Depression- wer hat Erfahrung(en) mit EKT (Elektrokrampftherapie)

2 Antworten

Die Aussagen von bienchen12 sind leider nicht ganz zutreffend. 1. sind "drei Monate" nicht "gar nichts". Jeder Tag mit Depressionen ist ein Tag zuviel und jeder Tag vergrößert die Wahrscheinlichkeit, dass die Depression chronisch wird. Und 2. Die EKT wird auch nicht mehr nur bei ganz schweren Fällen angewandt. Ich empfehle hierzu einfach mal die Lektüre der medizinischen Leitlinien, die den Standard bzw. aktuellen Stand der medizinischen Forschung wiederspiegeln.

Liebe/r Fragensteller/in,

die EKT ist ein anerkanntes Therapieverfahren, dass sich schon oft bewährt hat. Angewandt wird sie bei Depressionen, aber auch bei manchen Formen der Schizophrenie. Das Wirkprinzip der EKT ist das folgende: Es ist früher aufgefallen, dass Patienten, nachdem sie einen epileptischen Krampfanfall hatten danach berichteten, dass ihre depressive Symptomatik sich gebessert hätte. Warum epileptische Entladungen die depressive Symptomatik verbessern, weiss man bis heute nicht - aber dass sie es tut ist klar.

Bei der heutigen EKT induziert ein Anästhesist eine Kurznarkose (um Schmerz oder unangenehme Wahrnehmungen auszuschalten) und gibt ein Muskelrelaxans (dass der Krampfanfall sich nur im Gehirn abspielt und nicht auf den Körper übergeht -> keine Verletzungsgefahr). Dann werden Elektroden angelegt und für wenige Sekunden eine Spannung angelegt, die dann einen Krampfanfall auslöst. Nach abklingen des Krampfanfalls wacht der Patient wieder aus der Kurznarkose auf und fühlt sich meistens unmittelbar besser.

Die möglichen Nebenwirkungen sind vorübergehende Verwirrtheitszustände und Gedächtnisstörungen, die ebenfalls nur temporär sind und nach wenigen Stunden bis Tagen vergehen.

Leider ist die Wirkung einer EKT meistens nicht von Dauer, so dass mehrere Anwendungen hintereinander (meistens sechs bis zwölf über zwei bis vier Wochen verteilt) notwendig sind.

Allerdings denke ich auch, dass es nach "nur" drei Monaten der Behandlung vielleicht verfrüht ist, über EKT nachzudenken. Du solltest dieses Thema am besten mit deinem Psychiater eingehend besprechen. Oft lässt sich auch schon durch den Wechsel der Medikamente plötzlich ein gutes Ergebnis erzielen, nicht alle Medikamente wirken bei jedem.

Du solltest dich auch fragen, warum du dich ausgerechnet für die EKT interessierst. Ich will dir nicht zu nahe treten, aber vielleicht gehst du ja davon aus, dass bei der EKT deine Probleme für dich "von außen" ohne dein Zutun und irgendwelcher Änderungen deinerseits behoben werden. Das kann und wird leider nie der Fall sein. Auch die EKT befreit dich nicht von der Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie und vor allem einer guten Psychotherapie.

Sollten noch Fragen offen sein, stehe ich gerne Rede und Antwort ;)

LG und gute Besserung,

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