Gibt es lebendige Menschengruppen mit denen andere Menschengruppen nicht paarbar sind?

5 Antworten

Die Wissenschaft ist sich heute einig: es gibt keinen vernünftigen Grund, die Menschen in verschiedene "Rassen" einzuteilen. Auch hinsichtlich der genetischen Unterschiede sind wir uns alle so ähnlich, dass eine Aufteilung in bestimmte Rassengruppen nicht einmal ansatzweise haltbar ist. Die genetische Ähnlichkeit ist sogar so groß, dass du beispielsweise innerhalb einer einzigen Gorillagruppe (oder einer Schimpansengruppe) eine höhere genetische Diversität finden wirst als beispielsweise zwischen einem Schwarzafrikaner und einem Mitteleuropäer, einem Indianer und einem Chinesen oder einem Aborigine und einem Lateinamerikaner.

Dass sich der anatomisch moderne Mensch und der Neanderthaler miteinander paarten, ist heute sogar nachgewiesen. Während der Ausbreitung des modernen Homo sapiens ist es mindestens zwei Mal zu einer Hybridisierung mit Neanderthalern gekommen: einmal in Europa und einmal im asiatischen Raum. Darum findet man in jedem Europäer und Asiaten heute schätzungsweise zwischen 2 und 4 Prozent von Genen, die wir ursprünglich vom Neanderthaler geerbt haben, wie Forschungen von Svante Pääbo am Max Planck Institut für Evolutionäre Anthropologie (MPI EVA) in Leipzig gezeigt haben. Im Ergbut von Afrikanern, die ja nicht aus Afrika ausgewandert sind und somit nicht auf den Neanderthaler trafen, fehlen diese genetischen Spuren. Dafür finden wir innerhalb Afrikas die höchste genetische Variabilität im menschlichen Erbgut - ein Hinweis darauf, dass der Mensch tatsächlich, wie schon Darwin vermutet hatte, in Afrika entstanden ist, später nach Eurasien auswanderte und schließlich nahezu die ganze Welt bevölkerte.
Man kann sich nun natürlich fragen, inwiefern man beim Neanderthaler und beim modernen Menschen noch von getrennten Arten sprechen kann. Legt man das biologische Artkonzept zugrunde, wonach eine Art sich als Reproduktionsgemeinschaft definiert, dann müsste man beide der gleichen Art zurechnen und eventuell von zwei Unterarten sprechen: Homo sapiens sapiens (der anatomisch moderne Mensch) und Homo sapiens neanderthalensis (der Neanderthaler). Legt man das phylogenetische Artkonzept zugrunde, ist eine Aufteilung in zwei Arten (wie sie in Wissenschaftskreisen aktuell am üblichsten ist) gerechtfertigt. Man geht davon aus, dass sowohl Neanderthaler als auch der moderne Mensch ihre Wurzeln in Afrika im Homo habilis haben. Allerdings gehen beide Formen vermutlich auf unterschiedliche Abzweigungen zurück, sind also unabhängig voneinander entstanden. Demnach skizziert sich ganz grob folgendes Bild: Zunächst spaltet sich ein Entwicklungszweig vom Homo habilis ab, der zum Neanderthaler führte. Der Neanderthaler wanderte schließlich nach Eurasien aus (zuvor war bereits eine weitere Menschenart, der Homo erectus von Afrika aus emigriert). Später, wieder in Afrika, spaltete sich eine weitere Entwicklungslinie vom Homo habilis ab, die zum Homo sapiens führte. Der Homo sapiens wanderte schließlich ebenfalls nach Eurasien aus, wo er den Neanderthaler weitgehend verdrängte (bis schließlich der Neanderthaler völlig ausstarb), wobei es dabei zu den schon genannten Vermischungen gekommen ist.
Es ist allerdings nicht einfach, Fossilien immer eindeutig einer bestimmten Menschenart zuzuordnen. Etliche Fossilien werden bis heute kontrovers diskutiert, keine Lehrmeinung ist bis heute als allgemeingültig und verbindlich anerkannt. Es ist zum Beispiel durchaus üblich, dass Homo habilis Fossilien einer weiteren "Art" zugeschrieben werden, die dann als archaischer Homo sapiens bezeichnet wird. Legt man diese Definition zugrunde und bezeichnet alle späten Homo habilis als archaischen Homo sapiens, wäre s wieder gerechtfertigt, den Neanderthaler als zur Art Homo sapiens zugehörig zu klassifizieren. Häufig ist es bei der Rekonstruktion der Stammlinie von Organismen ein großes Problem, dass der Fossilienbericht zu lückenhaft ist. Im Fall unserer eigenen Evolution kann man schon fast sagen, dass hier das Gegenteil der Fall ist: der Fossilienbericht ist so gut und lückenlos, dass sich die fließenden Übergänge nur noch schwer eindeutig einordnen lassen und der Interpretationsspielraum Ermessenssache des jeweiligen Anthropologen ist. Ein eindeutiges "richtig" und "falsch" gibt es dann, solange die jeweilige Meinung wohlbegründet ist, nicht.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Eine ausgezeichnete Antwort, Hut ab!

