll, wenn die freiverkäuflichen Mittel nicht ausreichend wirken. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es für dich eine gute Wahl wäre und du es gerne wieder verordnet bekommen hättest. Es ist ein schwaches Opioid und daher verschreiben es manche Ärzte weniger gern, obwohl es nebenwirkungsarm ist und durchaus sehr empfehlenswert. Die Verordnung von Opioiden fällt leichter, wenn der Arzt den Patienten gut kennt und ein beiderseitiges Vertrauensverhältnis besteht. Dann kann potentieller Missbrauch besser abgeschätzt werden. Zudem muss das Ziel sein, die Ursache zu behandeln und nicht einfach länger nur den Schmerz zu therapieren. Hier wird entsprechende Mitarbeit vom Patienten erwartet.

LYRICA

Dieses Mittel ist für die üblichen Rückenschmerzen NICHT geeignet und keine sinnvolle Empfehlung. Es ist leider keine über die Placebo-Wirkung hinausgehende Wirksamkeit zu erwarten.

RÜCKENSCHMERZEN

Viele wichtiger als die medikamentöse Therapie ist aber vor allem die Diagnose: Was verursacht denn die Rückenschmerzen? Durch Physiotherapie und Sport kann meistens erheblich besser geholfen werden als durch Medikamente, die man eher nur kurzfristig nehmen sollte.

@Kajjo

Danke für die ausführliche gute Antwort.

Noch 2 kurze Fragen:

  1. Wenn LYRICA keine Wirkung hat, warum will mir der Arzt das dann verordnen? Und warum hat das überhaupt eine Zulassung bekommen, wenn keine Wirksamkeit bewiesen ist?

  2. Wenn TRAMAL so gut hilft (ist auch meine Erfahrung), warum macht dann der Arzt so Probleme und weigert sich, das zu verschreiben?

@Kajjo

Ich stimme dir zu, dass nach der akuten Schmerzlinderung erst mal eine ausführliche Diagnose ansteht und u.U. eher Physio und Sport als Medikamente das Mittel der Wahl sind gegen anhaltende Rückenschmerzen.

Ich gehe bloß nicht ganz mit bei den von dir angeführten schwachen Nebenwirkungen.

Das sagt vielleicht die entsprechende Literatur dazu.

Ich kenne nicht wenige Leute (aus meiner aktiven Sportzeit und aus der Reha nach diversen OPs), welche nach Unfällen, OP usw. auch Tramal bekommen haben.

Fast alle haben die leichten visuellen und akustischen Halluzinationen unter Tramal zumindest in den ersten Tagen der Einnahme beschrieben und haben deshalb Tramal nur für den äußersten Notfall auf dem Plan.

Wenn du mit "leichten Nebenwirkungen" meinst, dass es keine bleibenden Schäden verursacht, dann magst du ja Recht haben ...

@Merok

Lyrica ist ein wirkungsvolles, gutes Arzneimittel für neuropathische Schmerzen (Gürtelrose, Fibromyalgie, ...) sowie zur Behandlung von Epilepsie und Angststörungen zugelassen.

Lyrica ist aber speziell für Rückenschmerzen eben NICHT geeignet, wie neue Studien zeigen. Es wurde leider früher recht oft dafür verordnet. Es darf aber nach wie vor verordnet werden. 

zu Tramal: Viele Ärzte tun sich schwer, Opioide zu verordnen. Tramal-Long (retardierte, langzeitiwirkende Tramal-Tabletten) sind aber eigentlich eine empfehlenswerte Medikation für Rückenschmerzen.

Wie gut kennst du den Arzt? Wie lange bist du dort schon in Behandlung? Wie genau hat er denn die Ursachen der Rückenschmerzen ermittelt und eine Behandlung empfohlen? 

@EstherNele

@EstherNele: Ja, natürlich sind Benommenheit, Schwindel und Sehstörungen typische Nebenwirkungen von Tramal; Halluzinationen sind mir nicht als häufige Nebenwirkung bekannt. Opioide Schmerzmittel sind schon kräftige Stoffe, die genau deswegen sehr vorsichtig eingesetzt werden sollten, z.B. wenn die Rückenschmerzen so schlimm sind, dass man ohnehin nicht arbeiten kann.

Tramal ist aber im Vergleich zu anderen Opioiden vergleichsweise gut verträglich und dennoch stark schmerzlindernd.

@Kajjo

Ich selbst habe Tramal als Notfallmedikament,es ist das einzige Mittel, welches bei mir auch bei starken Schmerzen hilft Deswegen habe ich das nur als Notfalloption, weil Schmerzmittel  verlieren bei Dauereinnahme ihre Wirkung. Nebenwirkungen habe ich nur eine. Wenn ich das auf nüchternen Magen einnehme (nee, mache ich nicht mehr), muß ich ein paar Stunden später brechen. Sonst habe ich nur absolut tolle Schmerzlinderung. Die Urasche der Schmerzen ist da egal. Ich habe es schon bei bei massiver Gehötgangsentzündung genommen, unerträglichen Zahnschmerzen,auch schon mal bei Fascialisschmerzen, aber insgesamt nehme ich das nur sehr selten

Nun zu Schmerzmitteln bei Rückenschmerzen: da ist echt die Ursache wichtig:

Ich habe bei muskulären Rückenschmerzen die besten Erfahrungen mit Flupirtin gemacht (die nichtsteroidalen Antiphlogistika ... halfen nei mir gar nicht). Bei diesem Wirkstoff hat man gleich noch eine Muskelrelaxierung: Nebenwirkungen bei mir: die ersten Male war die Muskelrelaxition echt heftig. Ich war mpüde und habe sogar etwas gelallt. Autofahren hätte ich besser nicht tun sollen. Später hatte ich damit keine Probleme mehr. Irgendwann ließ aber die Wirkung nach.

