Gegen den Entscheid einer Ethikkommission vorgehen?

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Diese Frage ist tatsächlich sehr viel schwerer zu beantworten, als man es sich denken könnte.

Tatsächlich ist es so, das im Gegensatz zu früher Ärzte nicht dazu verpflichtet sind, leben um jeden Preis zu erhalten. Heute zu Tage gilt, dass sie versuchen müssen, Leben lebenswert zu erhalten. Wenn es nicht möglich ist, ein Leben zu retten bzw in einer Art und Weise zu retten, wie sie für den Patienten noch lebenswert ist, wäre es tatsächlich eine Körperverletzung, den Patienten zu behandeln. In diesem Fall darf zwar Leiden gemindert werden, jedoch nicht versucht werden, eine Heilung zu erreichen. Das klingt vielleicht ein bisschen unglaubwürdig, ist aber so.

Wenn es bei deinem Verwandten nun also so aussieht, dass die Mediziner ihm keine Chance auf Überleben mehr geben, wäre es tatsächlich verboten, ihn noch mit Heilungsabsicht zu behandeln. Denn das wäre dann eine unnütze Therapie, die am Ausgang des ganzen ohnehin nichts ändern würde, und das wäre eine Körperverletzung. Sie dürfen sehr wohl dafür sorgen, dass er keine Leiden hat und seine letzten Tage in einem menschenwürdigen Zustand verbringen kann. Eine Heilung würden sie aber wie gesagt nicht mehr anstreben.

Manchmal sind diese Fälle etwas strittig und es ist nicht ganz klar, was denn nun sinnvoll und erlaubt ist. Dann wird die Ethikkommission einberufen, um zu entscheiden, was denn nun noch ethisch vertretbar wäre. Dieses Gremium hat allerdings keine Befehlsgewalt oder so etwas, es sind keine Vorgesetzten. Sie stecken lediglich gemeinsam mit den behandelnden Ärzten den Rahmen ab, der medizinisch und ethisch vertretbar ist bei der Behandlung. Insofern kann man gegen den Beschluss einer Ethikkommission tatsächlich keine Berufung einlegen, da ist kein Urteil oder sonst etwas ist. Ein Widerspruch an eben diese Kommission ist natürlich möglich, aber es gibt kein rechtliches Procedere. Man kann einen Brief schreiben und hoffen, dass sie ihre Meinung ändern...

Was allerdings die Verlegung eines Patienten in eine andere Klinik angeht, dieses Recht besteht in Deutschland. Hier hast du das Recht auf freie Arztwahl. Das Problem ist, das entweder der Patient selber oder sein Betreuer, sofern vorhanden, eine solche Verlegung in die Wege leiten muss. Sowas können nicht einfach irgendwelche Familienangehörigen oder Freunde machen. Wenn dein Angehöriger selbst nicht mehr in der Lage ist, für sich so etwas zu entscheiden (er müsste sich gegen ärztlichen Rat aus der aktuell behandelnden Klinik entlassen, um sich dann in eine neue Klinik selbst einzuweisen), müsste für ihn eine Betreuung eingerichtet werden, früher hieß das Vormund.

Dies geht innerhalb weniger Tage bei dem für ihn zuständigen Amtsgericht. Normalerweise sollten die Ärzte selbst bereits eine solche Betreuung eingerichtet haben, wenn ihr Patient nicht mehr in der Lage ist, für sich selbst zu entscheiden. Aber auch jedem anderen Menschen steht es frei, bei Zweifel an der Geschäftstüchtigkeit eines Menschen, eine Betreuung zu beantragen. Also wäre es auch euch als Familie möglich, beim Amtsgericht eine Verfügung für die Übernahme der Betreuung zu erwirken. Der Richter würde dann mit dem Patienten selbst sprechen, um zu sehen ob ihm dieses Recht ist oder ob er überhaupt eine Betreuung benötigt. Dann geht das alles ganz schnell. Und dann könnt ihr auch als Familie eine Verlegung veranlassen.

Ich arbeite zwar selbst in dem Bereich, kenne mich mit den rechtlichen Dingen aber nicht bis ins tiefste Detail aus. Hier ist sicherlich ein bisschen Beratungsbedarf seitens eines Profis notwendig, deswegen ich euch in jedem Fall Kontaktaufnahme zu einem Fachanwalt für Medizinrecht empfehle.

