ein leben im rollstuhl

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Ich könnte dir darüber Literweise schreiben. Schick' mir einfach eine Anfrage, wenn du noch mehr wissen willst. Mal im Groben:

Das Leben im Rollstuhl ist heutzutage nicht ganz so schlimm wie man es sich vorstellt, Rollstuhlfahrer sind auch nicht so hilflos wie man glaubt. Heutzutage ist alles Barrierefreier und mit etwas Übung kann man mit dem Rollstuhl sogar Treppen (rauf und runter) überwinden, dauert eben nur etwas länger als beim Fußgänger. Man kann seinen Rollstuhl individuell sehr schön gestalten, einen Rucksack über die Griffe hängen, zwischen vielen Rahmenfarben wählen, sich ein passendes (durchgehendes) Fußbrett aussuchen. Automatisch faltend, wegschwenkbar, zum hochklappen, ... Seitenteile oder Armauflagen, welche Farbe für die Bespannung, welche Griffe, es gibt sogar LED-Vorderreifen, die je nach Geschwindigkeit sogar leuchten (sind allerdings etwas "hart" im Fahrcomfort).

Rollstuhlfahrer, die auf längere Zeit auf den Rollstuhl angewiesen sind bekommen normalerweise einen Aktivrollstuhl. Der sieht besser aus, ist leichter und einfacher zum fahren als einer dieser klapprigen Krankenhaus- oder Seniorenrollis...

Probleme:

Um Rollstuhlgerechte Eingänge (z.B. in der Stadt bei einem Laden) zu erreichen muss man oft einen Umweg machen. Es dauert manchmal bis man eine Behindertentoilette findet, nicht viele Klamottenläden haben eine Behindertenumkleide. Rollstuhlfahrerin wird außerdem "geholfen", auch wenn sie es nicht wollen, bzw. man ihnen gar nicht damit hilft, im Gegenteil. Deshalb empfehlen sich abklappbare Schiebegriffe, oder man dreht höhenverstellbare Griffe einfach nach innen ...

Freizeitaktivitäten und Basketball:

Man kann fast alles machen, was auch Andere machen. Basketball spielen, Tischtennis, schimmen (auch für Rollstuhlfahrer möglich), Handbike fahren, shoppen oder ins Kino gehen, einen Freizeitpark besuchen.

Übrigens: Der alte Mythos, alle Rollstuhlfahrer sind querschnittgelähmt und können gar nicht mehr laufen stimmt nicht. Es gibt durchaus Rollstuhlfahrer, die auch mal aus ihrem Rollstuhl aufstehen können (Restgehvermögen, Kurzstreckenläufer, z.B. bei MS, inkompletten Lähmunge, Perthes, ...)

Schick' mir einfach eine Anfrage, wenn du noch etwas wissen willst.

das kommt sehr auf die einschränkungen an, die der betreffende hat (z.b. bin ich halbseitig gelähmt, kann also auch nur EINEN arm und eine hand nutzen) ich bin durch den rolli weniger eingeschränkt, als durch meine finanziellen möglichkeiten: weite reisen kann ich einfach nicht bezahlen. bis auf die sehr seltenen rolli-geeigneten öffentlichen toiletten ist in deutschland für rollifahrer so ziemlich alles möglich, was auch gehende machen können. fahrten mit der bahn sind kein problem, sofern man nicht an einem bahnhof ohne ordentlichen bahnsteig ein-oder aussteigen muß. es gibt bahnsteige, die so tief liegen, dass selbst "normale" leute klimmzüge veranstalten müssen, um ein-oder aussteigen zu können. eine große einschränkung ist natürlich auch, was "kopfmäßig" möglich ist: eine meiner nachbarinnen hat seit monaten einen guten e-rolli vor der tür stehen, aber sie traut sich einfach nicht, mit dem ding draußen zu fahren. ich bin als alter berufskraftfahrer so drauf, dass ich erstmal losfahre und erst dann, wenn`s wirklich nicht mehr weitergeht, nach einer lösung suche- soviel zum kopf. eins der GANZ großen probleme sind türschwellen, die es zu vielen eingängen gibt, wo ich gern hinein wollte. obwohl ich nicht in einer kleinen stadt wohne, war es mir nicht möglich ein fotostudio zu finden, in dem ich behördengerechte paßfotos hätte machen lassen können. erst durch die aktivitäten der örtlichen behindertenbeauftragten kann man nun einmal im monat nach voranmeldung bei einer der firmen fotos für "kaputte" machen lassen. zur "freizeit":das engagement in einer politischen partei ist natürlich möglich, sofern man daran interesse hat und es einen passenden ortsverein gibt. bezüglich sportlicher aktivitäten ist man natürlich auf die flexibilität der vereine angewiesen. was IMMER möglich ist, ist natürlich das lesen, fernsehen, internet aktivitäten und die kommunikation mit freunden oder verwandten.

