Geistig Behinderter Bruder wird zunehmend aggressiver. Meine Mutter kann ihn bald nicht mehr pflegen?

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Ich empfehle, folgende 3 Punkte in Angriff zu nehmen:

1.

Ein richtiger medizinischer Ansprechpartner hier wäre kein Psychologe, sondern ein Psychiater - denn dieser ist im Gegensatz zum Psychologen berechtigt, auch Medikamente zu verschreiben. Da die Psychologie und damit auch geistige Behinderungen sein Fachgebiet sind, geht er bezüglich der Medikamentengabe eventuell auch genauer vor, als es z.B. eventuell bei einem Hausarzt der Fall ist.

2.

Eine weitere wichtige Möglichkeit, die Ihr in Anspruch nehmen solltet:

Sucht Euch einen Pflegestützpunkt in Eurer Nähe (einfach bei Google "Pflegestützpunkt" und Euren Wohnort bzw. den nächstgrößeren Ort in der Nähe eingeben). Denn Jeder, der Leistungen der Pflegeversicherung erhält, hat Anspruch auf individuelle Beratung und Hilfestellung durch einen Pflegeberater. Das Gesetz verlangt, dass der Pflegeberater bei der Auswahl und Inanspruchnahme jeglicher Art von Sozialleistungen sowie sonstigen Hilfsangeboten, die auf die Unterstützung von Menschen mit Pflege-, Versorgungs- oder Betreuungsbedarf ausgerichtet sind, hilft (Pflegeberatung).

Die können Euch da optimal beraten.

3.

Sucht Euch eine Selbsthilfegruppe (Adressen liegen oft im Wartebereich der Fachärzte aus oder sind ergooglebar) - die kennen weitere Möglichkeiten der auf Euch optimal zugeschnittenen Hilfe am besten.

Naja, und nebenher: Es kann und sollte nicht angehen, dass das Wohlbefinden und der finanzielle Spielraum Deines Vaters über das Wohlbefinden Deiner Mutter und das Deines Bruders gestellt wird. Letztlich sollte Deine Mutter in dieser Hinsicht das weitaus meiste zu entscheiden haben, da sie letztlich auch die Hauptlast trägt.

Ich wünsche Euch weiterhin viel Kraft. Gut, dass Du Dich so mitkümmerst.

Vielen Dank, das sind auf jeden Fall schon mal gute Ratschläge. Und was die Sache mit meinem Vater betrifft: Ich hab ihn genau das was du geschrieben hast auch schon sehr oft versucht zu erklären, weil ich es ganz genauso sehe wie du es geschrieben hast. Leider waren meine Erklärversuche bisher allesamt ohne Erfolg. Er versteht einfach immer nur "Bahnhof".

@FrankL84

Wer ist denn der gesetzliche Betreuer (vom Gericht festgelegt) Deines Bruders? Deine Mutter? Dann entscheidet sie das.

Schau mal hier

https://www.123recht.net/Betreuungsrecht-Eltern-als-gemeinsame-Betreuer-__a111069.html rein,

vielleicht hilft das schon.

Klar, innerfamiliär ist das immer schwer. Aber da sollte Deine Mutter durchsetzungsstark sein.

Kommt Ihr (Deine Mutter und Du) mit Argumenten nicht weiter (es ist ja nun mal so, dass jedes Argument Stoff für ein Gegenargument liefert), dann stellt Deinen Vater vor vollendete Tatsachen:

"Wir haben uns erkundigt, ab jetzt werden wir das so und so regeln."

So ein Pflegeberater steht Deiner Mutter im Gespräch mit Deinem Vater sicher auch zur Seite.

Letztlich ist es der derzeitige Job Deiner Mutter, Deinen Bruder zu pflegen. Ist sie körperlich und/oder seelisch oder auch von der fachlichen Kompetenz (Umgang mit Agressionen etc.) nicht mehr dazu in der Lage, ist es ihr gutes Recht, diesen Job zu "kündigen" und ihn Profi's zu überlassen.

Ich möchte mich ja nicht einmischen, aber aus meiner Sicht muss sich Deine Mutter vor Deinem Vater da auch gar nicht rechtfertigen. Es ist ihre Entscheidung. Punkt.