Ich wünsche euch alles Gute.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Ihr als Familie steht natürlich in so einer Situation unter enormen psychischen Streß. Dass Ihr natürlich für Eure Familie kämpft, spricht sehr für Euch. Ich weiß natürlich hier nicht, wie die Ethikkommission sich entscheiden wird, möglicherweise könnt Ihr Euch rechtlich gegen eine Entscheidung wehren. Bedenkt aber jetzt bitte, dass es Zeit brauchen wird, dagegen anzugehen im Zeichen der Coronakrise, in der Gerichte nur sehr eingeschränkt arbeiten.Als Außenstehender, als Laie, kann ich natürlich nicht beurteilen, ob eine neue Chemo ihm überhaupt helfen mag. Von meiner Frau weiß ich allerdings, dass diese körperlich sehr belastend ist. Die Frage scheint mir hier eher zu sein, ob es nicht besser ist, ihn in Ruhe gehen zu lassen oder ihn mit einer weiteren Therapie zu quälen, die von keinem Erfolg gekrönt sein mag. Auch in einem anderen Krankenhaus wird er wohl aufs neue untersucht werden, wahrscheinlich auch mit einem ähnlichen Ergebnis. Akzeptiert vielleicht eher, dass Ihr loslassen müßt und laßt ihn in Ruhe und Würde gehen. Alles Gute und möge Euch Gott die Kraft geben, dies selber durchzustehen..

Vielen Dank für deine Antwort.

Wir wissen, dass es schwer ist und seine Chancen sehr schlecht sind. Dennoch könnten wir ihn niemals damit leben, ohne alles versucht zu haben.

Selbst der Energetiker, der inzwischeb tagtäglich eine Behandlung macht, spürt eine extreme Energie, die von meinem Bruder ausgeht. Das sehen wir sogar selbst.

Wir halten die Hoffnung bis zu seinem letzten Atemzug.

Ich hoffe, deine Frau hat alles dennoch gut überstanden. Euch auch alles Gute!

@Luardya

Meine Frau hatte damals Darmtumor und hatte eine Stufe vor dem Endstadium und hat es gerade noch so eben geschafft.

Ich hoffe für Euch auch mit.

Ich habe die Einstellung, lieber vom Schlimmsten auszugehen, dann kann man sich umso mehr freuen, wenn es doch noch positiv werden sollte

@KlausHans352

Ja. Wir hoffen das Beste, sind aber auf das Schlimmste gefasst.

Freut mich zu hören, dass es deine Frau geschafft hat.

Seid ihr euch wirklich ganz sicher, dass er immer noch kämpfen will?

Woran wollt ihr das erkennen, wenn er sich gar nicht mehr mitteilen kann?

Eure Familie ist zur Zeit in einer absoluten Ausnahmesituation und das tut mir unendlich Leid für euch. Trotzdem müsst ihr wirklich ganz ehrlich zu euch selbst sein und herausfinden, ob es nicht vielleicht ganz allein euer Wille ist, dass ihr ihn einfach nicht nicht loslassen und gehen lassen wollt!

Wenn Ärzte einmal sagen, dass es keine Hoffnung mehr gibt, würde ich ihnen schon vertrauen, denn sie sehen ja sehr viele Krankengeschichten und können gut einschätzen, wann es sich noch lohnt, den Patienten weiter zu "quälen" und wann es einfach vernünftiger ist, eine Palliativversorgung zu beginnen und zu versuchen, dem Patienten einen halbwegs schmerzfreien Abschied zu ermöglichen.

Wie auch immer ihr FÜR euren Kranken entscheidet: Ich hoffe, ihr werdet es in seinem Sinne tun und wünsche euch sehr viel Kraft für die nächste Zeit!

Er kommuniziert mit seinen Augen mit uns. Wenn wir ihn fragen, ob er noch weiter kämpfen möchte, drückt er die Augen fest zusammen. Zudem weint und lacht er manchmal noch. Er sagte von Anfang an, er will nicht sterben.

Ich weiss, was wir tun, klingt sehr egoistisch. Aber selbst wenn ich ihn nie wieder sehen dürfte, würde ich das akzeptieren, wenn ich wüsste, er wird wieder gesund.

Danke dir!

Es tut mir sehr leid für euch!

Ich habe eine ähnliche Situation zweimal als Angehörige mitgemacht und muss leider sagen: Beide Male hatten die Ärzte recht, haben das aber nicht früh genug deutlich für uns kommuniziert.

Im ersten Fall fing es um eine Chemo eines geistig fitten Senioren. Der hatte ab einem bestimmten Zeitpunkt immer Angst, dass man die Chemo abbrechen könnte. Auf Nachfrage beim Hausarzt, wie man dann vorginge, hieß es, die Chemo sei aber auch sehr teuer!

Nur wenige Wochen später, nach der Weihnachtspause, unterbrach der Patient dann selbst sie Chemo und starb im Februar im Kreise der Familie zu Hause. Das war übrigens sein dringender Wunsch: nicht mehr ins Krankenhaus zu kommen. Die Chemo verurteilte er zu dem Zeitpunkt als schlimmer als die Krankheit.

Im zweiten Fall ging es um eine Beinamputation, die medizinisch unausweichlich war, ohne dass uns das sachlich weit genug imVorfeld kommuniziert wurde. Wir hätten ca. anderthalb bis zwei Monate Zeit gehabt, uns selbst und den Angehörigen positiv darauf vorzubereiten. Da aber nie deutliche Worte von den Ärzten kamen, Amputation nur zweimal kurz angesprochen und dann auf unseren Wunsch zurückgenommen wurde, waren wir alle am Ende unvorbereitet und es wurde zweimal zum letztmöglichen Zeitpunkt unter starken Schmerzen und hohem Risiko amputiert, einmal dabei gesagt, Amputation, oder Sie sterben.
Weit im Vorfeld hätte jemand auf uns zukommen sollen, die Situation klar erklären und uns entsprechende Stichworte zum Googeln geben sollen.