Bei meiner Großen war die Nebenwirkung eine gewisse Euphorisierung, sonst nichts, Wirkung ließ aber auch nach gewisser Zeit nach.

Sonstige Nebenwirkungen findest Du auf dem Beipackzettel.

Als ich aber einen Wirbelbruch hatte (also ganz andere Schmerzursache) half das gar nicht. Ich hatte da mit Celebrex die beste Wirkung. Nebenwirkungen hatte ICH keine. Ansonsten Beipackzettel beachten.

Novalgin wirkt bei MIR nur sehr schwach.

Aber ich nehme zur Zeit überhaupt nur noch selten Schmerzmittel.- Ich habe durch meine Krankengymnastin mit "tiefer Querfriktion nach Cyriax"  (ist nur für Muskelschmerzen geeignet) den Durchbruch erzielt. Ich bin von einem Dauerschmerzpatienten mit keinem Tag ohne Schmerzen zu einem gut therapierten Schmerzpatienten geworden, der nur noch einen geringen Schmerzmittelkonsum hat (echt nur noch ausnahmsweise) und diese Therapie mache ich jetzt schon seit Jahren- ohne Wirkungsverlust- Nebenwirkung ist nur, daß ich bei der Therapie nicht selten höllische Schmerzen habe, bin sogar einmal vor Schmerzen kollabiert, am Anfang wurde es direkt danach sogar schlimmer- erst 1-2 Tage danach Besserung, heute sofortige Besserung. Die 20 Minutewn hjalt ich durch, wenn ich sonst meine cronischen Schmerzen fas los bin.

Nach dem Wirbelbruch (ganz akut mußte sie das Gebiet in Ruhe lassen), verbesserte sie durch gezielte Übungen und Dehnungen auch die Buckelbildung, die leicht nach Wirbelbrüchen auftritt.

Was ich damit sagen will: Versuche eine Therapie ohne Medis zu finden. Probiere da einiges (und finde vor allem die Ursache raus): Muskuläre Schmerzen sind die häufigste Ursache, aber auch anderes kommt in Frage: von Bandscheibenvorfällen angefangen bis Stenosen Arthrosen, Osteoporose, Morbus Scheuermann um nur einige zu nennen, aber selbst bei diesen Erkrankungen sind oft die sekundären Muskelschmerzen das Hauptproblem.

Versuche eine Therapie ohne Schmerzmittel zu finden. Bei manchen soll auch Haltungsschulung helfen ( bei mir ein Desaster), Krankerngymnastik (bei mir ein Desaster), aber anderen hilft das. Stangerbäder helfen auch einigen, Fango.... es gibt viele Therapieoptionen

Du mußt einiges probieren, aber wenn Du Glück hast, kommst Du von den Schmerzmitteln weg. Die sind ein Teufelskreis: erst wirkt das erste nicht mehr, dann das zweite .... irgendwann bist Du dann bei Opiaten mit Abhängigkeisproblemen ( kenne das nur von anderen), aber ich bin so froh, daß ich meine Schmerzen jetzt im Griff habe- ich habe heute sogar ein paar Stunden Unkraut gejätet- hätte nie gedacht, daß ich das mal wieder kann (geht bei mir echt nur mit Bücken, ich kann nicht in die Hocke gehen und auch nicht knien (andere medizinische Probleme).


Viel Glück Dir

Ein guter Arzt berücksichtigt die Wünsche des Patienten, soweit das möglich ist. Wenn das nicht möglich ist, erklärt ein guter Arzt warum diese Wünsche nicht berücksichtigt werden können.

In deinem Fall hätte ich nachgefragt warum Medikament X und Z empfehlenswert sind, aber nicht Y.

Du hast insofern ein Mitspracherecht,dass du den Arzt darauf hinweisen kannst,dass du ein dir bekanntes Medikament nicht verträgst und er dir ein anderes verordnen möchte.

Ansonsten entscheidet der Arzt welches Medikament für dich in Frage kommt.Dabei hat er sich auch an die Vereinbahrungen mit den jeweiligen Krankenkassen zu halten.

Wenn du im Flugzeug sitzt (Beispiel aus aktuellem Anlass)kannst du ja auch nicht dem Kapitän vorschreiben wie er zu fliegen hat,

Wenn der Arzt das Medikament für die Art schmerz die du hast für nicht geeignet hält . Dann hat er das recht dir was anderes zu verschreiben und dein Wunsch zu verweigern . Es wollen auch viele Süchtige die in echt nichts haben bestimmte Medikamente haben und erfinden deswegen schmerzen . Da muss ein Arzt schon vorsichtig sein

Was möchtest Du wissen?