Überlegenswert, wenn auch u.U. nicht zwingend notwendig, wäre es, dass Deine Mutter sich dann, wenn Dein Bruder dann mal in unterstützenden Profihänden ist, sich einen kleinen Job sucht, der die Familienkasse etwas mit aufbessert. Das würde ihr vielleicht sogar gut tun - mehr Eigenständigkeit, weniger Angebundenheit, mehr Anerkennung, mehr Kontakt zur Außenwelt (so eine familiäre Pflege isoliert ja auch sozial ein ganzes Stück weit). Da muss Dein Vater durch - oder er übernimmt die häusliche Pflege, wenn sie bzw. die Einnahmen daraus ihm so wichtig ist.

Dein Vater streicht das Pflegegeld ein und Deine Mutter riskiert ihre eigene Gesundheit für die Rund-um-die-Uhr-Betreuung ihres Sohnes. Keine besonders tolle Situation.

Konnte Dein Bruder je in seinem Leben innerhalb seiner begrenzten Möglichkeiten ein selbständiges Leben führen, wurden seine vorhandenen Fähigkeiten gefördert?

So wie sie derzeit ist, kann die Situation auf längere Sicht nicht aufrecht erhalten werden. Ich bin überzeugt, bei der Gemeinde oder bei den caritativen Einrichtungen gibt es Informationen, was möglich ist. Auch die Krankenkassen stellen Informationen zur Verfügung.

Außerdem gibt es Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige, in denen sich die Teilnehmer über Probleme und Lösungen austauschen können.

Ein erster Schritt ist, daß die Körperpflege an einen ambulanten Pflegedienst übertragen wird. Auch Kurzzeitpflege ist eine Option.

Wenn ich mich zwischen meiner Gesundheit und Geld entscheiden müsste, würde ich lieber auf das Geld verzichten. Denn gesundheitlicher Ruin löst weitere Pflegekosten aus, und das rechnet sich nicht.

Du bist der Bruder. Du kannst Informationen für Deine Eltern und Deinen Bruder einholen, an der Entscheidung selbst bist Du jedoch nicht beteiligt, die muß von Deinen Eltern getroffen werden.

Reib Dich selbst nicht auf. Du bist nur für Dein eigenes Leben verantwortlich.

Alles Gute,

Giwalato

Was die Sache mit meinem Vater betrifft: Ich hab ihn genau das was du geschrieben hast auch schon sehr oft versucht zu erklären, weil ich es ganz genauso sehe wie du es geschrieben hast. Leider waren meine Erklärversuche bisher allesamt ohne Erfolg. Er versteht einfach immer nur "Bahnhof".

@FrankL84

Wenn Dein Vater das Geld nimmt, dann kann er doch sicher für eine Woche die Pflege Deines Bruders übernehmen, dann kann Deine Mutter mal raus. Reden hilft hier nicht, er begreift gar nicht, wie es sich anfühlt. Voraussetzung ist, daß Deine Mutter mitspielt.

Ich bin sicher, er hält keinen Tag durch.

@Giwalato

Ich glaube es ist am Besten das gar nicht erst zu versuchen, weil wenn mein Vater meinen Bruder alleine pflegen müsste ohne die Hilfe meiner Mutter würde das ganz bestimmt in einer Katastrophe enden. Mein Vater ist in solchen Dingen einfach dermaßen unbeholfen, das ich mich leider echt für ihn schämen muss. So traurig das auch klingt.

@FrankL84

Dann bleibt nichts, als abzuwarten, bis Deine Mutter zusammenbricht.

Dann wird das Vormundschaftsgericht eine Entscheidung treffen, da eine qualifizierte Pflege zu Hause nicht mehr möglich ist.

Und Deine Mutter ist danach vielleicht ebenfalls pflegebedürftig. Aber sie hat selbst dazu beigetragen.

@Giwalato

Genau das möchte ich ja gerade versuchen zu verhindern. Am Besten wäre wohl wenn ich und meine Mutter meinen Vater die Entscheidung gar nicht erst überlassen. Weil etwas vernünftiges wird er sowieso nicht entscheiden.

@FrankL84

Um zu entscheiden, mußt Du rechtlich der Betreuer Deines Bruders werden. Dann hast Du, gerichtlich angeordnet, das Recht, Entscheidungen zu treffen, den Aufenthaltsort zu bestimmen und Dich um die kompetente Medizinische Versorgung durch einen Arzt zu kümmern, dem etwas mehr einfällt, als Deinen Bruders zu sedieren.

Auch die Vermögenssorge obliegt Dir, wird vom Gericht überprüft, das bedeutet, Du brauchst einen Beleg über jede Zahnpastatube, die Du für Deinen Bruder kaufst und mußt Buch darüber führen. Das ist mit viel Aufwand verbunden.

