Gab es in der DDR eine Krankenkasse in der man einzahlen musste?

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Für die Kranken- und Rentenversicherung der Arbeiter und Angestellten war die Sozialversicherung (SV) ? der Gewerkschaft FDGB zuständig. Der Beitragssatz für Lohn-/Gehaltsempfängers zur Sozialversicherung war 20 % des Bruttoverdienstes, höchstens 120 Mark/Monat. Der Beitrag wurde je zur Hälfte vom Beschäftigten und dem "Arbeitgeber" getragen. Da die daraus berechnete Rentenhöhe maximal 600 Mark/Monat betragen konnte, wurde 1972 die Freiwillige Zusatzrente FZR in zwei Stufen eingeführt: bis 1400 Mark und bis zum gesamten Monatseinkommen versicherbar. Außerdem existierten weitere betriebliche und behördliche Zusatzrentenversicherungen sowie eine Intelligenz-Rente (für Hochschullehrer und Mediziner).

Stimmt nicht, der Beitrag betrug 10%, im Höchstfall 60.- Mark. Ich habe noch Lohnstreifen aus dieser Zeit und habe auch eine Zeitlang in einem Lohnbüro gearbeitet. Erst mit Einführung der Zusatzrente kam man, wenn man Mitglied war, auf höchstens 120.- Mark.

@Claud18

Habe hier einen alten Lohnstreifen gefunden aus dem Jahre 1981: Bruttolohn 651,01 Mark, 51,65 Mark Lohnsteuer, 60,00 Mark SV-Beitrag (in der FZR war ich damals nicht). Also eindeutig 10% SV-Beiträge. Man sollte nicht jeden Unsinn glauben, der auf Wikipedia verzapft wird.

Zur Ergänzung, Die Handwerker, PGH u. privat waren bei der Staatl. Versicherung versichert. Zu selben Bedingungen. Wo man auch Hausrat-,Lebens- u. Unfallversicherungen abschließen konnte.

Es gab damals die staatliche Sozialversicherung, in der alles, Kranken- und Rentenversicherung zusammengefasst wurden. Wenn man eine Arbeit aufnahm, wurde dieses Geld automatisch abgezogen, da es keine unterschiedlichen Krankenkassen gab. Die Löhne waren relativ niedrig - wer über 600.- Mark brutto verdiente, konnte sich in der Freiwilligen Zusatzrentenversicherung (FZR) versichern lassen. Es wurden 10% Pflichtbeiträge vom Bruttolohn abgezogen - bis höchstens 60.- Mark im Monat. Mit der FZR wurden auch vom Lohn, der 600.- Mark überstieg, 10% abgezogen, bis hin zu 120.- Mark. Aber 1200.- Mark waren in der DDR sowieso ein absolutes Spitzengehalt. Dann gab es noch die unterschiedlichen Betriebsrenten, Intelligenzrenten usw.

Wer über 600.- Mark brutto verdiente und in der FZR versichert war, hatte Vorteile beim Krankengeld (ab der 7. Woche Krankschreibung) und beim Babyjahr. Ohne FZR bekam man nämlich dann nur noch 300.- Mark im Monat. Und dann wurde natürlich ein höherer Betrag für die Rente angerechnet.

Übrigens: Wenn man arbeitsmäßig mal pausieren und seinen Versicherungsschutz nicht verlieren wollte, konnte man sich für 10.- Mark im Monat krankenversichern lassen. Nur für die Rente gab´s dann nichts.

Noch zur Ergänzung: Auch für den Lohn, der 1200.- Mark überstieg, konnte man sich später noch in der FZR versichern lassen, aber, soviel ich weiß, mit einem weiteren Vertrag. In meiner Lohnbuchhaltung gab es jedoch kaum jemanden, der so viel verdiente. Allerdings: Steuerfreie Zuschläge z. B. für Nachtarbeit waren auch versicherungsfrei.

@Claud18

Claud - DGH! Du kannst ja auch sachlich, ich bin sprachlos!

Nun meine Frage: wo sind die eingezahlten FZR-Beiträge hin? Bei meinen Rentenbescheiden spielen sie jedenfalls keine Rolle!

@BigTumbler

Dann würde ich noch einmal nachhaken. Sie wurden schließlich in den SV-Ausweis eingetragen. Mir wurde bei der Rentenklärung gesagt, die tatsächliche Verdiensthöhe würde nur berücksichtigt, wenn man in der FZR war. Ansonsten würden nur 600.- Mark berücksichtigt (entsprechend umgerechnet natürlich).

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