Ein interessantes Detail habe ich noch zu ergänzen: die zwei bis vier Prozent der Neandertaler-Gene, die Europäer und Asiaten heute noch in sich tragen, werden allesamt über das X-Chromosomen vererbt. Es ist deshalb möglich (und zu einem gewissen Grad wahrscheinlich), dass nur die weiblichen Hybriden zwischen Homo sapiens und Neandertalern ihrerseits fruchtbar waren, die Männer jedoch nicht. Somit wäre die Trennung des Neandertalern und des Menschen in unterschiedliche Arten auch durch das biologische Artkonzept gerechtfertigt: Es wäre dann mit uns Menschen genauso wie mit Eseln und Pferden bzw. Löwen und Tigern, die zwar ebenfalls kreuzbar, aber über die männliche Linie dann nicht mehr vermehrbar sind.

@MarkusPK

Vielen Dank für das Lob. Eine kleine Ergänzung zu deinem Kommentar habe ich aber noch. ;-)
Man hat auch in den Autosomen Spuren von Neanderthalergenen gefunden. Bei Europäern beträgt der Anteil in den Autosomen etwa 1,15 %, bei Asiaten 1,38 %. Der Anteil des Neanderthalergenoms an den X-Chromosomen beträgt sogar nur ein fünftel dessen, was in den Autosomen steckt. Nachzulesen ist das unter anderem hier: https://www.nature.com/articles/nature12961

@Darwinist

Danke für den interessant Link! Ach, und das habe ich unhöfliche Potts@u vorhin völlig vergessen: ein frohes Neues Jahr! :-)

Nein. Grundsätzlich können sich alle heutigen Menschen mit allen anderen Menschen paaren und Nachkommen zeugen. Sollte das mal nicht der Fall sein, dann liegt das an allem, was menschunabhängig ist, also Gendefekte, physiologische und psychologische Einschränkungen etc.

"Ein Neanderthaler mit einem Menschen aus der jetzigen Zeit potentiell Kinder kriegen?"

Das sollte bis zu einem bestimmten Grad funktionieren.

Du musst dir aber vorstellen, dass Evolution kontinuierlich verläuft und sich für die Taxonomie, die sich der Mensch ausdenkt, nicht interessiert. Wir unterscheiden HEUTE die Lebewesen dadurch, dass sie sich miteinander paaren können. Tatsächlich waren die Menschen damals tatsächlich genetisch näher am Neandertaler dran, als die heutigen. Heutige Modelle gehen davon aus, dass sich Neanderthaler und Mensch quasi parallel entwickelten aus dem homo heidelbergensis.

Es kann also sein, dass man bei der Kreuzung von Neandertaler und Mensch Effekte wie bei der Kreuzung von einem Pferdehengstes (Vater) und einer Eselstute (Mutter) hat. Ein männlicher Maulesel als Nachkomme ist zum Beispiel unfruchtbar. Beim Menschen und dem Neanderthaler kann sich das anders äußern.

Wenn man hier nach Chromosomen sucht, hat es tatsächlich Kreuzungen von Mensch und Neanderthaler gegeben. Diese haben sich aber nicht durchgesetzt, womit also Neanderthaler-Gene in unser heutiges Gengut nicht mehr nachweisbar sind.

Nochmal: Namen sind Schall und Rauch. Nur weil ein früher "homo sapiens" möglicherweise näher am Homo Neanderthales dran war, heisst das nicht, dass ein heutiger "homo sapiens" sich mit homo neanderthales paaren kann. Man muss die Namensgebung als sogenannten Status quo von heute ansehen. Evolution passiert kontinuierlich und kennt keine klaren Grenzen. Was damals noch möglich war, wird mit jeder weiteren Generation, die sich vom Ursprung entfernt, immer schwieriger.

Die heutige Taxonomie berücksichtigt keinen zeitlichen Verlauf. Das, was heute möglicherweise sinnvoll namentlich eingeordnet scheint, verliert mit einer Reise in die Vergangenheit an Bedeutung und wird immer falscher. Betrachtet man aber die Vergangenheit aus heutiger Sicht, passt das Ganze ziemlich gut, weil die vergangene Evolution aus der heutigen Perspektive betrachtet wird.

Wir müssen nur aufpassen, weil in Zukunft (in 100000 Jahren) wird die heutige Taxonomie ebenfalls an Bedeutung verloren haben. Denn Evolution geht weiter. Und das, was heute stimmte, wird in Zukunft nicht mehr korrekt sein.

Ja könnte er. Alle Menschen auf dieser Welt (die übrigens nicht in "Rassen" aufgeteilt sind, sondern allenfalls in Ethnien) ließen sich miteinander paaren.

Ein heutiger Mensch könnte sich auch mit einem Homo habilis einem Homo Heidelbergiensis oder einem Neandertaler paaren (falls diese Frühmenschen sich unter eine Dusche trauen würden).