Beiden Situationen war der völlige Mangel an einfühlsamer Kommunikation des medizinischen Personals, besonders der Ärzte, gemeinsam.

Ich kenne eure genaue Situation nicht, möchte aber zu bedenken geben: Wenn euer Angehöriger während der nächsten Chemo unter Schmerzen (Nebenwirkungen) sterben sollte und ihr unvorbereitet seid, wird euch das lange belasten.

Ich würde den emotional distanziertesten Angehörigen zum Gespräch mit einem Arzt schicken und fragen: Wie bringt man die Entscheidung dem Patienten bei, der noch hofft? Ist eine Besserung komplett ausgeschlossen, auch im Ausnahmefall? Wie würde ER damit umgehen, wenn es sein Kind wäre und er noch Zeichen der Hoffnung sieht? Welche Gefahren wären bei einer Verlegung gegeben? Gibt es einen ständigen Ansprechpartner für euch, da ihr ja auch die Entscheidung dem Betroffenen vermitteln müsst?

Ich habe zweimal einen Sterbenden kurz begleitet, bei dem noch Hoffnung bestand. Bei einem ging es 12 Stunden vor dem Tod scheinbar deutlich bergauf; dies wurde später von einer Krankenpflegerin, die nicht dort arbeitete als typisch für diese Situation (klarer Moment vor dem Tod) bezeichnet. Beim zweiten haben wir alle Anzeichen mangels Wissen über Sterbeprozesse übersehen und uns wurde einen Tag vorher mitgeteilt, dass dies nun die Endphase sei. Danach haben wir dann Sterbephasen gegoogelt. Durch den Mangel an Wissen haben wir einiges falsch gedeutet und einiges hätte andernfalls besser laufen können. Wir haben uns z.B., so hart das klingt, niemals überlegt, was wir eigentlich in der letzten Sterbephase tun würden, was der Patient möchte (beten, Musik hören, noch mal das Schönste aus seinemLeben hören, gar nicht reden etc.).

Eine Möglichkeit wäre eventuell die Verlegung in ein Hospitz. Den Platz muss man beantragen und meist etwas (Tage, Wochen) warten. Erkundigt euch, ob man von dort auch wieder in Krankenhaus kommen kann, vermutlich geht das. Hospitz ist NICHT nur zum Sterben, sondern auch zum Erholen vom Krankenhaus unter medizinischer und psychologischer Betreuung. Dort hättet ihr Ansprechpartner und der Betroffene Ruhe und mehr Zuwendung als im Krankenhaus.

Alles Gute für euch!

Oh, sowas zu lesen, tut mir im Heruen weh. Ich kann es so gut nachvollziehen.

Was die Kommunikation betrifft, sind wir auch hier mehr als unzufrieden. Hauptsächlich deshalb, weil sich die Ärzte selbst immer wieder in Widersprüche verstricken.

Ein Hospitz wäre auf jeden Fall eine Lösung, wir waren auch in Kontakt mit der Krebshilfe. Aber das geht erst, wenn die Leukämie erneut behandelt wurde..

Dann wäre es sehr wichtig, wenn ihr von dem Kranken eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung hättet, wo ihr Einsicht in Krankenakten und Mitspracherecht was die Behandlungen betrifft, hättet.

Genau dafür sind solche Vollmachten bestimmt, damit einem nicht ein Pfleger vor die Nase gesetzt werden kann, sollte sich ein Kranker, Patient, nicht mehr selber äußern. Gerade, weil euer Familienmitglied bereits Volljährig ist.

Könnt ihr nicht euren Arzt fragen, an wen ihr euch in solchem Fall wenden könnt, oder bei der Krankenkasse anrufen und fragen?

Wenn ihr gar nichts in der Hand habt, dann könnt ihr auch nicht Einsicht in die Krankenakten nehmen.

Hoffe ihr bekommt das im Sinne eures Familienmitgliedes geregelt. Alles Gute für euch alle.

Als Laie kann man sich kein Urteil bilden,wie der Zustand des Kranken ist, normalerweise sind Ärzte dafür da, dass sie alles erdenklich in ihrer Macht stehende unternehmen, dass dem Patienten geholfen werden kann.

Ob sie deiner Meinung nach, ihn einfach sterben lassen wollen, das müsstest du anhand von Beweisen erst mal vorlegen können.

Da er leider erst 18 ist, hat er nie eine Patientenverfügung ausgefüllt. Wer denkt auch schon in diesem Alter daran :/

Wir haben die ganze Krankengeschichte von ihm. Als sein engster Famimienkreis haben wir alles erhalten, was auch seine Hausärztin erhalten hat. Sie hat es uns ohne wenn und aber weitergeleitet. Zudem durften wir bisher auch Dokumente für ihn unterzeichnen..

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