Probleme sind hauptsächlich, dass nicht jeder Ort barrierefrei ist (kein Aufzug, nur Treppen etc.) und man manchmal von der Gesellschaft nicht als Mensch anerkannt wird.

Freizeitaktivitäten: WCMX (=WheelChair Moto Cross; http://aaronfotheringham.com), Sledge-Eishockey, Rollstuhlbasketball, Sit-Ski, Tischtennis, Tennis, Wheelchair Racing, Motocross und ähnliche Sportarten, wo man sich auf ein mit einem Motor betriebenes Fahrzeug setzt und viele mehr (Google kann dir bestimmt noch weiterhelfen)

Also, ich muss dem zustimmen, dass es sehr vom Behinderungsgrad abhängt, inwieweit man am gesellschaftlichen Leben beteiligt bleibt. Ich zum Beispiel sitze nun seid eineinhalb Jahren im Rollstuhl und kann die Beine kaum noch bewegen, dafür aber beide Arme, weshalb die Fortbewegung für mich kein großes Problem darstellt. Allerdings fangen die Probleme für mich schon morgens an, denn ich muss ja erstmal irgendwie in den Rollstuhl rein kommen und dann mich waschen und so. Das dauert alles sehr viel länger als bei gesunden Menschen. Dann muss man das Alltagsleben irgendwie bewäligen; überall gibt es Hindernisse, beispielsweise fehlende Fahrstühle. Nicht zu vernachlässigen sind natürlich auch die psychischen Wunden, die jedenfalls bei mir infolge der Rollstuhlabhängigkeit vorhanden waren. Man kann halt nicht mehr sovieles machen und ist oft auf Hilfe angewiesen. Und manchmal hört man dann noch blöde Sprüche oder man wird angeglotzt. Da muss man erstmal lernen, drüberzustehen. Wenn man allerdings in einer größeren Stadt wohnt, gibt es wirklich zahlreiche Freizeitangebote, an denen auch Rollstuhlfahrer teilnehmen können.

Probleme:

  • Türen öffnen
  • fehlende Behinderteneingänge, Stufen
  • Aufzüge, die nur in den 1. Stock gehen, obwohl es 3 Stockwerke gibt
    • Leute, die einen anstarren oder nicht Inklusionsbereit sind.

Hobbys:

  • Sport: Basketball, Tischtennis, Rollstuhltanz(Gesellschaftstanz) -> Mit viel Ehrgeiz kann man auch bei den Paralympics (olympische Spiele für Behinderte) teilnehmen

  • Musik: Klavier, Geige, Saxophon, Gitarre und ähnliches (bis auf Cello und Schlagzeug), im Chor singen oder Musik hören.

  • Kreativ: Schreiben von Geschichten und Gedichten, Malen, Zeichnen, Basteln, Designen von Ketten oder ähnlichem, Kochen, Backen, Fotografieren und Bücher lesen. Natürlich kann man auch am PC hocken.

Natur, Wetter und Land:

  • Im Herbst ist der Gehweg oft feucht oder mit Laub belegt. Darüber muss man mit dem Rollstuhl fahren, man kann deswegen auch ins Schlingern geraten.

  • Regen: Ist lästig, Schlingern, Regencape oder Regenjacke tragen, Rollstuhl und Räder werden nass.

  • Winter: Es liegt Schnee, die geräumten Wege sind zu schmal für den Rollstuhl, anstregender sich über Schnee fortzubewegen. Grifffeste Handschuhe.

    • Weicher Boden, Trampelpfade, etc.. : Unebenheit, weich, schwer zum drehen/schieben, eventuell liegt irgendwo Tierkot rum.

Einkaufen gehen:

  • Regale zu hoch
  • Tresen beim Bäcker meist zu hoch
  • Friseur

Man sollte lernen, offen mit seiner Behinderung umzugehen und diese zu akzeptieren. Klar, anfangs ist es ein Schock, aber deswegen muss man sich nicht verstecken. Meld dich, falls es noch Fragen geben sollte, Lg Lia

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