Zur Rechenschaft bist Du nur dem Gericht gegenüber verpflichtet, was Deine Eltern wollen, ist irrelevant.

Diese Aufgabe solltest Du jedoch nicht unterschätzen.

Naben den Diensten für Deinen Bruder hast Du mit dem Haß Deines Vaters und den Selbstvorwürfen Deiner Mutter zu kämpfen. Denn Deine Mutter wird sich schuldig fühlen, daß man ihr nicht mehr zumuten kann, für ihren Sohn zu sorgen.

Überlege, ob Du selbst und Deine eigene Partnerschaft oder Familie diese Belastung stemmen kann. Denn wenn Du jetzt auch Dein eigenes Glück riskierst, ist nichts gewonnen. Du mußt Dich abgrenzen können, sonst frißt diese Aufgabe Dich auf.

@Giwalato

Ok, aber ich hatte jetzt ehrlich gesagt nicht vor die Betreuung für meinen Bruder selber zu ´übernehmen. Ich hab viel mehr für meine Mutter nachgefragt, was sie da machen kann.

@FrankL84

Deine Mutter muß Grenzen setzen und ihre eigenen Bedürfnisse nicht vernachlässigen. Also Hilfe bei der Körperpflege Deines Bruders annehmen. Auch wenn das Geld kostet. Und sich gegen Deinen Vater durchsetzen,

Was meinst du mit ärztlicher Einrichtung? Ich kenne nichts was dazu passen würde. Sollte er mit Medikamenten eingestellt werden müssen, dann kann das stationär passieren. Das wäre dann eine Klinik. Je nach Problemlage entscheidet sich welche. Aber dann erhält die Familie weiterhin das Pflegegeld.

Ansonsten wäre es sicherlich angebracht darüber nachzudenken den Jungen in eine Wohneinrichtung abzugeben. Deine Eltern werden nicht ihr Leben lang für ihn sorgen können. Dazu müsst ihr euch erkundigen welche Einrichtungen es in eurer Nähe gibt.

Wenn das alles eine Frage des Geldes ist. Wenn man keine Zeit und Energie mehr dafür aufwenden muss einen kranken Familienangehörigen, dann hat man wieder ganz viel Zeit für sein Geld arbeiten zu gehen.

Ich weiß auch nicht genau wie sich diese Einrichtungen alle nennen. Auf jeden Fall kann es nicht einfach ein stinknormales Pflegeheim sein. Es darf nicht die Gefahr bestehen dass er Wegläuft oder andere Pflegebedürftigen durch seine Aggression in Gefahr bringt.

@FrankL84

Es gibt Behinderten Einrichtungen die das leisten können. Aber ihr müsst euch informieren.

@Sanja2

Das werden wir sicher tun, Danke.

Er kann in einem Behindertenheim untergebracht werden .Besprecht das mit eurem Arzt und lasst euch Anlaufstellen geben. Ihr könnt Heime besichtigen und auch Probewohnen lassen , zum Beispiel in eurer Urlaubszeit.

So ein Behindertenheim wurde schon mal versucht. Leider ist mein Bruder damals mal weggelaufen, und nachdem er wieder gefunden wurde, hat das Heim ihn einfach wieder zu uns nach Hause geschickt, und hat sich komplett vor der Verantwortung gedrückt, das die Pfleger dort einfach nicht entsprechend aufgepasst haben, wodurch mein Bruder ja überhaupt erst die Möglichkeit bekam wegzulaufen. Seitdem traut meine Mutter keinen Behindertenheim mehr.

Das ist bedauerlich, schade.

Ich würde vorschlagen, dein Vater hilft bei der Pflege und beschützt deine Mutter. So geht es ev. etwas länger. Ev. könnt ihr ihn auch erziehen/konditionieren. Lasst euch beraten.

Meine Mutter pflegt meinen Bruder schon jetzt 36 Jahre lang. Mein Vater hat das wenigste getan. Er fungierte bestenfalls als Fahrer und ab und zu als Aufpasser, aber um mein Bruder richtig alleine zu pflegen ist er viel zu unbeholfen, und das wird sich bei ihm auch garantiert nie ändern. Nach einer geeigneten Beratungsstelle bin ich bereits auf der Suche, aber ich bin noch nicht richtig fündig geworden. Die Suche geht aber natürlich noch weiter. Aufgegeben hab ich noch nicht.

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