Ich könnte mir vorstellen, dass der Geruch sogar eines Menschen aus dem Mittelalter ein ernsthafter Paarungsverhinderungsgrund sein könnten.

Bezogen auf heute lebende Menschen dürfte das schwer zu sagen sein. Erstens: Isoliert lebende Gruppen dürften gerade selten weniger isoliert lebende Menschen treffen und es dürfte ziemliche kulturelle Unterschiede geben, so dass schon mal wenige Partnerschaften oder One-Night-Stands zustande kommen - zu wenige, um statistische Aussagen zu machen (nicht jede Partnerschaft bringt ja Kinder hervor...).

Zweitens wären vermutlich Studien darüber unethisch.

Meines Wissens sind moderne Menschen nicht so weit von den ersten Homo sapiens entfernt, die sich ja wie man heute weiß teilweise mit Neanderthalern paarten (wir Europäer haben doch wohl bis zu oder ca. 1 bis 4% Neanderthalergene):

https://de.wikipedia.org/wiki/Genfluss_archaischer_Menschen_zu_Homo_sapiens

Eine Paarung müsste also theoretisch möglich sein.

Damit vermute ich mal sehr stark, dass auch unter rezenten Menschengruppen keine Fortpflanzungsschranken (physischer Art) bestehen, wohl aber wie gesagt ggf. kulturelle Hindernisse. Das Problem dabei: Einzelne Inkompatibilitäten kann es ja immer geben, also wenn x Europäer mit y Vertertern irgendeines isoliert lebenden Volkers Sex gehabt hätten und kein Kind dabei entstanden wäre - wäre das vermutlich eine viel zu kleine Stichprobe für eine statistisch verwertbare Aussage darüber, ob sie grundsätzlich kein Kind zusammen haben könnten.

Bezogen auf heute lebende Menschen dürfte das schwer zu sagen sein. 

Das kann man im Gegenteil mit ziemlicher Bestimmtheit sagen. Selbst die Tasmanier, die nach dem Ende der letzten Eiszeit für 8000 Jahre isoliert von anderen Menschen lebten, haben mit den europäischen Eroberern mehr oder minder fröhlich Kinder gezeugt - trotz der immensen kulturellen Unterschiede. Und Stämme oder Völker auf dem Festland leben niemals auch nur annähernd so isoliert.

Könnte zb. Ein Neanderthaler mit einem Menschen aus der jetzigen Zeit potentiell Kinder kriegen ?

Dass es gemeinsame Nachkommen von Neandertalern und dem modernen Menschen homo sapiens gab, ist inzwischen durch Genanalysen sogar nachgewiesen. Daher tragen wir Europäer auch alle einen Teil von Neandertalergenen in uns.

Oft schlecht gelaunt und unglücklich(auch wegen mir selbst)?

In letzter Zeit ist mir aufgefallen das ich nicht gern aus dem Haus gehe und gefühlt am liebsten einfach nur den ganzen Tag durchschlafen möchte. Dinge die mich eigentlich glücklich machen wie meine Familie oder meinen festen Freund, machen mich nicht mehr so glücklich und ich bin total schnell schlecht gelaunt sobald irgendwer etwas falsches sagt was mir nicht passt oderso. Mir fällt auch in letzter Zeit auf das ich keine wirklich guten Freunde habe mit denen ich so spontan am Tag was machen könnte (wohne außerdem auf dem land wo es nicht viele sachen gibt oder menschen). Ich mach mich selbst auch oft runter und hab nicht viel Selbstbewusstsein, immer wenn mein Freund sagt ich soll mal zb fahrrad fahren gehen dann bin ich danach sofort verletzt und denke sowas wie: 'oh mann er hätte lieber ne freundin die fitter ist als ich' oder 'ich bin langweilig' und auch oft 'oh es gibt mädchen die viel besser sind als ich die zb fahrrad fahren und ich nicht'.
Das ist in letzter Zeit total oft so auch wenn ich weiß das es bödsinnig ist sowas zu denken aber es ist wirklich so und zieht mich runter, und ich bin irgendwie so unglücklich das ich morgens schon aufwache und mir sorgen mache das es mir noch schlechter gehen wird den tag über und ich nicht ausm bett will und am liebsten mich einfach auflösen würde.
Vor etwa 1 1/2 Jahren in der 9ten Klasse wurde es sogar so schlimm das ich nicht mehr in die Schule gegangen bin weil ich solche Angst hab und nicht unter Leute wollte wegen sowas und musste dann zum psychologen der mich mit einer leichten sozialen phobie diagnostiziert hat. ich hab keine therapie gemacht weil ich endlich im klaren war was ich hatte und ich dagegen ankämpfen muss und dann gings einigermaßen wieder...
Aber jetzt ist alles wieder blöd und weiß nicht was ich dagegen machen soll weil ich auch nicht will das daran die Beziehung mit meinem Freund kaputt geht oder ich mich selbst generell verändere und nicht mehr so lebenslustig bin?

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