Hab kürzlich erst gelesen, dass Menschen mit autistischer Psychopathie, potenzielle Amokläufer seien, was ist da dran?

5 Antworten

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(1) Autisten

Nein, das ist völlig Unfug. Die Wissenschaft hat das Gegenteil bewiesen:

Weil Autisten auf Ordnungen und Regeln fixiert sind, halten sie sich besonders streng an die Gesetze. Sie versuchen auch stets, sich an die Benimmregeln (Knigge und so) zu halten, scheitern aber oft an deren Unlogik.

Außerdem muss deine Quelle sehr alt sein. Denn "autistische Psychopathie" sagte man in den 50er Jahren mal. Heute gibt es nur noch die Diagnose "Autismus".

(2) Amokläufer

Potentielle Amokläufer sind alle Menschen, die unter besonderem Druck durch langjähriges Mobbing und/oder unbehandelte Traumata stehen. Sie erfahren jahrelang Gewalt, ohne sich wehren zu können. Ihr Unterbewusstsein frisst den ganzen Sprengstoff in sich hinein, bis es irgendwann explodiert.

(3) Was die Medien daraus machen

Ein Amokläufer stirbt meistens am Ende der Tat. Deshalb kann man ihn nicht untersuchen, auch nicht nach seinen Motiven und Gedanken befragen. Die Zeitungen stürzen sich deshalb auf vage Andeutungen aus dem persönlichen Umfeld.

Gerade wenn der Amokläufer von seinem Umfeld in den Wahnsinn gemobbt wurde, kommen von selbigem aber mehr Lügen und Ausreden, als echte Schilderungen. Kein Überlebender wird nach einem Amoklauf vor die Kameras treten und erklären, dass er den Amokläufer täglich erniedrigt hat. Die offizielle Ansage ist natürlich immer, dass es aus heiterem Himmel passiert sei.

Also recherchieren die Zeitungen weiter und finden heraus, dass der Mensch gar keine Freunde hatte und sich aus der Gesellschaft zurückzog. Das liegt natürlich daran, dass er draußen nur Mobbing erlebte. Weil das Mobbing aber vehement abgestritten wird, flüchten die Journalisten in die falsche Erklärung, der hätte wohl autistische Züge gehabt.

Und leider ist es so, dass Autisten statistisch gesehen extrem stark dazu neigen, gemobbt zu werden.

Leider sind viele Medien sehr ignorant und dumm. Schon sehr oft wurden Amokläufer mit Autismus diagnostiziert wegen des verbreiteten Irrtums, sie seien allesamt empathie- und emotionslos.

Das ist ein Resultat daraus, dass Menschen mit Autismus als "potentiell unberechenbar" gelten. Ihre Handlungsweisen können kaum nachvollzogen werden, aufgrund der verschiedenen Wahrnehmung - und Kommunikation und somit das andere Verhalten. Das macht den Menschen Angst. Vor allem, wenn es autistische Menschen sind, die nicht kommunizieren können oder wollen und die meiste Zeit der Reizüberflutung ausgesetzt sind. Dann "drehen sie durch". Das würde jeder Mensch machen. Zum Beispiel, wenn die ganze Zeit sich konzentriert werden muss - aber zum Beispiel auf der Start- und Landebahn von Flugzeugen und gleich daneben eine Baustelle mit Maschinenlärm und dahinter eine 6-spurige Autobahn.

Außerdem stammt dieses Gerücht auch aus der Zeit (zum Teil noch heute verbreitet), dass autistische Menschen keinerlei Empathie und Gefühle haben / spüren können. Was schlichtweg falsch ist. Sie drücken ihre Gefühle und Empfindungen nur anders aus. Und wenn sie keinen Zugang zu ihren Gefühlen haben, dann braucht auch das noch lange nichts mit Autismus zu tun haben, sondern eine "Gefühlsblockade". Das also dieser MENSCH nicht gelernt hat einen Zugang zu Gefühlen zu bekommen.

Für manche Menschen mit Autismus wirkt das Leben ähnlich laut und ungreifbar (Reizüberflutung). Aber zum Glück ist das Wissen schon viel weiter. Und es gibt Möglichkeiten für einige. Für andere weniger, leider.

Aber "potentielle Amokläufer" sind Menschen mit Autismus in keinem Fall. Zumindest nicht mehr, als Menschen ohne Autismus.

Achso: bitte nehme den Punkt "Psychose" aus Deinen Stichpunkten, wenn das möglich ist. Dieser passt gar nicht zu Deiner Frage und auch nicht zu Autismus.

Ja, ist man ein Mensch, ist man potentieller Amokläufer. Auch ein Kind mit Downsyndrom könnte Amok laufen, wenn es eine Pistole halten kann. Und autistische Psychopathie war in den 40ern die richtige Bezeichnung, sag doch einfach Asperger. Das verstehen alle und Autismus hat mit Psychopathie nix zu tun

Im aktuellem ICD ist der Begriff "autistische Psychopathie" noch enthalten. Oder ist dir der Begriff "tiefgreifende Entwicklungsstörung" lieber ?  Tatsache ist:  Autisten sind genauso gefühllos und unberechenbar wie Psychopathen, deshalb halte ich diesen Begriff auf für angemessen und legitim. 

@Leseeule3

Das ist grundfalsch. Autisten sind überhaupt nicht gefühllos (ich bin selbst Autistin, ich muss es wissen...), und überhaupt nicht mit Psychopathen zu vergleichen. Autisten haben in der Tat Probleme, die Gefühlslage anderer Menschen zu interpretieren (wenn jemand diese Gefühle nicht offensichtlich ausdrückt, z.B. deutlich erkennbar weint), und oft auch, die eigenen Gefühle auszudrücken (oder manchmal schon genau zu wissen, was man fühlt) - aber wir haben sogar sehr starke Gefühle, und wenn wir verstanden haben, wie es jemand anderem geht auch oft sehr großes Mitgefühl, auch wenn wir dann nicht wissen, wie man "richtig" reagiert und daher vermeintlich kalt oder unbeteiligt wirken.

@Leseeule3

Psychopathen sind unberechenbar, weil sie jede Situation vorrausplanen und jeden manipulieren und anlügen. Autisten verstehen vieles und handeln dementsprechend anders als viele es erwarten würden.

Tatsächlich geht der Begriff "autistische Psychopathie" auf Hans Asperger zurück, der Autisten mit dem Label vor Geisteskrankheit und somit der Deportierung in KZs schützen wollte (so hab ich das jedenfalls mal gelesen)

@Leseeule3

Hallo Leseeule3,

du verwechselst da etwas. Autismus und Psychopathie sind das genaue Gegenteil voneinander.

Psychopath: Keine Gefühle gegenüber anderen, aber exzellente soziale Fähigkeiten. Manipuliert und intrigiert grenzenlos, um seine egoistischen Ziele durchzusetzen. Wird oft hochrangiger Manager und versiebt dann das Unternehmen.

Autist: Extrem intensive Gefühle, aber wenig Möglichkeiten sie auszudrücken. Kann auch wenig Mimik etc. lesen und hat daher kaum soziale Fähigkeiten. Bleibt oft arbeitslos, weil er nicht teamfähig ist, sofern er nicht schon beim Vorstellungsgespräch ausgesiebt wird.

@halbsowichtig

Schade, dass man nur einmal "Daumenhoch" drücken kann, das hätte ich jetzt gerne 5x gedrückt ! Gut geschrieben ! :-)

Nein, das stimmt nicht. Nicht mehr oder weniger, als jeder "Normalo" auch. Bin Autistin, und wir sind weder psychopathisch noch gefühlskalt.

Es gibt sicher Autisten die auch etwas psychopathisch sind. So wie es auch andere Menschen gibt die so sind.
Doch Autisten sind da nicht mehr als andere anfällig für, die meisten sind sogar eher weniger anfällig.

Lg

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